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SWR4 Abendgedanken

10JUL2026
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„Ich bin ja nicht nachtragend, ich vergesse bloß nichts!“ Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Meist mit einem verlegenen Lächeln. Tja, eigentlich ganz lustig formuliert, aber doch irgendwie auch sehr ernst.

Ich merke oft, dass ich kein nachtragender Mensch bin, sondern bei Fehlern und Verletzungen von anderen wirklich vergeben und vergessen kann.

Aber ich habe auch gemerkt, dass ich mir selbst meine Fehler oft nachtrage. Dass ich mir selbst nicht verzeihen kann. Neulich zum Beispiel: Da bin ich am Telefon laut geworden. Ich war überfordert, gestresst. Die Situation hatte mich überrannt. Ich war darauf nicht vorbereitet. Und dann haben mein Bekannter und ich auch noch aneinander vorbeigeredet, haben uns gegenseitig nicht ausreden lassen. Da bin ich laut geworden und unsachlich. Ich habe es relativ schnell gemerkt, meinen Ton gewechselt und mich entschuldigt. „Alles gut“, hat mein Bekannter gesagt. „Wir haben es geklärt. Es ist vorbei. Entschuldigung angenommen.“

Das hat mich zwar beruhigt, aber ich konnte mir trotzdem selbst nicht verzeihen, habe mir das immer wieder vorgeworfen: „Warum bist du nur laut geworden? Warum ist dein Ton so verletzend geworden und deine Worte so unsachlich?“

Da könnte ich noch viel von Gott lernen. Denn Gott ist nicht nachtragend. In der Bibel beschreibt einer begeistert, wie nachsichtig Gott mit uns Menschen ist. Er sagt über Gott:

„Gibt es einen Gott, der so handelt wie du, der Schuld vergibt und Fehler nicht anrechnet? … Er wird wieder Erbarmen mit uns haben: Er wird unsere Schuld zertreten und alle unsere Vergehen tief im Meer versenken.“ (Micha 7,18-19)

Was für ein Bild! Gott stellt unsere Fehler nicht öffentlich aus, er trägt sie auch nicht nach, sondern er wirft sie ins tiefste Meer. Also dorthin, wo niemand sie mehr rausholen kann. Meine Fehler, alle Schuld, die ich auf mich geladen habe sind damit weg.

So ist Gott mit uns Menschen. Und wenn Gott uns Schuld vergeben kann, wenn ich anderen ihre Schuld vergeben kann, dann muss ich doch auch mir selbst verzeihen können. Das ist nicht einfach, aber ich kann es lernen. Wenn also das nächste Mal jemand zu mir sagt: „Sabine, alles gut. Entschuldigung angenommen! Vergeben und vergessen!“, dann will ich das wirklich ernst nehmen und mir selbst auch nichts mehr nachtragen. Denn ich muss nicht das wieder rausholen, was schon längst ins tiefste Meer geworfen wurde.

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SWR4 Abendgedanken

09JUL2026
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„Baut eine Sänfte aus einer leeren Getränkekiste, zwei kurzen und zwei langen Dachlatten, einem Stuhl, einem Seil, Krepppapier und Luftballons. Zeichnet eine Skizze, baut dann gemeinsam und überlegt euch eine gute Präsentation für eurer Ergebnis.“

Diesen Arbeitsauftrag hat vor kurzem eine Gruppe Jugendlicher auf der Konfirmandenfreizeit bekommen. Gemeinsam sollten sie diese Aufgabe lösen. Nicht als Wettbewerb, sondern miteinander und jede und jeder sollte mitarbeiten.

Das war erst einmal schwierig: Sie haben alle durcheinandergeredet. Viele Ideen wurden genannt, aber sie haben einander wenig zugehört. Und manche haben einfach angefangen, irgendetwas zu machen. Bis eine gesagt hat: „Stopp, wir müssen uns unbedingt zuhören, jeder soll seine Ideen sagen und dann überlegen wir miteinander, welche die Beste ist.“

So haben sie es dann gemacht. Sie haben miteinander diskutiert und gemeinsam entschieden, wie die Sänfte aussehen soll: Der Stuhl dient als Sitz, die Kiste als Fußablage und die Latten müssen das Grundgerüst zum Tragen bilden. Jemand hat angefangen diese Idee aufzuzeichnen und die anderen haben sie dann umgesetzt. Sie haben es geschafft, miteinander eine Idee zu verwirklichen. Dabei wurde fröhlich gelacht und am Ende wurde das Ganze noch mit Luftballons und Krepppapier dekoriert. Die Jugendlichen haben zusammen etwas Wichtiges gelernt: Wenn einer nur seine eigene Idee durchsetzen will, kommt die Gruppe nicht voran. Nur, wenn man einander zuhört und miteinander arbeitet, dann gibt es ein Ergebnis, auf das alle stolz sind.

Als die Sänfte fertig war, dann die entscheidende Frage: „Wer hat so viel Vertrauen in die Konstruktion und in die Gruppe, dass er sich in der Sänfte tragen lässt?“

Einer der Jugendlichen hat sich schließlich hineingesetzt. Die anderen haben ihn vorsichtig getragen. Und plötzlich wurde aus ein paar Latten, einer Kiste und einem Stuhl etwas ganz anderes: ein Zeichen des Vertrauens.

Auch unser Glaube lebt vom Vertrauen. Niemand muss alles im Leben allein tragen. Wir brauchen Menschen, die uns zuhören, die mit uns gehen und uns tragen, wenn wir selbst nicht mehr können. Und manchmal dürfen wir selbst die sein, die andere tragen.

Jesus hat gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Ich glaube, er war auch an diesem Nachmittag dabei – zwischen Dachlatten, Luftballons und einer selbstgebauten Sänfte.

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SWR4 Abendgedanken

08JUL2026
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Manche Dinge wiederholen sich regelmäßig. Irgendwer sucht bei uns immer irgendetwas. Mal sucht mein Sohn seine Fußballstutzen, mal suche ich mein Handy. Doch am allerhäufigsten ist der Haustürschlüssel verschwunden. Der Jubel ist groß, wenn das Verlorene wieder gefunden wird. Ich finde diesen Stimmungswechsel beeindruckend: Vom unruhigen Suchen übers hektische Rumgerenne im Haus, dem leisen oder lauten Vor-sich-Hingeschimpfe hin zur großen Freude und zum befreiten Gelächter. All die verlorenen Dinge bekommen plötzlich durchs Wiederfinden einen besonderen Wert: Die Fußballstutzen haben das Training gerettet, das Handy die Planung für den Tag und der Autoschlüssel ermöglicht den Ausflug zu den Großeltern.

Ich suche nicht gerne, aber die Freude danach ist immer wieder überwältigend. Jesus erzählt im Lukasevangelium von einer ähnlichen Situation: Eine Frau verliert eine von ihren zehn Silbermünzen. Das, was sie dann tut, kann ich so gut nachvollziehen. Sie stellt nämlich das ganze Haus auf den Kopf, zündet die Lampen an und kehrt alles durch. Das macht sie solange bis sie die Münze gefunden hat. Aber dann macht sie etwas, das ich so noch nie gemacht habe: Sie freut sich nicht nur, sie ruft auch noch ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und feiert ein Fest. Alle sollen sich mit ihr freuen, weil sie diese eine Münze wiedergefunden hat.

Ob Schlüssel, Münze oder Stutzen, all das sind alltägliche Gegenstände. Jesus erzählt die Geschichte von der verlorenen Münze, um uns zu erklären, dass Gott genauso ist wie diese Frau. So sehr wie sie sich freut, als sie ihre Münze wiederfindet, so sehr freut sich Gott, wenn ein Mensch, der verloren war, wiedergefunden wird.

Manchmal verlieren sich Menschen aus den Augen. Es gibt einige Freundinnen, die ich im Laufe der Jahre verloren habe. Aber manchmal passiert es, dass ich so eine verlorene Freundschaft wiedergewinne. Durch aktives Suchen oder weil ich gesucht werde. Nächstes Jahr feiert mein Schuljahrgang das 30jährige Jubiläum unseres Schulabschlusses. Darauf freue ich mich jetzt schon. Zurzeit suchen wir alle Schülerinnen, die mit uns gemeinsam Abitur gemacht haben und immer, wenn wir jemanden gefunden haben, dann ist die Freude groß. Wie groß wird erst die Freude und der Jubel dann beim Wiedersehen sein!

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SWR4 Abendgedanken

07JUL2026
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„Der Segen ist das Beste am ganzen Gottesdienst!“ hat vor kurzem ein Jugendlicher zu mir gesagt. „Ja, klar, weil dann der Gottesdienst vorbei ist“, habe ich ihm flapsig geantwortet. Denn der Segen kommt ganz am Ende des Gottesdienstes. Dann, wenn alles gesagt, gebetet und gesungen ist. Aber das hat der Jugendliche gar nicht gemeint: „Nein, doch nicht deswegen. Sondern weil der Segen etwas Gutes ist und Gott mir das schenkt. Immer wieder.“

Ich war verlegen. Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. Und zugleich war ich auch stolz auf diesen jungen Menschen, weil er so klar sagen konnte, was ihm der Segen Gottes bedeutet. Vielleicht kommt der Segen deshalb am Ende des Gottesdienstes. Denn der Segen erklärt nichts, fordert nichts. Gott schenkt uns einfach Gutes.

Im evangelischen Gottesdienst wird immer mit den gleichen alten Worten aus der Bibel gesegnet. Mit den Worten, die Gott Mose geschenkt hat, um den Menschen immer wieder Gutes zu sagen:

„Gott segne dich und behüte dich.“

Das sind Worte, die ich nicht erklären kann. Ich muss sie aber auch nicht erklären, weil sie nicht den Kopf überzeugen, sondern das Herz berühren wollen. Diese altvertrauten Worte, die immer wieder gesprochen werden, lösen in vielen Menschen etwas aus.

„Gott segne dich und behüte dich.“

Mich erinnern diese Segensworte immer an meine Konfirmation. An diesen einen besonderen Moment. Ich habe damals vor meinem Pfarrer gekniet, war aufgeregt, verlegen, habe nicht gewusst, wohin ich schauen, was ich machen soll.

Da hat er mir die Hand aufgelegt und mich gesegnet. Bis heute kann ich die Wärme spüren, die in dieser Geste gelegen hat.  Kann dieses Versprechen spüren, das mir fürs Leben gegeben worden ist. Da ist einer, der die Hand über mein Leben hält. Da ist eine, die mich behütet und begleitet. Gott mit seinem Segen. Ich kann diesen besonderen Moment nicht erklären, ich kann nur jedem wünschen, auch einen solchen Segensmoment erleben zu dürfen. Einen Moment, in dem man spüren darf: Du bist, gesegnet und reich beschenkt.

„Der Segen ist das Beste am ganzen Gottesdienst“. Und das Beste kommt bekanntlich oft am Schluss. Er stärkt, ermutigt, schenkt neue Kraft und erinnert uns einfach daran, dass Gott mit uns durch das Leben geht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: „Gott segne dich und behüte dich.“

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SWR4 Abendgedanken

06JUL2026
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Beten ist etwas Besonderes. Diese kleine Szene zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft hat mir das wieder vor Augen geführt. Da haben Nationalspieler aus zwei verschiedenen Nationen zuerst gegeneinander gespielt und dann gemeinsam gebetet. Einfach so. Nach dem Schlusspfiff wurde aus dem sportlichen Duell eine betende Gemeinschaft.

Diese Verbindung durch den Glauben hat ein großes Echo in den Medien hervorgerufen. Viele Menschen haben über dieses gemeinsame Gebet mitten im Fußballstadion gesprochen, sich gewundert oder sich begeistern lassen. Plötzlich war das Beten, ob alleine oder gemeinsam, ein Thema, über das geredet und diskutiert wurde.

Mich hat das nachdenklich gemacht. Warum ist es mittlerweile so besonders in der Öffentlichkeit zu beten? Meine Erfahrung ist, dass ein öffentliches Gebet sehr unterschiedliche Reaktionen auslöst. Das reicht von „Echt? Du betest? über „Boh, ist das altmodisch!“ oder „Oh, lass uns gemeinsam beten“ bis hin zu „Ey wie peinlich, kann man das nicht zuhause machen!“.

Mein Glaube gehört fest zu meinem Leben, beides lässt sich nicht voneinander trennen. Genauso ist das bei diesen Fußballspielern, die sich nach dem Spiel als Christen zusammengefunden haben. Sie haben ihren Glauben nicht versteckt, aber auch nicht inszeniert. Ihr Gebet kam von Herzen und sie sind ihrem Herzen gefolgt.

Jesus hat im Matthäusevangelium eine kurze Anleitung gegeben, wie wir beten können: Wenn du betest, dann stell dich nicht demonstrativ in die Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass du beten. Mach dich nicht wichtig mit deinem Gebet, aber versteck dich auch nicht. Du brauchst auch gar nicht viele Worte für ein Gebet. Du darfst einfach mit Gott reden über all das, was dich bewegt, was dir das Herz schwer macht, wofür du danken willst und womit du haderst. (nach Matthäus 6,5ff)

Das macht Beten so besonders. Beten ist ein Gespräch, bei dem ich mich nicht verstellen muss, sondern so sein kann wie ich bin. Ich kann Gott geradeheraus sagen, wie es mir geht, worüber ich mich freue, an wen ich denke und für wen ich bete.

Manchmal geschieht das in der Kirche, im Restaurant, im Gottesdienst, auf dem Fußballplatz oder als stilles Gebet im überfüllten Zug: Und Gott hört zu – da bin ich ganz sicher!

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23JAN2026
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„Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren!“ (Lukasevangelium 2,10f) – Im Krippenspiel in unserer Kirche haben die kleinen Engel diesen Satz allen Gottesdienstbesuchern zugerufen. Seitdem klingt dieser Ruf in mir nach.

Das ist mein Gänsehautmoment an Heiligabend. Wenn die kleinen, schüchternen Mädchen, die die Engel spielen, über sich selbst hinauswachsen und mutig und fröhlich allen zurufen, dass wir uns nicht fürchten müssen.

Und dass wir uns nicht fürchten müssen, hat einen ganz einfachen Grund: Weil Gott zu uns Menschen kommt. Als Kind. Klein, verletzlich. Gott teilt unser Leben. Er ist angewiesen auf die Fürsorge anderer, er lacht und weint, er lernt Menschen kennen, trauert mit anderen, er ist hungrig, wird ausgelacht, nicht ernstgenommen. Er muss sich seinen Platz in der Welt erarbeiten, muss seinen Weg finden.

Gott teilt unser Leben. Ganz und gar. Mit allem, was dazu gehört.

Letztendlich stirbt er auch. So wie auch ich irgendwann einmal sterben muss. Und dann, wenn mit dem Tod nach meinem menschlichen Denken alles vorbei ist, dann kommt wieder ein Wendepunkt. An Ostern! Dann rufen die Engel wieder: „Fürchtet euch nicht!“

Wenn ich noch über den Tod nachdenke, wenn die Frauen den toten Jesus besuchen wollen, da kommen wieder die Engel ins Spiel. Sie sitzen am Grab, wo kein toter Jesus zu finden ist und sagen den Frauen: „Fürchtet euch nicht. Jesus ist nicht hier. Gott hat ihn von den Toten auferweckt!“ (Matthäusevangelium 28,5)

An den entscheidenden Punkten des Lebens – am Anfang und am Ende – gilt dieselbe Botschaft: Fürchtet euch nicht! Aber diese Botschaft gilt auch mittendrin. Mitten in meinen Alltag und meinen Routinen, auch da muss ich mich nicht fürchten.

Ich muss mich nicht ängstigen vor dem, was das Leben mir bringt und was ich noch gar nicht wissen kann. Gott ist da. Ich muss keine Angst haben vor Veränderungen, vor dem, was mir fremd und unbekannt ist, Gott geht mit. Auch wenn ich ihn manchmal nicht fassen kann, so ist Gott dabei. An meiner Seite.

Zwischen Weihnachten und Ostern liegt ein ganzes Leben. Das Leben, das Jesus gelebt hat. Zwischen Krippe und leerem Grab liegt mein Leben mit all dem, was es ausmacht, worum ich mich sorge, was mich ängstigt, was mich glücklich macht und über mich hinauswachsen lässt. Gott spricht uns durch die Engel zu: Ich bin da! Fürchtet euch nicht!

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SWR4 Abendgedanken

22JAN2026
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Das neue Jahr ist schon 22 Tage alt und ich schaue auf meine guten Vorsätze für dieses Jahr. Stolz und zufrieden kann ich sagen, dass ich noch nicht wirklich gescheitert bin.

Nein, es ist nicht so, dass ich mir nichts vorgenommen hätte. Das wäre ja irgendwie auch komisch. Aber ich habe mir ein „weniger“ statt „mehr“ vorgenommen. Für die vergangenen Jahre hatte ich oft Großes vor: Dieses Jahr mache ich mehr Sport! Dieses Jahr möchte ich mehr mit Freunden unternehmen! Da bin ich meistens schon nach wenigen Wochen gescheitert. Mehr Sport? Wann? Ausreden gab es genügend. Und so war es nach ein paar sportlichen Tagen schon vorbei mit dem guten Vorsatz.

Also habe ich mir für dieses Jahr ein „weniger“ vorgenommen. Ein „weniger“ an Dingen, die ich ganz oft mache. Weniger Zeit am Handy verbringen. Es also auch mal klingeln lassen oder vielleicht sogar ab und zu mal zu Hause liegen lassen, wenn ich mit dem Hund unterwegs bin. Weniger Stress habe ich mir auch vorgenommen. Das heißt nicht, dass ich weniger arbeite, sondern dass ich meine Termine versuche so zu legen, dass ich mehr Zeit dazwischen habe.

Das sind meine guten Vorsätze, die mich nicht belasten, nicht unter Druck setzen und mir nicht zusätzlich mein Leben erschweren. Denn genau das wollte ich dieses Jahr nicht. Keinen zusätzlichen Stress, keine unnötige Last, keinen vermeidbaren Druck durch gute Vorsätze. So möchte ich meinen Weg durch das Jahr gehen.

Vor vielen, vielen Jahren hat jemand gebetet: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.“ (Psalm 37,5) In diesem uralten Gebet aus der Bibel steckt für mich eine Lebenserfahrung, die ich auf mein neues Jahr übertragen möchte.

Ich möchte meine Wege Gott anvertrauen, auf ihn vertrauen. Ich muss nicht alles alleine machen. Ich muss nicht immer perfekt sein. Ich muss mich nicht mit guten Vorsätzen gleich nach wenigen Tagen zermürben. Gott verlangt von mir keinen perfekten Plan für das neue Jahr, er erwartet keine guten Vorsätze, die mich gleich wieder scheitern lassen, sondern er freut sich daran, wenn ich mit mir selbst ein wenig freundlicher, barmherziger und gnädiger bin.

Weniger statt mehr, was meine guten Vorsätze betrifft. Aber mehr statt weniger Vertrauen auf Gott und seine Wege mit mir.

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SWR4 Abendgedanken

21JAN2026
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Heute ist Weltknuddeltag. Dieser Tag soll mich daran erinnern öfter mal Gefühle zu zeigen. Also jemanden, den ich mag, mal in den Arm zu nehmen, ihm zu sagen, was er mir bedeutet, eine Freundin spüren zu lassen, wie wichtig sie mir ist.

Nun bin ich nicht der Knuddelmensch. Aber meine Gefühle kann ich ja auch anders zeigen: durch meine Worte oder mit meinem Verhalten insgesamt.

Neulich habe ich mich über eine Freundin geärgert, weil sie etwas gemacht hat, was mir nicht gefallen hat, aber vor allem, weil sie es einfach gemacht hat. Ohne mich zu fragen. Die Absicht war gut. Sie wollte mich entlasten. Sie hat einfach schon alles für eine Bastelaktion eingekauft. Ohne zu fragen, ob ich die Idee gut finde, ob ich genau das basteln möchte oder doch etwas anderes. Plötzlich war alles da. Vorbereitet. Eingekauft. Andere waren eingeladen. Und ich habe mich richtig geärgert.

Aber ich habe den Ärger nicht in mich hineingefressen, sondern meine Gefühle gezeigt. Ich habe ihr eine Email geschrieben, beschrieben, wie es mir mit der Situation geht. Leider zu ehrlich und zu direkt. Das hat die Sache nicht geklärt, sondern verschlimmert. Also haben wir uns getroffen. Uns Zeit genommen, geredet, und uns dann aufrichtig beieinander entschuldigt: Ich mich für meine klaren, zu harten Worte, sie sich für ihr übergriffiges Verhalten.

Mich hat das an ein Wort des Apostel Paulus erinnert. Er hat vor beinahe 2000 Jahren geschrieben: Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. (Epheser 4,15)

Wahrhaftig und ehrlich zu sein in der Liebe – das bedeutet doch: Ehrlich sein zu sich selbst und zu anderen. Nicht zu schweigen, weil es bequemer ist, sondern auch zu kritisieren. Aber sachlich, nicht verletzend. Aufrichtig, nicht heuchlerisch.

Aber es dann auch gut sein zu lassen. Den Fehler nicht weiter nachzutragen, immer wieder auszukramen, sondern wirklich zu verzeihen. So wie Jesus es auch getan hat.

Er hat den Menschen wirklich verziehen. Nichts hat dann mehr zwischen ihm und den Menschen, zwischen ihm und Gott gestanden. So will ich es auch handhaben. Mich an Jesus orientieren. Ehrlich sein. In Liebe. Nicht nur am Weltknuddeltag, sondern am besten an jedem Tag. Ein ehrliches „Es-tut-mir leid“ ist wie eine wohltuende, zärtliche Umarmung. Es streichelt die verletzte Seele und Wunden können heilen.

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20JAN2026
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Am Anfang des neuen Jahres räume ich immer auf. Das Aufräumen zieht sich über Tage, eigentlich über den ganzen Januar. Denn zuerst sortiere ich stapelweise Papiere, die sich im vergangenen Jahr in meinem Büro angesammelt haben. Dann überlege ich, was ich davon wirklich noch brauche und was ich wegwerfen kann. Aber allein das dauert schon. Denn mit jedem Stück Papier, das ich in der Hand habe, verbinde ich etwas: einen Einkauf, eine Begegnung, ein Gespräch oder gar eine besondere Aktion.

Bei manchen Dingen fällt es mir leicht, sie in den Papierkorb zu werfen: Alte Rechnungen, Kassenzettel, Aufgabenlisten. Erledigt. Weg damit. Bei schönen Postkarten, Konzertkarten, Notizzetteln mit Gedanken fällt mir die Entscheidung schon schwerer: Soll ich sie wegwerfen oder eventuell doch in meine Erinnerungsbox legen?

Wenn ich am Anfang des Jahres aufräume, befreie ich mich damit von Ballast, löse ich mich von alten Dingen und schaffe Platz für Neues.

Beim Aufräumen merke ich, dass das nicht nur für mein Büro und für meine Regale gilt, sondern dass ich damit auch in mir Platz für Neues schaffe. Ich löse mich, ich denke nach, ich lasse mich auf das ein, was kommt. Neugierig und offen. Und ich merke, dass ich auch in mir Ordnung schaffen kann. Vielleicht kann ich im neuen Jahr auch alte Gewohnheiten, die mich selbst nerven, einfach mal sein lassen und mich an Neues wagen? Muss ich wirklich immer alles gleich und sofort machen oder darf ich mir auch einfach mal Zeit nehmen?

Aufräumen und Ordnung schaffen, sortieren und ablegen, loslassen und Platz für Neues schaffen gilt also auch für mich und mein Inneres.

„Siehe, ich mache alles neu!“ sagt Gott (Offenbarung 21,5). Dieser Satz steht als Motto, als Losung über diesem Jahr. Ein Satz, der mir Hoffnung gibt. Denn ich höre daraus, dass Gott mir beim Aufräumen hilft, dass er meine alten Lasten von mir nimmt und so in mir Raum für Neues schafft. Ich muss das alte nicht mit mir rumschleppen, mich damit abmühen, ich darf es Gott anvertrauen und darauf vertrauen, dass er es neu macht. Wenn ich mich von alten Dingen löse, von alten Verletzungen, Fehlern, Strukturen, dann bin ich auch offen für all das Neue, das Gott mir schenkt. Wenn ich mich nicht selbst lösen kann, dann vertraue ich darauf, dass Gott das kann.

Neu wird nicht alles auf einmal. Aber Gott kann alles neu machen. Auch mich. Nicht nur zu Jahresbeginn.

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SWR4 Abendgedanken

19JAN2026
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„Träum doch nicht!“ Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Meistens dann, wenn ich mich nicht unterkriegen lassen will von all dem, was auf mich einprasselt an schlechten Nachrichten: Morgens, wenn ich die Zeitung aufschlage und als erstes davon lese, wo es Krieg gibt, wer wen übervorteilt hat und wo als nächstes Stellen abgebaut werden.

Dann überlege ich mir wie die Welt sein könnte, wenn alles anders wäre. Wenn wir Menschen friedlicher miteinander umgingen, uns nicht mit Waffen bekriegen würden, sondern uns stattdessen an einen Tisch setzen und reden würden. Wenn wir uns gönnen würden, was wir haben und einfach teilen würden, ohne zu überlegen, welchen Vorteil wir selbst daraus ziehen.

„Träum doch nicht!“ Doch! Ich verschließe die Augen ja nicht vor der Wirklichkeit, ich bin auch nicht weltfremd oder naiv. Ich sehe die Welt und ich träume von einer anderen.

„I have a dream!“ – „Ich habe einen Traum!“ – Mit diesen Worten hat Martin Luther King 1963 seine Vision einer gerechteren Welt den Menschen ins Herz gesprochen. Er hat Rassismus gesehen, Gewalt und Ungerechtigkeit, und er hat angefangen laut von einer anderen Welt zu träumen. Er träumt davon, dass irgendwann einmal Menschen nicht mehr nach ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder anderem beurteiltet werden, sondern allein nach ihrem Inneren, ihrem Charakter.

Martin Luther Kings Traum war der krasse Gegensatz zu seiner Wirklichkeit. Aber genau deswegen war er so kraftvoll. Denn ohne Träume, wie die Zukunft auch sein könnte, bleibt alles so wie es ist. Martin Luther King hat sich nicht mit seiner Wirklichkeit arrangiert, er wollte sie verändern.

Sein Traum war und ist zutiefst christlich geprägt. Gott hat alle Menschen gleich geschaffen. Gott hat alle Menschen begabt. Gott hat allen Menschen Liebe ins Herz gelegt. Diese Überzeugung hat Martin Luther King zu seinem Traum gebracht.

Von wegen: Träum doch nicht! Vielleicht müsste ich in solchen Momenten einfach antworten: Hört bitte nicht auf zu träumen! Denn wenn ihr träumt, dann seht ihr das, was noch nicht ist, was aber noch werden kann.

Wenn ihr träumt, dann fangt ihr im Kleinen an, die Zukunft nach euren Träumen zu gestalten. Vielleicht streitet ihr dann weniger und redet mehr. Jede Veränderung beginnt mit einem Traum. Also träumt!

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