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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
„Ich kann nicht mehr beten“, schreibt mir ein Freund. „Besonders das Vaterunser fällt mir schwer. Unser Vater im Himmel – was ist das für ein Himmel, aus dem täglich Bomben und Drohnen auf Unschuldige herabschießen? Wenn ich mir die militärischen und politischen Ereignisse ansehe, wie soll ich da beten ‚Dein Reich komme, Dein Wille geschehe‘ – das passt nicht mehr zur Realität. Und alles in allem: Beten ändert auch nichts.“
Ich kann die Erfahrungen meines Freundes nicht relativieren oder weginterpretieren. Zugleich empfinde ich es anders. Für mich ist zum Beispiel fast selbstverständlich, dass mein Beten der Wirklichkeit widerspricht. Wenn ich im Gebet bitte oder klage oder Gott um Hilfe anrufe, dann strebe ich ja gerade eine Veränderung der Lage an. Das Schwere, das ich erfahre, ist weniger ein Widerspruch zu meinem Gebet als vielmehr oft der Grund für mein Beten. Vielleicht ist es für Menschen, die beten, geradezu typisch, dass sie sich nicht mit dem abfinden, was sie vorfinden – sondern dagegen anbeten.
Und ändert sich wirklich nichts? Sicher, der Krieg hört nicht morgen auf, wenn ich heute bete. Gott ist kein Automatismus, in den ich oben ein Gebet einwerfe und unten kommt die Erfüllung heraus. In manchen Fällen ist das vielleicht gut so. Der heilige Thomas von Aquin sagt einmal: Gott gibt uns, worum wir ihn bitten – oder etwas Besseres. Das ist für mich ein Hinweis, dass Gott in jedem Fall das Gute für den Beter will, selbst wenn ein schräger Gebetswunsch in die Irre führt.
Und vielleicht hat sich längst etwas geändert durch das Beten. Ich frage mich, wie unsere Welt aussähe ohne die Millionen Beterinnen und Beter. Ich glaube nicht, dass sie dann eine bessere, heilere Welt wäre. Ich fürchte vielmehr, sie wäre um viele Hoffnungen und gute Taten ärmer. Denn oft ist das Gebet ein erster Schritt etwas zu verändern.
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Mein Smartphone kann alles: Bankgeschäfte erledigen, einkaufen, jede Frage beantworten, Musik und Filme liefern, Kontakte pflegen und natürlich auch telefonieren. Vor wenigen Jahrzehnten war das noch anders. Wo heute das Smartphone einspringt, gab es früher Menschen. Verkäufer im Geschäft berieten mich, die Bankangestellte erklärte mir meinen Kontostand, Freundschaften und Kontakte waren meist dreidimensional, direkt und konkret.
Diese Erinnerung ist nicht bloß technikfeindlich oder nostalgisch. Eine neuere Untersuchung macht das deutlich: das Smartphone ist nicht alleine, aber mit dafür verantwortlich, dass weniger Kinder geboren werden. Während die Menschen früher persönliche Kontakte unterhielten, beschränken sich viele Begegnungen inzwischen auf Online-Bekanntschaften. Auch Pornographie ist leicht abrufbar. Wenn dann junge Menschen noch sagen „Die künstliche Intelligenz versteht mich besser als meine Freunde“ und lieber mit einer Maschine sprechen als mit einem echten Menschen, dann ist vorstellbar, dass das Einfluss hat auf’s Lieben und geliebt Werden und schließlich auch auf’s Kinderkriegen. Smartphones kriegen keine Kinder.
Ich will das nicht dramatisieren, aber es ist ein echtes Problem. Will ich mich dem Smartphone entziehen, bin ich doppelt herausgefordert: Ich muss die scheinbar lebenswichtigen Kontakte auf dem Handy einschränken, ohne dass gleich konkrete Menschen und Freunde vor mir stehen. Und ich muss mich dem falschen und süchtig machenden Versprechen der Konzerne entziehen, die ein aufregendes Leben aus dem Internet versprechen, wenn ich nur immer weiterklicke. Das ist aber eine Lüge und macht Menschen sogar abhängig. Wer sich davon befreien will, muss selbst dagegen ankämpfen. Zugleich können wir aufeinander zugehen, uns als Kontakt anbieten. Schon die Frage: „Ist das die Straßenbahn nach Gonsenheim?“ kann der Handy-Blase einen ersten Stich versetzen.
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„Ich kann nicht mehr beten“, schreibt mir ein Freund. „Besonders das Vaterunser fällt mir schwer. Unser Vater im Himmel – was ist das für ein Himmel, aus dem täglich Bomben und Drohnen auf Unschuldige herabschießen? Wenn ich mir die militärischen und politischen Ereignisse ansehe, wie soll ich da beten ‚Dein Reich komme, Dein Wille geschehe‘ – das passt nicht mehr zur Realität. Und alles in allem: Beten ändert auch nichts.“
Ich kann die Erfahrungen meines Freundes nicht relativieren oder weginterpretieren. Zugleich empfinde ich es anders. Für mich ist zum Beispiel fast selbstverständlich, dass mein Beten der Wirklichkeit widerspricht. Wenn ich im Gebet bitte oder klage oder Gott um Hilfe anrufe, dann strebe ich ja gerade eine Veränderung der Lage an. Das Schwere, das ich erfahre, ist weniger ein Widerspruch zu meinem Gebet als vielmehr oft der Grund für mein Beten. Vielleicht ist es für Menschen, die beten, geradezu typisch, dass sie sich nicht mit dem abfinden, was sie vorfinden – sondern dagegen anbeten.
Und ändert sich wirklich nichts? Sicher, der Krieg hört nicht morgen auf, wenn ich heute bete. Gott ist kein Automatismus, in den ich oben ein Gebet einwerfe und unten kommt die Erfüllung heraus. In manchen Fällen ist das vielleicht gut so. Der heilige Thomas von Aquin sagt einmal: Gott gibt uns, worum wir ihn bitten – oder etwas Besseres. Das ist für mich ein Hinweis, dass Gott in jedem Fall das Gute für den Beter will, selbst wenn ein schräger Gebetswunsch in die Irre führt.
Und vielleicht hat sich längst etwas geändert durch das Beten. Ich frage mich, wie unsere Welt aussähe ohne die Millionen Beterinnen und Beter. Ich glaube nicht, dass sie dann eine bessere, heilere Welt wäre. Ich fürchte vielmehr, sie wäre um viele Hoffnungen und gute Taten ärmer. Denn oft ist das Gebet ein erster Schritt etwas zu verändern.
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Rentenreform, Reform der Krankenkassen und der sozialen Sicherung – es ist etwas los in der Sozialpolitik. Und irgendwie sieht alles nach Kürzungen und Einschränkungen aus. Vielleicht haben wir ja wirklich über unsere Verhältnisse gelebt und müssen jetzt einen Gang zurückschalten. Ich hoffe nur, dass die Lasten am Ende gerecht verteilt werden. Dass nicht die am meisten draufzahlen, die am stärksten auf die soziale Sicherung angewiesen sind. Und zugleich habe ich den Eindruck, dass es um mehr geht als Geld und Beiträge. Vielleicht ist der Ärger auch deshalb so groß, weil wir von den sozialen Sicherungsstrukturen mehr erwarten, als sie leisten können. Sollte die Pflegeversicherung nicht das Problem Pflege einfach aus der Welt schaffen? Sollte die Krankenversicherung nicht eine Rundumversorgung sicherstellen?
Der große Inder Mahatma Ghandi hat einmal gesagt: „Ihr wollt Strukturen schaffen, die es überflüssig machen, gut zu sein. Das wird euch nicht gelingen“.
Ich glaube, er hat recht. Dass Menschen satt werden und es sauber, trocken und warm haben, das wird unser reiches Land immer gewährleisten können. Aber zu einem gelingenden Leben – auch in Not oder Krankheit – gehört mehr. Nicht nur Versorgung, sondern Zuwendung und Nähe. Und die ist unbezahlbar und nicht käuflich. Wir können sie auch den Pflegenden nicht alleine aufbürden.
Jesus hat einmal deutlich gemacht, worauf es ankommt: Die Kranken und Gefangenen besuchen, die Fremden aufnehmen oder sie zumindest nicht alleine lassen. Hungrigen und Durstigen zu essen und zu trinken geben. Auch denen, die nach Zuneigung und Nähe hungern oder dürsten nach einem Gespräch und gemeinsamer Zeit. Das kann auch die beste Struktur nicht leisten und keine Versicherung garantieren. Das müssen wir schon selbst einbringen und als Kultur pflegen. Weil es wichtiger ist als ein halber Beitragspunkt mehr oder weniger. Denn keine Strukturreform wird überflüssig machen, dass wir gut zueinander sind.
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Unser neunjähriger Enkel geht dieses Jahr zur ersten heiligen Kommunion. „Und, was macht ihr so in der Kommunionvorbereitung?“, frage ich ihn. Er antwortet: „Nur unnützes Zeug. Wir taufen Kuscheltiere.“ In einer Kommunionstunde brachten alle Kinder ihre Lieblingskuscheltiere mit und tauften sie. Ich vermute, die Katechetin wollte den Kindern so das Thema „Taufe“ handgreiflich nahebringen. Denn die Zahl der Taufen ist in Deutschland deutlich zurückgegangen, immer weniger Kinder können anschaulich erfahren, was bei einer Taufe geschieht. Einige in der Gruppe sind selbst noch nicht getauft oder haben noch keine Taufe miterlebt. Da ist es vielleicht doch nicht unnütz, wenn sie an ihrem geliebten Kuscheltier sehen, wie Taufe geht.
Zugleich erlebe ich im Freundes- und Bekanntenkreis, auch in der eigenen Familie eine zarte andere Bewegung: Vermehrt erzählen mir Eltern ungetaufter Kinder, dass ihre Kinder im Schulalter eines Tages zu ihnen kommen und sagen: „Ich will getauft werden.“ Der Anstoß kommt aus dem Religionsunterricht oder aus dem Freundeskreis, wo ein anderes Kind zur Kommunion geht oder wo in einer befreundeten Familie erfahren wird, was das heißt: Christlich leben. Auch Großeltern stoßen bisweilen die Taufe ihrer Enkelkinder an.
Das ist keine Massenbewegung, für mich aber ein Hoffnungszeichen. Vielleicht bahnt sich da ein Wandel an: Die Kleinkindtaufen nehmen ab, die Taufen von Schulkindern und Erwachsenen nehmen ganz langsam, aber stetig zu. Und das passt in unsere Zeit. Wir wollen ja, dass Menschen existentielle Entscheidungen bewusst und informiert treffen. Und vielleicht ist es auch für Kirchen und Gemeinden ein Ansporn, wenn sie die Menschen nicht schon als Kleinkinder in der Tasche haben, sondern sich werbend und gewinnend um sie bemühen müssen. Und wenn die Kinder durch das Taufen von Kuscheltieren auf den Geschmack kommen, ist das vielleicht auch nicht falsch.
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Wie üblich will ich in der fremden Kirche eine Kerze aufstellen und kurz beten. Bei dem Preisschild für die Kerze stoße ich auf folgende Notiz: Wer Geld hat, zahlt bitte pro Kerze 50 Cent. Wer kein Geld hat, kann auch eine Kerze aufstellen ohne zu bezahlen.
Diese Worte freuen mich. So stelle ich mir Kirche vor: Nicht aus allem Geld machen, nicht jedem Cent hinterherlaufen. Auch nicht alles kontrollieren, sondern darauf vertrauen, dass die Menschen schon richtig mit dem Angebot umgehen und es nicht missbrauchen.
Und das gilt nicht nur für eine kleine Kerze. Suppenküchen für Obdachlose, Beratung für überschuldete Menschen und vieles mehr gibt es bei den Kirchen kostenlos. Und nicht zu vergessen: Unermüdlich bieten die Kirchen Gottesdienste an. Dort können Menschen danken und bitten, auch klagen. Sie können Gott begegnen und sich geistlich erholen. Und immer kostenlos, nicht nur für Kirchensteuerzahler.
Wegen der durchaus berechtigten Vorwürfe gegen die Kirchen wird oft vergessen, dass sie gerade in unserer durchkommerzialisierten Welt eine ganz wichtige Funktion erfüllen: Sie zeigen, dass Existentielles nicht käuflich sind – aber auch nicht gekauft werden muss. Versöhnung und Vergebung, Dank und Bitte, Lobpreis und geistliche Begegnung haben eben keinen Preis, sondern stehen für alle offen. Natürlich muss das alles auch irgendwie bezahlt werden. Aber ein Soziologe hat es mal auf den Punkt gebracht: Die Kirche ist die einzige Organisation, die zum Vorteil derer existieren soll, die nicht ihre Mitglieder sind. Kirchensteuerzahlerinnen und -zahler halten für alle einen Raum offen, in dem nicht zählt, was man zahlt. Das gelingt den Kirchen nicht immer. Aber wo es ihnen gelingt, kommen sie ihrer eigentlichen Berufung nach. Und sei es nur mit einer kleinen Kerze.
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„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Dieser Satz des ehemaligen Staatspräsidenten Gorbatschow ist zum geflügelten Wort geworden. Einfach weil es in vielen Fällen stimmt. Wer im Theater, beim Bus oder Flugzeug zu spät kommt, den bestraft das Leben sofort: Er geht leer aus, kommt nicht rein und kommt nicht mit. Das gilt auch für die Politik oder existentielle Dinge: Angeblich begegnen wir in unserem Leben durchschnittlich nur drei Personen, die als langfristige Partnerin oder Partner in Betracht kommen. Wer zu lange wartet, die Gelegenheiten verpasst, für den ist es vielleicht irgendwann zu spät. Also wollen wir uns sputen und allzeit wachsam sein, auch wenn es anstrengend ist.
Die Bibel erzählt die Geschichte von Thomas, der auch zu spät kommt: Jesus ist auferstanden und erscheint seinen Jüngern. Die sind begeistert, dass ihr Herr lebt, und sie können wieder an ihn glauben. Nur einer fehlt: Thomas. Er war zu spät, kam erst dazu, als alles rum war. Die anderen Jünger erzählen ihm freudig von ihrer Begegnung mit Christus. Aber Thomas glaubt ihnen nicht. Er will nur seinen eigenen Augen, seiner eigenen Erfahrung vertrauen. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Die einen haben den lebendigen Christus gesehen und glauben an ihn, der andere hatte Pech, war zu spät und ist raus. Doch die biblische Geschichte geht weiter: Jesus erscheint noch einmal und wendet sich eigens dem Thomas zu. Der ist beeindruckt, ja überwältigt von der Begegnung mit dem Auferstandenen und findet wie die anderen zum Glauben.
Diese Geschichte handelt von Thomas, noch mehr aber von Gott. Gott hält sich nicht an den Satz von Gorbatschow, er bestraft nicht die, die zu spät kommen. Er lässt sie nicht hängen, unternimmt einen zweiten Versuch und wahrscheinlich auch noch weitere. Niemand muss zu sich sagen: Ich habe die Gelegenheit verpasst, mit Gott ins Reine zu kommen oder eine Beziehung zu ihm zu suchen. Denn um Gott zu begegnen ist es im Leben nie zu spät.
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Es droht eine gewaltige Flut, eine alles vernichtende Überschwemmung – so erzählt schon die Bibel. Damit nicht auch der rechtschaffene und gläubige Noah in dieser Katastrophe untergeht, warnt ihn Gott vor der Flut. Er trägt ihm auf, eine Arche zu bauen, ein riesiges Schiff, in dem er, seine Großfamilie und die Vertreter aller Tierarten Platz finden sollen. Im Vertrauen auf Gott baut Noah diese Arche. Er handelt anscheinend völlig irrational, baut das Schiff mitten auf trockenem Land. Noah macht sich so zum Gespött der Leute. Doch der Spott hört auf, als der große Regen einsetzt. Alles Land verschwindet unter den Fluten, nur Noah und alle in der Arche schwimmen oben auf und werden gerettet.
Diese Geschichte hat einige Parallelen zu unserer Zeit. Auch wir haben mit zunehmenden Fluten und Überschwemmungen zu kämpfen. Die setzen zwar nicht gleich die ganze Erde unter Wasser. Aber sie bedrohen schon jetzt Inselstaaten und Küstenländer, denen bis zum Ende des Jahrhunderts der geographische Untergang droht. Und auch heute werden viele Kritiker und Warner lächerlich gemacht und so behandelt, als wenn sie mitten auf dem trockenen Land eine Arche bauen wollten – für eine Flut, die ja doch nicht kommt.
Doch bisher sind alle negativen Veränderungen eingetroffen, die die Klimaforscher vorausgesagt haben. Die Kombination aus Raubbau an der Umwelt, übermäßiger CO2-Produktion und rücksichtslosem Konsum gefährdet die Lebensgrundlagen anscheinend schneller als erwartet. Vielleicht brauchen wir doch wieder eine Arche, um der hausgemachten Klimakatastrophe zu entkommen. Fragt sich nur, wer dann in die Arche reindarf. Und wo die Arche überhaupt hinsoll.
In Wirklichkeit ist das keine Lösung. Wir können nicht Archen für die ganze Menschheit bauen. Müssen wir allerdings auch nicht. Denn wir haben eine Arche für alle. Unsere Arche heißt Erde. Und die darf nicht untergehen.
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Heute feiern Christinnen und Christen das Fest der „Heiligen drei Könige“. Das Matthäusevangelium erzählt, schon bald nach der Geburt Jesu seien Sterndeuter, wohl aus Persien, zur Heiligen Familie nach Bethlehem gekommen. Die Tradition machte daraus die heiligen drei Könige. In der Bibel aber handelt es sich um Gelehrte, Weise, erfahrene Männer, die sich auch in Astronomie und Astrologie auskannten. Solche Wissenschaftler waren damals geachtete Berater an Königs- und Fürstenhöfen.
Und jetzt sind sie bei der Familie Jesu aufgeschlagen. Sie sagen, sie seien einem Stern gefolgt, der sie nach Bethlehem geführt habe. Und sie wollen den neugeborenen König der Juden sehen, Jesus.
Die Geschichte ist voller Rätsel. Warum sollten sich angesehene Wissenschaftler in das Kaff Bethlehem aufmachen, um ein Baby zu suchen? Und was hat es mit dem Stern auf sich?
Wir wissen nicht genau, was die weisen Männer in den Sternen gelesen haben. Aber offenbar war es Grund genug, sich auf die lange Reise zu machen. Und sie haben eine Vorstellung, wer dieses Jesus-Baby ist: Der König der Juden. Deshalb bringen sie auch königliche Geschenke mit. Und als sie Jesus finden, verehren sie ihn, als König, ja sogar als Gott.
Viele halten diese Geschichte für eine Legende, andere Bibelwissenschaftler sind vorsichtiger und sehen einen historischen Kern. Mich fasziniert an dieser Geschichte, dass da eine Gruppe gebildeter, angesehener Männer Jesus aufsucht. Nüchterne Wissenschaftler, die einen Ruf zu verlieren haben und deshalb wahrscheinlich eher zur Vorsicht neigen, wenn es um fantastische Nachrichten geht.
Auch heute bekennen sich viele Frauen und Männer aus der Wissenschaft zu Jesus Christus. Physikerinnen und Astronomen, Medizinerinnen und Chemiker – die Liste ist lang. Sie sind für mich ein Argument gegen den gern beschworenen Gegensatz von Vernunft und Glaube, von Wissenschaft und Religion. Und sie haben ein allererstes Vorbild in den klugen Männern aus Persien, die ihre Wissenschaft zu Jesus führte.
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„Das Fest der Faulenzer ist vorbei!“ Mit dieser Ansage wendet sich der Prophet Amos im Alten Testament gegen seine reichen Mitbürger. Er wirft ihnen vor, dass sie die Armen ausbeuten und auf deren Kosten ein Luxusleben führen. Statt selbst zu arbeiten, bürden sie alle Mühen ihren Sklaven auf, liegen auf Betten aus Elfenbein und räkeln sich auf ihren Polstern. Und das Schicksal der einfachen Menschen und Armen interessiert sie nicht. Diesen Menschen sagt Amos: Das Fest von euch Faulenzern ist vorbei. Weil Gott sich – wieder einmal – auf die Seite der Armen stellt und für sie Recht und Gerechtigkeit fordert.
Ich finde die Kritik des Propheten Amos auch heute bedenkenswert. Die Diskussion in unserem Land bewegt sich ja häufig in eine andere Richtung. Da sollen Menschen, die von Bürgergeld oder Grundsicherung leben, stärker zur Arbeit angehalten werden. Die Zeit, sich im Sozialsystem auszuruhen, sei für sie vorbei. Denn die Zeiten seien härter geworden und das Sozialsystem werde überfordert. Da mag im Einzelfall was dran sein. Und es dient ja auch der Menschenwürde und Freiheit, wenn jemand auf eigenen Füßen stehen und von seinem Arbeitseinkommen leben kann.
Aber wenn Amos die Reichen seines Landes überspitzt als „Faulenzer“ bezeichnet, dann weist er auf eine wichtige Tatsache hin: Faulheit, Bequemlichkeit und fehlendes Verantwortungsbewusstsein – das findet man nicht nur unter einfachen und armen Menschen. Das findet man auch unter denen, die ohne Arbeit ein Leben im Luxus führen können, weil ihr – vielleicht geerbtes - Vermögen es ihnen erlaubt. Oder jene, die ihr Besitz blind gemacht hat für die Not der Mitmenschen. Und das muss heute wie damals ein Ende haben. Gerade wenn die Zeiten härter geworden sind. Auch Wohlhabende tragen Verantwortung – nicht nur für ihr Vermögen, sondern mit ihrem Vermögen. Und sie müssen sich einsetzen für ihre Mitmenschen. Denn in Zeiten wie den unseren ist das „Fest der Faulenzer“ für alle vorbei.
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