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Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
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18JUN2022
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Anna-Nicole Heinrich ist 26 Jahre alt und die gewählte Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie betet gern und sagt:

„Beten [ist] etwas so Tolles – ein Sich-Sammeln, ein Formulieren von Gedanken. Ein Ort für meine Bedürfnisse, meine Gefühle, meine Ängste, meine Freuden.

Beten ist ein Gespräch mit Gott. Und wenn dieses Gespräch ehrlich ist, schenkt es Vertrauen und gibt mir den Raum, auch mal Verantwortung abzugeben und Dinge, die mich stören, in Gottes Hände zu legen. Und: Beim Beten geht es ja nicht nur um mich selbst. […] In der Fürbitte für andere Menschen kann ich Anliegen direkt vor Gott bringen, die in der breiten Öffentlichkeit oft unterzugehen drohen.“

Anna-Nicole Heinrich, „Betest du eigentlich?“

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17JUN2022
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Ohne Ende gut gelaunt – wenn man in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, könnte man meinen, negative Gefühle gibt es nicht. Die Moderatorin Ruth Moschner widerspricht diesem Eindruck. Auf Instagram hat sie ein Bild von sich gepostet: tränenüberströmt. Dazu hat sie geschrieben:

„Mentale Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit. Für mich gehört dazu, zu all meinen Gefühlen zu stehen. Ich schaffe es natürlich auch nicht immer, Seelenhygiene zu betreiben, alle Emotionen direkt zuzulassen und zu Ende zu fühlen. Ich meine, wow, könnten die bitte mal vorher nen Termin ausmachen? […] Aber Freude und Trauer, Wut, Mitgefühl, Glück und Weltschmerz.. alles ist da. Und Ignoranz und Verdrängung rächen sich mit grosser Wucht.“

Instagram/Ruth Moschner, https://www.instagram.com/p/Cdxl4QfKiaw/

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16JUN2022
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In den vergangenen zwei Jahren, mit Pandemie und Kriegsausbruch in der Ukraine, da haben mir manchmal die Worte gefehlt. Auch beim Beten. Ich habe mich dann an den Apostel Paulus gehalten. Der hat in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Rom geschrieben:

„Der Geist Gottes tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein; er bringt das zum Ausdruck, was wir mit unseren Worten nicht sagen können. Auf diese Weise kommt er uns in unserer Schwachheit zu Hilfe, weil wir ja gar nicht wissen, wie wir beten sollen, um richtig zu beten. Und Gott, der alles durchforscht, was im Herzen des Menschen vorgeht, er weiß, was der Geist mit seinem Flehen und Seufzen sagen will.“

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35529
15JUN2022
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„Wofür braucht es die Kirche?“, das haben wir die 13/14-Jährigen in unserer Gemeinde vor ihrer Konfirmation gefragt. Geantwortet haben sie das:

„In der Kirche schenkt der Heilige Geist Gemeinschaft, man fühlt sich Gott nahe. Leute tauschen sich über ihren Glauben aus und man sieht, dass man nicht alleine ist mit dem Glauben an Gott. Ich lerne dort auch andere Menschen mit dem gleichen Glauben kennen. Das hilft, den Glauben zu leben und Neues zu erfahren.

In dieser Gemeinschaft kann man sich seine Sorgen von der Seele reden, Fehler mit Gott teilen, so geht es einem schnell besser. Denn in der Kirche wird man akzeptiert, wie man ist. So verbindet sie Gott mit der Erde, ist für viele ein sicherer Halt und hilft damit Menschen.“

Glaubensbekenntnis der Konfirmand:innen 2022 der Matthäusgemeinde Backnang

 

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14JUN2022
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Viele verbinden Israel vor allem mit dem Konflikt zwischen Israeliten und Palästinensern. Beatrice von Weizsäcker hat in Jerusalem etwas Anderes erlebt. Über das Zusammenleben der verschiedenen Religionen dort sagt sie:

„Wessen Gott ist nun der richtige: Jahwe, Allah oder Gott? Und wer hat recht? Welche Religion stimmt? Das Judentum, der Islam oder das Christentum? Und wer betet richtig? […]

Solche Fragen stellen sich hier nicht. Während wir im Westen schnell darüber urteilen, was richtig und falsch ist, leben die Menschen in Jerusalem ihren Glauben und lassen die anderen ihren leben.
Ich vermute, Gott gefällt das. Denn egal, wie man ihn nennt, Jahwe, Allah oder Gott. Und egal, wie man betet, vor der Westmauer, Richtung Mekka oder unter dem Kreuz: Gott gehört niemandem.“

Beatrice von Weizsäcker, „Wem gehört Gott?“

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13JUN2022
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Ein Bremer Pastor beleidigt queere Menschen, ein Gericht hat ihn vor einigen Tagen freigesprochen. Kritisch sieht das der Journalist Jochen Grabler. Er kommentiert:

„Ich will das nicht. Nicht als Christ. Und erst recht nicht als Fan des Rechtsstaates. Ich will nicht, dass wir so übereinander reden, andere herabwürdigen […]. Erstens, weil es zutiefst unmenschlich und erst recht unchristlich ist, Menschen zum Beispiel wegen ihrer sexuellen Identität derart herabzuwürdigen. Und zweitens, weil wir doch längst wissen, dass auf solche hasserfüllten Reden gerne mal hasserfüllte Taten folgen. Irgendein Idiot findet sich, der derart aufgestachelt blutigen Ernst macht. Ich will das nicht!“

Jochen Grabler, „Freispruch im Fall Latzel: ‚Dreck!‘“,

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35526
12JUN2022
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Wie ist Gott eigentlich? Eine Gruppe 13/14-Jähriger aus Backnang beantwortet diese Frage so:

„Genau beschreiben kann ich ihn nicht. Jede und jeder hat seine eigene Vorstellung. Aber so erleben wir ihn: Gott ist barmherzig, gnädig, verantwortungsbewusst. Mächtig, stolz, väterlich. Groß, gutmütig und hilfsbereit.
Den Menschen gegenüber ist er treu, immer für einen da, wenn ich ihn brauche.
Er ist der Herrscher, aber liebevoll. Denn er ist voller Licht, er will nichts Schlechtes. Gott ist wie ein Funke der Hoffnung.“

Glaubensbekenntnis der Konfirmand:innen 2022 der Matthäusgemeinde Backnang

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35525
12MRZ2022
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Ich will gerne helfen, wenn andere Sorgen und Nöte haben. Oft kann ich aber nichts tun oder zumindest nicht genug. Und manchmal habe ich auch das Gefühl: Es ist gerade auch einfach viel Not in der Welt. Menschen fliehen vor Krieg und Gewalt. Menschen flüchten und ertrinken im Mittelmeer.

Aber auch direkt in der Nachbarschaft, die Familie mit jungen Kindern: Die zwei Jahre Corona haben sie einfach fertig gemacht. Nerven, Geduld, Kraft am Ende. Oder das alte Paar zwei Straßen weiter. Er braucht eine OP. Aber wer kümmert sich dann in der Zeit um sie? Klappt es mit einem Kurzzeitpflegeplatz und wird sie dort mit allen klarkommen?

So viele Sorgen, Nöte. Was hilft da noch? Aktionismus ist es selten. Wenn ich allen helfen will, ist am Ende manchmal niemandem geholfen. Aber ich glaube, dass es hilft, wenn ich die Sorgen und Nöte von anderen Gott anvertraue. Wenn ich für andere bete.

Da ändert sich vielleicht bei den anderen erst mal nichts. Aber mir hilft es, meine Gedanken klarer zu bekommen. Und dann kann ich gezielter helfen. Da mit Geld, dort mit einem Besuch und dort wieder anders.

Und bei manchen Sorgen und Nöten bleibt mir auch gar nichts anderes übrig, als auf Gott zu vertrauen. Dass diejenigen, die etwas ändern können, gute Ideen bekommen. Oder dass sie mit ihren Ideen gehört werden. Deswegen bete ich auch immer wieder für die Menschen in der Politik oder der medizinischen Forschung. Ob das wirklich hilft? Ich frage lieber anders: Was sollte es schaden?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34983
10MRZ2022
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„Ich will Bundeskanzlerin werden. Dann gebe ich den armen Ländern Geld.“ Ein Siebenjähriger hat das gesagt. Seine Eltern erzählen davon. Das ist eine der schönen Seiten meines Berufs als Pfarrer, dass mir Eltern von ihren Kindern erzählen. Oft bringen mich diese Geschichten zum Schmunzeln. Oft berühren sie mich aber auch. Zum Beispiel wenn eine Familie von ihrer Fünfjährigen berichtet: Die hat zum Kindergeburtstag extra ein anderes Kind eingeladen, weil das noch nie zu einem Kindergeburtstag eingeladen wurde.

Mir ist schon klar: So einfach geht Politik nicht. Und nur, weil ein Kind jetzt mal zum Kindergeburtstag eingeladen wurde, ist auch nicht alles gut. Und ich weiß: Kinder können auch ganz schön gemein sein. Aber viel häufiger höre ich andere Geschichten. Und die berühren mich. Sie erinnern mich daran, dass Kinder oft ein tiefsitzendes Gerechtigkeitsgefühl haben.

Und dann frage ich mich: Was passiert damit eigentlich, wenn wir Menschen älter werden? Irgendwie wird es dann oft von anderem überlagert. Statt um andere geht es dann zuerst um mich und dass es mir gut geht. Nach dem Motto: „Wenn jeder an sich selbst denkt, dann ist an alle gedacht.“ Aber das funktioniert halt nicht.

Deswegen motivieren mich die Erzählungen von Kindern auch, mich selbst zu hinterfragen. Ich werde wieder achtsamer, wo jemand anderes gerade auf der Strecke bleibt. Damit rette ich nicht die Welt. Aber einem Menschen um mich herum geht es besser.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34982
09MRZ2022
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Ein Typ wie ein Berg, gern etwas vorlaut. Und dabei überschätzt er sich immer wieder maßlos. Petrus heißt er und was bin ich froh, dass er in der Bibel vorkommt.

Einmal zum Beispiel ist er mit seinen Freunden in einem Boot unterwegs, als ein Sturm aufkommt. Da hören sie Jesus sagen: „Ich bin’s, fürchtet euch nicht.“ Sie können ihn aber nicht richtig sehen. Deswegen meint Petrus: „Wenn du es bist, Jesus, dann sag mir, dass ich auf dem Wasser zu dir laufen soll.“ Jesus antwortet: „Komm her!“ Und Petrus läuft los – und es funktioniert! Aber dann verlässt ihn der Mut und er geht unter.

Ein anderes Mal prahlt Petrus damit, dass er immer zu Jesus stehen wird. Niemals würde er ihn verleugnen. Aber als es dann eng wird und Jesus verhaftet wird sagt Petrus gleich mehrmals: „Jesus? Kenn ich nicht! Ne, mit dem Jesus hab ich nichts zu tun!“

Mir tut es gut, dass diese Petrusgeschichten in der Bibel stehen. Petrus meint es gut – und dann geht es schief. Aber egal, was passiert, Jesus hält letztlich immer weiter zu ihm.

Deswegen ist Petrus für mich ein echter Mutmacher. Ich versuche auch mein Leben an dem auszurichten, was Jesus gesagt hat. Aber wie bei Petrus ist es auch bei mir: Das klappt nicht immer so richtig. Und manchmal überschätze auch ich mich maßlos. Dank Petrus weiß ich aber, bei Jesus gibt es immer wieder eine neue Chance.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34981