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SWR4 Abendgedanken
Manche Menschen sind „Befürchtermenschen.“ Ich nenne sie so, weil sie immer etwas Schlimmes befürchten: Hinter jeder dunklen Hausecke könnte ein Räuber stehen. Jeder kleine Schmerz im Bauch könnte ein bösartiger Tumor sein. Und jede noch so kleine Wolke am Himmel könnte ein gewaltiges Unwetter ankündigen. Ich stelle mir das sehr anstrengend vor: Sich im Kopf immer das Schlimmste auszumalen. Und darum ständig in Furcht zu leben und voller Misstrauen. Dabei trifft das meiste von dem, was solche Menschen befürchten, nie ein. Die Katastrophen finden meistens nur in ihrem Kopf und in der Fantasie statt.
Eigentlich ist das tragisch und traurig. Denn Befürchtermenschen erwarten immer das Schlimmste und manche sind so sehr mit ihren negativen Gedanken beschäftigt, dass sie das Schöne und Gute gar nicht wahrnehmen können, das immer um sie herum ist.
Vielleicht kennen Sie das auch – von anderen oder von sich selbst. Ich jedenfalls merke: Auch ich kann an manchen Tagen so ein Befürchtermensch sein. Dann kreisen meine Gedanken um Sorgen, um Risiken, um das, was alles schiefgehen könnte und was Menschen, die ich liebe, zustoßen könnte. Ich bin dann von meinen Sorgen und Ängsten gefangen. Die Bibel hat für uns Befürchtermenschen ein gutes Wort. Sie sagt:
„Gott, der Herr ist mein Hirte. Ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir.“ (Psalm 23)
Das ist ein starkes Wort. Es sagt nicht: Es gibt keine Gefahren. Es sagt nicht, dass einem nicht manchmal wirklich etwas Schlimmes passieren kann. Aber es sagt: Gott ist bei mir egal was passiert. Wie ein guter Hirte seine Herde begleitet, so begleitet Gott mich – durch helle Tage und durch dunkle Täler. Das verändert meinen Blick. Ich muss mich nicht von jeder Angst gefangen nehmen lassen.
Vielleicht ist das ja der entscheidende Schritt: den Blick zu wenden. Weg von den vielen möglichen Katastrophen – hin zu Gott, der wirklich da ist. Denn wir fürchten vieles. Aber wir sind nicht allein. Gott geht an unserer Seite. Das kann selbst in unruhigen Zeiten ein echter Trost sein. Und es macht mich fähig, das Schöne und Gute in meinem Leben zu sehen.
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Ich liebe jüdische Legenden. Zum Beispiel diese: Eines Tages besucht ein wohlhabender Mann einen jüdischen Rabbi. Als er dessen Wohnung betritt, ist er überrascht: der Rabbi wohnt in einem einzigen Zimmer mit nur wenigen Möbeln. Verwundert fragt der Besucher: „Wo sind denn all die anderen Möbel?“ Der Rabbi schaut ihn an und fragt zurück: „Wo haben Sie denn ihre Möbel?“ Der Besucher stutzt: „Meine? Ich bin doch nur zu Besuch hier. Ich bin auf der Durchreise.“ Da lächelt der Rabbi und sagt: „Ich auch.“
Diese kleine Geschichte finde ich wunderbar, aber sie trifft mich auch. Denn sie erinnert mich daran: Auch ich bin in meinem Leben nur auf der Durchreise. Dabei kann das Leben so schön sein. Ich würde es gerne festhalten. Aber in Wahrheit ist es nur ein Weg, ein Unterwegssein zu einem ganz anderen Ort. Mein letztes Zuhause wartet noch auf mich im Himmel.
Ich vergesse das so leicht. Ich lebe oft so, als würde ich für immer hier auf der Erde bleiben. Ich sammle Dinge an, sorge mich um meinen Besitz, halte fest an dem, was ich habe. Meine Möbel, meine Bücher, meine Beziehungen. Ich tue so, als wäre das alles für die Ewigkeit. Dabei weiß ich eigentlich genau: Nichts davon kann ich einmal mitnehmen, wenn mein Leben zu Ende geht.
Ein Bibelwort aus dem Hebräerbrief bringt es auf den Punkt: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebr.13,14)
Das bedeutet jetzt nicht, dass mein Leben hier auf der Erde unwichtig wäre. Ganz im Gegenteil. Gerade weil es eine Durchreise ist, bekommt es seinen besonderen Wert. Jeder Tag ist kostbar. Jede Begegnung zählt. Aber ich kann nichts davon festhalten. Ich kann mich nicht absichern, nicht alles kontrollieren.
Vielleicht liegt darin auch eine große Freiheit: zu wissen, ich muss keine Angst haben, etwas zu verpassen oder etwas zu verlieren. Ich darf mit leichtem Gepäck unterwegs sein. Ich darf teilen und loslassen. Und ich darf darauf vertrauen: Am Ende meiner Reise steht nicht das Nichts, sondern der Himmel. Mein Ziel ist Gott. Am Ende wartet er auf mich.
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Loslassen fällt mir ganz schön schwer. Ich habe mich vor einigen Tagen von meinem Lieblingspulli getrennt. Er war mir längst zu klein geworden, aber ich habe immer gedacht: Irgendwann passt er wieder. Jetzt habe ich ihn in die Altkleidersammlung gegeben.
Wenn es doch nur der alte Pulli wäre, von dem ich mich schlecht trennen kann. Doch es gibt noch andere Dinge, die ich nicht einfach loslassen kann, obwohl sie mich gefangen nehmen: Sorgen, die ich mir mache. Verletzungen, die mir andere Menschen zugefügt haben. Schlechte Gewohnheiten. Ängste. Ich weiß ganz genau: Wenn ich das alles loslassen könnte, dann würde es mir besser gehen. Aber ich komme davon nicht los.
Das ist fast so wie bei der „Affenfalle“. Ich habe vor einiger Zeit davon gehört. Das ist eine jahrhundertalte Methode, wie man früher in Südostasien Affen gefangen hat.
Die Falle besteht aus einer hohlen Kokosnuss, die an einem Baum befestigt ist. Sie hat eine kleine Öffnung. Und in der Kokosnuss liegt ein Stück Frucht oder ein paar Nüsse.
Der Affe zwängt seine Hand durch die kleine Öffnung in die Kokosnuss hinein, greift nach der Beute – und will die Hand dann wieder herausziehen. Doch seine Faust passt jetzt nicht mehr durch das Loch. Der Affe ist gefangen. Eigentlich müsste er nur seine Beute loslassen, dann könnte er die Hand wieder herausziehen und wäre frei. Aber das kann er nicht. Weil er seine Chance auf die leckere Nahrung nicht aufgeben will.
Loslassen ist schwer, und doch ist es eine der wichtigsten Aufgaben, die ich im Leben lernen muss. Ohne Loslassen gibt es keine Freiheit. Die Bibel ermutigt Menschen wie mich, meine Sorgen, Ängste und Verletzungen loszulassen und Gott anzuvertrauen. „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“. So lese ich im ersten Petrusbrief (1.Petr.5,7) Das ist nicht einfach. Es ist ein Weg, den ich Schritt für Schritt lernen muss. Dabei hilft es, wenn ich lerne darauf zu vertrauen, dass Gott meine Sorgen und Ängste und Verletzungen kennt und sich darum kümmert. Wenn er das alles in seiner Hand hält, dann kann ich es loszulassen. Dann öffnet sich meine Hand und mein Herz und ich lebe freier.
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Der Weg zum Mond ist weit. Es sind etwa 384.000 Kilometer. Unvorstellbar weit ist das. Und dennoch sind Menschen zum Mond gereist. Am 21.Juli 1969, also heute vor 57 Jahren, hat der Astronaut Neil Amstrong als erster Mensch den Mond betreten. Es war eine Sensation. Inzwischen haben es weitere 24 Menschen ihm gleichgetan und sind ebenfalls zum Mond gereist. In Zukunft soll es sogar noch weiter gehen: Zum Mars oder zu anderen Planeten in unserem Sonnensystem. Entfernungen spielen offenbar keine Rolle mehr.
Und doch: Es gibt Entfernungen, die sind viel schwerer zu überwinden als eine Reise zum Mond. Zum Beispiel der Weg zum Herzen eines anderen Menschen. Denn manchmal liegen Welten zwischen zwei Menschen. Fast jeder hat das schon mal schmerzhaft erlebt. Vertrauen ist zerbrochen. Worte haben verletzt. Man versteht einander nicht mehr. Oder der andere lebt in einer ganz anderen Welt – geprägt von einer anderen Kultur, anderen Erfahrungen, ganz anderen Vorstellen davon, was gut und böse, richtig und falsch ist. Der Abstand zwischen zwei Menschen kann unendlich groß sein. Man spricht die gleiche Sprache und versteht sich dennoch nicht. Eine Reise zum Mond ist dagegen ein Kinderspiel.
In der Bibel steht der Satz: „Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern.“ (Epheser 4,32) Das ist eine Art Anleitung dafür, wie ich das Herz eines anderen erreichen kann. Aber es ist ganz schön anspruchsvoll: Freundlichkeit, wo ich mich manchmal zurückziehen möchte, weil der andere Mensch mir weh tut. Vergebung, obwohl mich der andere verletzt hat. Vertrauen wagen, obwohl ich Angst habe, erneut enttäuscht zu werden.
Und doch beginnt genau hier der Weg zum Herzen eines Menschen. Mit Offenheit. Mit der Bereitschaft, neu auf den anderen zuzugehen. Mit dem Mut, den ersten Schritt zu machen – auch wenn ich nicht weiß, wie der andere reagiert.
Der Weg zum Mond mag weit sein – aber der Weg zu einem Herzen ist es auch. Doch dieser Weg lohnt sich.
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Einsamkeit kennen viele Menschen. Jedenfalls wenn man den Umfragen glaubt. Denn die haben herausgefunden, dass etwa ein Viertel aller Menschen in Deutschland sich gelegentlich oder sogar oft einsam fühlen. Warum ist das so? Um einsam zu sein, muss ich ja nicht unbedingt allein sein. Ich kann mitten unter Menschen sein, sogar mitten unter Menschen, die mir nahestehen, und kann mich dennoch einsam fühlen. Denn das Gefühl von Einsamkeit entsteht ja vor allem dann, wenn ich den Eindruck habe: Ich werde nicht verstanden. Ich werde nicht gesehen. Meine Wünsche und Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen. Irgendwie ist es so, als ob ich gar nicht vorhanden wäre. Und so frage ich mich: Gibt es etwas, das gegen die Einsamkeit hilft?
Natürlich helfen mir am besten andere Menschen, die ein echtes Interesse an mir haben. Die mich fragen „Wie geht es dir - wirklich?“. Und die dann meine Antwort auch hören und aushalten können. Das ist gar nicht so einfach. Wir sind oft so sehr mit uns selbst beschäftigt, mit den eigenen Problemen und Sorgen, dass wir keine Augen für unsere Mitmenschen haben. Aber wenn wir wirklich Interesse aneinander haben, einander erzählen, wie es uns geht und einander aufmerksam zuhören, dann entsteht oftmals eine Verbindung zwischen uns. Und ich fühle mich nicht mehr so einsam.
Nicht immer gelingt das. Mir hilft dann auch mein Glaube an Gott. Ich glaube: Da ist noch jemand, der mich nie alleine lässt. In der Bibel steht der Satz: „Von allen Seiten umgibst du mich, Gott, und hältst deine Hand über mir“ (Psalm 139,5) Für mich bedeutet das: Gott ist immer da. Um mich herum. Oben und unten und vor mir und hinter mir. Er sieht mich und kennt mich – auch dann, wenn Menschen mich übersehen und nicht verstehen. Ja, wir Menschen fühlen uns manchmal unverstanden und einsam. Kein Mensch kann mir meine Einsamkeit völlig vertreiben. Und doch bin ich nie ganz allein, weil es einen Gott gibt, der da ist und mich sieht und versteht. In jedem Moment meines Lebens.
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„Wir werden einander viel verzeihen müssen“. Das hat Jens Sphan gesagt - im April 2020 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag. Jens Spahn war damals Gesundheitsminister und die Coronapandemie hatte gerade begonnen. Niemand hat zu diesem Zeitpunkt so richtig gewusst, was es mit diesem neuen Virus aus China so auf sich hat und wie man es eigentlich behandeln muss. Nur eines hat man schnell bemerkt: Das Virus ist sehr ansteckend. Immer mehr Menschen sind daran erkrankt. Auch die Politiker waren unsicher: Was sollen wir tun? Wie können wir die Menschen am besten vor dem Virus schützen: Kontaktverbote? Maskenpflicht? Abstandsregeln? Sollen Schulen geschlossen werden? Müssen Geschäfte zumachen? Darf man ältere Menschen noch im Seniorenheim besuchen? Sollen sogar Gottesdienste ausfallen? Jens Sphan hat geahnt, dass die Politik in den kommenden Monaten nicht alles richtig machen wird. Sie wird Regeln erlassen und Anordnungen treffen, um Menschen zu schützen und manches davon wird sich später vielleicht als falsch herausstellen. Darum sagte er: „Wir werden uns viel verzeihen müssen.“
Ich denke oft an diesen Satz von Jens Spahn. Nicht wegen der Coronaregln von damals, sondern weil Jens Spahn mit diesem Satz so recht hatte. Und das nicht nur mit Blick auf die Coronazeit. Immer, jeden Tag, gibt es etwas, dass wir Menschen einander verzeihen müssen. Wir sind alle nicht perfekt. Wir machen Fehler. Wir gehen in unseren Freundschaften und Ehen nicht gut miteinander um. Wir verletzen einander, sagen unabsichtlich böse Worte, können hartherzig und ungeduldig miteinander sein. So ist das unter uns Menschen. –Ich habe es nötig, dass andere mir vergeben, was ich ihnen oft unbewusst angetan habe. Und ich selbst muss anderen auch verzeihen dafür, wie sie manchmal mit mir umgehen. Wenn ich anderen nicht ihre Schuld vergebe, dann vergiftet der Groll und die Unversöhnlichkeit mein eigenes Herz. Ich lebe davon, dass andere mir immer wieder vergeben und ich will es auch tun. Darum bitte ich Gott jeden Tag, wenn ich das Vaterunser spreche: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“
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„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Nein, es ist nicht Heidi Klum, die diese Frage stellt und auf der Suche ist nach Deutschlands nächstem Topmodel. Sondern es ist die böse Königin im Märchen Schneewittchen. Sie sitzt vor ihrem Zauberspiegel und fragt nach der schönsten Frau im ganzen Land. Und es ist von vornherein klar, welche Antwort die Königin vom Zauberspiegel erwartet: „Du bist die Schönste im ganzen Land!“ So antwortet der Spiegel auch Tag für Tag, bis zu dem Tag, an dem er der Königin sagen muss, dass es nun eine noch Schönere gibt: Schneewittchen, die Stieftochter. Sie ist erwachsen geworden und jetzt definitiv die schönste Frau im ganzen Land. Das trifft die Königin in ihrer Eitelkeit mitten ins Herz und sie beschließt, die Konkurrentin zu beseitigen. Sie plant, Schneewittchen ermorden zu lassen.
Ich liebe dieses Märchen der Gebrüder Grimm. Denn es ist ein Märchen, das vom Vergleichen erzählt und vom Neid, der daraus erwächst. Und von der Kränkung und dem Hass, die daraus folgen. Denn der Königin geht es nur so lange gut, solange sie die Schönste ist. Niemand darf so schön sein wie sie. Und erst recht nicht noch schöner. Und darum vergleicht sie sich mit allen anderen Frauen im Land. Der Zauberspiegel muss ihr jeden Tag bestätigen, dass sie die Schönste ist. Und als sie eines Tages es nicht mehr ist, beginnt das Drama.
Natürlich ist das nur ein Märchen. Aber mit einem sehr ernsten Hintergrund. Denn vor dem Vergleichen ist niemand gefeit. Auch ich nicht. Ich ertappe mich auch bei Gedanken wie: Sind die anderen schöner? Sind sie klüger? Verdienen sie mehr Geld als ich? Können sie sich den besseren Urlaub leisten oder das größere Haus? Wer sich mit anderen vergleicht wird schnell unzufrieden. Denn es gibt fast immer jemand, der erfolgreicher, schöner oder beliebter ist. Das Vergleichen macht mich unzufrieden, unglücklich und erfüllt mich mit Neid.
Und das tut mir nicht gut. Vielleicht lautet darum das letzte der 10 Gebote in der Bibel: „Du sollst nicht begehren, was dein Nächster hat“ (2. Mose 20,17). Oder mit anderen Worten: Sei zufrieden mit dem, was das Leben oder Gott dir zugedacht hat. Ob du ein geliebter und wertvoller Mensch bist, hängt nicht an deiner Schönheit oder deinem Geld. Jeder Mensch ist längst von Gott geliebt. Auch du! In seinen Augen bist du schön.
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„Meine Mama hat immer gesagt, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Du weißt nie, was du bekommst“ – Das hat natürlich nicht meine Mama gesagt, sondern die Mama von Forrest Gump. Denn der Satz über die Pralinen ist ein Zitat aus dem gleichnamigen Film. Der Ausspruch von Forrest Gump: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, du weißt nie, was du bekommst“, wurde zu einem der berühmtesten Zitate der Filmgeschichte.
Vielleicht ist gerade dieser eine Satz aus dem Film so bekannt geworden, weil darin so viel Wahrheit steckt. Wir wissen ja tatsächlich nie, was uns das Leben noch bringt. Ich kann mich noch so gut auf die Zukunft vorbereiten und mein Leben planen, meistens kommt es ganz anders als ich gedacht habe. Immer wieder tappe ich in die Falle und denke: Wenn ich nur ordentlich plane, alle Eventualitäten einbeziehe und alles richtig mache, dann habe ich mein Leben im Griff. Aber eigentlich weiß ich längt: Die Rechnung geht nicht auf. Es kommen immer Überraschungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Manchmal sind sie schön: Ich lerne einen Menschen kennen, der mein Leben reicher macht. Oder ich bekomme Besuch von einem alten Freund, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Aber es können auch böse Überraschungen sein, die mich aus der Bahn werfen: Eine Krankheit. Ein trauriger Abschied. Forrest Gump sagt: Das ist wie der Griff in die Pralinenschachtel. Du weißt nie, welche Praline du erwischst. Es kann eine leckere Praline sein oder eine bittere. – Weil das so ist, darum gibt mir der Gedanke Halt, dass mein Leben trotzdem nicht dem Zufall ausgeliefert ist. Es liegt in Gottes Hand. In der Bibel heißt es: „Meine Zeit steht in deinen Händen“. (Ps 31,16) Das ist ein Satz, in dem ganz tiefes Vertrauen zu Gott steckt: Was war und ist und was kommt, Gutes wie Schweres, Überaschendes und Unbegreifliches – alles liegt in Gottes Hand.
Wenn ich also in die Pralinenschachtel des Lebens greife, dann gibt es immer wieder Überraschungen. Aber mein Glaube an Gott schenkt mir das Vertrauen, dass ich nie im Leben allein bin. Gott geht mit. Das hilft mir, die Hoffnung und den Mut nicht zu verlieren, egal was kommt.
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„Houston, wir haben ein Problem“. Das ist vielleicht der berühmteste Funkspruch der Weltgeschichte. Der amerikanische Astronaut Jack Swigert hat diese Worte gesagt. Am 13. April 1970. Swigert sitzt in der Raumkapsel Apollo 13 und hat er gerade erleben müssen, wie mitten im Weltall ein Sauerstofftank explodiert ist. Eigentlich sollte die Raumkapsel auf dem Mond landen, aber dieses Vorhaben muss jetzt sofort abgebrochen werden. Und es bleibt lange unsicher, ob die Astronauten an Bord von Apollo 13 es überhaupt schaffen werden, wieder lebend zur Erde zurückzukehren. Sie haben es geschafft und der Funkspruch von Apollo 13 wurde berühmt.
„Houtson, wir haben ein Problem“ – heute ist das längst zu einer festen Redewendung geworden. Sie wird oft gebraucht, wenn jemand vor einem Problem steht und keine Lösung findet. Denn manchmal gibt es Probleme, die lassen sich nicht aus eigener Kraft lösen.
Auch die Bibel kennt solche Situationen. Sie erzählt von Menschen, die in große, schier unüberwindliche Probleme geraten. Aber die Bibel erzählt auch davon, dass diese Menschen immer wieder erlebt haben, wie sie auf wunderbare Weise bewahrt geblieben oder aus einer schwierigen Situation gerettet worden sind. Sie sagen dann aus voller Überzeugung: Diese Rettung, das war nicht mein Verdienst. Das war Gott. Er hat mich gerettet. Er hat mir geholfen, das Problem zu lösen, das mir unlösbar erschien.
Einer, der eine solche Rettung erlebt hat, gibt seine Erfahrung weiter. Sie soll andere Menschen ermutigen, denen es genauso geht wie ihm. Er sagt: Gott spricht: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du wirst mich preisen“ (Ps 50,15)
Nein, natürlich ist so ein Ruf zu Gott, so ein Gebet, kein magischer Zauberspruch, der dafür sorgt, dass alle Probleme plötzlich verschwinden. Aber wenn ich in Notsituationen bete, dann spüre ich, dass ich nicht allein bin. Da ist jemand, der kennt meine Probleme. Da ist jemand, der ist größer als meine Not. Ich kann ihm all meine Sorgen und meine Angst sagen. Das hilft schon. Und oft erlebe ich dann, dass sich meine Situation ändert. - „Houston, wir haben ein Problem“ – hat der Astronaut Swigert 1970 zur Erde gefunkt. „Gott, ich habe ein Problem“, funkte ich heute immer mal wieder zum Himmel. Und hoffe auf Hilfe.
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„Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende“. Immer wieder höre ich, wie in Gesprächen dieser Satz zitiert wird. Ich höre diesen Satz und denke: Das klingt schön, aber ist das auch wahr? Stimmt es denn, dass am Ende wirklich alles gut wird oder ist das nur eine billige Vertröstung?
So wie das Kinderlied „heile, heile Gänschen, es wird schon wieder gut“. Nur eben für Erwachsene. Doch als Erwachsener habe ich schon oft erlebt, dass nicht immer alles wieder gut wird. Im Leben kann so viel zerbrechen und manches kann nicht wieder geheilt werden. Da geht eine Ehe in die Brüche und die Partner erleben viel Schmerz und Leid. Da müssen Kinder erfahren, wie Vater oder Mutter schon früh sterben. Das tut unendlich weh und der Schmerz begleitet sie ein Leben lang. Ja und dann werden Menschen, die man liebt, unheilbar krank und es gibt keine Hoffnung mehr, dass sie eines Tages wieder gesund werden.
Wird am Ende wirklich alles gut? Nein. Wenn ich damit meine, dass irgendwann in meinem Leben alles, was kaputt gegangen ist auch wieder hergestellt wird, dann stimmt der Satz nicht. Aber wenn ich an Gott glaube, dann kann ich diesen Satz trotzdem sagen. Weil ich eine Hoffnung habe, die über dieses Leben hinausreicht. Im letzten Buch der Bibel lese ich: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid oder Geschrei noch Schmerz werden mehr sein“ (Offenb. 21,4). Das ist meine Hoffnung: Wenn Gott diese Welt eines Tages vollenden wird, dann wird wirklich einmal alles gut. Bis dahin jedoch muss ich damit leben, dass es manches in meinem Leben gibt, das zerbrochen ist und auch zerbrochen bleibt. Bis dahin muss ich manchen Schmerz aushalten. Denn jetzt ist noch nicht alles gut. Vielleicht wird es das auch nie in diesem Leben. Aber bei Gott gibt es mehr als dieses Leben. Und darum kann ich leise, manchmal zaghaft und doch mutig hoffen, dass Gott es am Ende gut machen wird. Und dass das hier noch nicht das Ende ist.
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