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SWR4 Sonntagsgedanken
Für alle, die gerne wandern gehen, habe ich heute einen Tipp: den Wildewasserweg im Stubaital in Österreich. Ein Tipp, bei dem es mir nicht nur ums Wandern geht.
Meine Frau und ich sind unterwegs immer wieder mitten auf dem Wanderweg stehen geblieben – ganz fasziniert von den vielen Wasserfällen, an denen man hier vorbeikommt: Wie in großer Höhe Wasser scheinbar einfach aus dem Stein bricht; das ist echt beeindruckend. Noch viel bemerkenswerter aber fanden wir die kleinen Bächlein, die den Wanderweg kreuzen; plötzlich auftauchen und wieder versickern und an deren Rand auch in großer Höhe kleines Grün wächst. Aber – ich will auch nicht übertrieben romantisch sein – am Ende der Etappe haben wir uns auch einfach auf das gute Essen in der Hütte gefreut.
Jetzt im Blick zurück, merke ich erst: die Wasserfälle und vor allem die kleinen Bächlein haben sich in meiner Erinnerung verändert. Ich sehe das schöne Naturschauspiel vor mir, und gleichzeitig fangen die Bilder an, sich in meinem Kopf mit altvertrauten Gedanken zu verbinden. Und mit alten Texten aus der Bibel. Zum Beispiel in einem Satz, der lautet: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“ (Röm 5,5) Dieser Satz ist mir immer ein wenig blass erschienen. Liebe wie Wasser aus einer Wasserflasche in ein Glas ausgießen? Das ist doch irgendwie ein langweiliges Bild.
Seit der Wanderung in Tirol aber ist dieser Satz für mich sehr kraftvoll geworden. Zum einen, weil so ein Wasserfall mit einer schier unbändigen Kraft den Felsen hinabschießt. So intensiv von Liebe ergriffen zu sein, genauso kraftvoll: Da reißt mich der Wasserstrom mit, dass ich mich meinem Mitmenschen zuwende; ein Ehrenamt übernehme; einen Menschen pflege – das fühlt sich bestimmt an, wie ein großer Liebeswasserfall im Herzen.
Zum anderen, weil die Bächlein einen stetigen Weg durch die karge Felslandschaft nehmen. Man weiß nicht so recht, wo sie überhaupt herkommen, aber an ihren Rändern wachsen überall ein paar Pflanzen, die das Felsgrau aufbrechen. Das hat doch auch mit Liebe zu tun: in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben, zu zeigen: hier ist Leben.
So kann ich mit dem Satz „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“ etwas anfangen. Gottes Liebe als riesiger Wasserfall oder als stetig fließendes Bächlein. Im Grunde hat mir Gott in Tirol eine Predigt auf den Wanderweg geschrieben.
Ich habe vor vier Wochen Kontakt mit einem alten Freund gehabt. Als Kind katholischer Eltern war er lange Teil seiner Ortsgemeinde. Man wird im besten Sinn sagen können: Er war ein typischer, ganz normaler Ehrenamtlicher in der Kirche, der den Laden am Laufen und lebendig hält. Aber klar: Das Engagement hat er mehr von seiner Mutter „geerbt“ als dass er es aus eigenem Antrieb gestartet hätte.
Später hat er natürlich kirchlich geheiratet. Und natürlich hat er mich damals gefragt, ob ich nicht mitmachen könne. Wir würden uns doch lange kennen und ökumenisch fände er schön. Und natürlich habe ich ja gesagt. Obwohl ich damals schon kein gutes Gefühl gehabt hatte – es ist vielleicht anmaßend, aber ich war mir nicht sicher, ob die beiden richtig zusammenpassen würden.
Wie dem auch sei: Nach zwei Kindern und einem Hausbau ging die Ehe in die Brüche. Und mein Freund hat sich danach voller Frust von allen Gemeinschaften zurückgezogen. Keine Hobbys mehr, keine Kirchengemeinde, nur noch Arbeit. Er wurde zu dem grauen Felsen, von dem ich erzählt habe und den ich von der Wanderung in Tirol vor Augen hatte. Mit seinen zwei Kindern hat er manchmal noch etwas unternommen. Aber sonst war nichts Grünes mehr an ihm.
Vor ein paar Monaten habe ich ihn auf einem Polterabend eines gemeinsamen Bekannten getroffen. Er hat wieder geheiratet, ist noch einmal Vater geworden und ich habe ihm angesehen: er grünt und blüht wieder richtig auf. Vor vier Wochen hat mein Freund dann bei mir angerufen: Wir hätten uns doch auf dem Polterabend so nett unterhalten und meine Frau lässt fragen, ob ich die beiden trauen würde. „Aber“, hat er sicherheitshalber lachend hinterhergeschickt, „falls Du wieder ein schlechtes Gefühl hast, sag es mir gleich!“
Habe ich aber nicht. Im Sommer werden beide evangelisch heiraten. Mein Freund sagte noch: Ich war ja skeptisch, aber jetzt so, das dritte Kind getauft, die Hochzeit in Aussicht, da merkt man: Es ist schon gut, dass es so eine Gemeinschaft gibt, zu der man zurückkommen kann. Vor zwei Wochen habe ich zufällig seine Exfrau getroffen. Sie ist glücklich verheiratet. Die beiden Kinder sind abwechselnd bei den Eltern. Und sie sagt: Sie ist dankbar.
Für mich ist das eine totale Geschichte von den Gebirgsbächlein, die einfach da sind, und man weiß nicht woher. Die treu ihren Weg durchs Gestein nehmen und dafür sorgen, dass an unerwarteter Stelle wieder etwas grünen und blühen kann. Dass zwei Menschen an ihrer ersten Ehe gescheitert sind, ist trotzdem bitter. Aber fort waren die Bächlein und Wasserfälle der Liebe nicht. Sie haben sich ihren Weg gebahnt. Mein Freund ist kein grauer Fels geblieben, sondern blüht wieder. Ich freue mich sehr, sehr für ihn. Und ich freue mich auf die Trauung im Sommer.
Ich sag mal: Vielen Dank, lieber Gott, für Deine Predigt auf dem Wanderweg. So kann ich mit den Versen über Deine Liebe, die in uns ausgegossen ist, wirklich was anfangen.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
SWR4 Sonntagsgedanken
Die Zeiten ändern sich… Ja, das ist eine Binsenweisheit. Aber sie ist drum nicht weniger wahr. Mich beschäftigt das. Gerade auch wegen der jungen Menschen, mit denen ich arbeite. Ich war vor 25 Jahren Jugendlich; und es war toll, dass ich als Teenager ziemlich unbeschwert die verrücktesten Pläne machen konnte. Und ich bin immer davon ausgegangen: ich hab mal ne gute Zukunft. Für mich war das ganz selbstverständlich - ein Gefühl, dass Teenager und junge Erwachsene heute nicht mehr unbedingt haben. Und ich glaube, viele Ältere auch nicht.
Viele Themen wiegen schwer: Die Demokratie, wie wir sie seit 80 Jahren kennen, der Frieden in Europa, das Klima in der Welt, der Eindruck, dass ganz wenige Menschen richtig viel Geld haben und ganz viele ganz wenig. Die Aussicht auf eine gute Zukunft ist brüchig geworden. Besonders die Leute um die zwanzig tun mir manchmal leid, wenn ich sehe, wie viele Sorgen sie wälzen.
Deshalb habe ich zu Beginn gesagt: Die Zeiten ändern sich. Andererseits haben sie das schon immer. Und auch früher schon hat es Zeiten gegeben, die der von heute ähnlich sind.
Heute, am dritten Advent, wird eines Menschen gedacht, der ebenfalls noch recht jung gewesen ist, als seine Welt in einen Umbruch geraten ist: Johannes der Täufer Dieser Johannes hat auch Sorgen gewälzt. Auch er hat gelitten unter der soldatischen Präsenz Roms, er hat gelitten an einer fragwürdigen Monarchie; dass die Reichen sich schamlos bereichert haben und die Armen immer ärmer geworden sind. Als Protest ging er in die Wüste, aß nur wilden Honig und trug Kleidung aus Kamelhaar.
Das haben die Menschen damals wohl sehr anziehend gefunden. Viele sind zu ihm ans Ufer des Jordan-Flusses gekommen, weil sie ihn hören wollten. Johannes hat gepredigt. Und wie! „Ändert Euer Leben, die Axt ist schon an den Baum gelegt; wer schlechte Frucht bringt, wird umgehauen! Soldaten: tut niemand Gewalt an! Finanzverantwortliche, bereichert Euch nicht unlauter! Wer zwei Hemden hat, der gebe eins ab!“
Für Johannes war klar: Mit dieser Welt wird es bald ein schlimmes Ende nehmen. Es geht so übel zu, dass Gottes Gericht unmittelbar bevorstehen muss. Johannes wollte deshalb den radikalen Umbruch: das Steuer herumreißen, um im Gericht bestehen zu können.
Eigentlich ist er damit nicht weit weg von den jungen Menschen heute. Die versuchen auch, das Steuer radikal herumzureißen: sie wollen vegetarisch oder vegan leben, gendern, lieben, wen auch immer sie wollen. Sie gehen jedenfalls mit einer radikalen Hoffnungsidee um. Aber mit einem Unterschied: Die meisten heute hoffen, dass sie ihre Hoffnung selbst wahr werden lassen können. Johannes dagegen war überzeugt, dass Gott eingreifen wird, und dass ein großes Gericht über die Welt beginnen würde; dass Gott sie erlöst von allem Unrecht.
Erlösung heute wird überwiegend ohne Gott gedacht.
In unseren Zeiten höre ich nur noch selten etwas von Gottes Gericht. Die Erwartung, dass am Ende aller Tage ein himmlisches Gericht abgehalten wird, in dem die Guten von den Bösen getrennt werden – oder gar von Himmel und Hölle die Rede ist – hat sich verflüchtigt.
Ich denke, wir wissen trotzdem noch, wovon die Rede ist, und wie sich das anfühlt: Zum Beispiel, wenn wir etwas gutes Essen, dann beschreiben wir das als himmlisch. Oder wir sagen: „Das war die Hölle!“ Für Johannes war der Gedanke noch ganz real: Wenn die Zeit am schlimmsten ist, wird Gott kommen und die Dinge wieder geraderücken.
Und das ist zu Johannes‘ Lebzeiten auch tatsächlich passiert. Aber ganz anders als Johannes es erwartet hatte. Denn statt einer himmlischen Armee und einem strengen Richter kommt ein anderer junger Mann namens Jesus zu ihm an den Jordan und lässt sich von ihm taufen.
Gottes Gericht – und das ist die krasse Offenbarung – ist nicht gewalttätig. Es ist geliebtätig. Gottes Gericht ist nicht so, dass es Menschen ausschließt und ewig bestraft. Es ist so, dass es Menschen einschließt und ewig begnadigt. Und, jetzt mal ganz ehrlich, ich würde schon gerne wissen, ob er vielleicht enttäuscht war. Erwartet hat er, dass ein Gericht kommt, in dem Gott straft und prügelt. Bekommen hat er einen Menschen, der geliebt und verziehen hat.
Und, ja – ich höre auch manche von Ihnen schon fragen: Was ist mit den richtig großen Verbrechern in der Welt? Diktatoren und Mördern? Wird Jesus nicht als Richter wiederkommen? Und die Bösen am Ende doch strafen? Wissen Sie: ich weiß es nicht. Ich vertraue darauf, dass Gott Wege der Vergebung findet, die ich nicht sehe oder begreife. Das ist aber ein Teil meines Glaubens mit 39. Als ich so alt wie Johannes der Täufer war, war ich da auch ungnädiger.
Ich glaube, dass es heute ganz wichtig ist, an Johannes und Jesus zu erinnern. Weil die Welt ungerecht, gefährdet und gefährlich ist. Und weil die Zukunft unter Gottes Perspektive mit teilen, heilen und integrieren antwortet. Trotz aller Brüche.
Das sind große Gedanken. Aber, hey, in 10 Tagen ist Weihnachten. Und da fangen große Gedanken allemal klein an.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
Matthias Braun, Mainz, evangelische Kirche.
SWR4 Sonntagsgedanken
Als Kind hab ich immer mal versucht, mit Gott einen Deal zu machen. Ungefähr so: „Wenn Du machst, dass ich in der Klassenarbeit eine zwei schreibe, dann geh ich dafür viermal hintereinander zum Kindergottesdienst!“ Eine Frau hat mir erzählt, dass sie noch heute so etwas macht: „Wenn ich nur auf hellen Pflastersteinen laufe, dann bleibt mein Haustier gesund.“ Auch eine Art „Deal“ – nicht direkt mit Gott, sondern eher mit dem Schicksal. Vielleicht kennen Sie solche Gedanken ja auch: „Wenn ich das und das mache, dann habe ich vielleicht Glück – oder dann steht Gott mir bei…
Im Grunde ist das ja Aberglaube: Mit Gott oder auch mit irgendwelchen kosmischen Mächten einen Deal machen, der das Glück herbeiholen soll. Andererseits: In jedem Gebet steckt ja irgendwie die Hoffnung, Gott zu überreden, dass er einen Wunsch erfüllt. Die Herausforderung ist: Erzwingen lässt sich jedenfalls vom Himmel runter nichts!
Ich kann nur für mich sprechen: Ich erlebe, dass Gott mich durch mein Leben führt. Obwohl ich ihn im Großen und Ganzen als vergleichsweise still erlebe.
Aber manchmal lässt sich Gott eben doch auf einen Deal ein. Ein richtig krasses Beispiel zu diesem Phänomen erzähle ich Ihnen jetzt: Es geht um das Volk Israel, das in der Wüste umherwandert auf der Suche nach einer neuen Heimat. Moses hatte das Volk Israel aus Ägypten aus der Sklaverei befreit. Und jetzt, nach vielen Jahren, sind alle in der Nähe der Stadt Jericho angekommen. Die politische Lage hat ihnen klargemacht: Jericho muss erobert werden. Sonst wird es unmöglich, weiterzuwandern. Mose Nachfolger Josua schickt zwei Kundschafter los. Man muss ja mal schauen, wie die Stadt verteidigt ist.
Die beiden Kundschafter ziehen also los.
Aber das bleibt ihren Feinden nicht verborgen. Soldaten von Jericho kommen abends in das Haus, in dem die beiden Unterschlupf gefunden haben. Aber sie finden sie nicht. Rahab, die Besitzerin des Hauses, hat die beiden Fremden nämlich versteckt. Und später lässt Rahab die beiden heimlich aus der Stadt fliehen – und lässt sie in einem Weidenkorb an der Stadtmauer hinab. Ihre Begründung: „Euer Gott wird euch siegen lassen, und ihr werdet Jericho erobern. Und ich helfe euch, wenn mich euer Gott dafür am Leben lässt. “
Und so kommt es: Jericho wird erobert und Rahab und ihre Familie bleiben am Leben!
Rahabs Deal mit Gott ist gemacht! Sie rettet die Kundschafter, weil sie von der Kraft des Gottes Israels überzeugt ist. Sie weiß, dass es für sie am besten ist, auf den Gott der Fremden zu bauen. Nicht auf sich selbst, nicht auf die Stadtmauern, nicht auf eine Flucht. Und dafür macht sie einen Deal: „An diesen einen Gott der Fremden glaub ich jetzt“, hat sie gesagt. Und Gott ist darauf eingegangen. Und das ist doch nun wirklich ungewöhnlich!
Dabei ist es ja schon ungewöhnlich genug, überhaupt auf einen Deal mit Gott zu spekulieren. Ich erlebe Gott im Großen und Ganzen eher still. Mein persönlicher Glaube ist darauf angewiesen, immer wieder neu zu beten, immer wieder neu zu bitten und immer wieder neu zu merken: Doch, ja!, Gott ist doch da und begleitet mich. Davon bin ich überzeugt.
Rahab aus der Bibel vertraut auch darauf, dass Gott ihr hilft. Dass dieser Gott wirklich der Gott ist, auf den es im Leben ankommt. Sie konnte sich ja eigentlich nicht sicher sein. Trotzdem war sie – überzeugt. Und bei diesem ersten Deal, den sie mit diesem Gott macht, bekommt sie die Bestätigung. Und vielleicht muss das dann im Leben für den Alltag genügen: Ein klarer Deal und danach immer wieder in der Erinnerung an diesen Deal mit Gott neustarten.
Ich denke an einen Familienvater, den ich kennengelernt habe. Ich werde ihn dieses Jahr taufen. Er ist in einer Familie großgeworden, in der man nicht einmal an Weihnachten in den Gottesdienst gegangen ist. Persönlich hat er aber immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ihm Dinge passiert sind, die mehr als Zufall sind. Er hat nach einem Gottesdienst gebetet: Gib mir eine gute Zukunft. Zwei Tage später hat er seine heutige Frau kennengelernt. Und heute sagt er: „Das konnte kein Zufall sein.“ Und dann ist er drangeblieben. Er sagt: Dann soll dieser Gott auch offiziell mein Gott werden.
Auch er macht wie Rahab mit Gott einen Deal. Auch er hat gemerkt: Dieser Gott ist der Gott, auf den es im Leben ankommt. Und das ist, das geb‘ ich zu, auch im 21. Jahrhundert noch ungewöhnlich. Dass ein Mensch sich für diesen Gott entscheidet. Weil man sich ja nicht sicher sein kann. Und trotzdem ist er überzeugt. Und noch viel außergewöhnlich ungewöhnlicher ist es, dass Gott auch hier auf diesen ersten Deal eingegangen ist.
Offensichtlich macht das der Gott der Bibel immer wieder. Zuhören, antworten, einen Deal machen. Und das finde ich einfach richtig gut.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
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Ich bin ja evangelischer Pfarrer. Aber trotzdem gern auch zu Gast bei einer katholischen Messe, bei meinen katholischen Brüdern und Schwestern. Das letzte Mal am Weißen Sonntag, das ist der Sonntag nach Ostern: In den ersten beiden Reihen saßen dreißig Kinder bereit für ihre Erstkommunion. Darunter mein Neffe. Tief habe ich den Duft des Weihrauchs inhaliert. Ich mag das. Als evangelischer Pfarrer einen katholischen Gottesdienst zu besuchen, ist immer ein Erlebnis für die Sinne. Ich anerkenne: Die katholischen Gottesdienste haben ästhetisch einfach was drauf. Unsere klassisch evangelischen Gottesdienste kommen doch eher nüchtern daher.
Gut, das ist jetzt vielleicht ein wenig übertrieben. Wenn bei uns ein Chor singt oder eine Bachkantate aufgeführt wird, dann ist das Schönheit für die Ohren. Aber der römisch-katholische Mix aus Geruch, Klang, Aufstehen, Hinknien – das nimmt die Menschen ganz anders mit. Und dann kommt etwas, was ich sehr liebe: die Wandelkommunion.
D.h. es gibt – wie wir Evangelischen sagen – Abendmahl. Dabei strömen aus allen Bänken die Menschen zu drei oder vier Stationen in der Kirche. Dort bekommen sie dann den Leib Christi ausgeteilt. Also ein Stück Brot bzw. eine Oblate – aber, wissen Sie: Ich möchte hier nicht über theologische Spitzfindigkeiten sprechen. Was mich einfach total anspricht: diese Dynamik mitten im Gottesdienst. Alle gehen vor, kehren kauend zurück oder stecken die Oblate auf dem Rückweg in den Mund. Ich finde das toll. Mir gefällt das als Symbol: Mit „Gott ganz nah“ herumlaufen.
Heute, an Fronleichnam, faszinieren mich ganz ähnlich die Prozessionen. Schon als Gemeindepfarrer in Rheinhessen habe ich an Fronleichnam immer die Fenster geöffnet, um den Zug durch den Ort zu betrachten. Die katholische Gemeinde trägt den Leib Christi, ein Stück Brot des Lebens in einem prächtigen Gefäß – der sogenannten Monstranz – durch ihren Ort. Zum Segen. Sie laufen herum mit „Gott ganz nah“. Ganz offensichtlich bringt die katholische Kirche ihre Gläubigen in Bewegung.
Auf der anderen Seite ist das Gras ja immer grüner. Und vielleicht denkt sich jetzt eine katholische Person: Mir gefällt es bei den Evangelischen, wenn Abendmahl im Kreis gefeiert wird. Wenn alle vor Gott stehen und nicht einfach weiterlaufen. Für mich ist das evangelische Abendmahl auch schön – keine Frage. Das ist immer wie eine Insel im Ozean des Lebens. Da lass ich mir sagen: Du bist gut, wie Du bist.
Aber mir gefällt eben auch das katholische Bild: Man ist als Mensch eben Teil des Lebens; des Alltags. Und in diesem gilt es, sich zu regen und weiterzugehen. In einem Brief aus dem neuen Testament heißt es: „Lasst uns laufen in Geduld mit Blick auf Jesus“ (Hebr. 12, 1c.2a). Und ich finde in Fronleichnam da einfach eine sehr schöne praktische Umsetzung.
Ich finde: Prozessionen an Fronleichnam sollten als Symbol gewürdigt werden. Da geht eine Gruppe Menschen durch die Straßen der Dörfer und Städte und zeigt: Das Leben kann beschwerlich sein. Aber wir haben den Blick zum Himmel gerichtet. Geduldig gehen wir weiter.
Das zeugt doch wohl für Widerstandskraft, oder: Resilienz – wie man heute sagt. Also für die Fähigkeit, die eigene Realität als Realität zu akzeptieren und unter den Bedingungen weiterzugehen.
Ich habe lange gebraucht, um mir diese Perspektive auf Fronleichnam zu eröffnen. In meinen ersten Jahren als evangelischer Pfarrer haben mir die älteren Rheinhessinnen erzählt: Wir haben früher extra immer die Wäsche an Fronleichnam gewaschen und rausgehängt, um die Katholiken zu ärgern. Das war ja deren höchster Feiertag und da haben wir gezeigt: so ein Quark, dass Ihr da mit dem Leib Christi rumlauft.
Dahinter stecken zum Teil fünfhundert Jahre alte Vorurteile. Aber eben auch unterschiedliche Glaubensstile. Ich für meinen Teil gehe nicht bei den Prozessionen mit „Gott ganz nah“ mit. Ich bin einfach in der evangelischen Kirche daheim. Aber ich freue mich an den katholischen Geschwistern, wenn sie zeigen: Wir ziehen mit Gott durchs Leben. Und tragen ihn buchstäblich zum Segen für die Welt mit uns. Darüber, finde ich, gibt es nichts zu spotten und zu ärgern.
Ich als evangelischer Christ habe für mich einen Zugang zu Fronleichnam gefunden. Und das ist das Bild: geduldig weitergehen. Das kann jeder Mensch nachvollziehen. Und sich fragen: Bin ich geduldig? Das kann ich natürlich für Sie nicht beantworten. Aber ich gebe Ihnen noch eine kleine Info: Geduld kommt von einem Wort, das ‚aushalten‘ heißt.
Fronleichnam ist in diesem Sinne ein Geduldsfest. Weil die Prozession – so sehe ich es – eben einen biblischen Vers ganz real werden lässt: Lasst uns laufen in Geduld mit Blick auf Jesus. Fronleichnam als Fest feiert, dass bei diesem Lauf Gott mitgeht. Der Mensch ist nicht allein in der Welt. Oder weniger christlich formuliert: Lasst uns aushalten, was auszuhalten ist und hoffnungsvoll weitermachen.
Mir ist dabei schon klar, dass es Realitäten gibt, die ausgehalten werden müssen, ohne Hoffnungsperspektive. Auch ich habe Familienmitglieder an Krankheiten verloren. In solchen Momenten kommen Gottvertrauen und christliche Feste natürlich an ihre Grenzen. Aber gerade auf der Grenze ist für mich die Botschaft von Fronleichnam eine echte Kraftstation: Gott geht mit.
Ihnen allen einen schönen Feiertag und ein gerüttelt Maß Geduld.
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Sind Sie gerade auch so gereizt? Können schon kleine, unerwartete Belastungen etwas in Ihnen zum Kochen bringen (von den großen ganz zu Schweigen)? Dann sind Sie nicht allein! Bei Umfragen kommt immer öfter heraus: Die Befragten fühlen sich gestresst und gereizt. Als Jugendpfarrer bin ich natürlich an Jugendstudien interessiert. Und auch da: 20-jährige sind im Dauersorgenmodus.
Bei allen Unterschieden haben die Jungen und die Alten also doch etwas gemeinsam: ihre Zukunftssorgen. Und damit auch ihre Gereiztheit.
Ich behaupte mal: Das liegt daran, dass wir als Gesellschaft schon eine ganze Weile um unsere Überzeugungen kämpfen. Es ist ja alles nicht mehr so klar, wie es früher vielleicht einmal war. Mein Vater zum Beispiel, der kam 1953 zur Welt. Für ihn war es immer klar: Amerika ist Europas wichtigster Verbündeter. Das ist heute nicht mehr so klar. Vor acht, neun Jahren wäre für die Mehrheit im Land noch klar gewesen: Man tritt nicht aus der Kirche aus. Das ist heute nicht mehr so klar. Vor vier Jahren war der Klimaschutz noch ein zentrales Zukunftsthema. Das ist heute nicht mehr so klar.
Ganz viel scheint heute nicht mehr so klar; stattdessen gibt es unzählige Meinungen zu allem und jedem: da ist es doch klar, dass man gereizt ist.
Das ist kein neues Phänomen. Genau genommen, ist es sogar ein sehr altes. Schon in Geschichten aus der Bibel, die ungefähr 600 Jahre vor Christus spielen, kommt das vor.
Da gibt es einen Propheten namens Jeremia in Jerusalem. Er ist einer von vielen, denn es sind unsichere Zeiten: Eine neue Großmacht namens Babylon könnte die gewohnten Machtverhältnisse verändern; Jerusalems Herrschende wissen nicht genau, wohin die Zukunft führen wird. Aber trotzdem versuchen sie, ihren Vorteil daraus zu ziehen. Und auch die Priester am Tempel wollen den Menschen nicht sagen, dass die Lage schwierig werden könnte. Und dass es gilt, zusammenzuhalten, statt auf den eigenen Vorteil zu schielen. Jeremia unterscheidet sich von den Priestern und den vielen anderen Propheten. Er steht für seine Überzeugungen ein. Er sagt: Vertraut auf den Gott, den wir kennen. Auf ihn müssen wir hören und nicht auf eigene Machtinteressen. Wir dürfen uns nicht von Angst bestimmen lassen – und einfach über Bord werfen, was richtig ist: Gott und sein Gebot, dass wir füreinander einstehen sollen. Gott hält eine Zukunft für uns bereit.
Die Menschen, die ihn hören, reagieren extrem gereizt. „Frevler“, rufen sie und, „wir werden Dich verklagen“ und auch seine Freunde wenden sich einer nach dem anderen von ihm ab. Jeremia aber bleibt bei seiner Überzeugung, seinem Glauben und seinem Gott. Obwohl er unter den Anfeindungen fast zusammenbricht. Manchmal wünscht er sich sogar, nie geboren worden zu sein.
Nun sollte so eine biblische Geschichte, die von Gott handelt, nicht eins zu eins als Beispiel für das eigene Leben gedeutet werden.
Ich denke, die Geschichte von Jeremia ist auch für uns heute interessant. Weil auch wir in unsicheren Zeiten leben und viele gerade so gereizt sind. Jeremia hat nicht aufgegeben, sich für das Richtige einzusetzen – obwohl seine Mitmenschen gereizt reagiert und ihn sogar drangsaliert haben.
Jeremia hatte Recht. Allerdings hat sich das erst im Nachhinein gezeigt: Als Jerusalem von den Babyloniern zerstört wurde. Das möchte ich nicht vergessen, wenn ich an die Diskussionen und unsere Probleme von heute denke: Denn wer dabei recht hat und die richtigen Lösungen weiß, wird sich auch erst in Zukunft zeigen. Und trotzdem sollten wir es machen, wie Jeremia: für die eigene Überzeugung einstehen und sich von den anderen nicht mundtot machen zu lassen – egal wie gereizt die auch reagiert haben mögen.
Ich finde, die Geschichte hat uns außerdem noch etwas zu sagen. Nämlich: Nicht ständig gereizt sein! Es wäre viel reizender, wenn statt der ständigen „Frevler“-Rufe mal jemand rufen würde „Aha, das hab ich ja noch nie so gesehen. Anregend!“ Denn Jeremia benennt ja, wie er sich fühlt: Es wäre besser, nie geboren worden zu sein. Der dauernde Kampf um Überzeugungen macht mürbe.
Weltwandelzeiten waren das damals bei Jeremia. Und auch unsere heutige Welt wandelt sich. Der Ausgang ist ungewiss. Diese Ungewissheit gilt es, zu akzeptieren. Ich denke, es gilt, wie Jeremia zu den eigenen Überzeugungen zu stehen. Er leidet zwar an den Reaktionen auf das, was er sagt. Aber er gibt die Zukunft nicht auf. Und er gibt auch die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen ihre eigenen Interessen eben doch hinten anstellen können. Und aufhören, so gereizt zu sein und lieber gemeinsam in die Zukunft zu gehen.
Dazu gehört dann für mich, geduldig zu ertragen, dass momentan alles nicht mehr so klar ist wie noch vor 10 Jahren. Für meine Überzeugungen einzustehen, und aufzupassen, dass ich nicht selbst überempfindlich und gereizt reagiere, wenn jemand anderer Meinung ist. Und aber auch auszuhalten, dass wir alle irgendwie gereizt sind und auch im Kleinen mit der Ungewissheit ringen, wie die Zukunft wird.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
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Da liegen sie vor uns: 365 neue Tage. Für mich hat der Neujahrsmorgen immer etwas von Aufbruchstimmung und Neuanfang – ich mag das. Ich blicke gern und vertrauensvoll in die Zukunft – obwohl niemand von uns weiß, was die neue Zeit bringen wird. Und ich muss zugeben, dass meine Zuversicht dieses Mal auch einen leichten Knacks bekommen hat. Ich muss an eine junge Frau denken: Eleonore.
Eleonore ist 17 Jahre alt und hat im vergangenen Jahr mit mir einen Gottesdienst für Jugendliche gefeiert. Sie hat einen Teil der Predigt übernommen und gesagt: „Trump ist wieder da, in Europa ist Krieg, die Wirtschaft ist schwach. Das macht mir alles Angst.“ Und ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich wusste nicht, wie ich sie hätte trösten können. Oder ihr Mut machen. Eleonore hat es gewagt, sehr persönlich von ihrer Zukunftsangst zu sprechen. Und ihre Angst und Ratlosigkeit sind in dem Moment zu mir „rübergeschwappt“ und haben auch mich ratlos gemacht.
Eleonore ist aber nur eine von mehreren Jugendlichen, mit denen ich arbeite. Ich bin Pfarrer für Menschen zwischen 14 und 27 Jahren. Und wenn ich mich mit den jungen Leuten unterhalte, wird mir klar, dass sie in ihrem Leben eigentlich nur schlechte Nachrichten kennengelernt haben. Es ging los mit Corona, dann kam der Krieg in der Ukraine, immer wieder Nachrichten über Klimakatastrophen, jetzt die Wahl in den USA, von der niemand weiß, was sie für die Welt bedeutet. Es ist kein Wunder, dass sie auf das Jahr 2025 schauen und sich fragen: „Was für einen Knüppel wird uns 2025 zwischen die Beine werfen?“
Heute, am ersten Januar, weiß auch ich nicht, was das neue Jahr bringen wird. Und trotzdem fühlt er sich doch wieder nach Aufbruch an, nach Neuanfang und – nach Zukunft. Und wenn ich an Eleonore denke, dann merke ich: Es ist ein guter Tag, um über Zukunft und Angst zu sprechen. Ich möchte Pläne schmieden – in die Zukunft hinein. Und gerade den jungen Menschen wie Eleonore Mut machen, weit nach vorne zu schauen. Die Zukunft ist ein Raum mit Platz für Ideen, Fantasien und von Träumen, die real werden können. Das fühlt sich groß und weit an in mir. Angst aber kommt vom gleichen Wort wie Enge. Angst macht eng, beklommen und traumlos. Angst und Zukunft vertragen sich nicht. Die Angst macht die Zukunft klein. Eine Zukunft aber kann Angst überwinden.
Als Christ bin ich davon überzeugt: Zukunft hat etwas mit Gott zu tun. Mein Vertrauen hilft mir, die Enge der Angst abzuschütteln. Und ich versuche immer wieder, mit meinen Jugendlichen Zukunftsspuren Gottes in ihrem Leben zu finden. Eine Geschichte, die uns dabei immer wieder hilft, stammt aus dem Alten Testament. Ich erzähle Ihnen kurz den Zusammenhang:
Das Volk Israel ist vom Propheten Mose aus der Sklaverei in Ägypten befreit worden. Lange Jahre war Mose ihr Anführer. Jetzt ist er gestorben, und sein Nachfolger Josua hat Angst. Er weiß nicht, ob er die Herausforderung meistert, das Volk anzuführen. Noch sind sie in ihrer neuen Heimat nicht angekommen. Und Josua hat keine Ahnung, welche Probleme und Krisen die Zukunft bringen wird. Auf der Grenze zu Israel sagt Gott zu ihm: Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst. (Jos 1, 9b) Hab keine Angst, Gott ist bei Dir. Das zu hören und zu spüren war für Josua der Moment, in dem er seine Angst überwinden konnte. Und dann hat er die Aufgabe, die vor ihm lag, angepackt.
Ich finde: Wenn Gott bei mir ist, dann kann die Angst nicht gewinnen. Denn schon das wenige, das ich von Gott erkenne, ist viel größer und viel weiter als alle Enge. Aus der Psychologie weiß ich, dass Angst ein Gefühl ohne Ziel ist. Angst ist ein Gefühl, dass sich über alles legt und mir die Zukunft mit einer grauen Wolke verhängt. Da ist der Satz „Gott ist bei mir“ wie eine Sonne mitten in der Regenwolke.
Liebe Hörerinnen und Hörer, ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr. Und das Vertrauen, dass Gott an unserer Seite ist, egal was 2025 bringen wird. Besonders wünsche ich das den jungen Leuten, wie Eleonore: dass sie es wagen, zuversichtlich und weit in die Zukunft zu sehen. Auch im neuen Jahr wird es schlechte Nachrichten geben und Herausforderungen, die einem Angst machen können. Am besten, wir machen uns dann gemeinsam wieder auf die Suche: nach der Sonne mitten in der Regenwolke. Gerade dann, wenn es sich so anfühlt, als ständen wir mitten in der Regenwolke. Denn Gott sagt auch Ihnen: „Ich bin schon da. Hab keine Angst, ich bin bei Dir.“
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr voller Zukunft.
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Ich kann mich noch gut an meine Zeit im Kindergottesdienst erinnern. Erntedank war immer ein besonderer Sonntag: Wir durften zu den Erwachsenen in den Gottesdienst. Und nicht nur das: Wir brachten allerlei Früchte mit. Kürbisse, Zucchini, Auberginen und Berge von Trauben. „Mit Gaben den Altar schmücken“ – so hieß das damals. Und in unseren Augen war klar: Mit den Gaben sah die Kirche gleich nochmal so schön aus.
Danach wurden die Gaben zu Gunsten eines Kinderheims unter den Gottesdienstfeiernden versteigert. Ob irgendjemand dann aus unseren Gaben um den Altar herum etwas gekocht hat, weiß ich nicht. Für uns war das Schmücken das Schöne. Ich habe aber auch noch im Ohr, was der Pfarrer damals zu uns sagte: „Dank Gott dafür, dass wir Essen haben.“ Damals haben wir das noch nicht so verstanden. Aber wir haben eine erste Ahnung davon bekommen, wie abhängig wir sind von dem Wunder, dass auf der Erde etwas wächst.
Heutzutage gibt es so ein Brauchtum an den Altären immer noch. Aber die Gespräche über den Wert von Feldfrüchten haben sich, meine ich, verlagert. Vom Altar, dem Tisch in einer Kirche, zum Esszimmertisch in der Familie oder bei Freundinnen und Freunden.
Mein Eindruck ist: In meinem Bekanntenkreis regen die zubereiteten Nahrungsmittel erstmal nicht zum Dank an, sondern zu einer hitzigen Diskussion. Der eine lebt vegan, der nächste vegetarisch, die dritte ist Flexitarierin. Sie isst also ab und zu Fleisch. Und der vierte teilt mit: Ich lasse mir mein Schnitzel nicht verbieten! Manchmal bedaure ich das schon. Alle vier könnten schön beisammen sitzen. Aber die Frage, wer „am richtigsten“ isst, steht dem wohl im Wege.
Ich stelle mir diese vier nur mal als Experiment an Erntedank in einer Kirche vor. Wahrscheinlich schmücken sie den Altar nicht zusammen. Sondern bauen sich eigene Altäre in den Ecken der Kirche. Die Lebensmittel der anderen kommen nur in Auswahl vor. Wenn überhaupt.
Eigentlich könnte das Erntedankfest einmal als Chance gedacht werden, miteinander darüber zu sprechen, wie gut wir es hier haben. Gerade auch im Vergleich zu Ländern, in denen Menschen hungern. Ich finde: Das Erntedankfest mit seinen buntgeschmückten Altären sollte wieder ein zentraler Ort werden, um über Nahrungsmittel zu sprechen. Und zwar ohne verhärtete Meinung. #
Decken wir also gedanklich den Tisch. In einer Ecke steht ein veganes Gericht. In der zweiten ein vegetarisches. In der dritten steht ein Braten und in der vierten Ecke liegt ein Zettel aus der Bibel, auf dem steht: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet (1. Tim 4, 4f).
Das ist doch für die drei Esser an diesem Tisch ein echtes Friedensangebot. Mindestens aber eine Aufforderung, mal miteinander zu sprechen. Denn zumindest in christlich-biblischer Perspektive haben alle drei einen gemeinsamen Nenner: Das, was sie essen, können sie dankbar empfangen. Beschenkt sind also alle drei. Und deshalb können alle drei gemeinsam mit Danksagung empfangen, wie es in der Bibel steht. Typisch wäre zum Beispiel ein kurzes Dankgebet vor dem Essen. Menschen haben schon immer ihre Danksagung im Gebet artikuliert.
Ich spüre diese Dankbarkeit gerne in mir. Und ich vermute, so dankbar können sich nicht nur wir Menschen fühlen. Wenn nämlich zum Beispiel eine Kuh genüsslich auf der Weide kaut, dann empfängt sie das Gras mit wiederkäuender Danksagung. Wenn ein Schwein den Erdboden umgräbt, empfängt es Wurzeln und Knollen mit schnüffelnder Danksagung.
Und mir gefällt der Gedanke, dass Gott gerade irgendwo eine Kuh mit Futter beschenkt und sie ihm was vormuht. Oder ein Schwein ihm was grunzt, weil beide gerade nicht auf meinem Teller liegen.
Je älter ich werde, desto mehr, sehe ich das Wunder, dass auf dieser Erde Nahrung wächst für alles, was lebt. Und ich sehe, dass es sich lohnt daran zu erinnern, für dieses Wunder zu danken. Heute, an Erntedank ist der beste Tag, um das mit anderen gemeinsam zu tun. Der gemeinsame Boden: wir sind alle beschenkt.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Erntedanksonntag und eine gute Woche.
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Falls Sie getauft sind: Wissen Sie, ob sie einen Taufspruch haben? Ein Bibelwort, das ihnen Ihre Gemeinde und ihre Familie mit auf den Weg gegeben hat? Ich frag das immer mal wieder Menschen und kaum einer weiß ihn. Ich frag auch meine Konfirmandinnen und Konfirmanden im Unterricht danach. Und blicke meistens ebenfalls in ratlose Gesichter. Ob sie getauft sind, das wissen die meisten der Jugendlichen. Aber ihren Taufspruch? Fehlanzeige. Umso größer ist die Überraschung, wenn ich die Taufsprüche meiner Konfis vor der Stunde rausgesucht habe und ihnen mitbringe. Viele rührt das, weil ihnen ihr Spruch zeigt: Das und das haben meine Eltern, meine Paten oder auch der Pfarrer damals über mich gedacht oder mit mir erlebt.
In der Kleinstadt, in der ich Pfarrer war, hab ich das mit den Konfis natürlich auch so gemacht. Aber bei einer Konfi-Gruppe, da hatten unglaublich viele der Jugendlichen genau den gleichen Spruch. Ein Kollege, der in der gleichen Gemeinde gearbeitet hat, hat nämlich für alle Täuflinge denselben Spruch ausgewählt: Fürchte Dich nicht, ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein. Er hat gesagt: Das ist doch der beste Spruch für die Taufe. Gott sagt: Du gehörst zu mir. Und genau das feiere ich, wenn ich einem Kind dreimal Wasser über den Kopf laufen lasse.
Jetzt stellen Sie sich mal meine Konfi-Stunde vor: Ich sitze mit 30 Konfis im Gemeindesaal im Stuhlkreis. In der Mitte liegen die Taufsprüche. Für jeden Jugendlichen ein Spruch. Manchmal haben auch zwei oder drei denselben. Aber genau dieser – Fürchte Dich nicht, ich habe dich erlöst… - liegt da zehn-, zwölfmal. Für die Konfis mit diesem Spruch war das immer ganz zweischneidig. Einerseits fanden sie es natürlich lustig. So: „Ah, Du gehörst also auch zu den Furchtlosen?“ oder „Yeah, bester Spruch!“
Andererseits hat sich immer auch ein negatives Gefühl eingeschlichen: Nämlich weil sich der eigene Spruch irgendwie unbesonders anfühlt. Wenn den außer mir noch 15 haben – wie individuell kann das sein? Ist es überhaupt individuell? Hat das überhaupt was mit mir und meiner Familie zu tun?
Das mussten wir als Konfigruppen dann immer erst einmal aushalten. Und ich habe dann gesagt: „Wisst Ihr, die Taufe ist ein Symbol, dass Ihr mit Gott fest verbunden seid. Und mit Eurem Spruch sagt Gott auch zu Euch: Du gehörst zu mir. Und das beschreibt gut, was in der Taufe passiert. Dass ein Mensch zu Gott gehört.“
Meistens haben die Teenager das dann akzeptiert. Mit umso größerem Eifer haben sie sich dann aber auf die Suche nach einem Konfispruch gemacht. Denn mit dem Konfispruch konnten alle aus der Gruppe – und gerade auch die mit dem immer gleichen Spruch – sehr genau benennen, was für sie, ihren Glauben und ihre Werte zählt. Das fanden die gut.
Bei der Gelegenheit: Kennen Sie eigentlich Ihren Konfispruch? Das frage ich auch immer wieder mal und da wissen erstaunlich viele Leute mindestens noch Bruchstücke!
Die Konfis aus meiner Gruppe konnten mit ihrer ganz eigenen Wahl einen Schritt weiter kommen – über die allgemeine Zusage Gottes hinaus. Sie konnten ihrem Glauben eine Form geben, die zu ihnen passt. Und darauf kommt es an, wenn Gottvertrauen oder Glaube tragfähig sein sollen.
Wenn nämlich der Gott der Bibel sagt: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du gehörst zu mir“, dann ist das natürlich ein tolles Versprechen. Aber was kann das für mich heißen? Wie fühlt sich das für mich an? Gottes allgemein gültiges Versprechen braucht eine Form, die für mich passt.
Und da können dreizehn-, vierzehnjährige einen ganz schön überraschen, was die Auswahl angeht. Ein Mädchen hat gewählt: „Mit Gott bekomme ich Flügel wie ein Adler.“ Ein Junge hat genommen: „Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Wieder eine hat ausgewählt: „Glauben ist ein Sichverlassen auf das, was man nicht sieht.“ Und einer hat gewählt: „Fürchte Dich nicht, ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Er hatte sich extra vorher erkundigt, ob Taufsprüche nochmal genutzt werden dürfen.
So unterschiedlich fühlt es sich an, wenn Gott sagt „Du gehörst zu mir“. Der ersten gibt es Kraft und Schwung. Dem zweiten den Mut, die Welt zu verbessern. Der dritten hilft es zu erkennen, dass die Seele in der Welt keine Ruhe finden kann. Und dem vierten schenkt es im Wortsinn Zugehörigkeit.
Es braucht für ein tragfähiges Gottvertrauen einfach beides: Gottes Versprechen und meine Art, es für mich gültig zu machen. Und ich hoffe, dass Gott meine Deutung gefällt und die Form, die ich ihm damit gebe. Das ist meine Individualität in der Allgemeinheit.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
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Ich bin Badezimmersänger. Ich bin Flurpfeifer. Ich bin Fahrstuhlsummer. Ich verrutsche zwar immer wieder in den Tonarten. Aber ich singe gerne. In den meisten Fällen aus guter Laune oder weil ich meine Laune aufhellen möchte.
Entweder sing ich das, was mir gerade besonders gefällt oder aber die Sachen, die ich von klein auf kenne, auch Lieder aus dem Gesangbuch. In den meisten Fällen sind das die Lieder, die wir damals im Kindergottesdienst gesungen haben. Mit 8 Jahren habe ich wahrscheinlich einfach mitgesungen, mit 10 vielleicht auch über die Texte nachgedacht. Und kurz vor der Konfirmation haben wir uns natürlich über manches Lied auch amüsiert.
Ein Beispiel: Am Schluss des Kindergottesdienstes haben wir oft ein Segenslied gesungen: „Herr, wir bitten komm und segne uns“ gesungen. Und immer, wenn die Stelle kam: „Lege auf uns Deinen Frieden“ dann haben mein Freund und ich so getan, als würde etwas Schweres auf uns drauf liegen. Bei der Zeile: „Segnend halte Hände über uns“. Da haben wir Pfarrer gespielt und der Luft vor uns die Hände aufgelegt. Und bei „Rühr uns an mit Deiner Kraft“ haben wir so getan, als würden wir in einem großen Topf Suppe rühren. Haha, haha.
Wir fanden das damals natürlich fürchterlich witzig. Und unsere Leiter mussten ebenfalls grinsen, wenn sie uns Quatschköpfen zugeschaut haben. Wir waren ja noch ziemlich klein und ziemlich stolz auf uns, dass wir wussten: Rühren heißt beides! In der Suppe rühren und berühren und bewegen. Und wir haben eben gerne auch mal Quatsch gemacht.
Aber, und das hätten wir nicht vermutet: Über die Jahre hinweg – erst in der Kinderkirche, dann im Konfirmandenunterricht und noch darüber hinaus - ist das Lied sehr bei uns geblieben. Es ist tatsächlich ein Lebensbegleiter geworden.
Herr, wir bitten komm und segne uns hat mich nie mehr verlassen. Im Studium haben wir es gesungen. In meiner ersten Gemeinde gehörte das Lied zum Repertoire des Gemeindechores. Die Jugendlichen, mit denen ich Gottesdienste feiere, singen es gerne.
Und manchmal singe ich es im Bad oder pfeife es im Flur. Die Rührbewegung mache ich mittlerweile nicht mehr. Stattdessen spüre ich dem Gefühl nach, wie dieses Lied aus meiner Kinderzeit mich heute prägt und wie sehr es meine Beziehung mit Gott und Welt beschreibt.
Die Melodie ist fröhlich und motiviert zum Mitsingen. Der Text ist dann aber ziemlich ernst. Zum Beispiel der Vers: „In den Streit der Welt hast du uns gestellt, deinen Frieden zu verkünden…“ Wir Christinnen und Christen stehen im Leid und im Streit der Welt. Und unsere Aufgabe ist es, Frieden zu verkünden und Liebe zu bezeugen. Damit das gelingt, braucht es den Segen Gottes.
Ich entdecke in diesem Text immer wieder meine Verantwortung in der Welt. Und ich entdecke das gern in einem Segenslied, weil Gott mir den Mut gibt, mich Leid und Streit entgegen zu stellen.
Als Kind habe ich den Text so klar nicht verstanden. Da haben wir uns immer nur auf den Kehrvers gefreut. Erst als Jugendlicher und junger Mann habe ich gemerkt: Die Welt ist nicht so fröhlich und beschwingt, wie die Melodie des Liedes es vermuten lässt. Mein Glaube steht auf der Hoffnung, dass alles, was Menschen niederdrückt, beschwert und sogar tötet nicht das letzte Wort hat. Dass Gott jedes Leid bei sich aufnimmt und wegnimmt. Und dass er uns seinen Segen mitgibt, damit wir uns gegen das Leid stemmen – und bereits zu Lebzeiten.
Wenn ich dieses Lied singe oder pfeife, erinnere ich mich an diesen Gott. Meine Hoffnung. Und an meine Verantwortung, genau hinzusehen. Und dann gebe ich mein Bestes. Weil ein Lied, dass ich nun seit 30 Jahren mit mir trage, mein Gottvertrauen aktiviert. Vielleicht haben Sie ja auch so ein Lied, das sie schon lange begleitet und das so für Sie wirkt.
Ich jedenfalls pfeife mir gleich ein „Herr, wir bitten, komm und segne uns.“ Und wenn mein Freund und ich uns ab und zu im Gottesdienst treffen, machen wir immer noch kleine Rührbewegungen mit der Hand. Und dann grinsen wir verstohlen und merken: Uns ist was Gutes passiert.
Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
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Wenn Sie – liebe Hörerinnen und Hörer – mit Gott zu tun bekämen, wie würden Sie sich das vorstellen? Wie müsste das aussehen? Ich vermute mal: biblisch! Auf wundersame Weise. Wenn Gott mir begegnen soll, dann sicher auf ganz außergewöhnliche Weise. Vielleicht Gott auf dem Gipfel eines hohen Berges treffen. Manche erwarten vielleicht Gott nach einem langen Fasten in sich sprechen zu hören. Gott ist ja so sehr nicht von dieser Welt, dass es doch logisch ist, Gott nur zu erwarten, wenn ich etwas wirklich Übermenschliches zu leisten hatte.
Aber machen Sie sich bitte keinen Druck. Eine kleine Episode aus der Bibel erzählt das genaue Gegenteil. Und die erzähle ich jetzt Ihnen:
Ein nichtjüdischer Mensch namens Naaman hat eine Hautkrankheit. Er hat zu seinen Göttern gebetet, ihnen Geschenke gemacht, hat sich in mehreren Flüssen seines Heimatlandes rituell gewaschen – nicht hilft. Schließlich bekommt er den Tipp: Schau Dich mal in Israel um. Man erzählt sich, dass der dortige Gott Kranke heilen kann. 500kg Silber und 70kg Gold nimmt er mit. So ein Gott verdient eine ganz außergewöhnliche Gabe. Ein Diener begleitet ihn.
In Israel treffen sie schließlich auf den Propheten Elisa. Der rät Naaman: Wasche Dich siebenmal im Jordan, dann wirst Du gesund. Und Naaman weigert sich: „Ich habe mich in jedem Fluss gewaschen, ich werde das nicht noch einmal tun. Das ist doch unsinnig!“ Ich stelle mir vor, wie Elisa die Schultern zuckt und sich denkt: „Wer nicht will, der hat schon.“ Naamans Diener fasst sich ein Herz und sagt zu seinem Herrn: „Hör mal, wenn Dir der Prophet empfohlen hätte, etwas Großes zu tun, hättest Du es sicher getan. Steh Dir nicht im Weg und tu doch, was Dir zu selbstverständlich erscheint. Du hast doch nichts zu verlieren.“ Und Naaman tut das Naheliegende, wäscht sich und wird gesund.
Am Ende will er Elisa Gold und Silber überreichen. Elisa aber lehnt das ab. Er und sein Gott brauchen solchen Zinnober nicht.
Wissen Sie, mir gefällt das. Wer hofft, dass Gott handelt, der oder die soll das Naheliegende nicht ausschließen. Ich denke, gläubige Menschen warten oft auf den großen Knall, das große Wunder. Damit Gott seinen guten Willen auch hörbar und sichtbar macht. Aber es gehört anscheinend zu den Eigentümlichkeiten des biblischen Gottes, dass er seinen guten Willen gerade im Naheliegenden vermittelt. Das heißt aber nicht, dass Naaman ein blindes Huhn wäre.
Aber das, was eigentlich naheliegt, kann einem manchmal ganz schön fern sein. Ich hab das mal erlebt. Ich war mit einer Gruppe Teenager in Griechenland auf einer Freizeit. Eine Frau in meinem Alter, die ebenfalls als Betreuerin dabei war, war Angela. Ich hätte mit ihr gerne irgendwie auf eine gute Art und Weise Kontakte geknüpft. Aber, ich weiß nicht, warum: Jedes Gespräch von uns war geprägt von schnippischen Kommentaren. Vielleicht, weil die Jugendlichen um uns herum waren und wir beide vor ihnen gut dastehen wollten. Ich habe einen richtigen Konkurrenzkampf angefangen. Und ich wollte natürlich unbedingt gewinnen: der coolere sein und das Machtspielchen gewinnen.
Tief in mir drin, war mir das klar. Und dass mich falsche Eitelkeit gepackt hatte – wie eine Krankheit. So ähnlich wie die Krankheit auf der Haut von Naaman. Tief in mir drin wollte ich sie auch gerne loswerden. Aber zuerst habe ich schon gehofft, dass Gott irgendwie eingreift, irgendetwas Außergewöhnliches passieren und unser Konflikt sich lösen würde.
Nach drei, vier Tagen dieses völlig unnötigen Machtspielchens haben wir einen Leuchtturm an der Ägäis besucht. Der Wind hat geweht, die Sonne war warm, Angela saß alleine auf einer Mauer. Es war ein wunderschöner Tag. Aber etwas Außergewöhnliches ist nicht passiert. Und das Naheliegende schien mir so fern: Rüber gehen und zugeben, dass ich nicht ganz sauber war. Ich weiß nicht mehr, was mich angetrieben hat. Aber ich bin rüber und hab gesagt: „Wir hatten irgendwie einen schlechten Start. Ich hätte gerne positiven Umgang mit Dir. Können wir neu anfangen?“ Wieder ein paar Tage später hat sie gesagt: „Ich habe einen ganz anderen Matthias erlebt.“ Ich glaube schon, dass da der Heilige Geist geweht hat. Kraft und Versöhnung hab ich erlebt – nur halt anders, als ich erwartet hätte. Ohne Applaus, aber dafür mit Herz.
Da hab ich was gelernt. Es war naheliegend, rüber zu gehen. Es war naheliegend, die eigene Eitelkeit zu überwinden. Mich im übertragenen Sinne zu waschen. Es hat auch nichts gekostet, schon gar nicht 500kg Silber und 70kg Gold, die Naaman aus der Bibel für ein angemessenes Geschenk gehalten hat.
Und noch etwas hab ich gelernt: Gottes gute Absicht für ein friedliches Miteinander zeigt sich im Naheliegenden. Es braucht keine außergewöhnliche Leistung, keine außergewöhnliche Erscheinung. Gar nicht so selten, liegt das, was gesund macht, nah. Das zeigt die kleine Geschichte von Naaman.
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