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Man kann schon durcheinanderkommen bei den vielen verschiedenen Kirchen. Auf der Straße hat mich mal eine Frau angesprochen: „Sie sind doch Pfarrerin. Evangelisch oder katholisch?“ Ich war verblüfft und habe sie darauf hingewiesen, dass sie ihrer Zeit weit voraus ist. In der katholischen Kirche gibt es keine Pfarrerinnen. Noch nicht, zumindest. Dann hat sich herausgestellt: Sie gehört zu einer neuapostolischen Gemeinde.
Man kann schon durcheinanderkommen. Es gibt Evangelische und Katholische, Russisch-Orthodoxe und Armenisch-Katholische, Baptisten und Neuapostolische – und in Ägypten habe ich die uralte koptische Kirche kennengelernt. Gefühlt gibt es Tausende christliche Kirchen. Und jede hat ihre Besonderheiten und ihre eigene Tradition.
Das ökumenische Miteinander hat in der Geschichte oft genug nicht funktioniert. Auch zwischenmenschlich. Ich erinnere mich an eine alte Dame, die mir erzählt hat, dass sie als junge Frau die Liebe ihres Lebens nicht heiraten konnte. Die Eltern des katholischen Freundes waren so entsetzt gewesen, dass der mit einer evangelischen Frau ankommt, dass sie gedroht hatten, ihn zu enterben. Es wurde nichts mit der Hochzeit.
Wir arbeiten schon lange daran, dass unser Miteinander besser wird, Schritt für Schritt. Ökumenische Schulgottesdienste gehören längst zum Standard und ich habe schon oft zusammen mit einem katholischen Kollegen ökumenische Trauungen gehabt. An meiner Grundschule haben die christlichen Kinder in Klasse 1 und 2 gemeinsam Reli, egal zu welcher Kirche sie gehören. Und neulich haben wir im Schlosspark einen großen ökumenischen Gottesdienst gefeiert, den 4 christliche Kirchen und Gemeinden gemeinsam vorbereitet haben.
Wir lernen uns immer besser kennen und lernen einander schätzen. Manches ist mir an anderen Kirchen fremd und wird es wohl auch bleiben. Aber was den christlichen Glauben angeht, leben wir alle unter einem Dach. Alle christlichen Kirchen sind nach Jesus Christus benannt. Wir müssen nicht im Gleichschritt gehen und liebgewordene Traditionen über Bord kippen. Aber es ist gut, wenn wir es hinbekommen, in der Öffentlichkeit immer mehr mit einer Stimme zu sprechen. Und uns gemeinsam in der Gesellschaft engagieren. Da haben die Menschen mehr davon.
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„Teilen macht ganz“. Ich bin überrascht stehen geblieben, als ich das gelesen habe. Ein Schriftzug an einer Hausecke in der Heidelberger Altstadt. „Teilen macht ganz“? Merkwürdig. Teilen heißt doch Aufteilen. Dann bekommen alle ein Stück. Aber eben nur ein Stück - und nicht alles. Nicht das Ganze.
Beim genaueren Hinsehen habe ich an der Hausecke noch 2 große dunkle Rechtecke bei dem Schriftzug gesehen. Zwei Hälften einer Sache vielleicht. Nicht sehr sauber getrennt, die sahen eher aus wie eingerissen.
Ich hab das Haus nicht gekannt und wusste nicht, was es beherbergt. Ein Museum? Ein Café? Als ich um die Ecke rum zum Eingang gegangen bin, habe ich gemerkt: das ist ein katholisches Begegnungszentrum. Hier können sich Leute treffen, mit anderen ins Gespräch kommen, einen Kaffee zusammen trinken, neue Impulse bekommen. Auch ihre Gedanken mit anderen teilen. Sich mitteilen und einander zuhören.
„Teilen macht ganz.“
Daheim habe ich nachgelesen, was es mit diesem Spruch und den beiden Rechtecken auf sich hat. Ein Künstler hat das entworfen. Er wollte etwas zu St. Martin machen. Zu dem berühmten Heiligen Martin, der mit seinem Schwert aus seinem Mantel zwei Teile gemacht hat. Den einen Teil hat er in einer Winternacht einem Bettler gegeben. Der arme Mann hat so die eiskalte Nacht überleben können. Er hat etwas gewonnen. Sein Leben, und neuen Mut vielleicht auch. Und Martin hat nichts verloren. Er, der geteilt hat, hat sich dadurch nicht als Verlierer gefühlt. Er hat auch etwas gewonnen. Eine neue Perspektive auf das Leben. Und die Idee, wie das ist, anderen Menschen Anteil am Leben zu geben. Damit sie auf eigenen Füßen stehen können. Heute würde man von „Teilhabe“ reden: Wenn ein Kind aus einer armen Familie Fußballschuhe finanziert bekommt, damit es in den Fußballverein kann, oder wenn Konzertveranstalter bewusst einige kostenlose Karten bereit halten für die, die sich den Eintritt nicht leisten können.
So wird nicht alles gut und heil. Aber wenn wir teilen, machen wir schon ganz viel richtig, finde ich.
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„Alles hat seine Zeit.“ Ich staune über die Vielfalt in unsrem Leben. Arbeiten und feiern, streiten und sich wieder einkriegen, Ruhe suchen und unter Leute gehen.
„Alles hat seine Zeit.“ Steht schon in der Bibel. Der Prediger (so wird er dort genannt) sinniert über das Leben und schreibt: „Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit.
Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit.“ Bei manchem, was ich erlebe, würde ich vor Glück am liebsten die Zeit anhalten. Bei anderem bin ich ausgesprochen dankbar dafür, dass es nicht ewig dauert. Ich will nicht ewig angestrengt sein oder ewig Schmerzen haben. Und auch nicht anderen ewig auf den Geist gehen. Gut, dass auch anderes wieder seine Zeit hat.
Der Prediger scheint das ähnlich zu sehen. Und er sagt ganz nüchtern: „Geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit.“ Beides gehört zum Leben dazu. Das war für ihn übrigens kein Grund, verdrießlich zu werden oder zu resignieren. Sein Fazit war: Lebe heute. Schau, was die Zeit Dir gerade bringt und versuch, daraus etwas zu machen. Verlier dich nicht in dem, was gestern war oder morgen sein könnte. Wenn du heute tanzen kannst, dann tanze und jammer nicht rum. „Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit.“
Und wenn du heute todtraurig bist, dann musst du das nicht den ganzen Tag überspielen und so tun, als sei alles in bester Ordnung. Die Trauer wird nicht auf Knopfdruck weg sein. Das muss sie auch nicht. „Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit.“ Beides braucht Raum und Zeit in unsrem Leben.
Ein weiser Mensch, der Prediger.
Nachdem er viel über unsre Zeit nachgedacht hat, hält er nebendran noch einen anderen Gedanken: „Gott hat den Menschen die Ewigkeit in ihr Herz gelegt!“ Was er damit wohl gemeint hat? Ich finde es jedenfalls schön, dass er nicht nur sagt: Es geht alles vorbei. Er sagt auch: Da ist ein ewiger Gott, dem etwas an dir liegt. Das hört nicht auf, dass ihm etwas an dir liegt. Du und deine Zeit, ihr seid bei ihm gut aufgehoben.
Der Prediger hat übrigens auch gesagt: „Schweigen hat seine Zeit und reden hat seine Zeit“. Und darum schweig ich jetzt.
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Wenn ich mitbekomme, dass zwei sich streiten – was kann ich dann tun, damit der Konflikt nicht eskaliert? Und wenn ich selbst beteiligt bin: wie kann ich so damit umgehen, dass es nicht ausartet?
Beim Eishockey gibt es eine Zeitstrafe, wenn zwei sich ineinander verhaken und unsportlich werden. Da wird man einfach für ein paar Minuten auf die Bank gesetzt und hat Zeit, sich abzukühlen und nachzudenken, wie man nachher anders weiter machen kann.
Das finde ich an sich schonmal eine schlaue Idee: raus aus der Situation, sich und anderen die Zeit geben, Abstand zu gewinnen und runterzukühlen. Außerhalb vom Sport würde man sagen, sich abregen und mit einem guten Ratgeber überlegen, was eigentlich los ist und wie es gut weitergehen könnte.
In der Bibel schlägt Jesus eine weitere Möglichkeit vor, wie man das hinbekommen könnte, dass ein Konflikt nicht eskaliert. Da heißt es: Wenn du Grund hast, dich über einen anderen zu beklagen, dann such das Gespräch mit ihm. Stell ihn nicht öffentlich bloß, sondern geh erstmal allein zu ihm hin. Sprich das an, was dich gekränkt hat, was dir Sorge macht. Falls ihr nicht weiterkommt, geh nochmal hin und nimm noch ein oder zwei andere mit, als Ratgeber oder Schiedsrichter. Falls ihr auch so nicht weiterkommt, dann bring es vor die Gemeinde und beratet alle zusammen. Vielleicht müssen sich eure Wege trennen, aber dann ist zumindest ausgesprochen, warum.
Ich nehme für mich mit: Damit ein Konflikt nicht eskaliert, hilft Klarheit! Konflikte also klar ansprechen und nicht alles unter den Teppich kehren. Es tut niemandem gut, wenn der eine nur immer schweigt und die andere nicht mitkriegt, wie es da brodelt. Noch weniger hilfreich: wenn stattdessen hintenrum geredet wird. Erst wenn man etwas klar anspricht, können beide zusammen daran arbeiten, sofern beide es wollen. Das kann helfen, damit man sich nicht immer weiter hineinsteigert. Nur immer den Mund halten um des lieben Friedens willen, das führt nicht zum Frieden. Wenn wir versuchen, miteinander zu reden, führt das auch nicht immer zum Frieden. Aber dann haben wir es wenigstens versucht. Auch wenn wir am Ende vielleicht unversöhnt auseinander gehen. Immer noch besser, als den Konflikt eskalieren zu lassen.
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Kaffeetrinken auf dem Friedhof? Ich war überrascht, als ich gehört habe, dass das auf immer mehr Friedhöfen angeboten wird. Je mehr ich darüber lese, desto besser gefällt mir diese Idee. Ein paar Leute bereiten alles vor, kochen Kaffee oder bringen einen Kuchen mit. Dann richten sie ein paar Klapptische und Stühle her und laden ein. Wer gerade auf dem Friedhof unterwegs ist, kann sich dazu setzen, Kaffee trinken und mit anderen reden.
Der Friedhof ist nicht nur Ruhestätte für die Toten. Er ist auch ein Treffpunkt für die Lebenden. Viele besuchen hier ein Grab, gießen im Sommer die Blumen. Manchmal treffen sie hier Bekannte, aber das ist dann eher zufällig. Und für die, die traurig sind, ist es dann unverhofft die Chance auf ein Gespräch. Nicht nur über Trauer, sondern auch über ganz alltägliche Sachen wie den Garten oder ein Hobby oder den neuen Friseur am Ort. So ist die Idee für die ersten Kaffee-Treffs auf Friedhöfen entstanden. Die finden einmal im Monat statt oder einmal in der Woche, immer am gleichen Wochentag. Manche haben ihren Kaffee-Treff extra auf den Sonntagnachmittag gelegt, weil sie gemerkt haben: gerade die Sonntage können für Trauernde besonders anstrengend sein, wenn sie da den ganzen Tag allein sind.
Manche Treffen werden von Kirchengemeinden, Hospizgruppen oder dem Stadtseniorenrat ins Leben gerufen. Aber an manchen Orten starten das auch Leute, die selbst regelmäßig auf den Friedhof kommen und spüren: „Mir fehlt so was!“
Ein Stück Apfelkuchen in dieser besonderen Umgebung: ja klar, das kann man schräg finden oder befremdlich. Aber vor allem finde ich es eine unkomplizierte Möglichkeit, etwas dafür zu tun, dass Menschen nicht vereinsamen. Da kommen Menschen zusammen, die einander sonst nur von weitem gegrüßt hätten oder sich gar nicht begegnet wären. Sie treffen andere Leute, kommen auf andere Gedanken, können Kontakte knüpfen und wieder ins Leben hineinfinden. Auch auf einem Friedhof.
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Es ist ja gar nicht so leicht, bei einem Streit zu beurteilen, wer recht hat und wer nicht. Ein salomonisches Urteil. So nennen wir das, wenn wir ein Urteil klug und weise finden.
Das Sprichwort geht auf eine Geschichte zurück, die in der Bibel erzählt wird, von dem weisen Salomo. Salomo war König von Israel. Recht zu sprechen, hat zu seinen Aufgaben gehört. Eines Tages sind 2 Prostituierte zum König gekommen. Die beiden haben unter einem Dach gewohnt, und beide hatten vor kurzem ein Kind geboren. Nun war das Kind der einen Frau gestorben, das der anderen war am Leben. Beide Frauen haben geschworen: „Das Kind, das lebt – das ist meines… Das Kind der anderen Frau ist gestorben“. Ein Drama. Zeugen hat es keine gegeben.
Wie sollte der König entscheiden? Wer hat Recht, wer Unrecht?
Salomo hat nachgefragt und zugehört. Aber er hat bald gemerkt, dass er das nicht gut beurteilen kann. Nur eine Idee hatte er zum Schluss noch. Ein Test, ein Versuch, die Wahrheit doch noch ans Licht zu bringen. Beide wollen das Kind haben? Dann sollen beide eine Hälfte des Kindes bekommen. Er hat befohlen, das lebende Baby mit dem Schwert in 2 Teile zu hauen. Ein grauenhafter Vorschlag. Als tatsächlich ein Soldat mit Schwert angerückt ist, fand eine der Frauen das in Ordnung: „Wenn ich das Kind nicht haben kann, soll es niemand haben.“ Die andere Frau aber ist sofort dazwischen gegangen und hat dem König widersprochen. „Dieses Kind wird nicht umgebracht! Dann soll es lieber bei der anderen Frau leben.“ Salomo hat entschieden: Sie ist die Mutter. Die Frau, die ihr eigenes Kind so sehr liebt, dass sie es lieber weggeben würde, als es umbringen zu lassen. Salomo hat sein Urteil gesprochen und ihr das Kind gegeben.
Ich finde nicht nur den König weise. Diese Frau ist es auch. Sie lässt ihr Kind los, damit es leben kann. Mir fallen einige Lebensbereiche ein, bei denen ich sie heutzutage gerne als Ratgeberin mit am Tisch hätte. Wenn es um Beratung in Erziehungsfragen geht, zum Beispiel. Oder wenn es um den Umgang mit der Umwelt geht, und was wir der nächsten Generation für eine Welt hinterlassen. Sich zurücknehmen, damit auch andere leben können. Wir könnten von dieser Frau lernen.
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Von Alkohol abhängig sein – das ist ein Tabu-Thema. Als wäre es eine Schande, alkoholkrank zu sein. Umso bemerkenswerter, mit welcher Offenheit Uli Borowka über seine Krankheit spricht. Ich bin Fußball-Fan und erinnere mich an ihn aus seiner Zeit als aktiver Sportler. So Ende der 80’er, Anfang der 90’er bei Werder Bremen: da war er ein ganz Großer. Die „Axt“ hat man ihn genannt: ein zarter Hinweis darauf, wie kompromisslos der Mann als Abwehrspieler war. Als Fußball-Fan habe ich sein Leben nur von außen mitbekommen: erfolgreich, deutscher Meister, sogar Nationalspieler. Hinter den Kulissen hat es ganz anders ausgeschaut: seine Familie hat darunter gelitten, wenn er ausgerastet ist, weil er wieder zu viel getrunken hatte. Aber dass er ein ernsthaftes Problem hat und für andere zum Problem geworden ist – das hätte er sich nie eingestanden. Erst nach Jahren haben es alte Freunde irgendwie geschafft, ihn zum Entzug in einer Klinik einzuliefern. Wie gut, wenn einer solche Freunde hat! Er musste monatelang in der Klinik bleiben. Viel Zeit, um sich zu besinnen und alte Verhaltensmuster mühsam abzutrainieren.
Ich finde es beeindruckend, wenn sich jemand traut, einzugestehen: „Ich schaff das nicht allein. Ich brauche Hilfe.“ Das ist schwer – gerade wenn man lange versucht hat, nach außen so rüberzukommen, als hätte man alles im Griff. Oft erzählen das ja auch die Angehörigen von Alkoholkranken: wie das unendliche Kraft gekostet hat, über Jahre nach außen die heile Welt vorzuspielen. Auch die Familien brauchen Hilfe.
Das finde ich eine Aufgabe für unsere Gesellschaft, für Nachbarschaften, Vereine und Kirchengemeinde: dass Betroffene andere Menschen erleben können, die aufmerksam hinhören und hinschauen. Die nicht von oben herab urteilen, aber schon Klartext reden. Die bereit sind, das zu unterstützen, wenn sich einer traut, sein Leben umzukrempeln. Und nicht noch einen dummen Spruch bringen, wenn der beim Feiern keinen Alkohol mehr trinkt. Borowka ist inzwischen über 20 Jahre trocken. Er hält Vorträge und geht in Schulen, um seine Geschichte zu erzählen. Er will Leute ermutigen: Traut euch, euch Hilfe zu holen. Das ist keine Schande, sondern die einzige Chance auf ein neues Leben. Für euch und für eure Familien.
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Ist Ihnen das auch schon passiert, dass Sie eine wichtige Entscheidung treffen mussten? Womöglich unvorbereitet und unter Zeitdruck? Plötzlich ist sie da, die Chance auf einen neuen Job – oder man kann sagenhaft günstig sein Traumauto kaufen. Dann muss man sich schnell entscheiden: Mach ich’s? Mach ich’s nicht? Ich habe die Wahl und kann und muss abwägen, was jetzt dran ist, worauf es mir ankommt.
In der Bibel wird von zwei Frauen im alten Israel erzählt, die vor einer wichtigen Entscheidung standen. Die eine war die Mutter des Königs. Eigentlich hätte sie ja lieber selbst geherrscht. Als ihr Sohn gestorben ist, hat sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und hat sich entschieden, Königin zu werden. Dafür ist sie allerdings über Leichen gegangen. Noch so eine Entscheidung. Sie hat ihre Enkelkinder umbringen lassen, damit die ihr den Thron nicht streitig machen. So ist sie Königin geworden.
Es wäre alles nach Plan gelaufen, wenn da nicht noch eine andere Frau gewesen wäre. Joscheba. Sie hat auch zur Königsfamilie gehört, hatte aber eh keine Aussicht, Königin zu werden. Darum war sie nicht in Gefahr und hätte sich einfach raushalten können. Aber auch sie hat eine Entscheidung getroffen. Jetzt nur rumstehen und zugucken geht nicht, fand sie. Sie wollte versuchen, wenigstens eines der Königskinder zu retten. Dafür hat sie viel riskiert, auch ihr eigenes Leben. Aber es ist ihr tatsächlich gelungen, einem kleinen Prinzen das Leben zu retten. Zusammen mit ihrem Mann hat sie das Kleinkind versteckt. Es konnte unbehelligt aufwachsen und ist Jahre später König geworden.
Nur eine alte Geschichte aus ferner Zeit könnte man sagen. Aber ich finde, es ist auch eine Geschichte darüber, dass wir die Wahl haben. Wir können und sollen verantwortungsvolle Entscheidungen treffen.
Bei Joscheba, die das Kind rettet, fällt mir auf: sie trifft keine einsame Entscheidung. Sie hatte in ihrem Mann einen Menschen, mit dem sie sich beraten konnte und dem sie vertrauen konnte. Sie hat entschieden, sich Unterstützung zu suchen. Und dann hat sie entschieden, sich nicht rauszuhalten, sondern dieses Kind zu retten. Beides eine gute Wahl.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=39824SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
„Er ist jetzt ganz weit weg. Unerreichbar weit weg.“ So mag es sich angefühlt haben, was die ersten Jünger an Christi Himmelfahrt erlebt haben. Die Bibel erzählt, wie Jesus einige Wochen nach Ostern in die himmlische Welt aufgenommen wurde und unsere Welt dafür verlassen hat. Er hat seine engsten Freunde hier zurückgelassen. Vorher konnten sie mit ihm reden, zusammen sitzen, fröhlich feiern, Freud und Leid miteinander teilen, sich auch mal aufregen oder nachfragen, wenn ihnen etwas nicht klar war. Aber jetzt: jetzt ist er ganz weit weg. Und das für immer.
Es ist ein unglaublich schwerer Abschied für die Freunde. Wie sollen sie klarkommen, ohne ihn? Jesus war ihr Anführer gewesen. Sie hatten ihn alles fragen können. Sich Orientierung holen für den nächsten Schritt im Leben.
Vielleicht wird in der Bibel gerade darum erzählt, dass Jesus seine Jünger zum Abschied gesegnet hat. Er ist nicht einfach grußlos verschwunden, sondern ist nochmal zu seinen Jüngern hin, hat sie angeschaut und hat mit ihnen geredet. Er war für sie da. Und dann hat er sie gesegnet. Er hat jedem von ihnen mit auf den Weg gegeben:
„Du bist für Gott wichtig und wertvoll. Das hört nicht auf. Das wird immer so bleiben. Und behalt das nicht für dich. Gib`s an andere weiter. Sei für andere ein Segen. Damit auch sie spüren und mitbekommen, dass sie wichtig und wertvoll sind.“
So sind die Jünger damals weitergegangen: Nicht mehr mit einem Jesus zum Anfassen an ihrer Seite. Aber mit Gottes Segen in ihrem Leben.
Im Gottesdienst an Christi Himmelfahrt wird mir heute der Segen zugesprochen. Nicht nur die Jünger damals, auch ich heute kann gesegnet weitergehen. Und ich kann den Segen weitergeben, für andere ein Segen sein. Ich kann versuchen, andere Menschen spüren zu lassen, dass sie wichtig und wertvoll sind.
Wir alle sind etwas Kostbares, wertvoll für Gott. Darum werden auch wir heute gesegnet, an Christi Himmelfahrt.
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Was passiert eigentlich, wenn bei uns ein armer Mensch stirbt? Jemand, der kein Geld für eine Beerdigung hinterlässt und auch keine Familie hat, die sich darum kümmern könnte? In dem Fall muss die Kommune einspringen und für die Beerdigung sorgen. In manchen Orten werden diese Menschen dann einfach anonym beerdigt. Also ohne dass das Grab namentlich gekennzeichnet wird. Das spart Geld und ist darum der einfachste Weg. Ob der Verstorbene das auch gewollt hat, das wird in so einem Fall nicht gefragt. Aber das geht gar nicht, finde ich. Auch wer arm ist, gehört in die Mitte der Gemeinschaft. Wir sollten seinen Namen nicht einfach so verschwinden lassen, als wäre dieser Mensch niemals auf der Welt gewesen. Im christlichen Glauben ist es ein wichtiger Gedanke, dass Menschen in Gottes Gedächtnis und in sein Herz hineingeschrieben sind. Darum sollen wir würdevoll mit ihnen umgehen. Egal, wie angesehen ein Mensch war, und ob er Geld hatte oder nicht. Er war ein Mensch.
Bei mir in Weinheim gibt es einen gemeinsamen Bestattungsort für diese Menschen. Dort steht eine Holz-Stele, auf der die Namen der Verstorbenen zu lesen sind. Ein Ort der Erinnerung, den trauernde Menschen besuchen können.
In diesem Frühjahr haben wir das erste Mal einen ökumenischen Gottesdienst für „Alleinstehend Verstorbene“ angeboten. Wir wollten Angehörigen, Freunden und Freundinnen, Bekannten und Nachbarn die Möglichkeit geben, sich von einem Menschen zu verabschieden, der ihnen nahestand, den sie vermissen. Über die Zeitungen und soziale Medien haben wir es veröffentlicht. Ich war überrascht, wie viele Leute gekommen sind. Einige haben erzählt, was sie gemeinsam erlebt haben. Manche kannten jemanden von der Arbeit oder von einem gemeinsamen Hobby. Viele hatten Blumen dabei und haben sich unter Tränen am Grab verabschiedet. Und einige waren da, obwohl sie niemanden von den Verstorbenen gekannt haben. Aber sie fanden die Idee gut und wollten es unterstützen. Mich hat das berührt. Ich war froh, dass wir diese besondere Bestattung angeboten haben. Und jetzt schon ist klar: Das werden wir wieder machen.
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