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13JUN2022
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Ein Bremer Pastor beleidigt queere Menschen, ein Gericht hat ihn vor einigen Tagen freigesprochen. Kritisch sieht das der Journalist Jochen Grabler. Er kommentiert:

„Ich will das nicht. Nicht als Christ. Und erst recht nicht als Fan des Rechtsstaates. Ich will nicht, dass wir so übereinander reden, andere herabwürdigen […]. Erstens, weil es zutiefst unmenschlich und erst recht unchristlich ist, Menschen zum Beispiel wegen ihrer sexuellen Identität derart herabzuwürdigen. Und zweitens, weil wir doch längst wissen, dass auf solche hasserfüllten Reden gerne mal hasserfüllte Taten folgen. Irgendein Idiot findet sich, der derart aufgestachelt blutigen Ernst macht. Ich will das nicht!“

Jochen Grabler, „Freispruch im Fall Latzel: ‚Dreck!‘“,

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12JUN2022
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Wie ist Gott eigentlich? Eine Gruppe 13/14-Jähriger aus Backnang beantwortet diese Frage so:

„Genau beschreiben kann ich ihn nicht. Jede und jeder hat seine eigene Vorstellung. Aber so erleben wir ihn: Gott ist barmherzig, gnädig, verantwortungsbewusst. Mächtig, stolz, väterlich. Groß, gutmütig und hilfsbereit.
Den Menschen gegenüber ist er treu, immer für einen da, wenn ich ihn brauche.
Er ist der Herrscher, aber liebevoll. Denn er ist voller Licht, er will nichts Schlechtes. Gott ist wie ein Funke der Hoffnung.“

Glaubensbekenntnis der Konfirmand:innen 2022 der Matthäusgemeinde Backnang

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12MRZ2022
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Ich will gerne helfen, wenn andere Sorgen und Nöte haben. Oft kann ich aber nichts tun oder zumindest nicht genug. Und manchmal habe ich auch das Gefühl: Es ist gerade auch einfach viel Not in der Welt. Menschen fliehen vor Krieg und Gewalt. Menschen flüchten und ertrinken im Mittelmeer.

Aber auch direkt in der Nachbarschaft, die Familie mit jungen Kindern: Die zwei Jahre Corona haben sie einfach fertig gemacht. Nerven, Geduld, Kraft am Ende. Oder das alte Paar zwei Straßen weiter. Er braucht eine OP. Aber wer kümmert sich dann in der Zeit um sie? Klappt es mit einem Kurzzeitpflegeplatz und wird sie dort mit allen klarkommen?

So viele Sorgen, Nöte. Was hilft da noch? Aktionismus ist es selten. Wenn ich allen helfen will, ist am Ende manchmal niemandem geholfen. Aber ich glaube, dass es hilft, wenn ich die Sorgen und Nöte von anderen Gott anvertraue. Wenn ich für andere bete.

Da ändert sich vielleicht bei den anderen erst mal nichts. Aber mir hilft es, meine Gedanken klarer zu bekommen. Und dann kann ich gezielter helfen. Da mit Geld, dort mit einem Besuch und dort wieder anders.

Und bei manchen Sorgen und Nöten bleibt mir auch gar nichts anderes übrig, als auf Gott zu vertrauen. Dass diejenigen, die etwas ändern können, gute Ideen bekommen. Oder dass sie mit ihren Ideen gehört werden. Deswegen bete ich auch immer wieder für die Menschen in der Politik oder der medizinischen Forschung. Ob das wirklich hilft? Ich frage lieber anders: Was sollte es schaden?

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10MRZ2022
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„Ich will Bundeskanzlerin werden. Dann gebe ich den armen Ländern Geld.“ Ein Siebenjähriger hat das gesagt. Seine Eltern erzählen davon. Das ist eine der schönen Seiten meines Berufs als Pfarrer, dass mir Eltern von ihren Kindern erzählen. Oft bringen mich diese Geschichten zum Schmunzeln. Oft berühren sie mich aber auch. Zum Beispiel wenn eine Familie von ihrer Fünfjährigen berichtet: Die hat zum Kindergeburtstag extra ein anderes Kind eingeladen, weil das noch nie zu einem Kindergeburtstag eingeladen wurde.

Mir ist schon klar: So einfach geht Politik nicht. Und nur, weil ein Kind jetzt mal zum Kindergeburtstag eingeladen wurde, ist auch nicht alles gut. Und ich weiß: Kinder können auch ganz schön gemein sein. Aber viel häufiger höre ich andere Geschichten. Und die berühren mich. Sie erinnern mich daran, dass Kinder oft ein tiefsitzendes Gerechtigkeitsgefühl haben.

Und dann frage ich mich: Was passiert damit eigentlich, wenn wir Menschen älter werden? Irgendwie wird es dann oft von anderem überlagert. Statt um andere geht es dann zuerst um mich und dass es mir gut geht. Nach dem Motto: „Wenn jeder an sich selbst denkt, dann ist an alle gedacht.“ Aber das funktioniert halt nicht.

Deswegen motivieren mich die Erzählungen von Kindern auch, mich selbst zu hinterfragen. Ich werde wieder achtsamer, wo jemand anderes gerade auf der Strecke bleibt. Damit rette ich nicht die Welt. Aber einem Menschen um mich herum geht es besser.

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09MRZ2022
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Ein Typ wie ein Berg, gern etwas vorlaut. Und dabei überschätzt er sich immer wieder maßlos. Petrus heißt er und was bin ich froh, dass er in der Bibel vorkommt.

Einmal zum Beispiel ist er mit seinen Freunden in einem Boot unterwegs, als ein Sturm aufkommt. Da hören sie Jesus sagen: „Ich bin’s, fürchtet euch nicht.“ Sie können ihn aber nicht richtig sehen. Deswegen meint Petrus: „Wenn du es bist, Jesus, dann sag mir, dass ich auf dem Wasser zu dir laufen soll.“ Jesus antwortet: „Komm her!“ Und Petrus läuft los – und es funktioniert! Aber dann verlässt ihn der Mut und er geht unter.

Ein anderes Mal prahlt Petrus damit, dass er immer zu Jesus stehen wird. Niemals würde er ihn verleugnen. Aber als es dann eng wird und Jesus verhaftet wird sagt Petrus gleich mehrmals: „Jesus? Kenn ich nicht! Ne, mit dem Jesus hab ich nichts zu tun!“

Mir tut es gut, dass diese Petrusgeschichten in der Bibel stehen. Petrus meint es gut – und dann geht es schief. Aber egal, was passiert, Jesus hält letztlich immer weiter zu ihm.

Deswegen ist Petrus für mich ein echter Mutmacher. Ich versuche auch mein Leben an dem auszurichten, was Jesus gesagt hat. Aber wie bei Petrus ist es auch bei mir: Das klappt nicht immer so richtig. Und manchmal überschätze auch ich mich maßlos. Dank Petrus weiß ich aber, bei Jesus gibt es immer wieder eine neue Chance.

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08MRZ2022
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Ich mag CDs. So wie andere beim Lesen gerne Bücher aus Papier in der Hand halten, so finde ich es gut, wenn ein komplettes Musikalbum auf einer CD ist. Ein Grund dafür ist: ich mag „Hidden Tracks“. Diese Songs, die am Ende des Albums versteckt sind, also nicht als reguläre Tracks auf dem Cover gelistet.

Meinen ersten Hidden Track habe ich als Teenie entdeckt. Ich kannte die CD von vorne bis hinten. Dachte ich zumindest. Beim Hören hatte ich nebenher noch in einer Zeitschrift geblättert und nach dem letzten Track die CD nicht gleich gewechselt. Da kommt auf einmal ein Song aus den Boxen, den hatte ich noch nie gehört. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet und ich war komplett aufgekratzt. Ich habe dann erst mal meine sämtlichen CDs durchgecheckt nach andere Hidden Tracks. Und dabei habe ich gemerkt: Oft sind das ganz besondere Songs.

Ich finde, bei uns Menschen ist es oft ähnlich wie bei diesen Hidden Tracks. Da lerne ich jemanden kennen und nach einer Weile meine ich dann, dass ich weiß, wie der oder die andere so denkt und handelt. Ich kenne ihn in- und auswendig scheint mir – so wie die Tracklist einer CD.

Aber dann taucht plötzlich und unerwartet was Neues auf und ich werde überrascht. Weil wir Menschen nun mal vielschichtiger sind, als es im ersten Moment scheint. Ich mag es, wenn ich diese versteckten Seiten bei anderen kennenlerne. Denn oft sind auch sie ganz besonders.

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07MRZ2022
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Christen sind mit allen Wassern gewaschen! Das stimmt natürlich nicht – aber mit Taufwasser, damit schon. Und das ist gleich mehrfach besonders:

Das Wasser steht für das Leben. Ohne Wasser könnten wir Menschen nicht überleben. Als Christ glaube ich, dass Gott Leben schenkt und Leben erhalten will. Er ist die Quelle des Lebens, so heißt es in einem alten Gebet. Deswegen vertraue ich darauf, dass er uns Menschen auch in schweren Zeiten begleitet. Dass er uns gibt, was zum Leben nötig ist. Und dass er auch nach dem Tod bei uns ist.

Wasser steht aber auch für Reinigung. Es gibt Dinge, die uns Menschen von Gott trennen könnten. Durch das Wasser wird das symbolisch abgewaschen.

Und Wasser steht auch für Gemeinschaft. Ein einzelner Tropfen trägt nicht viel aus. Aber viele Wassertropfen zusammen ergeben ein großes Meer. So bilden alle, die sich an Gott halten, eine große Gemeinschaft. Zusammen setzen wir uns für Frieden und Gerechtigkeit ein, so wie es Jesus vorgelebt hat. So wünsche ich mir Kirche.

Die Taufe ist nur einmal im Leben. Deswegen erinnern wir uns in Gottesdiensten immer wieder an die Taufe. Ich mache es oft so, dass ich anderen mit Wasser aus der Taufschale ein Kreuz auf die Stirn oder die Hand zeichne und dann sage:

„Gott sagt dir zu: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“ Es sind oft ganz berührende Momente. Weil all das bewusst wird: Gott ist die Quelle des Lebens. Nichts kann mich von Gott trennen, nicht einmal der Tod. Und gemeinsam können wir einstehen für Frieden und Gerechtigkeit. Mit diesen Wassern bin ich gern gewaschen.

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06MRZ2022
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Backen ist seit den ersten Lockdowns Trend: Kein Tag auf den Social Media, an dem mir kein neues Brotbild in die Timeline gespült wird. Und darunter gleich der Expertentalk: „Was für einen Teig nutzt du? Klar, ohne Gärkörbchen geht gar nicht. Gusseiserner Topf, ich sag’s dir, das musst du machen.“

Ich selbst bin manchmal schon mit der Auswahl beim Bäcker überfordert. Vollkornbrot, Weißbrot, Roggenmischbrot. Kartoffelbrot, Bauernbrot, Dinkelbrot. Ciabatta, Baguette und so weiter.

Aber es ist ja auch gut, dass es diese Auswahl gibt. Da können alle das Brot kaufen, das ihnen schmeckt. Das Kümmelbrot, das ich nicht mag, schmeckt dafür jemand anderem.

Ich finde das mit dem Brot auch spannend, weil Jesus mal gesagt hat: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern.“ Ich glaube, Jesus ist so facettenreich, dass etwas an ihm jede und jeden anspricht. So wie es beim Bäcker viele verschiedene Brotsorten für jeden Geschmack gibt.

So fasziniert Jesus mich und andere immer wieder neu. Weil er für das steht, was Menschen zum Leben brauchen. Weil er will, dass Menschen satt werden – an Leib und Seele. Und ich bin überzeugt: Seinem Vorbild zu folgen, sich für andere einzusetzen, das stillt den eigenen Lebenshunger.

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06NOV2021
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Ein sterbenskranker Musiker bittet einen befreundeten Autoren um einen Liedtext. Er will dann die Musik dazu schreiben, damit das Lied bei seiner eigenen Beerdigung gespielt werden kann. Was für eine Aufgabe! Denn was für Worte sollen in dieser Situation helfen, trösten, guttun?

Der Glaube an Gott verbindet den Musiker und den Autor. Und so fängt der Autor an zu schreiben. Er findet eine Zeile in einem anderen Lied, die ihn inspiriert. „Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Der Gedanke gefällt ihm. Wort um Wort fügt er an. Und immer wieder greift er diese eine Zeile auf.

Mit dem bevorstehenden Tod seines Freundes konfrontiert, kann er sich nur einen Inhalt vorstellen: „Halte dich weiter an Gott. Auch wenn Not, Tod und Elend in dein Leben kommen. Halte dich weiter an Gott. Denn was Gott macht, das soll so sein. Deswegen weiß er auch, wie es dir geht. Und wenn alles zum Ende kommt, wird er dich in seinen Armen halten. Deswegen lass ihn machen.“

Das Lied ist inzwischen fast 350 Jahre alt. „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, so beginnt jede einzelne Strophe des Lieds. Heute würden wir das wahrscheinlich anders formulieren. Aber auch wenn sich unsere Sprache geändert hat, singen wir in unserer Kirchengemeinde das Lied immer wieder in Gottesdiensten. Erst vor wenigen Tagen wieder. Denn es gibt immer welche, die anschließend sagen, dass ihnen das Lied in schweren Zeiten Halt und Kraft gegeben hat.

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04NOV2021
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Es war an einem Donnerstag. Erst vor wenigen Wochen. Dieser Tag hat verändert, wie ich von Gott rede. An diesem Donnerstag ist aus gut vier Metern Höhe ein großes Metallteil abgestürzt, als ich gerade darunter stand. Es hat mich mitten im Gesicht getroffen. Bis auf eine kaputte Nase und zwei kleine Hautabschürfungen ist mir aber nichts weiter passiert. Keiner der Haken hat meine Augen erwischt. Alle Zähne sind heil geblieben. Kopf, Nacken, Schultern – alles gut. Auch die Ohren haben nichts abbekommen. Von Herzen sage ich heute: „Gott sei Dank! Es ist nicht mehr passiert.“

„Gott sei Dank“, das habe ich früher eigentlich nie gesagt. Diese Situation war aber wirklich heikel. Das habe ich verstanden, als ich das Ganze danach in Gedanken immer wieder durchgespielt habe. Das hätte auch ganz anders ausgehen können. Deswegen glaube ich, dass Gott mich da vor Schlimmerem bewahrt hat.

Beweisen kann ich das natürlich nicht. Es könnte auch Zufall, Glück oder sonst was gewesen sein. Aber wenn es Zufall gewesen sein kann, warum sollte es nicht möglich sein, dass es Gott war? Deswegen sage ich seitdem gerne immer wieder: „Gott sei Dank!“

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