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Wie kann ich Gott erfahren? Oder andersrum gefragt: Wie begegnet mir Gott? Viele Leute suchen nach  ihm. Aber gerade dabei geht man leicht an ihm vorbei.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott nach mir sucht. Dass Gott die Initiative ergreift und mit mir in Beziehung kommen will. Mich berühren will. Und das sieht für jeden anders aus.
Ich glaube, weil Gott uns Menschen unterschiedlich geschaffen hat, geht er auch unterschiedliche Zugangswege zu uns. Einer davon ist z.B. über den Verstand.
Mir geht es z.B. so, dass Gott mir begegnet, wenn ich Bücher lese. Oft, wenn ich in der Bibel lese. Dann wird mir etwas über Gott klar. Dann beginnen die Worte lebendig zu werden. Weil sie etwas mit meinem Leben zu tun haben. Dann fällt mir etwas auf und beginne mehr von Gott zu verstehen. Oder von dem, wie er sich unser Leben vorgestellt hat. Oft sind es auch andere Bücher. Vor zwei, drei Jahren habe ich wieder mehr begonnen, Romane zu lesen. Und die müssen gar nicht mal unbedingt fromm sein, wie z.B. „Die Hütte", die ich gerade angefangen habe. Auch bei ganz normaler Belletristik geht es mir manchmal so, dass mir da plötzlich was von Gottes Wesen aufgeht.
Vor anderthalb Jahren habe ich mal eine Begegnung mit Gott bei einer Podiumsdiskussion gehabt. Da hat eine Kollegin ein paar kluge Dinge gesagt. Und ich hatte den Eindruck: Ja, durch sie hat mir Gott etwas deutlicher und klarer vor Augen gestellt.
Überhaupt, finde ich, sind Diskussionen oder Gespräche gute Möglichkeiten, dass Gott mir über den Verstand begegnet. Ich gehe oft ohne fertige Meinung in Diskussionen. Das heißt: meine Meinung entsteht, indem ich zuhöre und abwäge, sie mit eigenen Erfahrungen und Überlegungen in Verbindung bringe. Dann erst merke ich im Gespräch mit anderen, was ich wirklich dazu denke und gut und richtig finde. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass Gott mir durch Gesprächbeiträge von anderen zu einer weisen Erkenntnis verhilft.
Wenn Sie eher ein Verstandestyp sind, dann hören Sie demnächst doch mal genauer hin, ob Sie Gott  nicht in einem Gespräch reden hören. Oder vielleicht springt Sie ja ein Satz oder eine Passage in einem Buch an.
Manchmal begegnet Gott einem über den Verstand. Oft im Gespräch mit anderen. Und der andere kann auch ein Buch sein oder eine Zeitung. Davon bin ich überzeugt.

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„Wie soll ich wissen, ob es Gott gibt. Ich habe ihn noch nie persönlich erfahren", hat mir vor ein paar Wochen jemand im Gespräch gesagt. „Er hat sich mir noch nicht gezeigt."
Ich kann mir vorstellen, dass es vielen ähnlich geht. Trotzdem glaube ich, dass Gott sich auf irgendeine Weise zu erkennen gibt. Nur so kann Glauben entstehen. Ich kann den Glauben in mir nicht selber machen. Ich bin überzeugt, der Glaube an Gott ist vor allem etwas, was von Gott selber ausgeht. Wenn jemand zum Glauben an Gott findet, dann bewirkt das Gott selbst.
Und weil wir Menschen unterschiedlich sind, ist meine Erfahrung, dass Gott auch unterschiedliche Zugangsweisen zu Menschen sucht.
Eine Art, sich Menschen zu zeigen ist zum Beispiel über die Sinne. Wenn ich an der Nordsee stehe und das weite, bewegte Meer sehe, die salzhaltige Luft rieche und der Wind meine Haare zerzaust, dann offenbart sich mir etwas von Gottes Schöpfung.
Einen ähnlichen Eindruck erleben Bergwanderer, wenn sie an einem herrlichen Tag neben einem Gipfelkreuz stehen und einen wunderbaren Blick auf die umliegenden Berge haben.
Wieder andere spüren etwas von Gottes Schöpfung, wenn sie im Wald spazieren gehen, die Vielfalt der Pflanzen bewundern, über das Moos streicheln, den würzige Tannenduft einatmen und ein leckeres Vesperbrot in der Pause essen.
Dies alles sind schöpferische Hinweise, die manche Menschen an Gott denken lassen und ihm gegenüber Dankbarkeit empfinden. Die Schönheit an Gottes Schöpfung kann ich mit meinen Sinnen wahrnehmen. Und wer ein feines Gespür dafür hat, kann in Ihnen Gott selbst entdecken.
Probieren Sie es doch mal aus, wenn Sie das nächste Mal auf einen Berg steigen, eine Waldwanderung machen oder im Meer schwimmen.
Vielleicht begegnen Sie ja dabei Gott!
Und wenn's nicht so ist, dann hat Gott bestimmt andere Zugangsweisen zu Ihnen als über die Sinne.

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Du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen Nächsten - sagt ein göttliches Gebot in der Bibel. Heißt das dann, dass ich immer und in jedem Fall die Wahrheit sagen muss? Von meinem Vater habe ich gelernt: „Alles was ich sage, soll wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, muss ich auch sagen". Diese Lebensweisheit habe ich mir angeeignet. Denn ich finde, Diplomatie und Höflichkeit helfen oft mehr im menschlichen Zusammenleben, als wenn man alles gerade heraus sagt.
Wenn ich in einen Kinderwagen mit einem Neugeborenen hineinschaue und finde das Kind nicht besonders schön, sondern ein bisschen schrumpelig, dann werde ich das der Mutter doch nicht sagen. Oder wenn ich an einer Supermarktkasse stehe, an der gerade eine Auszubildende eingelernt wird, brauche ich auch nicht herum zu mosern, dass alles so langsam geht.
Die Wahrheit immer und bei jeder sich bietenden Gelegenheit auszusprechen macht oft mehr in menschlichen Beziehungen kaputt, als dass sie weiter hilft.
Wenn ich meine, jemanden die Wahrheit sagen zu müssen, dann macht vor allem der Ton die Musik. Es kommt also darauf an, wie ich die Wahrheit sage. Bei einem Streit funktioniert das meistens nicht. Da wird sie oft so laut und dreist gesagt, dass der andere sie nicht oder nur ganz schwer annehmen kann. Die Wahrheit sollte man jemandem eher wie einen warmen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann und nicht wie einen nassen Waschlappen um die Ohren schlagen. Wahrheit in Liebe gesagt, kann zum Umdenken und zu einer Veränderung im Verhalten führen. Dazu gehört auch ein guter, geeigneter Zeitpunkt, an dem der Betroffene offen und aufnahmebereit ist.
Ich kenne Leute, die meinen, Wahrheiten, die nicht ausgesprochen werden, seien wie eine Lüge. Entsprechend rau und lieblos geht es bei denen zu Hause auch zu. Für solche Leute ist die sogenannte Ehrlichkeit das höchste Gut. Für mich ist sie das nicht. Ich finde, die Liebe steht über der Ehrlichkeit. Manchmal darf man aus Liebe und Barmherzigkeit auch einfach mal still sein. Höflichkeit ist eben nicht die Unehrlichkeit wohlerzogener Leute. Sondern sie hat etwas mit dem Respekt vor der Würde des anderen Menschen zu tun. Sie sagt zum Beispiel: Du Ich finde, ein weißes Hemd würde dir zu diesem Sakko besser stehen. Oder: Meinst du nicht, ein anderes Fernsehprogramm würde uns heute Abend besser tun? Mit einer solchen Haltung kann man dann auch eine Wahrheit sagen, die angenommen werden kann.

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„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen Nächsten" heißt eines der 10 Gebote Gottes. Leichter gesagt als getan. Denn wir lügen bis zu 200-mal am Tag, haben Forscher herausgefunden. Wobei Männer wohl bis zu 20% mehr lügen als Frauen. Männer lügen gerne bei Themen wie Karriere, Autos oder Hobbys. Frauen lügen gerne bei Themen wie Gewicht, Alter oder Angaben über ihre Beziehungen. Dabei sind es oft die kleinen Dinge, bei den wir die Unwahrheit sagen, die Wirklichkeit leicht verzerren und sie so darstellen, dass es für uns vorteilhafter wird. Am meisten belügen wir uns selbst. Das fängt schon beim Schminken morgens an und hört beim Spätfilm abends auf, wenn wir uns einreden, die Horrorszenarien, die wir dort sehen, würden schon keine Spuren in unserer Seele hinterlassen.
Zu lügen lernen wir ab einem Alter von etwa 4 Jahren. Dann, wenn wir anfangen, uns in andere Menschen hineinversetzen zu können. Wer lügt, muss nämlich ahnen können, was sein Gegenüber denkt, um dann entsprechend reden oder handeln zu können. Lügen erfordert eine gewisse Intelligenz. Denn ein Lügner muss seine Gefühle im Zaum halten können um nicht nervös zu erscheinen. Notorische Lügner haben etwa ein Viertel mehr weiße Gehirnmasse in einem Gehirnbereich, der für die Verknüpfung der Nervenzellen zuständig ist. Die weiße Gehirnmasse ist für die Informationsübermittlung zuständig. Genau an dieser Stelle setzen die Lügendetektoren an, wenn dort mehr Gehirntätigkeit gemessen werden kann.
Mit anderen Worten: Lügen ist anstrengend! Wenn Gott uns das Gebot „Du sollst nicht lügen" mit auf den Weg gibt, dann ist das offenbar nicht in erster Linie eine Einengung. sondern eine Befreiung. Wer lügt, schleppt immer eine gewisse Last mit sich herum. Sie setzt sich in den Gedanken fest. Und begleitet uns immer wieder. Schlechtes Gewissen nennt man das.
„Ich glaube, davor will mich das 8. Gebot bewahren. Und darum hat jemand mal die „10 Gebote" die „10 großen Freiheiten" genannt. Ist doch schön, wenn die Wissenschaft so was wie hier beim 8. Gebot einige Jahrtausende später auch noch biologisch-psychologisch bestätigt.
Ich meine nicht, dass ich von den kleinen Lügen des Alltags frei bin. Vielleicht noch nicht einmal von großen Lebenslügen. Aber ich will nicht, dass mir das egal ist. Und darum will ich es mir bewusst machen, wenn ich lüge. Und es immer wieder und immer öfter ganz bewusst lassen. Denn ich will leichter leben.

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„Du sollst nicht lügen!" heißt eines der 10 Gebote Gottes - meinen viele. Im genauen Wortlaut in der Bibel aber heißt es: „Du sollst nicht falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten".
Es geht also zunächst mal um Zeugenaussagen in einem Rechtsverfahren und nicht um das Lügen im Alltag. Ich soll nicht etwas Falsches über jemanden aussagen, damit ich selber oder andere einen Vorteil davon haben.
Dabei ist die Wahrheitstreue von Zeugenaussagen ganz schön schwer herauszufinden. Man braucht bloß mal 4 verschiedene Personen aus 4 verschiedenen Blickwinkeln den Hergang eines Unfalls schildern lassen. Dabei braucht keiner ein eigenes Interesse zu haben, dass einer der Unfallgegner besser weg kommt. Man bekommt trotzdem 4 Varianten des gleichen Unfalls.
Zeugenaussagen sind also immer nur eine Teilwahrheit. Jeder macht seine Aussage aus seiner Perspektive. Das Gericht muss sich aus diesen Teilaussagen dann ein Gesamtbild machen.
Das Gebot will, dass keiner der Zeugen gegen irgendjemanden der Beteiligten etwas Unwahres aussagt um ihn bewusst zu schädigen. Es geht also um Rechtssicherheit. Niemandem soll Unwahres zum Nachteil werden.
Ich finde, das gilt für unseren Alltag auch. Auch da kann es nicht sein, dass über Menschen etwas Unwahres gesagt wird.
Wie leicht kann ein Mensch in der Wertschätzung seiner Verwandten, Nachbarn oder Freunde sinken, nur weil jemand Halbwahrheiten über ihn verbreitet? Wie leicht kann mein Ruf geschädigt werden, nur weil jemand Kokolores über mich erzählt? Ich will nicht, dass mir das passiert. Und darum mahnt mich das Gebot, auch über andere nur Wahres zu sagen.
Das Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen Nächsten" will also das Ansehen und die Würde von Menschen schützen.
Ich will, dass mein Ruf geschützt bleibt. Deswegen bin ich dankbar wegen der Schutzbemühungen Gottes in diesem Gebot. Und ich will versuchen, mich daran zu halten.

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Wann haben Sie zum letzten Mal ein gutes Buch gelesen? Eins, das Ihr Herz berührt oder Ihren Verstand angeregt hat. Eins das sie aufgeregt oder Ihnen neue Einsichten geschenkt hat. Eins, das Sie in Frage gestellt oder Sie in ihrem Verhalten ermutigt hat. Eins, das sie zum lachen gebracht oder Sie getröstet hat.
Ich ermutige meine Kinder immer wieder zum Lesen. Ich schenke ihnen gerne mal ein Buch - bewusst als Kontrast zu ihrem Computer-Konsum. Und tatsächlich - sie lesen diese Bücher auch. Denn ich finde, Lesen bildet nicht nur. Lesen ist auch Teil der Kommunikation. Lesen fördert die Ausdrucksfähigkeit und erweitert den Wortschatz.
Für uns Christen hat das Lesen eine hohe Bedeutung.
John Wesley, der Begründer der methodistischen Bewegung zum Beispiel, hat von seiner Mutter an einem Tag sämtliche Buchstaben des Alphabets gelernt. Am Abend konnte er schon seine erste kleine Geschichte aus der Bibel vorlesen. In der Folge haben die Methodisten im 18. Jahrhundert in ihren Sonntagsschulen die Bibel als Vorlage verwendet, um Kindern aus ärmeren Familien Lesen und Schreiben beizubringen.
So zum Beispiel die Geschichte von dem Zöllner Zachäus, der ein kleiner Mann war, der mit den Besatzern zusammengearbeitet hat, viele Menschen übervorteilt hat und deshalb aus der Gesellschaft ausgestoßen war. Gerade bei ihm wollte Jesus zu Gast sein. Er macht damit deutlich, dass Gott mit jedem Menschen Gemeinschaft haben will, egal wie weit unten angekommen er sich fühlt.
Menschen damals wie heute lesen die Bibel, weil sie den Eindruck haben, dass Gott selber sie dadurch anspricht. Darum wird die Bibel nicht nur als „Heilige Schrift" sondern auch als „Wort Gottes" bezeichnet. Ich fühle mich von Gott durch sein Wort immer mal wieder persönlich angesprochen. Manchmal korrigiert er mich in meinen Ansichten. Manchmal ändert sich im Laufe der Zeit mein Verhalten. Aber immer wieder spüre ich, wie wertvoll ich Gott bin und wie sehr er mich schätzt und liebt - auch und gerade wenn ich mich im Moment selber nicht so toll finde. Darum liegt die Bibel bei mir auf dem Frühstückstisch und nach der Zeitung lese ich darin.
Vielleicht nehmen Sie den heutigen Tag des Buches zum Anlass, mal eine Bibel zu kaufen und zu verschenken. Auch, weil jetzt die Zeit der Konfirmationen, Kommunionen und Einsegnungen ist. Aber warum nicht auch mal eine Kinderbibel zum Geburtstag, eine Volxbibel für Jugendliche oder eine Bibel in gerechter Sprache für Intellektuelle. Hauptsache, die Leute lesen drin. Und dann werden sie spüren, dass Gott ihnen durch sein Wort etwas zu sagen hat.

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In 175 Ländern der Erde wird heute der Earthday, der Tag der Erde gefeiert. Die Idee dazu hatte vor 40 Jahren ein Senator in den Vereinigten Staaten. Dort wurde der 22. April zum weltlichen Feiertag erhoben. Es sollte darum gehen, das Umweltbewusstsein zu stärken und ein Nachdenken über den Verbrauch an Bodenschätzen und Energie anzuregen.
Seither gibt es vielerlei Bemühungen, Natur und Umwelt zu erhalten. Aber das ist mühsam. Im vergangenen Jahr haben wir das erleben müssen, als die Weltklimakonferenz in Kopenhagen gescheitert ist. Damals hat der bolivianische Präsident für den nächsten Tag der Erde zu einer „Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde" nach Cochabamba eingeladen. Diese Konferenz fand von vorgestern bis heute statt. Staatsvertreter sollten gemeinsam mit Experten und Nichtregierungsorganisationen Wege aus der Klimakrise suchen.
Ich meine, es ist absolut notwendig, dass sich Staatsregierungen einer Lösung dieses Problems annehmen. Da helfen in vielen Fällen nur noch staatliche Verordnungen, Regelungen und gegebenenfalls auch Einschränkungen.
Als Christ finde ich es ganz selbstverständlich, unsere Lebenswelt zu schützen. Schreibt uns doch schon der Psalmdichter König David ins Stammbuch: „Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen." (Psalm 24,1). Die Erde gehört Gott, der sie geschaffen hat, das ist jüdische und christliche Grundüberzeugung. Deshalb können wir nicht mit ihr umgehen, als wenn sie uns selbst gehörte. Gott, ihr Schöpfer, hat sie uns Menschen als Lebensraum zur Verfügung gestellt. Er hat die eigentlichen Grundrechte daran. Er hat uns nur das Recht verliehen, diese Erde zu bebauen und zu bewahren, wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt.
Für uns wünschte ich mir, dass wir so viel wie möglich vermeiden, was die Umwelt belasten könnte. Geben Sie einfach in Ihrer Internetsuchmaschine die Frage ein: „Umweltschutz: was kann ich tun" Da bekommen Sie eine Menge guter und praktischer Tipps für Ihr Verhalten im Alltag.
Als Familie haben wir uns entschieden, möglichst Lebensmittel aus unserer Region und jahreszeitlich passend zu kaufen. Außerdem rüsten wir die Beleuchtung bei uns zu Hause so nach und nach auf Energiesparlampen um - auch wenn uns die Lichtfarbe nicht so gut gefällt.
Ob Christ oder nicht, ich finde, wir haben eine ganz besondere Verantwortung für diese gottgeschaffene Erde. Daran erinnert uns heute auch der Earthday, der Tag der Erde.

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Wissen Sie genau, wo Sie hingehören? Oder geht es Ihnen wie mir: in gewisser Weise bin ich heimatlos. Ich bin jetzt Mitte 40 und habe in meinem Leben an sieben verschiedenen Orten gewohnt. Was ja nichts Ungewöhnliches ist in einer Gesellschaft, die berufliche Flexibilität erwartet.
Bei vielen Menschen um mich herum ist das anders. Sie sind hier geboren, sind vielleicht zur Berufsausbildung an einen anderen Ort gegangen, aber sind nun zu ihren Wurzeln zurück gekehrt. Manche sind auch die ganze Zeit hier geblieben, weil sie vor Ort einen Ausbildungsplatz gefunden haben. Sie wissen, wo sie hingehören. Ich weiß das noch nicht. Ich weiß noch nicht, wo ich mal für immer bleiben will. Aber manchmal packt mich eine Sehnsucht danach.
Interessanterweise fühle ich mich an meinem Geburtsort sehr wohl, obwohl ich dort seit meinem 3. Lebensjahr nicht mehr lebe und er über 500 Kilometer von meinem jetzigen Wohnort entfernt ist. Gibt es so was wie eine Verwurzelung, die etwas mit dem Geburtsort zu tun hat? Manche lehnen das ab. Sie sagen: Heimat ist da wo deine Familie ist und deine Freunde sind. Vielleicht ist da ja was dran. Ich lebe nun schon über die Hälfte meines Lebens in Baden-Württemberg. Meine Frau ist Schwäbin. Unsere Kinder sind hier geboren. Vermutlich werde ich auch beruflich die nächsten knapp 20 Jahre noch hier bleiben. Ob ich dann im Ruhestand noch mal woanders hin will und woanders hin kann, wird sich zeigen.
Was vermittelt mir eigentlich ein Heimatgefühl? Ist es das, was in Schlagern besungen und in Heimatfilmen gezeigt wird. Ist es die innere und gefühlsmäßige Bindung an einen Landstrich und deren Menschen, an ihre Sprache und Mentalität?
Oder ist es die Erinnerung an Kindheitserfahrungen, an Großmutters duftenden Apfelkuchen, an große, leuchtende Augen am Heiligen Abend, an fröhliche Familienausflüge Großvaters Gute-Nacht-Geschichten und Mutters liebevolle tröstende Worte.
Ich glaube, die Sehnsucht nach Heimat ist die Sehnsucht, da zu sein, wo man herkommt. Weil man da wirklich hingehört. Und diese Sehnsucht wird auf dieser Erde nie ganz erfüllt. Denn irgendwann müssen wir mal sterben und unsere irdische Heimat verlassen. Darum spricht die Bibel davon, dass unsere wahre Heimat im Himmel ist. Dass wir dorthin zurück kehren, wo wir her kommen. Ich glaube, ich bin von Gott geschaffen - und zu ihm kehre ich auch wieder zurück. Denn im Himmel ist Gott. Und er hat für mich dort eine Wohnung bereit. Das verheißt Jesus allen, die an ihn glauben. Mir hilft das, meine irdische Heimatlosigkeit besser auszuhalten. Denn ich weiß, dass die Aussicht auf eine Heimat im Himmel es mir leichter macht, hier auf der Erde im Vorläufigen zu leben.

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„Was Gastfreundschaft wert ist, weiß nur, wer von draußen kommt, aus der Fremde." Das hat Romano Guardini gesagt, der große katholische Theologe.
Deshalb macht es mich im Urlaub immer ein bisschen nachdenklich, wenn irgendwo steht: „Fremdenzimmer zu vermieten". Dann weiß ich schon gleich, wer ich bin. Und was ich wohl auch bleiben soll.
Im Winter fahren wir dagegen seit gut 15 Jahren eine Woche zum Skifahren in immer den gleichen Ort in die gleiche Ferienwohnung. Mit den Vermietern duzen wir uns. Sie kennen mich schon, als ich als Kind mit meiner Eltern dorthin gefahren bin. Wir schreiben uns zum Geburtstag und rufen uns ab und zu mal an. Dort sind wir keine Fremden mehr sondern Gäste, ja geradezu Freunde.
Durch Gastfreundschaft werden eben aus Bekannten Freunde.
Aber woran spüre ich, dass ich gastfreundlich willkommen bin?
Für mich ist das weniger das perfekte Abenddiner mit stilsicherer Tischdekoration und exzellentem Wein. Diese Art von Gastfreundschaft drückt zwar aus, wie sehr ich von den Gastgebern wertgeschätzt werde. Zugleich aber kann sie mich auch auf Distanz halten. Denn ich komme in einen Zugzwang, beim nächsten Mal eine ähnlich perfekte Gegeneinladung auszusprechen. Und das wollen oder können manche nicht leisten. Also kommt es eher nicht zu einer zweiten Einladung und man kann sich nicht näher kommen.
Nein, ich finde, wahre Gastfreundschaft lebt mehr von der Einfachheit. Natürlich gehört auch Essen und Trinken und eine warme Atmosphäre mit dazu. Gastfreundlich ist für mich aber vor allem ein Ort, an dem ich verschnaufen, Atem holen und zur Ruhe kommen kann. Wo ich spüre, dass mich die Gastgeber an ihrem Leben teilhaben lassen. Wo ich einfach dabei sein kann. Wo ich nichts besonderes sein und schon gar nichts leisten muss. Ich möchte, dass sie sich wirklich für mich interessieren und sie mich einen Blick in ihr Leben nehmen lassen. Denn so lernen wir unsere Lebenseinstellungen und Überzeugungen besser kennen. So werden Schranken und Vorurteile abgebaut. So wird Schubladendenken eingedämmt. So wird Unverständnis, ja sogar scheinbar Feindseliges klein gehalten. Was ich mir als Gast wünsche, das möchte ich auch bei mir daheim als Gastgeber anbieten. Denn Gastfreundschaft lerne ich zwar in der Fremde, aber üben muss ich sie zu hause.
Und dann, so ganz nebenbei, gewinne ich vielleicht einen Mehrwert, mit dem ich gar nicht gerechnet habe. Und den beschreibt die Bibel so: „Gastfrei zu sein vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt." (Hebr. 13,2)

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Wie kann man verloren gegangenes Vertrauen zurück gewinnen?
Vertrauensverluste können ja an verschiedenen Stellen entstehen: In der Familie zum Beispiel, wenn etwa ein Ehepartner betrogen worden ist. Das muss nicht immer was mit außerehelichen Affären zu tun haben. Das kann auch im Bereich Geld passieren. Oder wenn jemand nie oder selten seine Versprechen einhält. Wenn man sich einfach nicht auf ihn verlassen kann.
Auch in der Geschäftswelt funktioniert vieles auf Vertrauen hin. Ein Hersteller liefert seine Ware und vertraut darauf, dass sein Kunde das auch bezahlen kann.
Vertrauensverlust ist etwas, das wir in der Öffentlichkeit in letzter Zeit öfters als Thema hatten: Etwa bei der Bankenkrise oder nun bei den Missbrauchsfällen.
Es ist ganz schön schwer, dieses verloren gegangene Vertrauen zurück zu gewinnen. Aber ich meine, es gibt ein paar Wege dazu:
Das eine ist ein schonungsloses zu dem stehen, was man getan hat. Nichts vertuschen, nichts unter der Decke halten. Schuld zugeben. In der Kirche nennen wir das Sündenbekenntnis. Jede Art von Taktiererei untergräbt das Vertrauen nur wieder neu. Wenn ich Schuld zugebe, übernehme ich Verantwortung für meine Tat und bin bereit, mich damit auseinander zu setzen. Wer Schuld zugibt, der versetzt sich in die Lage des Opfers. Der versucht, die Sache aus dem Blickwinkel des Geschädigten anzugucken. Und das ist schon mal ein erster, guter Schritt zur Veränderung.
Das zweite ist die Bitte um Entschuldigung. Wohl gemerkt, die Bitte darum. Ich finde, man kann sich nicht selber entschuldigen. Eine Entschuldung kann immer nur das Opfer gewähren. Darum die Bitte um Verzeihung oder um Vergebung - wie wir in der Kirche sagen. Eine Entschuldigung bewirkt vor allem eine Entspannung im Verhältnis von dem, der Vertrauen gebrochen hat und dem der darunter zu leiden hat.
Das dritte ist ein offenes Gespräch mit den Enttäuschten, was denn da eigentlich falsch gelaufen ist. Was die Ursachen für den Vertrauensverlust sind. Welche Verärgerungen da sind. Wenn ich einen Vertrauensverlust aufheben will, tue ich gut daran zu wissen, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Eine Chance zum Neuanfang hat jeder verdient.
Und das Vierte und Letzte: Es darf einfach nicht wieder passieren. Vertrauen gewinnt man nur wieder, wenn begangene Fehler nicht wiederholt werden. Die Auseinandersetzung mit dem Vertrauensverlust indem ich Schuld eingestehe, um Entschuldigung bitte und das offene Gespräch suche, sollte eigentlich dazu führen, dass ich mein Fehlverhalten nicht wiederhole. Entscheidend ist eine veränderte innere Haltung. Und dann auch ein verändertes vertrauenswürdiges Verhalten.

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