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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

09AUG2026
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Freundschaften entwickeln sich. Ich finde das interessant zu beobachten: Manchmal sind Freundschaften viel Arbeit, manchmal sind sie schmerzhaft, oft sind sie einfach lustig und schön. Manche Freundschaften enden mit großem Drama. Manchmal verlaufen sie sich einfach. Manchmal halten sie ein Leben lang.

Auf dem Gymnasium war ich eng mit Katja befreundet. Wir waren beide Messdienerinnen. Ich erinnere mich, dass ich bei ihr lange Zeit immer nur auf der Haustürtreppe stand und wir uns dort unterhalten haben. Es hat gedauert, bis ich auch ins Haus durfte. Besonders in der Oberstufe waren wir eng befreundet und nach dem Abi sind wir sogar zusammen nach Irland gereist. Erst als wir beide studiert haben, haben wir uns etwas aus den Augen verloren. Und so hatten wir in den letzten Jahren keinen Kontakt mehr, außer wir liefen uns in meinem Heimatort über die Füße.

Vor einigen Wochen habe ich mit ihr eine ganz besondere Begegnung gehabt. Meine Mutter ist gestorben. Als ich nach dem Beerdigungsgottesdienst aus der Kirche komme, um auf den Friedhof zu gehen, entdecke ich Katja draußen. Unsere Blicke treffen sich. Sie nickt mir zu. Auf dem Friedhof sehe ich sie wieder, aber auch da reden wir nicht.

Sie da zu sehen, ist ungemein wichtig für mich. Trotz all der Jahre, in denen wir kaum Kontakt hatten, gibt es mir Halt in der Situation, dass sie einfach da ist. Halt in der Situation, die nur schwer auszuhalten ist.

Erst beim Sechswochenamt sprechen wir kurz miteinander. Ich sage ihr wie froh ich darüber bin, dass sie da war. Sie sagt: „Das ist selbstverständlich.“ Das finde ich nicht. Für mich war es ganz besonders. Sie war einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Ich fühlte mich nach all den Jahren mit ihr verbunden – und das ganz ohne Worte. Sie war in dieser schwierigen Situation ein Segen für mich.

Und womöglich ist das eine ganz besondere Form von Freundschaft, wenn man zum Segen füreinander wird.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

05AUG2026
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Freundschaften entwickeln sich. Ich finde das interessant zu beobachten: Manchmal sind Freundschaften viel Arbeit, manchmal sind sie schmerzhaft, oft sind sie einfach lustig und schön. Manche Freundschaften enden mit großem Drama. Manchmal verlaufen sie sich einfach. Manchmal halten sie ein Leben lang.

Auf dem Gymnasium war ich eng mit Katja befreundet. Wir waren beide Messdienerinnen. Ich erinnere mich, dass ich bei ihr lange Zeit immer nur auf der Haustürtreppe stand und wir uns dort unterhalten haben. Es hat gedauert, bis ich auch ins Haus durfte. Besonders in der Oberstufe waren wir eng befreundet und nach dem Abi sind wir sogar zusammen nach Irland gereist. Erst als wir beide studiert haben, haben wir uns etwas aus den Augen verloren. Und so hatten wir in den letzten Jahren keinen Kontakt mehr, außer wir liefen uns in meinem Heimatort über die Füße.

Vor einigen Wochen habe ich mit ihr eine ganz besondere Begegnung gehabt. Meine Mutter ist gestorben. Als ich nach dem Beerdigungsgottesdienst aus der Kirche komme, um auf den Friedhof zu gehen, entdecke ich Katja draußen. Unsere Blicke treffen sich. Sie nickt mir zu. Auf dem Friedhof sehe ich sie wieder, aber auch da reden wir nicht.

Sie da zu sehen, ist ungemein wichtig für mich. Trotz all der Jahre, in denen wir kaum Kontakt hatten, gibt es mir Halt in der Situation, dass sie einfach da ist. Halt in der Situation, die nur schwer auszuhalten ist.

Erst beim Sechswochenamt sprechen wir kurz miteinander. Ich sage ihr wie froh ich darüber bin, dass sie da war. Sie sagt: „Das ist selbstverständlich.“ Das finde ich nicht. Für mich war es ganz besonders. Sie war einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Ich fühlte mich nach all den Jahren mit ihr verbunden – und das ganz ohne Worte. Sie war in dieser schwierigen Situation ein Segen für mich.

Und womöglich ist das eine ganz besondere Form von Freundschaft, wenn man zum Segen füreinander wird.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

04AUG2026
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Mehrere Freundinnen überlegen gerade, was sie beruflich machen möchten. Nach Studium oder Ausbildung haben sie inzwischen einige Jahre gearbeitet. Aber jetzt passt die Arbeit einfach nicht mehr. Manchmal kann man sich auf der bisherigen Stelle nicht mehr weiterentwickeln, manchmal macht das Thema einfach keine Freude mehr. Keine einfache Zeit. Man fühlt sich fehl am Platz. Aber es fehlt die konkrete Idee davon, wo es hingehen soll. Eine gewisse Ratlosigkeit ist spürbar. Die Freundin sagt: „Ich fühle mich allein in dieser Situation.“

Während ich darüber nachdenke, fällt mir mein Opa und seine berufliche Entwicklung ein. Er arbeitete in den 1920er / 1930er Jahren als Schneider, aber nach den Kriegsjahren passte das nicht mehr für ihn. Er machte eine zweite Ausbildung zum Filmvorführer, kaufte ein Grundstück, riss das bisherige Gebäude darauf ab und baute dort ein Kino. In der Bauzeit fuhr er über Land und lieferte Getränke aus. Es passte einfach genau – also die Idee, was er tun möchte, mit dem Ort, wo er es tun wollte und die Menschen liebten es damals ins Kino zu gehen.

Was sich rückblickend passgenau darstellt, war in der Situation für meinen Opa vielleicht nicht erkennbar. Aber ich denke, ihm haben zwei Sachen geholfen: sein Vertrauen in sich selbst und sein Vertrauen in Gott. Er hatte einen ganz konkreten handfesten Plan. Er versuchte finanzielle und andere Risiken durch sorgfältiges Denken und Tun einzugrenzen. Und gleichzeitig vertraute er in ein Gegenüber, das für ihn da ist und ihm den Rücken stärkt in seinem Tun.

Das Gottvertrauen ist keine Garantie dafür, dass es gelingt. Aber womöglich hatte mein Opa für sein Herzensprojekt einfach die besten Voraussetzungen geschaffen: Er kombinierte sein Selbstvertrauen mit seinem Gottvertrauen.

Aus gläubiger Sicht denke ich: in Situationen, in denen ich neue Weichen für mein Leben stellen möchte, kann mir sein Beispiel Mut machen. Vielleicht braucht es nur einen handfesten Plan und das Vertrauen, nicht allein zu sein.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

03AUG2026
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Bei einem Bekannten wurde vor kurzem der Garten neu angelegt. Was vorher nur Rasen bzw. Wiese war, hat jetzt ein klares Konzept. Es gibt Beete für viel Gemüse und Obst, eine Rasenfläche und auch Platz für eine Blumenwiese. Es ist ein kleines Idyll mit großer Vielfalt.

Das denkt sich wohl auch ein Maulwurf. Der ist nämlich nach der Umgestaltung eingezogen. Bereits im Herbst schaufelte er fröhlich vor sich hin und türmte einen Hügel nach dem anderen auf.

Neulich treffe ich den Mann, dem der Garten gehört, und wir kommen zufällig auf den Maulwurf zu sprechen. Bereits das Wort löst bei ihm eine große Portion an Ärger aus. Erst sage ich noch: „Ist doch super: der Maulwurf gräbt die Erde um und zaubert damit eine super lockere Erdqualität.“ Aber dies besänftigt ihn gar nicht. Er sagt: „Man wird ihn einfach nicht los und umbringen oder vergiften darf man ihn nicht.“ Hola die Waldfee!

Mich erstaunt wie heftig er sich ärgert. Meine Freundin meint: „Na ja, vielleicht stört ihn, dass er ihn nicht kontrollieren kann. Der Mann plant, tut und macht, steckt viel Schweiß und Arbeit in die Optik des Gartens. Und dann kommt da so ein dahergeschaufelter Maulwurf und bringt die Ordnung durcheinander.“

Ich finde Maulwürfe ja ganz entzückend. Wenn man mal einen zu Gesicht bekommt, sehen sie total süß aus. Und sie essen im Jahr etwa 37kg Fleisch, so zum Beispiel Schnecken, Raupen und sogar Wühlmäuse. Da müsste doch eigentlich jedes Gärtnerinnenherz höher schlagen.

Wie nützlich ein Lebewesen ist, ist aus meiner christlichen Perspektive allerdings gar nicht das Hauptargument für ein entspanntes Miteinander. Der Maulwurf hat schlicht und einfach in dieser Schöpfung ein Existenzrecht und ich tue gut daran, das Miteinander zu pflegen. Als Mensch bin ich schließlich nicht Chef des Ganzen und habe daher auch nicht die Kontrolle über alles. Stattdessen ist es mein Auftrag auf das Ganze aufzupassen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

29APR2026
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Als Imkerin liebe ich das Getummel an Insekten in diesen Wochen. In meiner Imkerei eilen die Bienen zu Obstbaumblüten, Hummeln brummen im Tiefflug durch den Garten, die ersten Wespenköniginnen bauen an ihren Nestern. Hornissenköniginnen habe ich noch nicht gesehen. Das ist inzwischen auch ein Reizthema. Neben der einheimischen Hornisse gibt es auch die asiatische Hornisse. Diese führt bei vielen Imkerinnen und Imkern zu einem erhöhten Puls. Der Hintergrund dafür ist, dass sie recht gerne Honigbienen fangen, um sie an den Nachwuchs zu verfüttern. Einheimische Hornissen tun das auch, sind aber im Vergleich weniger geschickt in ihrem Jagdverhalten.

Mich irritiert allerdings in welcher Art und Weise oftmals über die asiatische Hornisse gesprochen wird. Oft wird sie als die Verkörperung des Bösen dargestellt und als müsse sie mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Dafür wird dann gerne auch eine Wortwahl verwendet, als würden wir uns im Krieg befinden.

Ich denke, es tut gut einen Gang zurückzuschalten. Die asiatische Hornisse ist nicht auf eigenen Wunsch hier gelandet. Sie landete hier, weil wir über die ganze Welt hin Waren transportieren. Viele unserer Interessen lassen außer Acht, welche Konsequenzen sie für die Umwelt und Tiere haben. Aber wenn dann etwas durch uns durcheinandergeraten ist, gibt es schnell drastische Gegenmaßnahmen, die ähnlich kopflos anmuten.

Dabei glaube ich als Christin: Diese Schöpfung ist uns anvertraut. In der Bibel findet sich dafür der Begriff „hüten“ – der Mensch hat den Auftrag auf diese Welt aufzupassen.

Das heißt nicht – auch mit Blick auf die asiatische Hornisse: Hände in den Schoss legen. Im Gegenteil: Es braucht ein differenziertes Bild, vor allem eine unaufgeregte Diskussion und ein ausgewogenes Konzept, um ein Miteinander von Mensch und Natur zu ermöglichen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

28APR2026
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Die aktuelle Nachrichtenlage kann ich nur in dosierter Form ertragen. Oftmals vermisse ich die sachliche Auseinandersetzung zu einem Thema. Den Austausch an Argumenten. Stattdessen schreit man sich an, übertreibt, ist beleidigt usw. Den Streit zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten und Papst Leo fand ich allerdings interessant zu verfolgen. Der Papst ließ sich nämlich gar nicht erst auf die Rhetorik des Präsidenten ein. Er stellt niemanden als dumm oder doof dar, lässt sich nicht einschüchtern, sondern bleibt auf die Sache konzentriert: Seinen Einsatz für Frieden. Besonders hängen geblieben ist mir der Satz: „Es gibt einen anderen Weg!“ Natürlich ist die weltpolitische Lage hochkomplex, aber doch sollte es immer unser Anspruch sein, einen anderen Weg als Krieg und Gewalt, als wilde Beschimpfung und Demütigung zu finden.

Das ist sicher kein einfacher oder leichter Weg, der einem einfach so in den Schoß fällt. Und vor allem kann ich als Ottonormalbürgerin da erstmal gar nichts ausrichten mit Blick auf die großen weltpolitischen Themen.

Wenn ich allerdings länger drüber nachdenke, glaube ich: die Aussage des Papstes ist letztlich auch an meine eigene Adresse gerichtet. Wie löse ich meine Konflikte? Wie gehe ich mit Menschen um, die mir tierisch auf den Wecker gehen?

Ein kleines klassisches Beispiel ist eine regelmäßige Verkehrssituation in Trier. Über eine schmale Brücke darf der Verkehr nur einspurig fahren. Ein Verkehrsschild regelt, wer Vorfahrt hat. Manchmal fährt aber jemand einfach los und nimmt mir die Vorfahrt. Dann schimpfe ich wild vor mich hin und schaue das entgegenkommende Auto finster an. Schließlich soll die andere Person ja merken, was ich davon halte. Ich fühle mich ungerecht behandelt und fange an zu fiepen. Dabei ist doch diese kleine Verkehrssituation völlig banal. Ja, meine Güte, dann warte ich halt kurz. Da fällt mir kein Zacken aus der Krone. Ich denke also es lohnt sich, wenn ich bei mir selbst anfange und schaue, wo ich einen anderen Weg wählen kann.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

27APR2026
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Karl Heinz hatte gerade Geburtstag. Er ist 85 Jahre geworden. Beruflich ist er Bestatter. Den Familienbetrieb hat schon vor mehreren Jahren sein Sohn übernommen, aber Karl Heinz ist eigentlich jeden Tag mit dabei.

Neulich stehe ich nach einer Beerdigung noch mit ihm zusammen, als er sagt:

„Das ging jetzt irgendwie so plötzlich! Und schwupps ist man 85 Jahre alt!“

Er sagt es bedauernd und ja – auch traurig. Schließlich weiß er ja, das geht hier nicht ewig so weiter. Wer weiß das besser als ein Bestatter? Selbst wenn es ihm aktuell gut geht, das kann sich täglich ändern. Das trifft auf jeden und jede von uns zu, aber mit höherem Alter steigt leider auch die Wahrscheinlichkeit. Und so wird die eigene Endlichkeit präsenter.

Wenn dieser Gedanke an die eigene Endlichkeit aufblitzt, ist Karl Heinz zum einen dankbar. Dankbar, dass es ihm aktuell gut geht. Das ist nicht selbstverständlich für ihn. Und er schaut zurück auf sein Leben. Er erzählt, wie viel er sein ganzes Leben gearbeitet hat. Eigentlich immer. Ab und an mal ein paar wenige Tage Urlaub. Er kennt es nicht anders, da er den Betrieb von seinem Vater übernommen hat. Und so sind die Jahre dahin gegangen.

Ich frage ihn: „Bereust du es?“ Er schüttelt den Kopf und ergänzt: „Das gehört zum Beruf dazu. Das ist mein Leben.“ Ich kenne ihn nun schon ein Weilchen und habe den Eindruck: Dieses Leben gefällt ihm aber auch genauso wie es ist. Und tatsächlich ergänzt er: „Es ist schön, gebraucht zu werden – Menschen helfen zu können. Und ich brauche das auch – dabei zu sein, eine Aufgabe zu haben.“

Das Gespräch mit Karl Heinz geht mir nicht aus dem Sinn. Der Gedanke an die eigene Endlichkeit kann Traurigkeit auslösen. Aber ich glaube, die Rückschau lässt ihn zufrieden sein mit seinem Leben und auch dankbar.

Mir macht der Gedanke daran, dass die Zeit hier begrenzt ist, deutlich, wie kostbar die Zeit hier miteinander ist. Diese Zeit zu haben ist für mich nicht selbstverständlich, denn ich habe sie von Gott geschenkt bekommen und dafür bin ich dankbar.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

24JAN2026
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Ein Freund begleitet mich übers Wochenende in meine alte Heimat ins Sauerland. Ihm fallen die Kreuze in der Landschaft auf. „Wieso habt ihr hier so viele Kreuze überall stehen?“ Erst als er sie bewusst benennt, merke ich, dass es tatsächlich einige sind. Große Kreuze – zwei bis drei Meter hoch. Ich erinnere mich, dass wir in der Grundschule darüber sprachen. Oft stehen sie an Orten, die eine besondere Bedeutung für einzelne Personen hatten. So das Nonnenkreuz beim Getreidefeld. Dort sei einer Nonne mal der Teufel begegnet, heißt es in der Legende. Dann gibt es die, die zum Dank aufgestellt worden sind, weil eine Bitte erhört wurde. Oder sie stehen an Orten, wo die Aussicht besonders schön ist. Der Freund muss lachen: „Dein Ernst? Spukgeschichten, Dankesschreiben und touristische Landmarken?“

Stimmt schon, die Ausdrucksform ist heute vielen Menschen fremd geworden. Heute werden kaum noch Kreuze aufgestellt, dafür aber die bisherigen gepflegt und instandgehalten. Im Kern sind die Kreuze ein möglicher Ausdruck dafür, dass Menschen sich hier mit Gott verbunden gefühlt haben und sich immer noch verbunden fühlen.

Bei Kreuzen, die – wie es der Freund nennt – „touristische Landmarken“ sind, ist der Gedanke der Verbindung für mich besonders greifbar. Menschen haben dort Kreuze aufgestellt, weil sie staunend vor der Schönheit dieser Welt, christlich gesagt dieser Schöpfung standen.

Erst vor einigen Tagen saß ich in der Eifel auf einer Bank oberhalb des Schalkenmehrener Maars. Von hier überblickt man den gesamten Maarkessel mit dem kleinen Ort. Es ist so schön anzuschauen. Und tatsächlich: in der Nähe der Bank steht ein Kreuz. Den Hintergrund für dieses Kreuz kenne ich nicht, aber womöglich fanden schon vor mir viele Menschen diese Stelle und ihr Panorama wunderschön. Mein Blick bleibt an der Längsachse des Kreuzes hängen: Eine sichtbare Verbindung zwischen oben und unten – zwischen Himmel und Erde – zwischen Gott und mir.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

23JAN2026
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Im Amazonasgebiet haben bestimmte Bienenarten nun eigene Rechte zugesprochen bekommen: das Recht zu existieren und fortzubestehen. Es handelt sich um die dort heimischen Bienen.

 

Das ist eine außergewöhnliche Sache. Noch nie wurden eigene Rechte von Insekten anerkannt. Wenn ihre Rechte verletzt werden, können diese also vor Gericht eingeklagt werden. Klingt irgendwie lustig, hat aber einen ernsten Hintergrund.

Denn bestimmte Arten von Bienen sind im Bestand gefährdet, weil ihr Lebensraum gefährdet ist. Regenwälder werden gerodet und damit wird das passgenaue Zusammenspiel von Tieren und Pflanzen zerstört. Und auch die Menschen dort leben von und mit dem Wald.

 

Die Idee ist: Die einheimischen Bienen zu schützen, ihren Bestand zu sichern und gleichzeitig den dort lebenden Menschen eine mögliche Einkommensquelle zu schaffen. So könnten sie Imkereien mit den einheimischen Bienen aufbauen. Das läuft nicht im Rahmen von Gewinnmaximierung, denn die einheimischen Bienen produzieren im Jahr nur etwa 1kg Honig. Der dortige Honig hat allerdings bei der Bevölkerung einen hohen Stellenwert und wird als sehr kostbar gehandelt. So bietet die Imkerei ein Auskommen und sichert gleichzeitig ein Miteinander von Mensch und Natur.

Von meinem christlichen Glauben her, frage ich mich manchmal: Was hält Gott wohl von dem, was wir hier so anstellen. Denn der Auftrag – auf diese Schöpfung aufzupassen – ist ja eigentlich eindeutig formuliert. Oft ist es wahrscheinlich so gruselig, dass er lieber nicht hinschaut. Aber dann und wann blitzt doch ein Funke Hoffnung auf. Hoffnung darauf, zu was wir fähig sind – im guten Sinn. Dass diese minikleinen Bienen im Amazonasgebiet nun eigene Rechte haben und damit besonders geschützt werden ist dafür ein Beispiel. Ein Beispiel wie das Miteinander von Menschen, Tieren und Pflanzen gelingen kann und eine Perspektive für die Zukunft hat.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

22JAN2026
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Die letzten Wochen habe ich in der Werkstatt meines Freundes Mätty einen Tisch renoviert. Er hat mir erklärt, was zu tun ist und mir sein Werkzeug geliehen. Letztlich hat es viel länger gedauert als gedacht, aber ich habe die Zeit genossen. Denn nebenbei konnte ich Mätty bei der Arbeit zuschauen und – es klingt vielleicht etwas seltsam – , aber er verbreitet einfach Sonnenschein mit seinem Tun.

Aktuell arbeitet er am Auftrag für eine Kindertagesstätte: ein Gruppenraum braucht neue Möbel. Dafür hat er zum Beispiel kleine Minihocker aus Kirschholz gebaut. Die Beine der Hocker sind aus Kirschzweigen, an denen man noch die Rinde sieht und oben auf der Sitzfläche ist eine Kirschfrucht eingebrannt. Man sieht sofort mit wie viel Liebe zum Detail hier gearbeitet wird. Er liebt einfach, was er tut.

Dabei weiß ich: auch bei Mätty ist es im Leben nicht immer sonnig gewesen. Schließlich ist Selbstständigkeit an sich schon eine Herausforderung. Der Druck ist hoch, man ist für alles verantwortlich, man überfordert sich bisweilen. Aber weil er einen inneren Antrieb hat, begegnet er diesen Herausforderungen.

Ein Satz von ihm ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Ich muss nicht in andere Länder reisen, um mich dort zu finden. Ich verwirkliche mich hier.“

Mich erinnert das an die Geschichte aus der Bibel über die Talente. Sinngemäß hat jeder Mensch von Gott Talente geschenkt bekommen und es geht darum, diese im Leben zu verwirklichen. Es geht darum: Das eigene Können wertvoll für andere zu machen.

Dafür muss man natürlich erst einmal wissen, was man gut kann. Und man muss die Gelegenheit haben, das Talent auch auszuüben. Nicht immer klappt das hauptberuflich. Aber wenn ich Mätty bei der Arbeit zuschaue, merke ich: es lohnt sich nach den eigenen Talenten zu suchen, sie zu fördern und sie für oder mit anderen einzusetzen. Denn die Freude am eigenen Tun wirkt sich auch auf meine Mitmenschen aus und schenkt Sonne im Herzen.

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