Zeige Beiträge 1 bis 10 von 631 »
SWR3 Worte
Der Schauspieler Max von der Groeben wurde bekannt als Danger in “Fack ju Goethe”. In der Fernsehserie “Hundertdreizehn” spielt er einen Feuerwehrmann, der Menschen rettet. Und der sich nach einem jahrelangen Streit mit seinem Vater wieder versöhnt. Das Thema Versöhnung ist Max von der Groeben auch persönlich wichtig. Er sagt:
“Jeder Mensch macht Fehler und sich die einzugestehen ist nicht leicht, aber es gibt manche Dinge, die kann man nicht ewig vor sich hinschieben. Ich glaub es gibt keinen Mensch der Welt der sagt: Dass ich mich da jetzt mit dem versöhnt habe oder ausgesprochen hab, das war echt nicht gut - also es ist doch immer besser! Und man kann es nur selber machen und man muss es einfach machen und da gehört Mut dazu.”
Quelle:
https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=45165 , Ausdruck vom 30.09.2026 um 23:22 Uhr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45324SWR3 Worte
Michelle Engel ist katholische Seelsorgerin und erreicht zusammen mit ihrem Kollegen als “frengels und Chef” auf Instagram über 120.000 Menschen. Ihr Text “Übrigens” hat mich zum Nachdenken gebracht:
“[...] Übrigens, in dem langsamen Auto vor Dir sitzt vielleicht ein Mensch, der einfach nur versucht sicher nach Hause zu kommen.
Übrigens die Freundin, die Dir nicht zurückschreibt, ignoriert dich vielleicht nicht. Vielleicht fehlt ihr gerade die Kraft für die richtigen Worte.
Übrigens, die Kollegin, die dir manchmal zu viel erzählt, hat vielleicht niemanden, der ihr zuhause zuhört.
Übrigens, der Freund, der immer am lautesten ist, fühlt sich innerlich vielleicht kleiner als er nach außen wirkt. [...]
Übrigens, jeder Mensch trägt eine Geschichte in sich von der wir meistens nur ein paar Seiten zu sehen bekommen. Das bedeutet nicht, dass wir jedes Verhalten akzeptieren müssen. Aber vielleicht können wir ein bisschen langsamer urteilen. Ein bisschen öfter nachfragen. Und ein bisschen freundlicher miteinander sein.
Quelle: diokirche krefeld und frengels.de - 23.August 2026 , Ausdruck vom 30.09.2026 um 23:21 Uhr
https://www.instagram.com/p/DcY2_daCPA1/?img_index=1,
https://www.instagram.com/p/DcY2_daCPA1/?img_index=4,
https://www.instagram.com/p/DcY2_daCPA1/?img_index=5,
https://www.instagram.com/p/DcY2_daCPA1/?img_index=6,
https://www.instagram.com/p/DcY2_daCPA1/?img_index=7,
https://www.instagram.com/p/DcY2_daCPA1/?img_index=10,
https://www.instagram.com/p/DcY2_daCPA1/?img_index=12,
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45323SWR3 Worte
Der Film “23.000” Leben, der gerade auf Netflix läuft, erzählt die Geschichte der Iuventa, einem Seenotrettungsschiff und ihrer Crew. Auch Schauspielerin Mala Emde spielt in dem Film mit. Wegen ihrer Rolle hat sie sich intensiv mit dem Thema Seenotrettung im Mittelmeer beschäftigt. Sie sagt:
“Ich muss mir da selber an die Nase fassen. 2015 war das alles noch sehr präsent. Und ich begleite auch jemanden, der nach Deutschland gekommen ist, im Rahmen einer Patenschaft. Ansonsten muss ich aber gestehen, dass das Thema bei mir in den Hintergrund gerückt ist. Ich habe mich beim Drehbuchlesen schon richtig dabei ertappt gefühlt, wie wenig ich noch darüber nachgedacht habe. Und dabei sind – wie ich dann durch den Film erfahren habe – dieses Jahr schon jetzt mehr Menschen im Mittelmeer gestorben als in den Jahren zuvor. Deswegen fand ich es sehr gut, sich noch einmal mit Jugend Rettet und der Iuventa zu beschäftigen, nochmal die Vergangenheit anzuschauen, um sich der Gegenwart bewusst zu werden. [...] Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben. “
Quelle:
https://www.film-rezensionen.de/2026/07/louis-hofmann-mala-emde-interview/ , Ausdruck vom 30.09.2026 um 23:24 Uhr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45322SWR3 Worte
Clara Lösel ist Poetry Artist und Bestseller-Autorin. In ihrem neuen Buch “Ich dachte, sowas fühl nur ich” hat sie einen Text mit dem Titel “mehr-menschen” veröffentlicht. Darin schreibt sie:
“[...] das ist der barkeeper mit der stressigen schicht,
der sieht, dass ein mann eine frau bedrängt,
die kunden stehen lässt und hilft
und ist doch selbstverständlich denkt.
das ist die frau bei der stadtverwaltung,
die eigentlich schon feierabend hat,
aber länger bleibt für diesen älteren mann,
bis bei ihm wirklich alles klappt.
das ist die lehrerin, die merkt, dieser schüler wird stiller,
und ihn anspricht und fragt,
statt einfach den stoff durchzuziehen,
dabei steht das gar nicht im arbeitsvertrag.
das ist der kassierer im supermarkt,
der, als dieser mutter zwei euro fehlen,
es leise aus der eigenen tasche zahlt,
ohne es irgendwem zu erzählen.
[...] es gibt da diese menschen,
im alltag oft fast unbemerkt.
die meisten machen, was sie müssen,
doch diese menschen machen mehr.
ich nenn sie die mehr-menschen.
keine zeitung verliert über sie ein wort,
doch ohne diese menschen
wäre die welt nur ein halb so guter ort.”
Quelle:
Clara Lösel: Ich dachte, sowas fühl nur ich, 101 Texte, die dein Leben verändern. Rowohlt Verlag, Hamburg 2026, S. 65-66.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45321SWR3 Worte
Jonathan Tah war einer der Spieler, der bei der WM einen Elfmeter verschossen hat. Und wie viele Fußballer mit schwarzer Hautfarbe hat er dann Rassismus erleben müssen. Tah sagte in einem Interview:
“Direkt nach der WM war ich gar nicht auf Social Media aktiv, ich habe keine Kommentare gelesen. Über andere habe ich erfahren, dass es auch rassistische, hasserfüllte Nachrichten gab [...]Es hat gleichzeitig aber auch sehr viele positive Rückmeldungen gegeben. Auf diese Stimmen möchte ich meinen Fokus legen. [...] Wir alle können daraus lernen, wie wichtig es ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Wenn es viele positive Stimmen gibt, werden die negativen automatisch leiser. [...] Und das gilt nicht nur, wenn ich einen Elfmeter verschieße. Das gilt genauso, wenn ein Junge in der Schule geärgert wird oder wenn jemand auf der Straße beleidigt wird. Mentale Stärke braucht jeder - nicht nur Profis. “
Quelle:
Instagram BR 24 Sport, 16.08.2026 - https://www.instagram.com/p/DcGFKNBla6A/?img_index=1,
https://www.instagram.com/p/DcGFKNBla6A/?img_index=2,
https://www.instagram.com/p/DcGFKNBla6A/?img_index=3,
https://www.instagram.com/p/DcGFKNBla6A/?img_index=4
Ausdruck vom 30.09.2026 um 23:16 Uhr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45320SWR3 Worte
Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff trat 2012 nach einem Skandal von seinem Amt zurück. In einem Interview hat er vor kurzem verraten, was ihm an seinem Tiefpunkt geholfen hat. Wulff sagte:
“Nach meinem Rücktritt war ich eine kurze Zeit im Kloster und bin auch den Jakobsweg gegangen. Das hat mir ganz viel geholfen [...] Ich habe etwa den Begriff "zugrunde gehen" gelernt. Weil viele dachten, ich würde an den Problemen zugrunde gehen. Nach diesen ganzen Erfahrungen bin ich vielleicht wirklich zugrunde gegangen, aber nicht in dem volkstümlichen Sinne, sondern in dem Sinne, den Dingen auf den Grund zu gehen. Ich habe mich gefragt: Was war mein Beitrag? Was waren äußere Umstände? Wer war dahinter, wer hat was aus welchen Gründen gemacht? Dadurch wird man dann einfach auch ein Stück klüger und geht aus einer Krise gestärkt hervor. [...] Mir hat das sehr geholfen, dass mir ein Theologe mal gesagt hat: "Auch für dich hat Gott noch einen Plan."
Quelle:
https://www.domradio.de/artikel/altbundespraesident-wulff-wirbt-fuer-sinnsuche-krisen , Ausdruck vom 30.09.2026 um 23:16 Uhr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45319SWR3 Worte
Heute ist der Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi. Vor 800 Jahren ist er gestorben. Hinterlassen hat er uns den “Sonnengesang” - ein Gebet, das Gott und die Schöpfung lobt und alles zu Bruder und Schwester des Menschen erklärt. Franziskus schreibt :
“Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
[...]
durch Schwester Wasser,
[...]
durch Bruder Feuer,
[...]
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.
Quelle:
https://franziskaner.de/der-sonnengesang/ , Ausdruck bom 30.09.2026 um 23:25 Uhr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45318Begegnungen

Ich bin begeistert von der Literatur der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin. In ihren Büchern greift sie ernste und wichtige Themen wie Trauer oder Pflege auf. Und trotzdem sind ihre Texte immer auch mit Humor gespickt. So erlebe ich Helga Schubert auch bei unserer Begegnung: Eine Frau, die mit ihren 86 Jahren sehr witzig ist, obwohl sie sehr viel Schlimmes durchgemacht hat: Geboren im Zweiten Weltkrieg, aufgewachsen mit einer Mutter, die sie ablehnte. Der Vater im Krieg gefallen. Ein Leben als Christin in der DDR. Bespitzelt durch die Stasi. Sie arbeitete als Psychotherapeutin. Besiegte eine Krebserkrankung. Und pflegte zuletzt ihren schwerkranken Ehemann, der 2025 verstorben ist. Wie hat sie das alles geschafft?
Indem man es annimmt, das ist wirklich meine einzige Antwort nach den vielen Jahrzehnten, die ich selbst in der Psychotherapie gearbeitet habe und in der ich einfach diesem Leben so gegenübergestanden habe, bis ich gedacht habe das nehme ich jetzt an. Das hört sich vielleicht ganz einfach an, aber das ist die Lösung. Wenn man dann auf irgendeine Weise noch eine Distanz dazu kriegt, die aber nur durch Humor kommen darf. Die Distanz, die muss dadurch kommen, dass man sich auch relativiert, dass man das eigene Leben relativiert und einfach weiß, es gibt etwas viel Größeres als dieses eigene Leben. Und daran glaube ich.
Helga Schubert ist evangelisch, sie gehört zu den wenigen Christen in Mecklenburg-Vorpommern. Über die Pflege ihres Mannes hat sie ein Buch ganz ohne Pathos geschrieben. Es heißt: “Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe.” Darin spielt auch ihr christlicher Glaube eine große Rolle:
Denn dann sollte durchaus auch was Religiöses sein in diesem Buch, denn ich habe ja auch ein Motto genommen aus Matthäus: „Darum sorge nicht für den morgigen Tag – denn der morgige Tag wird für das seine Sorgen.”Also das ist durchaus ein Hoffnungssatz.
Dieser Satz von Jesus Christus gibt ihr Zuversicht - auch in schweren Zeiten. Und der Untertitel “Stundenbuch der Liebe”, der hat mich als Theologe neugierig gemacht. Denn Stundenbücher sind seit dem Mittelalter die Andachts- und Gebetbücher der Gläubigen. Ich mag Helga Schuberts Gedanken: Auch die Pflege eines geliebten Menschen kann Gebet sein. Dabei ist Helga Schubert überhaupt nicht religiös erzogen worden:
Wodurch bin ich jetzt gläubig geworden? Ich bin dadurch gläubig geworden, dass ich gemerkt habe, was es für eine unglaubliche Wärme bedeutet, wenn man gesegnet wird, wenn man zu etwas dazu gehört, was ruhig, vernünftig, warmherzig und dann auch noch geborgenheitsspendend ist. Ja, dass es friedlich ist.
Auch und gerade in der Zeit nach dem Tod ihres Mannes, hat sie diese Wärme und Geborgenheit weiter gespürt. Ihr aktuelles Werk, das nun auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wird und von der Zeit der Trauer nach dem Tod ihres Mannes erzählt, heißt: “Die Woche danach. Ein Stundenbuch der Hoffnung.” Wie sie auf den Tag der deutschen Einheit blickt, hören Sie nach der Musik.
Ich treffe die Schriftstellerin Helga Schubert in ihrer Wohnung in den Weiten von Nordwestmecklenburg. Mitten auf dem Land. Geboren wurde sie 1940 in Berlin. Die Autorin erinnert sich an ihre ersten Schuljahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie durfte am Religionsunterricht teilnehmen, obwohl sie im russischen Sektor Berlins wohnte. Dort und auch im Kindergottesdienst lernte sie die Botschaft Jesu kennen:
Das war für mich eine vollkommen andere Geisteshaltung als die, die in der Schule gepredigt wurde mit […] Diktatur der Arbeiterklasse und so. Hier ging es immer um Versöhnung, um Frieden und vor allen Dingen dieser Segen am Ende des Gottesdienstes, das war für mich also dass alles vergeben wird und dass einem nicht jemand immerzu was Übel nimmt. Und das man nicht immerzu mit einer schweigenden Mutter konfrontiert ist, die einem das oder das Übel nimmt, die tagelang nicht mit einem gesprochen hat.
Das Verhältnis zu ihrer Mutter war ganz schwierig- die Ablehnung, die sie von ihr erfahren hat, thematisiert Helga Schubert immer wieder in ihrer Literatur. Aber sie erzählt mir auch, dass sie ihrer Mutter dankbar ist: dafür, dass sie ihr kritisches Denken beigebracht hat und den Wert der Demokratie.
Sie ist sehr, sehr politisch klar gewesen in ihrer Ablehnung der SED [...]- also meiner Mutter verdanke ich diese politische pro-demokratische Haltung und da war ich sehr früh eigentlich vorgewarnt, dass man sehr vorsichtig sein muss. Und dann hab ich auch in der Staatssicherheitsakte, die über mich geführt worden ist wegen staatsgefährdender Hetze und Diversion - seit 1976 haben sie gegen mich ermittelt - da hat dieser Leiter dieser Untersuchung gegen mich reingeschrieben in meine Akte: Es ist trotz jahrelanger Bemühung nicht möglich […] in das Privatleben der Schubert einen informellen Mitarbeiter zu platzieren.
Aufgrund dieser Erfahrungen ist es Helga Schubert umso wichtiger gerade auch heute für demokratische Werte, Gewaltenteilung und Menschenwürde einzustehen. Weil ihr die freie Wahl so wichtig ist, war sie auch gemeinsam mit dem Pastor ihrer Gemeinde bei der Auszählung der Stimmen am Wahlabend jetzt bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern vor Ort in ihrer Heimatgemeinde. Sie hat am eigenen Leib unter zwei Diktaturen gelitten- der Nazizeit und der DDR. Wenn jemand heute in ihrem Umfeld rechtsextremistische Gedanken vertritt oder die DDR schönredet, dann kann und will sie dazu nicht schweigen. Was bedeutet ihr der Tag der deutschen Einheit?
Das ist eine äußere Erlösung, die wirklich bei mir ein großes Glücksgefühl immer wieder hervorruft. Dass wir eine Diktatur überwunden haben mit friedlichen Mitteln. [...] Dass ich in einem Europa lebe und in einem Land, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit gewährleistet ist, ist für mich das Wichtigste. Weil daraus alles andere folgt. Daraus folgt alles. Ich kann wählen. Ich kann nicht wählen. Ich kann mich informieren. Ich bin nicht eingesperrt, ich werde nicht überwacht. Das sind alles Dinge, die zu einem Lebensglück beitragen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45277SWR3 Gedanken
Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Film auf Netflix zuletzt so viel in mir ausgelöst hat “23.000 Leben”- das Drama über die Seenotretter auf dem Schiff Iuventa. Louis Hofmann, bekannt aus der Erfolgsserie “Dark”, spielt Lukas, der mit einer Gruppe junger Menschen Spenden sammelt, ein Seenotrettungsschiff kauft und dann über 23.000 Menschenleben im Mittelmeer rettet. Das ist keine Fiktion, das ist ein Film über wahre Begebenheiten. Als ich die Szenen der Rettungseinsätze sehe, denke ich an Syrerinnen und Eritreer, die jetzt im Rheinland leben und die mir das genauso erzählt haben: Wie das war, als sie selbst auf solchen Schlauchbooten ums Überleben kämpften. Der Film zeigt aber auch, was es mit der Crew auf dem Schiff macht, wenn ihre Hilfe zu spät kommt: eine Frau ist schon auf dem Schlauchboot gestorben, bevor die Iuventa es erreicht. Lukas und seine Freunde brechen in Tränen aus. Das deckt sich mit den Schilderungen einer Kollegin aus der Seelsorge, die Seenotretter nach Einsätzen begleitet hat. Wie hart das an die Substanz geht - physisch und psychisch.
Der Film wühlt mich auf, das ist gut so. Denn immer noch sterben täglich Menschen auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer. Immer noch gibt es keine staatliche Seenotrettung und Behörden schikanieren die Retter, indem sie Boote festlegen. Ich teile deshalb die Hoffnung von Hauptdarsteller Louis Hofmann, der gesagt hat: “Ich hoffe, dass der Film [...] auch ein Appell ist, sich zusammenzutun [...] zu helfen und nicht wegzuschauen.”
Ganz ehrlich: Ich hab für das komplexe Migrationsthema auch keine einfache Lösung, aber als Christ kann ich auch nicht dazu schweigen,denn: Jeder Mensch-egal welche Hautfarbe, Herkunft oder Religion - ist ein Abbild Gottes, das nicht im Mittelmeer ertrinken darf! Oder um es mit Papst Leo zu sagen: “Es geht [...] darum, dass wir [...] im Migranten und im Flüchtling nicht nur ein Problem sehen, das bewältigt werden muss, sondern einen Bruder und eine Schwester, die aufgenommen, geachtet und geliebt werden müssen.” *
*APOSTOLISCHE EXHORTATION DILEXI TE DES HEILIGEN VATERS LEO XIV. ÜBER DIE LIEBE ZU DEN ARMEN, 75.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45233SWR3 Gedanken
Ich liebe Livekonzerte - eines meiner Highlights war in diesem Sommer das Open-Air von Michael Patrick Kelly auf der Loreley. 50 Jahre gibt es hier schon die Freilichtbühne hoch über dem Rhein - oder zumindest über dem, was von dem Fluss in diesem Sommer noch übrig ist. Gerade deshalb packt mich ein Lied, das Michael Patrick an dem Abend singt, ganz besonders. Da heißt es im Text, der dem indigenen Volk der Cree zugeschrieben wird: “Wenn der letzte Baum gerodet und der letzte Fluss vergiftet, wenn der letzte Fisch gefangen werdet ihr verstehen - dass man Geld nicht essen kann.” Trifft in diesem Hitzesommer mitten in mein Herz und hallt lange nach. Kurz darauf dann noch ein tiefgründiger Text: Michael Patrick singt in seinem neuen Song “Calcutta Angel” über seine Zeit bei Mutter Theresa, wie ihn das geprägt hat. Und knapp zehntausend Menschen stimmen im Refrain ins “Halleluja” ein, ich auch. Was für ein Konzertsommerabend: Nachdenkliches, Besinnliches, Gebet, Musik. Das alles ist für mich auch eine Form von Gottesdienst. Auch bei anderen Künstlern: Gänsehaut hatte ich bei Joris als er singt: “Du bist nicht alleine, weil dich jemand liebt. Das Leben wirft Steine, mal große, mal kleine, doch ich lass dich nicht los.” Oder bei Tom Gregory: “I found heaven in a world so cold”. Ja, ich brauche in dieser oft kalten Welt diese himmlischen Momente umso mehr. Und Musik ist eine Sprache, die mehr ausdrückt als Worte - und die mich beim Zuhören und beim Mitsingen auch immer wieder mit meinem Schöpfer verbindet. Mal fragend, mal suchend, mal voller Dankbarkeit. Dem Heiligen Augustinus wird ein Wort zugeschrieben, das ich nur unterschreiben kann: “Wer singt, betet doppelt.”
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45232Zeige Beiträge 1 bis 10 von 631 »
