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SWR4 Abendgedanken
Ich bin Manuela Pfann und nehme Sie heute Abend mit auf eine kleine gedankliche Reise. Ich habe in diesem Sommer einen Abend erlebt, der sich tief in mir eingeprägt hat. Der mir sehr gutgetan hat. Und ich hoffe, es tut auch Ihnen gut, wenn ich davon erzähle.
Denn, Nächte sind ja nicht immer gut und mir fällt es oft schwer einzuschlafen. Umso schöner ist der Beginn dieser Nacht gewesen:
Meine Freundin und ich sitzen draußen, vor dem Campingbus, hinter uns der Wald, vor uns die Weinberge. Unter uns liegt in der Abenddämmerung das Taubertal, ganz im Norden von Baden-Württemberg. Wir trinken ein Gläschen Wein und quatschen miteinander, der Himmel färbt sich nach und nach orange, das Licht wird weniger. Die Konturen der Felder und Bäume verlieren ihre Schärfe, alles verschwimmt und verschwindet allmählich. Zumindest für unsere Augen. Auf einmal merken wir: ohne nachzudenken fangen wir an zu flüstern. Weil der Tag sich verabschiedet und wir ganz leise mit ihm. Wir bleiben sitzen und schweigen – als hätten wir verstanden, dass wir jetzt nur noch Gäste sind in einer Welt, die uns sonst verborgen bleibt. Denn es dauert nicht lange, da schwirren Fledermäuse direkt über unseren Köpfen. Und plötzlich raschelt es im Wald hinter uns: Keine zwanzig Meter vom Bus entfernt steht ein junges Reh auf dem Feldweg. Und dann kommt noch eins und noch eins. Wir halten den Atem an, damit wir sie ja nicht erschrecken. Dann verschwinden sie fast lautlos in den Weinbergen.
Wir trinken aus und versuchen so leise wie möglich in unserem Camper zu verschwinden. Es ist tiefe Nacht, als ich nochmals aufwache, weil irgendwer auf unserem Dach unterwegs ist. Ein Vogel oder ein Eichhörnchen? Ich bin neugierig und will nachschauen. Aber ich bin natürlich viel zu laut. Als ich die Tür aufmache, sind alle weg, es ist wieder still. Und dann stoße ich ein lautes „Wow“ aus. „Guck Dir mal den Himmel an!!“ Meine Freundin kommt raus und da sind so viele Sterne, wie ich noch nie gesehen habe. Die Nacht ist klar, keine Wolke. Und: kein künstliches Licht, das stört.
Ich gehe zurück in den Bus und spüre eine tiefe Ruhe in mir, vielleicht so etwas wie Frieden. Ich überlasse die Nacht jetzt ganz der Schöpfung da draußen. Und fühle mich trotzdem als ein kleiner Teil von ihr. Unsere Welt ist großartig, wenn sie uns erreicht.
Ich wünsche Ihnen einen guten Übergang in die kommende Nacht und dann ein schönes Wochenende.
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Es gibt Themen, die nehmen viel Platz in meinem Leben ein. Eines davon ist das Thema „Wohnen“. Ich bin schon zwölf mal umgezogen, aus unterschiedlichen Gründen. Mal Wohnung, mal Einfamilienhaus, mal Neubau, mal Altbau, mal gemietet, mal gekauft. Mit der Frage „Wie will ich denn nun wirklich wohnen?“ habe ich mich in den letzten Jahren intensiv beschäftigt. Denn ich will eigentlich nur noch einmal umziehen. Und dann anders leben als bisher. Wie das aussehen soll, das weiß ich schon ziemlich genau:
Das Wichtigste: Ich will in irgendeiner Form gemeinschaftlich leben. So, dass eine Begegnung mit anderen von Anfang an miteingeplant ist. Zum Beispiel in einem Quartier mit einem schönen, grünen Platz in der Mitte. Wo man gemeinsam gärtnern kann oder Boule-Spielen. Und am besten ist da ein Café direkt um die Ecke. Ich möchte zwar in einer eigenen Wohnung leben, aber im Haus oder Viertel, gibt es auch Gemeinschaftsräume: zum Feiern, zum Sport machen, ne Werkstatt, vielleicht sogar einen kleinen Büroraum.
Es gibt bereits Quartiere und Mehrgenerationenhäuser, die so funktionieren. Aber leider noch sehr wenige. Und: wer hier mitgestalten möchte, braucht viel Zeit und Geduld. Weil die Initiative meist von Privatleuten ausgeht. Ich habe mich vor kurzem einer Gruppe angeschlossen, die gerne genossenschaftlich bauen möchte – und die sucht seit fast fünf Jahren ein passendes Grundstück in der Stadt.
Investoren oder große Bauträger haben in der Regel wenig Interesse an dieser Wohnform. Der Grund ist einfach: Gemeinschaftsräume oder Hobby-Werkstätten können nicht wie eine Wohnung verkauft werden. Da geht Gewinn vor Gemeinschaft.
Und das ist nicht gut. Denn wir leben in eine Zeit, in der Kontakte und Begegnung so wichtig sind, wie schon lange nicht mehr. Ich möchte wissen, was in dem vorgeht, dessen Nachbarin ich bin. Und gut wäre doch, wenn keiner ohne Hilfe bleibt, der etwas braucht. Die Hemmschwelle miteinander zu reden ist beim Feierabendbier in der Werkstatt oder beim Spielen im Innenhof nicht allzu groß. So zu leben, ist nicht nur ein Weg raus aus der Einsamkeit. Das tut auch unserer ganzen Gesellschaft gut. Demokratie lebt von Begegnung und Austausch.
Das alles muss aber schon beim Bauen mitgedacht und geplant werden; damit es ganz einfach ist, einander über den Weg zu laufen. So gemeinschaftlich zu wohnen ist nicht nur meine schöne Vision, sondern eine dringende Aufgabe. Für Städte, Gemeinden, Kirchen – auch von Investoren würde ich mir das wünschen. Denn am Ende geht es um einen Gewinn für alle.
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Es gibt Situationen im Leben, da frag ich mich: Bin ich noch auf der richtigen Spur? Stimmt die Richtung? Oder stehe ich gerade in einer Sackgasse? So ging es mir diesen Sommer. Da hatten sich eine ganze Menge Fragen im Laufe des Jahres angesammelt.
Nein, ich habe nicht auf alle eine Antwort gefunden. Aber ich habe eine wertvolle Erfahrung gemacht: Einfach weitergehen ist fürs Erste ein guter Rat. Der Weg durch ein Labyrinth hat mich darin bestärkt. Ich habe eines im Garten des Klosters Arenberg entdeckt, in der Nähe von Koblenz. Ein ziemlich großes. Wenn man langsam läuft, braucht man bestimmt sieben, acht Minuten vom Anfang bis in die Mitte.
Labyrinthe gibt es seit der Antike, in vielen Kulturen und Religionen. Auch im Christentum spielen sie eine wichtige Rolle: Wer durch ein Labyrinth geht, macht eine Art Pilgerreise. Immer wieder abbiegen zu müssen, oft nicht zu erkennen, wie der Weg verläuft - das steht für die Herausforderungen und Schwierigkeiten im Leben. Labyrinthe sind aber so angelegt, dass der verschlungene Pfad irgendwann zum Zentrum führt. Und genau das ist der Unterschied zu einem Irrgarten. Im Labyrinth kann ich mich nicht verirren. Es gibt ein Ziel, ich komme schon dort an, wenn ich weiterlaufe. Darauf kann ich mich verlassen.
Mir hat es gutgetan, durch das Labyrinth im Klostergarten zu gehen. Ich hatte den Eindruck, ich bin da mit meinen Fragen und Gedanken gut aufgehoben. Und konnte den Weg mit den Wendungen in meinem Leben zusammenbringen.
Und an einer Wegstelle musste ich sogar schmunzeln, über mich selbst. Typisch Manuela, hab ich gedacht, warum immer so ungeduldig? Ich habe gesehen, dass ich noch eine ganze Runde laufen muss, um nur ein bisschen näher zur Mitte zu kommen. Und dann habe ich tatsächlich überlegt, einfach abzukürzen und eine Wendung zu überspringen.
Ich war froh, dass ich auf dem Weg geblieben bin. Denn am Ende ist etwas Überraschendes passiert. Völlig unerwartet stehe ich in der Mitte. Dass ich nach der nächsten Wendung am Ziel bin, das hatte ich nicht kommen sehen.
Das hat sich richtig gut angefühlt. So hoffnungsvoll. Bisweilen geschehen Dinge, mit denen ich nicht rechne. Einfach nur, weil ich weiterlaufe.
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Tante Trude ist schon lange tot. Sie ist vor über 20 Jahre gestorben und meine Erinnerungen an sie sind langsam verblasst. Mit ihr sind wir Kinder aufgewachsen. Sie war die Einzige aus der Großelterngeneration, die damals noch gelebt hat. Vom Kaiser hat sie uns immer erzählt, von den beiden Kriegen und dem Zeppelin. Und dann ist es ein Satz, der die Tante für einen Moment wieder in die Gegenwart holt. Weshalb und wer ihn gesagt hat, davon erzähle ich gleich.
Mein Bruder und ich sind im vergangenen Jahr nach Polen gefahren. Dort hatte die Familie unserer Mutter bis zum zweiten Weltkrieg gelebt – und dazu gehörte auch Tante Trude.
Wir kommen in dem polnischen Dorf an, in dem sie zuletzt zuhause war. Dort begegnen wir der Dorfältesten, Lucy, sie ist fast 100 Jahre alt. Laufen kann sie nicht mehr, sie liegt daheim im Bett, aber der Kopf ist klar und ihre Augen hellwach. Wir haben ein altes Foto mitgebracht. Darauf zu sehen: unsere Oma und ihre beiden Schwestern, eine davon: Tante Trude.
Wir erzählen, warum wir hier sind und dass wir hoffen, jemanden zu finden, der unsere Vorfahren noch gekannt hat. Uns von damals erzählen kann. Wir warten darauf, dass einer der Nachbarn übersetzt, der uns zu Lucy gefahren hat und ein bisschen deutsch kann. Doch das ist nicht notwendig. Lucy spricht Deutsch. „Ja ick bin doch Deutsche!“ sagt sie. Die letzte im Dorf. Das ist unser Glück, denn was dann passiert, ist unglaublich für uns: Lucys Reaktion auf unser Foto hat sich in etwa so angehört:
„Se kommen mir bekannt vor. Aber ick kann mir nich erinnern“. Mein Bruder und ich schauen uns an. Und haben beide sofort denselben Gedanken. Die spricht wie Tante Trude!
Dieses „ick kann mir, ick kann mir nich erinnern“ – das hat die genau so immer gesagt. Mit dieser Grammatik, die in unseren Ohren ein bisschen schräg geklungen hat. Wir hatten keine Ahnung, dass dieser Dialekt oder diese Sprachmelodie ein Zuhause hat. Und jetzt stehen wir da und trauen unseren Ohren kaum. Es ist, als ob Tante Trude an diesem Tag ganz lebendig bei uns ist. Da hatte sie also hingehört.
Wir haben in diesen Tagen in Polen auf eindrückliche Weise erfahren: Heimat sind nicht nur Orte und Landschaften. Heimat ist auch Sprache und Dialekt. Heimat hat eine Melodie, die manchmal noch ein ganzes Jahrhundert nachklingt.
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Ich habe mich in eine Stadt verliebt! Sie liegt ganz im Norden von Deutschland; entdeckt habe ich sie, als ich im Herbst dort unterwegs war. Meine neue „Liebe“ heißt Arnis. Es ist die kleinste Stadt in Deutschland mit gerade mal 300 Einwohnern. Was mich an Arnis so begeistert? Die Lage und ein besonderer Weg. Arnis liegt auf einer Halbinsel, mitten in der Schlei. Die ist ein über 40 Kilometer langer Arm der Ostsee. Die Leute da leben fast alle in einer langen Straße, Haus an Haus und Garten an Garten. Und jeder Garten reicht bis ans Wasser. Und dann gibt es da diesen traumhaft schönen Rundweg um Arnis. Der hat eine lange Geschichte. Vor 300 Jahren war er ein Trampelpfad am Ufer. Die Bewohner haben ihn als Abkürzung zu ihren Booten genutzt oder wenn sie mit den Nachbarn schnacken wollten. So heißt das im Norden, wenn die Leute über den Gartenzaun miteinander reden.
Heute führt der einstige Trampelpfad direkt durch die Gärten der Bewohner „Wie toll ist das denn. Ich darf ganz ungeniert ein bisschen schauen, wie die Leute hier leben und die wunderschön gepflegten Gärten bestaunen.“
Ich denke an unseren Garten zuhause. Wir sind erst vor kurzem in ein Neubaugebiet gezogen und zwischen den Häusern gibt es eine große Gartenfläche. Ich finde das klasse, Kinder könnten durchspazieren und toben. Aber so bleibt es nicht. Gerade werden Grenzen gezogen und Hecken gesetzt. Ich hätte es nicht gebraucht. Aber so ist es halt vorgesehen.
Zurück in Arnis. Ich frage einen Einwohner, ob die offenen Gärten genutzt werden, zum Schnacken. Auch mit Fremden, die vorbeikommen. Das wäre doch wichtig, finde ich. Der sagt mir ehrlich: Mit den Nachbarn schon. Mit den Fremden selten. Denn im Sommer wird Arnis von Touristen überrannt. „Da brauchen wir unseren Rückzugsraum“, sagt er.
Das leuchtet mir ein. Und auch ich muss eingestehen, dass wir diesen Sommer nicht nur gute Erfahrungen gemacht haben mit dem da noch offenen Garten: Vor dem Haus haben regelmäßig Fremde geparkt und sind ungeniert über unseren Rasen spaziert. Und ein halbes Dutzend Hundehaufen haben wir auch weggemacht.
Ein offenes Haus, ein offener Garten, das ist also immer eine Gratwanderung. Und doch geht mir die schöne Stimmung in Arnis nicht aus dem Kopf, so ein klein wenig neugierig sein dürfen auf die Fremden hinter den schönen Gärten. Deshalb habe ich beschlossen: Ich werde im Advent zu Punsch in unseren Garten einladen, auf einen Schnack, über die Hecken und Zäune hinweg. Die Nachbarn auf jeden Fall und vielleicht auch die anderen, die gerade vorbeilaufen.
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Ich bin Manuela Pfann und möchte mehr über den heiligen Franziskus erfahren und vor allem über seinen berühmtesten Text, den Sonnengesang. Sein Lied über die Schöpfung hat er vor genau 800 Jahren geschrieben. Er spricht darin voll Ehrfurcht von Sonne und Mond, von Feuer und Wasser, sogar von Krankheit und Tod - und nennt sie seine Brüder und Schwestern.
Das Kloster der Franziskanerinnen von Sießen in Oberschwaben ist ein perfekter Ort, um dem Sonnengesang auf die Spur zu kommen. Dort treffe ich Sr. Susanne Schlüter. Wir beginnen unseren Austausch ganz nach meinem Geschmack, im Klostercafé. Sie bestellt für uns eine Torte, die es nur in diesem Jahr gibt.
Wissen Sie schon, was Sie gerne hätten? (Servicekraft)
Ja, wir möchten gerne zweimal die Sonnengesangs-Torte. (Sr. Susanne)
Zweimal Sonnengesang. (Servicekraft)
Und dann kommt eine sehr leckere Kokos-Maracuja-Torte! Oben drauf eine gelbe Sonne aus Marzipan und am Rand ein Notenschlüssel aus Schokolade. Die Torte hat der Kloster-Konditor extra zum Jubiläum des Sonnengesangs kreiert. Und die kommt gut an, sagt die nette Dame im Service und lacht:
Und alle strahlen nach dem essen.
So geht’s uns auch! Gestärkt ziehen wir unsere Jacken an und brechen auf. Sr. Susanne nimmt mich mit in den Franziskusgarten direkt neben dem Kloster.
Früher war das eine alte Obstanlage und wir haben uns dann entschieden, hier einen Meditationsgarten zu gestalten. Und dann haben wir als Franziskanerinnen den Sonnengesang als Grundlage genommen.
Wir starten unseren Rundgang; über einen Serpentinenweg geht’s hinunter in den Garten.
Wir sind hier bei der Sonnenuhr, das ist ja die Ouvertüre von diesem wunderschönen Gesang um das Licht der Sonne.
Während ich auf der Markierung zwischen September und Oktober stehe und feststelle: die Sonnenuhr funktioniert, erklärt mir Sr. Susanne, unter welchen Umständen Franziskus den Sonnengesang geschrieben hat:
Das war nicht ein wunderschöner Maitag, blauer Himmel, Sonnenstrahlen, sondern am Ende seines Lebens. Er war fast erblindet, er konnte kein Tageslicht mehr sehen.
Umso erstaunlicher, was dann passiert ist:
Das Entscheidende ist, dass Lichtbilder in seiner Seele, die er von früher her gesehen hat, wieder aufgetaucht sind.
Franziskus war als Wanderprediger immer in der Natur unterwegs. Er hat die Schöpfung nicht nur geliebt, für ihn hat alles zusammengehört, Mensch, Natur, Tiere – und Gott. Und von genau dieser geschwisterlichen Beziehung erzählt er im Sonnengesang:
Die Schwester Sonne, sie ist schön und strahlend in großem Glanze. Dann die zweite Strophe. Bruder Mond und die Sterne, die erleuchten uns die Nacht. Und dann, Bruder Feuer, der uns erwärmt und erhellt, liebenswürdig, stark ist. Und dann beim Bruder Tod indirekt das Licht der Auferstehung
Wir stehen jetzt an einer Art Grabhügel, mitten im Garten. Für Franziskus gehört das Sterben selbstverständlich zu Gottes Schöpfung. Ich gehe rein in den Grabhügel. Nur wenige Schritte, dann ist es stockdunkel.
Franziskus lädt eigentlich in seiner Strophe dazu ein: Geh diesen letzten Schritt deines Lebens ganz bewusst. Gehe ihn im Vertrauen auf ein Du.
Ich gehe nur vorsichtig weiter, die Hände nach vorne ausgestreckt. Und dann stoße ich an eine Glasscheibe - und von oben fällt ein Lichtstrahl ein. Mitten im Dunkel des Todes also ein Schimmer Hoffnung.
Ich bin Manuela Pfann und gehe mit Sr. Susanne Schlüter durch den Franziskusgarten im Kloster Sießen in Oberschwaben. Der Sonnengesang des heiligen Franziskus hat sie und ihre Mitschwestern vor gut 20 Jahren inspiriert, diesen Garten anzulegen. Sr. Susanne organisiert Führungen und kümmert sich um die ziemlich große Anlage. Da ist die Ordensfrau – und studierte Biologin – in ihrem Element.
Ja, es ist wirklich ein Geschenk, das ich mir auch nicht erträumt hätte, meine naturwissenschaftliche Neigung - und die Schönheit der Schöpfung darin zu erkennen.
Ich spüre etwas von dem Glück, das sie bei ihrer Arbeit findet. Ob sie das Gefühl hat, Gott in diesem Garten begegnen zu können?
Ja. Ja. Ich spreche mit den Bäumen, sage „Oh Gott, jetzt ist es trocken. Hoffentlich kriegt ihr nicht den Käfer, den Borkenkäfer. Strengt euch ein bisschen an!“ Also ja, ich spreche mit den Geschöpfen auch so, als würde Gott mit mir sprechen.
Wir gehen weiter zu einem kleinen Weiher mit einem Wasserspiel. Sr. Susanne tritt auf den Holzsteg – und ich staune. Sie ruft und nach wenigen Sekunden kommen dutzende Karpfen angeschwommen. Die scheinen auf ihre Stimme zu reagieren. Und sie hält den Finger ins Wasser:
Die beißen jetzt nicht, aber die schnappen dann danach. Die sind recht zutraulich geworden.
Ich muss ein wenig schmunzeln und bin berührt: Sr. Susanne macht das, was vom heiligen Franziskus erzählt wird, sie spricht mit den Tieren, mit den Geschöpfen; weil sie sich ihnen nahe fühlt, eben wie eine Schwester.
Also die Geschöpfe sind nicht nur nebenbei, sie sind auch Türöffner für die Begegnung mit Gott.
Begegnung mit Gott und der Schöpfung, Ruhe finden im Garten, das wünschen sich die Franziskanerinnen für ihre Besucher. Von April bis Ende Oktober ist der Franziskusgarten für alle geöffnet. Und für manch einen ist er eine Oase auf dem Weg. Sr. Susanne erzählt mir von einem LKW-Fahrer:
Ich hab ihn dann mal angesprochen, weil ich ihn immer wieder gesehen habe. Und dann hat er gesagt, er macht lieber hier seine Pause. Der isst dann sein Vesperbrot, sitzt lang auf der Bank, läuft ein bisschen rum und dann fährt er wieder.
Unser Rundgang geht zu Ende. Ich bleibe noch eine Weile alleine im Garten, lasse mich von der Abendsonne wärmen. Mein Rückweg führt dann durch ein Labyrinth. Die Franziskanerinnen haben die Sonnengesang-Strophe über den Menschen so gestaltet. Es geht darum, dass wir unseren Platz finden in der Schöpfung. Die Worte von Sr. Susanne habe ich dabei noch im Ohr.
Geh nicht rückwärts, dreh dich nicht um den eigenen Kreis. Es gibt Koordinaten, die bleiben, die sind mir mit der Geburt mitgegeben. Und das gilt es auch anzunehmen. Also auf dem Weg bleiben. Und wenn du vorwärts gehst, kommst du an! Das ist die Botschaft des Labyrinths.
Und mit der mache ich mich dann auf den Heimweg.
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Ich bin Manuela Pfann und sitze in meinem neuen Lieblingscafé, bei Ulrike und Frank in Plochingen. Ich liebe Kuchen und bin deshalb viel in Cafés unterwegs. Und das hier ist ein besonderer Ort. Während ich Erdbeerkuchen auf Goldrand-Geschirr genieße, läuft im Hintergrund Tracy Chapman, Musik aus meiner Jugendzeit. An der Theke steht Epf, der wohnt nebenan und kommt jeden Tag auf einen Espresso vorbei. Am Tisch gegenüber sitzt Eugen – sage und schreibe 94 Jahre alt. Und dazwischen zwei Lehrerinnen, die ihre Mittagspause hier verbringen. Eine ziemlich interessante Mischung. Ich frage Ulli, welche Leute hier vorbeikommen. Sie lacht.
Der Nachbar, der Epf, das ist ja unser Stammgast, der sagt immer: Wir sind ein Jugendhaus für Erwachsene geworden. Und irgendwie trifft es das so richtig.
Dass hier ein besonderer Geist herrscht, das spüre ich gleich. Das hat mit den beiden Wirtsleuten und der Geschichte des Cafés zu tun. Vor genau zwei Jahren haben Ulli und Frank eine alte Pizzeria umgebaut. Das Wichtigste dabei: Da muss unbedingt eine Theke rein.
So wie in Italien. Einfach reinkommen, an der Theke stehen, Espresso trinken, miteinander schwätzen.
Anfangs wollte Ulli vor allem ihren Mann unterstützen. Das Café war sein Ding.
Der Traum war eher der von Frank. Und der Frank hat halt mal gesagt, wenn er das nicht probiert, dann stirbt er unglücklich.
Ulli hat das ziemlich umgetrieben; denn von unglücklichen Menschen hat sie oft gehört. Sie hat viele Jahre im Pfarrbüro der Kirchengemeinde gearbeitet.
Der Pfarrer hat ja immer gesagt, wie oft er diese Geschichten am Sterbebett hört. Hätte ich nur, wäre ich nur … Und ich glaube, das ist was Schlimmes, wenn man das am Lebensende sagt, dass man viele verpasste Chancen hatte.
Jetzt sind die beiden also die Wirtsleute vom Café Deschawü; das ist Französisch und heißt so viel wie: schon mal gesehen. Mir wird klar, dass der Name des Cafés etwas bedeutet – Déjà vu, genau darum geht’: man sieht sich, man trifft sich, da fühlt es sich vertraut an. Und wenn ich mich umschaue, dann gilt das auch für die Einrichtung: Jedes Stück hier hat seine Geschichte. Der alte Polsterstuhl, die Tische, die Schallplatten, das Goldrand-Geschirr – das kenn ich noch aus Omas Zeiten. Neu gekauft haben die beiden nichts.
Es hat auch was mit Wertschätzung zu tun, den alten Sachen gegenüber. Wofür zum Beispiel meine Eltern viele Jahre gearbeitet haben, und ich kann sowas nicht wegschmeißen. Ich bin einfach so eine schlechte Wegschmeißerin.
Deshalb steht da jetzt auch die alte Uhr aus dem Elternhaus
Die hat ein Schlagwerk, also diesen Glockenschlag. Als ich den zum ersten Mal hier drin im Café gehört habe, das war schon mega emotional. Weil diesen Glockenschlag habe ich mein ganzes Leben gehört.
Ulli erinnert sich gerne an ihre Kindheit und Jugend zuhause
Es war ein einfaches Leben. Aber ich kann im Nachhinein sagen, es war alles da. Es war ganz viel Liebe da. Es war immer jemand da, der ansprechbar war.
Wenn Ulli heimkam, war gekocht und ihren Vater hat sie als Tausendsassa in Erinnerung, der war Schreiner.
Wenn ich einen Wunsch hatte oder irgendwas, mein Vater hat es irgendwo entweder hergezaubert oder selber gemacht oder repariert oder ich weiß nicht. Das war einfach so eine glückliche und sorglose Kindheit. Da muss Gott dabei gewesen sein. Also das kann man sich gar nicht anders erklären. Und dafür bin ich auch mega, mega dankbar.
Vielleicht auch ein Grund, weshalb es in ihrem Café ab und zu einen kleinen Gottesdienst gibt. Dafür muss man sich einen Platz reservieren, denn dieser Abend ist meistens ausgebucht. Danach gibt’s Pizza und wer mag, der bleibt und singt mit.
So wie wir es früher gemacht hat. Am Lagerfeuer mit Gitarre. Und wir haben gemerkt, da ist schon eine Sehnsucht da. Also, da kommen auch Leute, die hast du noch nie irgendwo gesehen.
Da packt Frank dann die Gitarre aus und begleitet, oft zusammen mit Freunden. Das ist seine Leidenschaft – Musik machen und alte Schallplatten.
Das hat sich rumgesprochen. Deswegen kommt auch Alex regelmäßig ins Café, er ist über 70, hat früher Bass gespielt in einer Band. Und jetzt immer mal wieder im Deschawü.
Ich sehe auch, wie das einfach diesen Menschen so glücklich macht, dass er hier so einen Ort gefunden hat, wo er mit dem Frank Musik machen kann. Sowas kann man nicht planen, das ergibt sich einfach.
Ich gehe rüber an die Theke, dahinter ist Franks Platz, zwischen dem Plattenspieler und der großen verchromten Kaffeemaschine. Von so einer hat er lange geträumt
Da gibt’s ein Bild von mir, da war ich zehn Jahre alt, in Rimini am Strand, da stand auch schon die gleiche Maschine.
Dieses Bild und die Sehnsucht hat er all die Jahrzehnte im Herzen getragen. Es ist ein Bild aus der Heimat seines Vaters; der ist in den 60er Jahren aus Italien gekommen. Hat der Traum sich jetzt also erfüllt?
Vom ersten Tag an seit ich hier bin, ist es für mich die Erfüllung. Es fühlt sich an wie 'ne Befreiung.
Und das kann ich Frank ansehen. Er hat den ganzen Tag ein Lächeln im Gesicht. Zuvor war er beruflich viel unterwegs, hatte den Betrieb seines Vaters übernommen und mit Stahl gehandelt. Eine ziemlich anstrengende Zeit. Aber jetzt ist alles anders.
Wir machen die Tür auf, gehen rein, ich mach’ meine Kaffeemaschine an. Es ist einfach so innerlich, so irgendwie angekommen.
Ich glaube, das geht nicht nur Frank so. Mir scheint, als ob ’ne ganze Menge Leute, die im Deschawü stranden, irgendwie ankommen. Und sei es nur für eine halbe Stunde – zum Beispiel mit Erdbeerkuchen auf Goldrand-Geschirr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42519Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Nach so einem Café habe ich lange gesucht: Ich komme rein, fühle mich sofort wohl, trotzdem ich fremd bin und neu in der Stadt. Beim nächsten Mal werde ich schon persönlich begrüßt, Frank lächelt mir hinter der Kaffeemaschine zu. Ich bin beeindruckt.
Frank und Ulli, das sind die Wirtsleute vom Café Deschawü. Déjà vu ist Französisch und heißt so viel wie: „schon mal gesehen“. Die beiden haben vor zwei Jahren eine alte Pizzeria gekauft und umgebaut. Nicht groß, vielleicht so für 30, 40 Leute.
Das war der Lebenstraum von Frank, ein Café mit einer großen Kaffeemaschine, wie in Italien. Daher stammte sein Vater. Zu seiner Frau hat er gesagt: „Wenn ich das nicht wenigstens probiere, dann sterbe ich unglücklich“.
Ulli haben seine Worte umgetrieben. Weil sie oft mitbekommen hat, wenn Menschen am Sterbebett gesagt haben: „ach, hätte ich doch …“ und „wäre ich nur …“. Zu dem Zeitpunkt arbeitet sie noch in der Kirchengemeinde und der Pfarrer erzählt immer wieder von solchen Gesprächen.
Und dann haben die beiden Franks Traum tatsächlich verwirklicht.
Ich bin regelmäßig im Deschawü. Und versuche zu verstehen, was das für ein Ort ist, warum ich hier so gerne bin. Frank ist der Barista, er macht Kaffee und legt Schallplatten auf. Echte, alte Platten. Adriano Celentano läuft da, Tracy Chapman und Simon & Garfunkel. Manche Gäste kommen jeden Tag. Bei 'nem Espresso quatschen sie mit Frank an der Theke. Über Musik, über Fußball. Ulli, die ist überall. Organisiert die Küche, bedient, räumt ab – und setzt sich immer mal wieder zu den Gästen. Fragt die 80-jährige Dame: „Wie geht's Ihnen heute?“
Ich bestelle mir am liebsten Kuchen und bekomme ihn wie immer auf einem schönen, alten Goldrand-Teller aus Omas Zeiten. Jedes Stück im Café hat eine Geschichte, auch die Stühle und Tische. Neu gekauft haben die beiden nichts, aber restauriert. Café Deschawü – schon mal gesehen. Jetzt verstehe ich das noch besser.
Manchmal gibt’s Live-Musik im Café, ein anderes Mal einen Kleidertausch-Abend. Und ab und zu wird das Café sogar zu einem Ort für Gott. Dann gibt es einen kleinen Gottesdienst. Für die, die nicht mehr so gerne in die Kirche gehen. Dafür muss man sich einen Platz reservieren, denn dieser Abend ist meist ausgebucht. Danach gibt’s Pizza und wer mag, der bleibt und singt mit, alte Schlager, bis nach Mitternacht.
Gottes Geist und Goldrand-Geschirr. Orte, wo das zusammenkommt, von denen bräuchte es noch viel mehr.
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Ich bin unterwegs auf einer Wanderung in den Bergen. Mit meiner ganzen Familie, Kinder, Eltern, Großeltern. Nach zwei Stunden sind wir auf dem Gipfelplateau. Oben eine kleine Kapelle, davor eine Bank aus verwittertem Holz. Ein wunderbarer Ort! Ich setze mich hin, schnaufe durch und schaue in die Ferne. Blauer Himmel, Grashänge gegenüber, Berglandschaften und Schnee-Gipfel in der Ferne. Direkt vor mir eine Stute und ihr junges Fohlen, die miteinander spielen. Wanderer kommen und gehen.
Ich wäre gerne noch geblieben und hätte einfach nur geschaut. Aber wir müssen weiter. Es ist heiß und der Rückweg ist lang. Für einen kurzen Besuch in der Bergkapelle reicht es aber noch. Und dann muss ich schmunzeln, als ich auf einer Tafel am Eingang einen Satz lese – da steht: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ [1] Die Zeilen sind von Astrid Lindgren. Der großen Dame, die so wunderbare Geschichten erzählen konnte. Von Pippi Langstrumpf natürlich, von Michel aus Lönneberga oder Ronja Räubertochter. „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ Das hat Astrid Lindgren bestimmt immer wieder gemacht. Und sich dabei ihre Geschichten ausgedacht.
Es ist im Alltag nicht immer leicht, einfach dazusitzen und sich Zeit zu nehmen. Ich habe oft den Eindruck, ich muss meine Zeit gut nutzen, der Kalender ist voll und ich bin ständig auf Achse, um alles möglichst effektiv zu erledigen.
Was Astrid Lindgren über die Zeit sagt, passt gut zu Jesus. Ob der Satz deshalb in der Kapelle auf dem Berg steht? Jesus wurde gerade mal 30 Jahre alt. Er hatte der Welt ziemlich viel zu sagen. Das war ein Leben, von dem man glauben könnte, da ist keine Zeit für Pausen. Aber das Gegenteil war der Fall: Jesus hat sich bewusst immer wieder zurückgezogen. Um einfach dazusitzen. Um zu beten. Heute würde man sagen: um zu reflektieren, um wieder zu sich zu kommen.
Als mein Sohn vor einiger Zeit gesagt hat, er hätte gerne ein Bänkle vor unserem Haus, hab ich ihn nicht ganz ernst genommen. Zumal er auf meine Frage „warum ein Bänkle?“ nur gesagt hat: „Einfach so“. Aber er hat es ernst gemeint. So wie ich jetzt:
Ich wünsche Ihnen für diesen Sommer: Dass Sie die Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen. Egal ob in den Bergen, am Meer, auf dem Dorfplatz oder zuhause auf dem eigenen Bänkle.
[1] Astrid Lindgren, Tagebuch 1964 ("Astrid Lindgren - Ein Lebensbild" von Margareta Strömstedt)
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Ich wusste nicht, was ein Ghostworker ist. Jetzt weiß ich’s: Das sind Menschen, die besondere Jobs machen, wichtige Jobs – und dabei unsichtbar bleiben. Wie ein Geist eben, deshalb heißen sie Ghostworkers, Geisterarbeiter.
Michelle ist eine von ihnen. Sie hat Informatik studiert und daran mitgearbeitet, dass ChatGPT so groß und so großartig geworden ist. Ich nutze dieses Programm für Künstliche Intelligenz selbst und bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, was alles damit möglich ist. Ich habe mir zum Beispiel eine Stadtführung durch Straßburg ausarbeiten lassen, frage nach Zeichnungen zu Texten und nutze die KI, um Themen für meine Arbeit zu recherchieren. Was mir bei allen Anfragen an ChatGPT auffällt: Die KI antwortet und reagiert immer freundlich, höflich und respektvoll – egal wie kritisch meine Anfrage ist.
Dafür sorgt unter anderem Michelle. Und damit sind wir auf der Schattenseite der faszinierenden Welt von KI.
Damit Künstliche Intelligenz mir klug antworten kann, muss sie mit riesigen Datenmengen gefüttert werden. Das ist offensichtlich. Damit KI aber keinen Hass verbreitet, nicht diskriminiert oder verletzt, muss man ihr ausdrücklich sagen, was sie nicht darf; sie antwortet nämlich nicht von alleine moralisch angemessen, da braucht es die Arbeit von echten Menschen wie Michelle. Und die sieht so aus: Michelle muss Gewaltvideos sichten, sich Pornografie anschauen, Terrorpropaganda markieren, Texte über Kindesmissbrauch lesen und bewerten. Damit ChatGPT weiß, was es löschen muss. Damit wir damit nicht konfrontiert werden.
Michelle arbeitet in Kenia für weniger als zwei Dollar in der Stunde. Wie es ihr mit dieser Arbeit geht, interessiert niemanden. Ihre Geschichte steht exemplarisch für eine alte Sache und bekannte Strukturen: Sie hat nur einen modernen Namen: Hier geht es um digitalen Kolonialismus, um Ausbeutung. Die Daten und die Arbeit kommen aus dem globalen Süden – Reichtum, Macht und Kontrolle gehen von uns aus dem Norden aus.
Die Entwicklung von KI lässt sich nicht mehr aufhalten. Aber die ethischen Fragen, die damit zusammenhängen, die dürfen deshalb nicht einfach ignoriert werden. Es gibt Möglichkeiten, sich für die Rechte von Ghostworkern einzusetzen: Zum Beispiel gemeinnützige Organisationen wie die Datalabelers unterstützen. Oder politische Vertreter hier in Deutschland auffordern, das Lieferkettengesetz auf digitale Arbeit auszuweiten. Oder zumindest die Begriffe „Ghostworker“ und „digitaler Kolonialismus“ nicht mehr vergessen und davon erzählen.
Digitaler Kolonialismus. Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen. Ingo Dachwitz/Sven Hilbig, C.H. Beck
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