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SWR4 Feiertagsgedanken
Aus dem Schneckenhaus
Liebeskummer. Da fällst du in ein dunkles Loch. Die Tage dehnen sich endlos. Die Wege von der Haustür bis zur Schule, zur Arbeit, zum Bäcker sind kaum zu bewältigen. Essen schmeckt nach gar nichts. Liebeskummer, das ist ein großes Vermissen. Ich vermisse jemanden so sehr, dass es weh tut.
Pfingsten, auch eine Geschichte vom Liebeskummer. Die Story: Die Freundinnen und Freunde Jesu kommen nach seinem Tod zusammen. Sie haben ihr Leben mit ihm geteilt. Haben ihn begleitet, ihm zugehört, mit ihm gegessen. Haben sich verliebt in diesen Menschen. Der anderen zuhören konnte. Sie gesund machte. Ihnen das Herz aufgehen ließ. Aber dann haben sie sehen müssen, wie dieser Jesus hingerichtet wurde.
Wer das selbst erlebt hat, dass ein geliebter Mensch stirbt, der weiß, wie sich das anfühlt: Wie ein endloser Liebeskummer. Genau zu wissen, dass der Mensch, den man liebt, nicht mehr da ist. Dass er tot ist. Das trifft mitten ins Herz.
In der Jesus-Geschichte gibt es zwei große Ereignisse, die den Liebeskummer verändern. Da ist Ostern. Die Freundinnen und Freunde Jesu erleben: Ihr Freund ist immer noch da. Präsent, anwesend. Ganz anders als ein Toter. Auferweckung heißt das Zauberwort. Was genau dabei passiert? Nicht so wichtig. Wichtig: Menschen fühlen sich diesem Jesus weiterhin nahe, auch über seinen Tod hinaus. Erleben, dass er bei ihnen ist.
Und dann das: Die Tage und Wochen vergehen – und damit auch die Erinnerung an Jesus. Sein Bild verblasst. Seine Botschaft. Seine Lebendigkeit. Der Liebeskummer kehrt zurück. Und genauso reagieren die Freundinnen und Freunde Jesu. Sie verkriechen sich. Machen Türen und Fenster zu. Murmeln den Namen des Geliebten vor sich hin. Kein Licht. Innen und außen dunkel.
Doch dann wird es Pfingsten. Was auch immer da passiert ist: Die Trauer wird mit Licht geflutet. Die Freundinnen und Freunde Jesu kriechen aus ihrem Schneckenhaus. Reißen Fenster und Türen auf. Erzählen von ihrem Liebeskummer. Erzählen von dem, was sie vermissen. Sie dürfen erfahren: Es tut gut, über Liebe und Trauer zu sprechen. Sie erfahren: Genau dann beginnt neues Leben. Beginnt ein Leben trotz Liebeskummer.
Zur Sprache bringen
Ich mache mir ziemlich Sorgen um die politische und gesellschaftliche Landschaft in Deutschland. Ich erlebe, dass da viel Neben- und Gegeneinander herrscht. Meinungen, die aufeinanderprallen – ganz egal, ob es um einen Buckelwal in der Ostsee, um das Klima und erneuerbare Energien, um Renten oder die ärztliche Versorgung geht. Schnell werden da Positionen festgezurrt. Es ist fast so, als würden die Menschen hierzulande ganz unterschiedliche Sprachen sprechen.
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel, sie wiederholt sich heute. Sie erzählt, wie Menschen anfangen, einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reichen soll. Gemeinsam beginnen sie. Aber unterwegs, da werden sie sich uneinig. Wohin und wofür sollen wir bauen? Wer wird ganz oben wohnen? Wer hat die Macht?
Eine gemeinsame Idee? Verständnis füreinander? Fehlanzeige. Fast so, als würden die Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen. So kommt das großspurige und maßlose Bauprojekt ins Stocken, wird schließlich abgebrochen.
Eine Geschichte, wie für heute gemacht. Menschen wollen sich nicht verstehen, verfolgen nur noch ihr eigenen Pläne, reden aneinander vorbei, bauen und leben nebeneinander her.
An Pfingsten wird eine Gegengeschichte dazu erzählt. Auch da hat es den Freundinnen und Freunden Jesu die Sprache verschlagen. Weil Jesus tot ist, ist ihnen ihre Hoffnung abhanden gekommen. Sie finden keine Worte, haben keine Pläne. Aber sie haben sich – und merken, wie wichtig das ist: Zusammen sein, Freude und auch Trauer teilen. Das macht sie lebendig. Es ist, als würde ihr Lebensfunke wieder entfacht. Weil sie in diesen schweren Zeiten gemeinsam unterwegs sind. Sie erfahren: Durch die Menschen ist Gott allen Menschen nahe. Auch und gerade bei denen, die verzweifeln und keinen Ausweg sehen.
Und genau das erzählen die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Erzählen allen Menschen, was sie trägt und bewegt. Dass es gut tut, das Leben miteinander zu teilen. Dass es glücklich macht, einander zuzuhören und füreinander da zu sein. Das ist der gute Geist, der mit Pfingsten durch die Straßen und Landschaften wehen kann. Und das ist vielleicht ja auch ein Rezept für heute gegen alle Sprachlosigkeit.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44492Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Gerade läuft die Doku-Serie In höchster Not über die Bergwacht in den bayerischen Alpen. Da werden ehrenamtliche Kräfte bei ihren Einsätzen begleitet. Die sind oft spektakulär – und oft haben sie damit zu tun, dass Menschen einfach leichtsinnig oder unvorbereitet unterwegs sind. Die Bergretter aber bleiben erstaunlich cool. Die Rettung steht im Vordergrund. Warum jemand in Not kommt, das ist erstmal egal.
Aber einer der ehrenamtlichen Bergretter sagt ein paar Sätze, die bei mir nachklingen. Er sagt: „Es gibt eine Grundeinstellung. Die ist modern. Dass man alles erreichen kann, was man will. Nur interessiert das den Berg nicht. Es gibt Situationen, da kann der Wille noch so stark sein, die äußeren Umstände lassen nicht zu, was man will.“
Ich erlebe das auch so. Da gibt es diese Idee: Wenn du was willst, dann kannst du das auch schaffen. Die Kehrseite dieser Überzeugung: Wenn ich was nicht erreiche, dann kanns ja nur an mir liegen. Dann habe ich mich halt nicht genug angestrengt.
Die Bergretter öffnen den Blick auf eine andere Sichtweise. Sie erleben: Auch der größte Wille stößt an seine Grenzen. Denn in den Bergen, da hängt es nicht nur von mir ab. Da muss ich mich bestimmen lassen: Vom Weg, vom Wetter oder auch der von Tagesform. Berge, das habe ich selbst schon im Urlaub erlebt, machen demütig. Sie zeigen mir: Ich selbst bin abhängig von vielem anderen. Kann nicht alles, was ich will oder mir vornehme. Berge machen mir deutlich: Ich muss genau prüfen, was in bestimmten Situationen gefordert ist. Mich fragen: Was kann ich eigentlich leisten? Gehe ich Wege, die zu mir passen? Habe ich die richtigen Schuhe, ausreichend Verpflegung, neue Karten, guten Empfang?
Das ist eine Weisheit auch jenseits der Berge: Nur Wollen reicht nicht. Ich muss auch meine Grenzen akzeptieren – und muss bereit sein, zu sehen, was in einer Situation wirklich angebracht ist.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44411Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Gerade läuft die Doku-Serie In höchster Not über die Bergwacht in den bayerischen Alpen. Da werden ehrenamtliche Kräfte bei ihren Einsätzen begleitet. Die sind oft spektakulär – und oft haben sie damit zu tun, dass Menschen einfach leichtsinnig oder unvorbereitet unterwegs sind. Die Bergretter aber bleiben erstaunlich cool. Die Rettung steht im Vordergrund. Warum jemand in Not kommt, das ist erstmal egal.
Aber einer der ehrenamtlichen Bergretter sagt ein paar Sätze, die bei mir nachklingen. Er sagt: „Es gibt eine Grundeinstellung. Die ist modern. Dass man alles erreichen kann, was man will. Nur interessiert das den Berg nicht. Es gibt Situationen, da kann der Wille noch so stark sein, die äußeren Umstände lassen nicht zu, was man will.“
Ich erlebe das auch so. Da gibt es diese Idee: Wenn du was willst, dann kannst du das auch schaffen. Die Kehrseite dieser Überzeugung: Wenn ich was nicht erreiche, dann kanns ja nur an mir liegen. Dann habe ich mich halt nicht genug angestrengt.
Die Bergretter öffnen den Blick auf eine andere Sichtweise. Sie erleben: Auch der größte Wille stößt an seine Grenzen. Denn in den Bergen, da hängt es nicht nur von mir ab. Da muss ich mich bestimmen lassen: Vom Weg, vom Wetter oder auch der von Tagesform. Berge, das habe ich selbst schon im Urlaub erlebt, machen demütig. Sie zeigen mir: Ich selbst bin abhängig von vielem anderen. Kann nicht alles, was ich will oder mir vornehme. Berge machen mir deutlich: Ich muss genau prüfen, was in bestimmten Situationen gefordert ist. Mich fragen: Was kann ich eigentlich leisten? Gehe ich Wege, die zu mir passen? Habe ich die richtigen Schuhe, ausreichend Verpflegung, neue Karten, guten Empfang?
Das ist eine Weisheit auch jenseits der Berge: Nur Wollen reicht nicht. Ich muss auch meine Grenzen akzeptieren – und muss bereit sein, zu sehen, was in einer Situation wirklich angebracht ist.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44409Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Heute also: die »Kalte Sophie«. Die letzte der fünf Eisheiligen.
Eisheilige, damit werden einige Tage mitten im Mai bezeichnet. An denen werden die Feste von fünf Heiligen gefeiert: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius – und den Abschluss bildet Sophie. Noch heute feiern manche Menschen an diesen Tagen ihren Namenstag, wenn sie etwa Sophia oder Sophie heißen.
Die Eisheiligen waren vor allem in bäuerlichen Regionen gefürchtet. Immer wieder sorgten Frostnächte Mitte Mai für Missernten und Hunger. Der Grund: Trotz milder Temperaturen kann kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömen. Das sorgt dann für Bodenfrost – der Tod für junge Pflanzen.
Viele bäuerliche Regeln kreisen deshalb um diese Tage: Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost. Oder: Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist. Oder: Pflanze nie vor der Kalten Sophie.Die Kalte Sophie macht alles hie.
Die kalte Sophie, das ist wohl Sophia von Rom. Eine Frau aus dem vierten Jahrhundert, die als Christin von den Machthabern hingerichtet wird. Sophia ist aber auch der griechische Begriff für Weisheit. Und Weisheit ist vor allem eine Kunst, das richtige Maß zu finden. Zwischen Verschwendung und Gier und Überheblichkeit einerseits und Furcht und Angst und Trauer andererseits. Weisheit, das ist ein Gegenmittel gegen die Extreme des Lebens. Extreme, wie sie manchmal auch an den Eisheiligen zu beobachten sind: Warme Frühsommertage und junges Grün und dann Nachtfrost und absterbende Pflanzen. An den Eisheiligen kann ich Weisheit lernen. Zwischen den Extremen einen Weg finden. Für ein gutes Leben zwischen Sommerwärme und Eiszeit.
Heute also: die »Kalte Sophie«. Die letzte der fünf Eisheiligen.
Eisheilige, damit werden einige Tage mitten im Mai bezeichnet. An denen werden die Feste von fünf Heiligen gefeiert: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius – und den Abschluss bildet Sophie. Noch heute feiern manche Menschen an diesen Tagen ihren Namenstag, wenn sie etwa Sophia oder Sophie heißen.
Die Eisheiligen waren vor allem in bäuerlichen Regionen gefürchtet. Immer wieder sorgten Frostnächte Mitte Mai für Missernten und Hunger. Der Grund: Trotz milder Temperaturen kann kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömen. Das sorgt dann für Bodenfrost – der Tod für junge Pflanzen.
Viele bäuerliche Regeln kreisen deshalb um diese Tage: Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost. Oder: Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist. Oder: Pflanze nie vor der Kalten Sophie.Die Kalte Sophie macht alles hie.
Die kalte Sophie, das ist wohl Sophia von Rom. Eine Frau aus dem vierten Jahrhundert, die als Christin von den Machthabern hingerichtet wird. Sophia ist aber auch der griechische Begriff für Weisheit. Und Weisheit ist vor allem eine Kunst, das richtige Maß zu finden. Zwischen Verschwendung und Gier und Überheblichkeit einerseits und Furcht und Angst und Trauer andererseits. Weisheit, das ist ein Gegenmittel gegen die Extreme des Lebens. Extreme, wie sie manchmal auch an den Eisheiligen zu beobachten sind: Warme Frühsommertage und junges Grün und dann Nachtfrost und absterbende Pflanzen. An den Eisheiligen kann ich Weisheit lernen. Zwischen den Extremen einen Weg finden. Für ein gutes Leben zwischen Sommerwärme und Eiszeit.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44410Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Heute also: die »Kalte Sophie«. Die letzte der fünf Eisheiligen.
Eisheilige, damit werden einige Tage mitten im Mai bezeichnet. An denen werden die Feste von fünf Heiligen gefeiert: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius – und den Abschluss bildet Sophie. Noch heute feiern manche Menschen an diesen Tagen ihren Namenstag, wenn sie etwa Sophia oder Sophie heißen.
Die Eisheiligen waren vor allem in bäuerlichen Regionen gefürchtet. Immer wieder sorgten Frostnächte Mitte Mai für Missernten und Hunger. Der Grund: Trotz milder Temperaturen kann kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömen. Das sorgt dann für Bodenfrost – der Tod für junge Pflanzen.
Viele bäuerliche Regeln kreisen deshalb um diese Tage: Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost. Oder: Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist. Oder: Pflanze nie vor der Kalten Sophie.Die Kalte Sophie macht alles hie.
Die kalte Sophie, das ist wohl Sophia von Rom. Eine Frau aus dem vierten Jahrhundert, die als Christin von den Machthabern hingerichtet wird. Sophia ist aber auch der griechische Begriff für Weisheit. Und Weisheit ist vor allem eine Kunst, das richtige Maß zu finden. Zwischen Verschwendung und Gier und Überheblichkeit einerseits und Furcht und Angst und Trauer andererseits. Weisheit, das ist ein Gegenmittel gegen die Extreme des Lebens. Extreme, wie sie manchmal auch an den Eisheiligen zu beobachten sind: Warme Frühsommertage und junges Grün und dann Nachtfrost und absterbende Pflanzen. An den Eisheiligen kann ich Weisheit lernen. Zwischen den Extremen einen Weg finden. Für ein gutes Leben zwischen Sommerwärme und Eiszeit.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44408SWR Kultur Lied zum Sonntag
Ich schiebe mein Fahrrad. Das kommt wirklich selten vor. Aber jetzt: Das ist der letzte steile Anstieg nach über 90 Kilometern. Ich bin am Ende. Setze mich an den Straßenrand. Ich kann nicht mehr. Das ist eine Szene, die mir einfällt, wenn ich dieses Lied höre: You raise me up. Da heißt es: Wenn ich niedergeschlagen bin, meine Seele so müde ist, wenn ich Probleme habe und mein Herz schwer wird, dann warte ich, bis du kommst und dich zu mir setzt.
Musik
Fertig sein, niedergeschlagen sein. Das Lied findet Töne dafür. Für dieses Gefühl. Für all die kleinen und großen Niederlagen. Da werde ich bitter enttäuscht. Da klappt das mit der Stelle nicht. Da bleibt der Anruf von den Kindern aus. Da nützen die Medikamente nichts. Da wird der Frieden mit Füßen getreten. Da reicht die Kraft auf der Fahrradtour eben nur bis zum letzten Anstieg. Aber da erlebe ich, als ich am Straßenrand sitze: Da ist eine Hand. Streckt sich mir entgegen. Sagt mir: Komm, zusammen schaffen wir das. Und ich kann sagen: You raise me up. Du lässt mich aufstehen
Musik
You raise me up ist unglaublich populär. Coverversionen: Über 500. Darunter findet sich das Instrumental eines Bläserensembles, ein Jazzstück, eine italienische Version des britischen Tenors Paul Potts, die Schlagersängerin Helene Fischer hats aufgenommen und der Geiger David Garret.
Musik
Gesungen wird das Lied auch häufig in Kirchen und Gottesdiensten, von Jugend- und Gospelchören. Aber ist das überhaupt ein religiöses, ein christliches Lied? Auf den ersten Blick kaum: Glaube, Gott, Jesus, christliche Überzeugungen? Fehlanzeige. Doch ein zweiter Blick lässt sehen: Die Bilderwelt des Songs greift tief in die Kiste religiöser Sprache und Traditionen. stand on mountains / Auf dem Berg stehen: Das erinnert an Mose, der auf einem Berg die 10 Gebote empfängt, an Jesus, der seine Bergpredigt hält. walk on stormy seas / Über stürmisches Wasser gehen: Da gibt es die Geschichte, als die Freunde Jesu in Seenot geraten. Doch Jesus geht übers Wasser, kommt den Jüngern zur Hilfe. Ermutigt sie. Die können dann singen: You raise me up.
Musik
Das ist ein Song mit einer Menge Pathos. Dafür sorgt die bombastische Instrumentierung, aber eben auch das Versmaß. Jede Zeile hat fünf Betonungen. Ein traditionelles Schema mit großer Geschichte. Im Theater das Versmaß schlechthin. Eine Zeile, fünf Betonungen: You raise me up, so I can stand on mountains / Du richtest mich auf, damit ich sogar auf Bergen stehen kann.
Musik
Das Lied eröffnet einen großes Interpretationsspielraum. Auch, weil das You, das Du, unbestimmt bleibt. Das kann Gott sein. In vielen Psalmen wird Gott so angesprochen: „Du, Gott, komm mir zur Hilfe“ (Ps 71,2). Oder: „Du wirst mich befreien“ (Ps 31,5). Aber das Du, das kann auch der Mensch sein, der mir seine Hand entgegenstreckt und mir auf die Beine hilft. Mich staunen lässt, was gemeinsam alles möglich ist.
01 M0364929 01-001 5'04 Secret Garden: Just the two of us
02 M0105401 01-001 4'01 Groban, Josh: You raise me up
03 M0111327 01-017 4'14 Garrett, David: Encore
04 M0108546 01-001 4'51 Groban, Josh: A collection
05 M0564414 01-001 4'57 Secret Garden feat. Johnny Logan: You raise me up - The collection
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44113SWR4 Sonntagsgedanken
Auferweckung – ein Kinderspiel?
Die Fastenzeit neigt sich dem Ende entgegen. Ostern. Das Fest der Auferweckung Jesu. Doch was so leicht gesagt wird, wiegt schwer. Auferweckung, Auferstehung: Wie lässt sich das verstehen?
Eine Spur legt die biblische Geschichte von Lazarus – mitsamt einer ganzen Ladung von Fragen, die sich heute stellen. Lazarus ist krank und deshalb holen die Leute Jesus. Der soll helfen. Aber Jesus lässt sich ewig Zeit. Erst nach Tagen macht er sich auf. Was ist das für ein Freund, denke ich da. Als Jesus endlich ankommt, liegt Lazarus schon vier Tage im Grab.
Die erste Merkwürdigkeit: Jesus ignoriert den Tod. Die Geschichte von Lazarus geht einfach weiter. Denn Jesus lässt sich das Grab zeigen. Lazarus liegt in einer Höhle, die mit einem Stein verschlossen ist. Solche Gräber kann man noch heute in Israel sehen.
Noch eine Merkwürdigkeit: Genau von so einem Grab wird auch erzählt, wenn es um Jesu Tod und Auferweckung geht. So, als wollte der biblische Text mal probieren, wie das geht mit der Auferstehung. Wie sich das anfühlt.
Auf jeden Fall rollen jetzt die Leute, die mit Jesus zum Gab gegangen sind, den Stein weg. Jesu ruft in die Höhle hinein: „Lazarus, komm heraus!“ Das erinnert mich an ein Kinderspiel. Verstecken. Einer dreht sich um und zählt laut. Und in der Zeit verstecken sich alle andere. Dann wird gesucht. Und wenn man dann jemand in seinem Versteck gesehen hat, dann ruft man: Komm raus, Lea oder Finn oder Kevin oder Luise, ich hab dich gefunden.
Noch eine Merkwürdigkeit: Auferstehung – ist das wirklich ein Kinderspiel? Zumindest der biblische Text legt das nahe. Ganz leicht wird Lazarus ins Leben zurückgeholt. Er wird einfach gerufen. Und dann kommt er schon aus seinem Grab. Keine großen Zaubersprüche, kein Spektakel, kein Simsalabim. Es reicht, den Toten bei seinem Namen zu nennen. Das macht lebendig. Eine Erfahrung, die ich so ähnlich kenne. Da geht es mir schlecht und jemand sagt meinen Namen, spricht mich an. Redet nicht über mich, sondern mit mir. Das macht lebendig. Holt aus dem eigenen Gedankenkarussell heraus. Wenn mich jemand anspricht, dann öffnet er mir neue Perspektiven, und manchmal gewinne ich einen neuen Blickwinkel auf die Dinge, die mich belasten. Angesprochen werden, das ist wie Auferstehung mitten im Tag.
Und wenn doch Auferweckung ist?
Auferstehung ist ein Skandal. Denn Auferstehung sagt ja: Das Leben hier und jetzt ist nicht alles. Es steht noch was aus. Die Versprechungen von Konsum und Glück und Geld, die sind nur ein Teil der ganzen Wahrheit. Es gibt mehr als das neue Hemd, das neue Handy, das neue Haus, das bessere Dies und Das. Auferstehung hält den Gedanken daran wach, dass Leben mehr ist als das alltägliche Leben.
Im Grunde genommen ein ganz simpler Gedanke. In meinem Leben muss ich mich oft entscheiden. Beziehung, Wohnort, Beruf, Kinder oder nicht, Ferien hier oder dort, Geld dafür oder doch für etwas anderes. Und mit jeder Entscheidung sterben unzählige Möglichkeiten, die ich halt nicht wahrnehme. Wenn ich nach Budenheim ziehe, dann kann ich nicht zugleich nach Worms oder Bad Urach ziehen. Wenn ich eine Ausbildung als Schreiner anfange, kann ich kein Altenpfleger sein. Wenn ich Himbeerjoghurt kaufe, dann habe ich eben keinen mit Heidelbeeren. Jede Entscheidung, jede Handlung verabschiedet unzählige andere Möglichkeiten. Leben ist Abschied nehmen. Für den Augenblick sterben alle Alternativen.
Auferstehung hält den Gedanken an diese ungelebten Möglichkeiten wach. Weil sie Abschied nimmt vom Tod. Sicher: Der Tod ist die Grenze des Lebens. Nach dem Tod gibt’s keine Möglichkeiten mehr. Auferstehung aber sagt: Nicht so schnell. Das Leben ist noch nicht erschöpft.
Der Gedanke macht mir Mut. Er hilft mir, mit dem umzugehen, was in meinen Leben nicht so ganz gelungen ist. Wo ich mich entschieden habe, aber falsch. Auch da, wo ich zu anderen Menschen nicht gut war. Auferstehung sagt dann: Du hast noch eine Chance. Kannst nochmal anfangen. Dich versöhnen. Das Leben neu probieren. Auch schon vor dem Tod. Du kannst eine klitzekleine Auferstehung auch schon heute erleben: Indem du dich neu entscheidest. Nochmal auf jemanden zugehst. Die zugeschlagene Tür wieder öffnest.
Joh 11 in Auszügen
In jener Zeit sandten die Schwestern des Lázarus Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lázarus. Als er hörte, dass Lázarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen. Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen! Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44150SWR Kultur Wort zum Tag
Jetzt, nach einem langen Winter und den tollen Tagen, war es wieder einmal nötig: Ich musste Bürgersteig und Straße fegen. Altes Laub im Rinnstein, Bonbonpapiere, ein nasses Taschentuch, Splitt vom letzten Glatteis. Was sich halt so in ein paar Wochen ansammelt. Also hab ich mir morgens einen Besen genommen und gefegt. Das Wetter war mies. Es hat geregnet. Egal, denn nach der Aktion sahen Gehweg und Straße besser aus.
Ich gebe zu, es hat mir Spaß gemacht. Frische Luft und nachher sieht alles aufgeräumt aus. Das hat was. Haben auch schon andere so gesehen. So hat man früher die Wege saubergemacht, wenn der König oder die Königin kamen. Hat Blumen, Teppiche, Umhänge auf die Straße gelegt, dass die hohen Herren und Damen nicht durch den Matsch gehen mussten.
Auch in der Bibel taucht das auf. Da macht sich Jesus nach Jerusalem auf und als er dort ankommt, legen viele Leute Kleider vor ihm auf den Weg (Lukas 19,28–40). Behandeln ihn wie einen König. Sagen: Du bist uns wichtig. Du sollst statt durch Dreck wie auf Wolken gehen.
Daran muss ich denken, wenn ich meinen Besen schwinge. Klar, hier kommen keine Könige vorbei. Aber andere Menschen. Nachbarn, Passanten, Besucherinnen, die Briefträgerin, Eltern mit Kinderwagen. Den Weg sauber machen, das kann da sagen: Ihr seid in meinen Augen wie Könige und Königinnen. Und mein gefegter Gehsteig zeigt: Du bist mir wichtig. Als Mensch.
Auch daran denke ich, wenn ich im Regen den Gehweg fege. Dass jedem Menschen Achtung zukommt. Dass vor Gott jeder Mensch ein König, eine Königin ist. Ein sauberer Gehweg kann davon erzählen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43917SWR Kultur Wort zum Tag
Da sitze ich bei der Zahnärztin auf dem Stuhl und weiß mal wieder nicht, was mich erwartet. Dabei ist es nur ein Routinetermin. Kontrolle und Reinigung. Eigentlich kein Problem. Und trotzdem merke ich meine Anspannung. Sicher auch, weil ich so machtlos bin. Einfach die Kontrolle in einer Situation abgeben, das fällt mir schwer. Zum Glück ist die Behandlung harmlos.
Hinterher geht mir die Situation bei der Zahnärztin noch nach. Denn dass ich machtlos bin, auf andere angewiesen bin, das passt kaum zu dem, wie ich und sicher die meisten Menschen heute leben. Wir wollen unser Leben selbst bestimmen. Selbst in der Hand haben, was wir tun und was nicht. Aber auf dem Zahnarztstuhl, da habe ich nichts in der Hand. Da liegt mein Schicksal in den Händen anderer. Wie in vielen anderen Bereichen. Bei Krankheit und Gesundheit, bei Schicksalsschlägen: Überall da kann ich nur wenig machen. Auch bei alltäglichen Dingen habe ich es nicht in der Hand: Dass das Brot, das ist esse, vom Bäcker gut gemacht ist – darauf muss ich vertrauen. Dass das richtige Benzin aus dem Zapfhahn kommt – muss ich glauben. Dass ich als Fahrradfahrer im Verkehr gut gesehen werde – muss ich hoffen.
Für mich ist das auch ein spirituelles Thema. Gott ist für mich auch eine Chiffre dafür, dass ich vieles in meinem Leben nicht bestimmen kann. Dass meine Macht begrenzt ist. Nicht umsonst wird Gott in vielen Religionen der Welt groß gedacht. Gott, das heißt das, reicht weiter als mein Leben. Was vor mir war und was nach mir kommt – auch darauf habe ich keinen Einfluss. Für mich heißt das: Ich muss akzeptieren, dass ich, dass mein Leben, meine Macht, meine Fähigkeiten begrenzt sind. Und ich muss immer wieder neu Vertrauen lernen. Darauf, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe und auf die ich angewiesen bin, gut zu mir sind. So wie meine Zahnärztin. Und da kann ich auch erleben: Ich kann Macht abgeben und trotzdem geht das ganz oft gut.
Thomas Weißer aus Budenheim bei Mainz von der Katholischen Kirche
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43916
SWR Kultur Wort zum Tag
Mich hat das immer berührt, wenn da bei den olympischen Winterspielen die deutsche Fahne geschwenkt wurde. Schwarz-rot-gold, das sind auch meine Farben. Dabei sind die ganz schön alt. Heute, vor fast 180 Jahren, am 9. März 1848 legte der Bundestag des Deutschen Bundes Schwarz, Rot und Gold als offizielle Farben fest.
Schon im Mittelalter gibt’s diese Farbenkombination. So findet sich auf dem Banner des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ein schwarzer Adler mit rotem Schnabel und Krallen auf einem Goldgrund. Auch als die französische Revolution Deutschland erreicht, da schwenken die deutschen Revolutionäre die dreifarbige Flagge. Sie steht für Demokratie und Bürgerrechte und Freiheit.
Kein Wunder, dass die Nazis schon 1933 die Fahne abschaffen. Mit der deutschen Freiheitsbewegung und einer demokratischen Republik wollte das NS-Regime nichts zu tun haben. Und gerade, weil die Nazis so besessen von Flaggen und Fahnenaufmärschen waren, weil sie den Begriff der Nation missbraucht haben, halten sich bis heute viele Deutsche zurück, wenn es um die Nationalfahne geht.
Auf der anderen Seite heißt es zu Recht: Flagge zeigen. Meint: Offen seinen Standpunkt zeigen. Zu einer Sache stehen. Das sorgt dafür, dass sich andere dieser Meinung anschließen können.
Flaggen haben deshalb auch eine identitätsstiftende Bedeutung. Wenn ich also die deutsche Flagge zeige, dann zeige ich immer auch: Ich stehe für eine Demokratie, in der Freiheit und Freiheitsrechte zentral sind. Es ist eine Flagge, unter der sich alle Menschen versammeln dürfen, die hier leben. Schwarz-rot-gold färbt unsere Gesellschaft mit einem Gedanken ein: Dass jeder Mensch, ungeachtet seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner Religion oder seiner Sprache gleiche Rechte besitzt. All das findet sich in den drei Farben der deutschen Flagge wieder. Sie sagen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Das finde ich einen guten Grund, die Flagge zu schwenken. Nicht nur bei den olympischen Winterspielen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43915
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