Zeige Beiträge 1 bis 10 von 965 »
SWR Kultur Lied zum Sonntag
Die Extreme des Lebens liegen manchmal ganz schön nahe beieinander. Da ist der wunderbare Urlaub mit der Familie und nach der Rückkehr erfährt die Mutter, dass ihr gekündigt wurde. Da ist das Fest mit vielen Gästen und wenige Tage später erzählt ein Freund von der Krebsdiagnose. Glück und Schmerz, Freude und Trauer liegen oft nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Erfahrungen, die das Lied verdichtet, das ich heute vorstelle. Es heißt: Korn, das in die Erde.
Wie sich Sterben und Leben, Ende und Anfang ineinander verschränken, wird in einem ganz alten Bild erzählt. Das Samenkorn wird ausgesät, stirbt, verwandelt sich, wächst und durchbricht mit grünen Halmen die Erde. Ein mächtiger Vorgang. Der lässt sich nicht aufhalten. Die Natur, das Leben setzt sich immer wieder durch. Kein Wunder, dass Christinnen und Christen dieses Bild mit Ostern verknüpfen.
Die Anspielungen auf Ostern entnimmt der deutsche Texter Jürgen Henkys dem englischen Original Love is Come Again. Der anglikanische Theologe John Macleod Campbell Crum schreibt Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Liedtext auf die Melodie eines französischen Weihnachtsliedes aus dem 15. Jahrhundert: Noël nouvelet, Noël chantons ici. Auf deutsch: Neues Weihnachten, Weihnachten singen wir hier.
Auf den ersten Blick mutet das ziemlich merkwürdig an. Eine Melodie, auf die sich sowohl ein Weihnachts- wie auch ein Osterlied singen lässt. Für mich ist das eng miteinander verbunden. Bei der Geburt, da wird ein Same gelegt. Wir können nicht wissen, was aus dem neugeborenen Menschen wird. Wie sein Leben verläuft. Und es dauert Jahre, in denen dieses Leben wächst, entfaltet, blüht und selbst wieder Früchte trägt. Mehr noch: Jedes Leben ist doch davon gekennzeichnet, dass es Höhen und Tiefen gibt. Manches kommt zur Welt. Es gibt kleine Tode und viele Momente, in denen etwas Neues beginnt. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der das auch in der Natur deutlich wird. Da zeigt sich, wie eng Tod und Leben, Vergehen und Werden zusammenhängen. Da wird gesät und dann ruht über den Winter der Samen in der Erde. Mit der Hoffnung verbunden: Da wird was draus.
Gerade der Herbst ist eine Zeit, die für Tod und Geburt und Neuanfang steht. Das kann ich ganz nüchtern betrachten. Oder ich kann merken, dass ich selbst verstrickt bin in dieses Leben, in diese Geschichten zwischen Weihnachten und Ostern. Davon erzählt die dritte Strophe.
Hier komme ich ins Spiel. Als Mensch, der selbst manchmal verloren ist, wie ein Samenkorn in der Erde. Von Wachstum ist da nichts zu sehen. Eher vom Gestrüpp und von Dornen, die mich gefangen halten. Manchmal ist da gar nichts anderes möglich, als das auszuhalten. Den Tod, das Sterben, das Ende auszuhalten. Und sich an den grünen Halm der Liebe zu klammern. Der im Frühjahr aus dem Boden wächst. Von dem an Weihnachten und Ostern erzählt wird. Und der da zu wachsen beginnt, wo Menschen sich mit Liebe begegnen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45295Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Seit unsere Tochter in Leipzig lebt, entdecke ich nach und nach diese Stadt. Vor 1990 war sie für mich unerreichbar. Jetzt setze ich mich einfach in den Zug und fahre hin. So wie in jede andere Stadt. Aber Leipzig ist nicht jede andere Stadt. In der Nikolaikirche finden ab 1982 die Friedensgebete statt. Gemeinsam beten, singen, schweigen und sich austauschen. Einer der wenigen Orte in der DDR, an denen Menschen ihrer Nöte, Sorgen und Anliegen ungestraft aussprechen dürfen. Aus den kleinen Anfängen wächst eine Bewegung. Auch, weil viele Betende danach auf dem Nikolaikirchhof bleiben, sich vernetzen, ins Gespräch kommen.
Aus diesen Friedensgebeten heraus nehmen dann die Montagsdemonstrationen ihren Anfang. Sie führen zum Ende des DDR-Unrechtsstaates. Einer, der dabei war, Christian Führer, Pfarrer der Nikolaikirche, zitiert die Reaktion der Staatsmacht so: „Wir hatten alles geplant, wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Auf Kerzen und Gebete hat der Staatsapparat keine Antwort.
Oft genug diskutiere ich mit Menschen über den Glauben. Sie fragen mich, welchen Sinn der christliche Glaube hat. Wie das mit Gott ist. Obs Gott überhaupt gibt. Und wenn ja, wofür. Schwierige Fragen. Auf die ich oft nur annäherungsweise Antworten geben kann. Eine lautet: Der Glaube zeigt, dass mit Kerzen und Gebeten die Welt besser werden kann. Dass die Ohnmacht am Ende gewinnt. So wie ein ohnmächtiger Jesus am Kreuz stirbt. So wie Gott scheinbar ohnmächtig ist, angesichts von Leid und Tod. Aber im Glauben an diesen ohnmächtigen Gott kann Macht gebrochen werden. Können Menschen aufstehen und sich zusammenschließen. Können neue Kraft gewinnen.
Die Anfänge der Friedlichen Revolution und der Fall der Mauer zeigen das eindrücklich und rufen mir das heute, am Tag der deutschen Einheit, in Erinnerung.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45286Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Hier im Radio spreche ich. Und auch sonst viel und oft. Mit meiner Frau, mit der Nachbarin, im Chor, an der Kasse, ins Telefon. Sprache dient der Verständigung. Sprache hilft, Gedanken in Worte zu fassen, miteinander zu kommunizieren. Sprache macht menschliche Gemeinschaft möglich. Das aber setzt voraus, dass die Sprache der Wahrheit dient. Sonst wäre ein gutes Gespräch kaum möglich. Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten sich immer überlegen, ob das stimmt, was jemand sagt. Ein Gespräch käme so nicht auf. Jede Lüge entspringt demnach einem Missbrauch der Sprache. Das Problem: Wenn Menschen falsche Versprechungen machen, für ihre Zwecke lügen, andere verleumden, dann verliert das Wort seinen Wert. Denn worauf soll man sich dann noch verlassen?
Umgekehrt gilt: Wahrheit ist ein schweres Geschäft. Vor allem, wenn sie Konsequenzen hat. So kommt etwa in der Antike den Zeugen enorme Bedeutung zu. Lügen Zeugen, dann kann dies den Angeklagten um Ehre, Eigentum und manchmal auch um das Leben bringen. Wahrheit wird da zur bitteren Notwendigkeit.
Heute ist das nur wenig anders. Mit Worten lassen sich Menschen ausgrenzen, in die Ecke stellen, in Verzweiflung stürzen. Durch die sozialen Medien kann das verstärkt werden. Sie sorgen dafür, dass manches Wort ewig überdauert. Für eine Hölle schon auf Erden sorgt.
Eine Ahnung davon, wie wichtig Sprache ist, liefert die Bibel. Das Johannesevangelium setzt mit dem berühmten Satz ein „Am Anfang war das Wort“. Nicht Gott oder der Mensch, nicht der Urknall oder das Nichts. Es ist das Wort, das alles anfangen lässt, das einen Beginn setzt. Lässt sich Tag für Tag erfahren: Da ruft mich jemand an – und die Sonne geht auf. Da diskutieren wir miteinander und merken: Wir können reden und müssen nicht gegeneinander kämpfen. Da sagt mir jemand „Ich mag dich“. Das trägt mich durch die ganze Woche. Jedes einzelne Wort ist wichtig. Und gerade deshalb ist jeder Mensch gefragt, mit der Sprache und seinen Worten weise umzugehen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45285Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Nach einem Umzug, im Urlaub, an einer neuen Arbeitsstelle lässt sich diese Erfahrung machen: Fremd zu sein. Nicht zu wissen, wie man sich verhält, was üblich ist, wie man sich anzuziehen hat oder worüber man besser nicht spricht.
Solche Fremdheitserfahrungen machen auch die ersten Christinnen und Christen in der griechischen und römischen Welt. Sie gelten als Außenseiter. Werden isoliert. Oft auch diskriminiert. Es sind dunkle Zeiten für Glaubende.
Wie die frühen Gemeinden damit umgehen? Sie haben zwei Strategien. Zum einen rufen sie sich in Erinnerung, dass alle Menschen Gäste und Fremde auf der Erde sind. Dass alle nur für eine kurze Zeit da sind. Sie werden geboren, leben und sterben. Das menschliche Leben: Nur ein winziger Augenblick in der Geschichte der Menschheit. In der Geschichte des Universums erst recht.
Zum anderen sehen sie auf ihre Gemeinschaft. Sie erleben da, wie Menschen friedlich und in einem Geist miteinander leben können. Erleben ein Stück Himmel auf Erden. Natürlich gabs auch im frühen Christentum Streit und Konflikte. Aber auch die Erfahrung: Menschen können Licht füreinander sein, wenn sie füreinander einstehen, füreinander da sind, miteinander leben.
Mit diesen Erfahrungen der frühen Christinnen und Christen kann ich auf meine Gegenwart sehen. Ich frage mich, was es taugt, Menschen in Fremd und Nicht-Fremd zu unterteilen. Sicher: Es ist manchmal hilfreich, zu wissen, wer wo herkommt. Aber oft genug wird dabei übersehen, dass jeder Mensch immer irgendwo fremd ist. Dass jeder Mensch nur Gast auf dieser Erde ist. Ich bin fest davon überzeugt: Das verbindet uns viel mehr, als das, was uns möglicherweise trennt. Für mich ein Grund, immer wieder auf Menschen zuzugehen. Statt auf das Fremde auf das Verbindende zu sehen. Und mich so von den Menschen, denen ich begegne, beschenken und überraschen zu lassen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45284SWR Kultur Lied zum Sonntag
Die Extreme des Lebens liegen manchmal ganz schön nahe beieinander. Da ist der wunderbare Urlaub mit der Familie und nach der Rückkehr erfährt die Mutter, dass ihr gekündigt wurde. Da ist das Fest mit vielen Gästen und wenige Tage später erzählt ein Freund von der Krebsdiagnose. Glück und Schmerz, Freude und Trauer liegen oft nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Erfahrungen, die das Lied verdichtet, das ich heute vorstelle. Es heißt: Korn, das in die Erde.
Wie sich Sterben und Leben, Ende und Anfang ineinander verschränken, wird in einem ganz alten Bild erzählt. Das Samenkorn wird ausgesät, stirbt, verwandelt sich, wächst und durchbricht mit grünen Halmen die Erde. Ein mächtiger Vorgang. Der lässt sich nicht aufhalten. Die Natur, das Leben setzt sich immer wieder durch. Kein Wunder, dass Christinnen und Christen dieses Bild mit Ostern verknüpfen.
Die Anspielungen auf Ostern entnimmt der deutsche Texter Jürgen Henkys dem englischen Original Love is Come Again. Der anglikanische Theologe John Macleod Campbell Crum schreibt Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Liedtext auf die Melodie eines französischen Weihnachtsliedes aus dem 15. Jahrhundert: Noël nouvelet, Noël chantons ici. Auf deutsch: Neues Weihnachten, Weihnachten singen wir hier.
Auf den ersten Blick mutet das ziemlich merkwürdig an. Eine Melodie, auf die sich sowohl ein Weihnachts- wie auch ein Osterlied singen lässt. Für mich ist das eng miteinander verbunden. Bei der Geburt, da wird ein Same gelegt. Wir können nicht wissen, was aus dem neugeborenen Menschen wird. Wie sein Leben verläuft. Und es dauert Jahre, in denen dieses Leben wächst, entfaltet, blüht und selbst wieder Früchte trägt. Mehr noch: Jedes Leben ist doch davon gekennzeichnet, dass es Höhen und Tiefen gibt. Manches kommt zur Welt. Es gibt kleine Tode und viele Momente, in denen etwas Neues beginnt. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der das auch in der Natur deutlich wird. Da zeigt sich, wie eng Tod und Leben, Vergehen und Werden zusammenhängen. Da wird gesät und dann ruht über den Winter der Samen in der Erde. Mit der Hoffnung verbunden: Da wird was draus.
Gerade der Herbst ist eine Zeit, die für Tod und Geburt und Neuanfang steht. Das kann ich ganz nüchtern betrachten. Oder ich kann merken, dass ich selbst verstrickt bin in dieses Leben, in diese Geschichten zwischen Weihnachten und Ostern. Davon erzählt die dritte Strophe.
Hier komme ich ins Spiel. Als Mensch, der selbst manchmal verloren ist, wie ein Samenkorn in der Erde. Von Wachstum ist da nichts zu sehen. Eher vom Gestrüpp und von Dornen, die mich gefangen halten. Manchmal ist da gar nichts anderes möglich, als das auszuhalten. Den Tod, das Sterben, das Ende auszuhalten. Und sich an den grünen Halm der Liebe zu klammern. Der im Frühjahr aus dem Boden wächst. Von dem an Weihnachten und Ostern erzählt wird. Und der da zu wachsen beginnt, wo Menschen sich mit Liebe begegnen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45294SWR Kultur Wort zum Tag
ich ertappe mich selbst immer wieder dabei. Dass ich verallgemeinere. Dass ich von einer einzelnen Sache auf das große Ganze schließe. Wenn ich auf dem Rad sitze, sage ich schnell „Die Autofahrer“. Wenn der Zug mal wieder Verspätung hat, heißt es: „Die Bahn“.
Solche Verallgemeinerung mögen harmlos sein. Andere sind es nicht. Die laufende Fußball-WM zeigt das wieder. Da kommentiert einer, dass sich schwarze Spieler nicht lange konzentrieren könnte. Ein anderer sagt, dass japanische Spieler alle ähnlich aussehen. Ein dritter redet vom afrikanischen Fußball und dass er ein bisschen wild sei. Danach läuft es immer gleich: Menschen protestieren, sagen, dass diese Aussagen rassistisch sind. Andere widersprechen. Und die Experten versichern, dass sie das alles nicht so gemeint haben und niemand beleidigen wollen.
Das Problem: Absicht spielt hier keine Rolle. Es geht um Klischees und Verallgemeinerung. Statt Menschen individuell in den Blick zu nehmen, wird generell gesprochen: Die Afrikaner. Was einfach falsch ist. Wenn ich jetzt „die Europäer“ sage, wird das deutlich. Europa erstreckt sich zwischen portugiesischer Atlantikküste und dem Uralgebirge, zwischen Nordkap und Kreta. ‚Die‘ Europäer gibt es nicht. Was es gibt: Unzählige Kulturen, Sprachen, Religionen, Geschichten und natürlich Menschen. Der afrikanische Kontinent ist dreimal so groß, ist noch wesentlich bunter und vielfältiger. Was also soll da die Rede von ‚den‘ Afrikanern?
Klischees und Verallgemeinerung: Damit kennt sich auch das Christentum aus: Judenhass, Ausgrenzung von Frauen, gewaltsame Bekehrung von Andersgläubigen erzählen von Rassismus und Antisemitismus. Umso schlimmer, weil das christliche Menschenbild genau das Gegenteil davon behauptet: Es sagt nämlich, dass alle Menschen Gottes Ebenbild sind, dass jeder Mensch wertvoll ist und Würde besitzt. Gerade deshalb muss aus christlicher Sicht auf alle Verallgemeinerungen reagiert werden. Weil sie Menschen herabwürdigen, sie in einer Gruppe verschwinden lassen, sie nicht als Individuum sehen. Der christliche Glaube will dagegen, dass jeder Mensch gesehen und gewürdigt wird.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44716SWR Kultur Wort zum Tag
Vielleicht weil ich selbst Vater bin, geht mir diese Geschichte nach. Da sorgte vor ein paar Tagen ein belgischer Fußballspieler für Aufsehen. Der wollte die WM verlassen, um bei der Geburt seines ersten Kindes sein zu können. Der Wunsch hatte für massive Kritik gesorgt. Ziemlich hitzig wurde diskutiert: Ist die Geburt eines Kindes wichtiger als der Einsatz für seine Nationalmannschaft, sein Land?
Ein Blick in die christliche Weihnachtsgeschichte wirft ein Licht auf diese Diskussion. Da spielt Josef, der Vater Jesu, eine wichtige Rolle. Mehr noch: In jeder Weihnachtskrippe steht er wie selbstverständlich bei Mutter und Kind. Ich habe noch nie gehört, dass jemand gesagt hätte: Was hat denn der da verloren? Der soll mal besser arbeiten gehen. Oder: Geburt ist Frauensache. Ganz im Gegenteil. Das Bild der Weihnachtsfamilie gehört zu unserem kulturellen Erbe. Auch für die, die sonst wenig mit dem christlichen Glauben anfangen können. Kein Wunder: Ein Kind führt vor Augen, wie zerbrechlich, wie bedürftig, wie hilflos menschliches Leben ist. Gerade an seinem Anfang. Da braucht es alle Unterstützung, die es kriegen kann. Von Mutter und Vater, von Verwandten und Geschwistern, manchmal auch von Sterndeutern und Hirten. Josef gehört deshalb an die Krippe. Er ist wichtig!
Noch ein Gedanke: Das Kind, Jesus, fasziniert bis heute. Auch seine Geburt in Armut und am Rand der Welt. Viele Menschen fühlen sich deshalb diesem Kind nahe. Weil es zeigt: In einem kleinen, unbedeutenden Anfang kann etwas Überraschendes, Großartiges stecken. Und Josef ist in der Weihnachtsgeschichte ein entscheidender Teil dieses Anfangs. Warum also nicht auch ein fußballspielender Vater heute?
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44715
SWR Kultur Wort zum Tag
Heute Mittag ist es soweit. Dann ist genau die Jahreshälfte erreicht. 182 einhalb Tage vorbei und genauso viele Tage verbleiben noch bis zum Jahresende.
Die einen bedauern jetzt, dass das Jahr schon halb vorbei ist, die anderen freuen sich auf die zweite Jahreshälfte. Das erinnert an die sprichwörtliche Frage, ob ein Glas nun halb voll oder halb leer ist. Die übliche Lesart lautet: Optimistische Menschen sehen ein Glas immer halb voll, für Pessimisten ist es halb leer.
Ich finde da eine biblische Geschichte ganz hilfreich. Da zieht es Jesus in eine einsame Gegend. Aber viele Menschen folgen ihm. Können gar nicht genug kriegen von seinen Worten. Die Zeit vergeht, es wird Abend. Alle kriegen Hunger. Da sagt Jesus zu seinen Freundinnen und Freunden: „Gebt ihr ihnen zu essen“ (MK 6,37). Kleines Problem: Es finden sich nur fünf Brote und zwei Fische. Viel zu wenig, sagen die Pessimisten. Der Optimist Jesus aber nimmt das Brot, dankt dafür – und lässt es verteilen. Es reicht, so die Erzählung, für fünftausend Menschen und es bleibt sogar noch massenweise übrig.
Wir wissen: Diese ‚Brotvermehrung‘ ist keine historische Geschichte. Sie ist eine Sinngeschichte. Eine Geschichte vom Optimismus. Da gibt’s eine schwierige Lage. Und die Reaktion: Einfach mal machen. Die Situation annehmen, wie sie ist. Danken, teilen. Und dann reicht das Brot für alle.
Könnte auch ein Impuls für die zweite Jahreshälfte sein. Da kommt noch Vieles auf mich zu. Sicher auch schwierige Situationen. Aber ich kann sie annehmen. Kann Ausschau halten. Vielleicht nach fünf guten Ideen und zwei Ratschlägen. Nach fünf schönen Augenblicken und zwei intensiven Gesprächen. Nach fünf blühenden Rosen und zwei schattigen Bäumen. Und ich kann erleben, wie sich diese Erfahrungen vermehren. Wie sie bis zum Jahresende reichen – und darüber hinaus.
Heute Mittag ist es soweit. Dann ist genau die Jahreshälfte erreicht. 182 einhalb Tage vorbei und genauso viele Tage verbleiben noch bis zum Jahresende.
Die einen bedauern jetzt, dass das Jahr schon halb vorbei ist, die anderen freuen sich auf die zweite Jahreshälfte. Das erinnert an die sprichwörtliche Frage, ob ein Glas nun halb voll oder halb leer ist. Die übliche Lesart lautet: Optimistische Menschen sehen ein Glas immer halb voll, für Pessimisten ist es halb leer.
Ich finde da eine biblische Geschichte ganz hilfreich. Da zieht es Jesus in eine einsame Gegend. Aber viele Menschen folgen ihm. Können gar nicht genug kriegen von seinen Worten. Die Zeit vergeht, es wird Abend. Alle kriegen Hunger. Da sagt Jesus zu seinen Freundinnen und Freunden: „Gebt ihr ihnen zu essen“ (MK 6,37). Kleines Problem: Es finden sich nur fünf Brote und zwei Fische. Viel zu wenig, sagen die Pessimisten. Der Optimist Jesus aber nimmt das Brot, dankt dafür – und lässt es verteilen. Es reicht, so die Erzählung, für fünftausend Menschen und es bleibt sogar noch massenweise übrig.
Wir wissen: Diese ‚Brotvermehrung‘ ist keine historische Geschichte. Sie ist eine Sinngeschichte. Eine Geschichte vom Optimismus. Da gibt’s eine schwierige Lage. Und die Reaktion: Einfach mal machen. Die Situation annehmen, wie sie ist. Danken, teilen. Und dann reicht das Brot für alle.
Könnte auch ein Impuls für die zweite Jahreshälfte sein. Da kommt noch Vieles auf mich zu. Sicher auch schwierige Situationen. Aber ich kann sie annehmen. Kann Ausschau halten. Vielleicht nach fünf guten Ideen und zwei Ratschlägen. Nach fünf schönen Augenblicken und zwei intensiven Gesprächen. Nach fünf blühenden Rosen und zwei schattigen Bäumen. Und ich kann erleben, wie sich diese Erfahrungen vermehren. Wie sie bis zum Jahresende reichen – und darüber hinaus.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44714SWR4 Feiertagsgedanken
Aus dem Schneckenhaus
Liebeskummer. Da fällst du in ein dunkles Loch. Die Tage dehnen sich endlos. Die Wege von der Haustür bis zur Schule, zur Arbeit, zum Bäcker sind kaum zu bewältigen. Essen schmeckt nach gar nichts. Liebeskummer, das ist ein großes Vermissen. Ich vermisse jemanden so sehr, dass es weh tut.
Pfingsten, auch eine Geschichte vom Liebeskummer. Die Story: Die Freundinnen und Freunde Jesu kommen nach seinem Tod zusammen. Sie haben ihr Leben mit ihm geteilt. Haben ihn begleitet, ihm zugehört, mit ihm gegessen. Haben sich verliebt in diesen Menschen. Der anderen zuhören konnte. Sie gesund machte. Ihnen das Herz aufgehen ließ. Aber dann haben sie sehen müssen, wie dieser Jesus hingerichtet wurde.
Wer das selbst erlebt hat, dass ein geliebter Mensch stirbt, der weiß, wie sich das anfühlt: Wie ein endloser Liebeskummer. Genau zu wissen, dass der Mensch, den man liebt, nicht mehr da ist. Dass er tot ist. Das trifft mitten ins Herz.
In der Jesus-Geschichte gibt es zwei große Ereignisse, die den Liebeskummer verändern. Da ist Ostern. Die Freundinnen und Freunde Jesu erleben: Ihr Freund ist immer noch da. Präsent, anwesend. Ganz anders als ein Toter. Auferweckung heißt das Zauberwort. Was genau dabei passiert? Nicht so wichtig. Wichtig: Menschen fühlen sich diesem Jesus weiterhin nahe, auch über seinen Tod hinaus. Erleben, dass er bei ihnen ist.
Und dann das: Die Tage und Wochen vergehen – und damit auch die Erinnerung an Jesus. Sein Bild verblasst. Seine Botschaft. Seine Lebendigkeit. Der Liebeskummer kehrt zurück. Und genauso reagieren die Freundinnen und Freunde Jesu. Sie verkriechen sich. Machen Türen und Fenster zu. Murmeln den Namen des Geliebten vor sich hin. Kein Licht. Innen und außen dunkel.
Doch dann wird es Pfingsten. Was auch immer da passiert ist: Die Trauer wird mit Licht geflutet. Die Freundinnen und Freunde Jesu kriechen aus ihrem Schneckenhaus. Reißen Fenster und Türen auf. Erzählen von ihrem Liebeskummer. Erzählen von dem, was sie vermissen. Sie dürfen erfahren: Es tut gut, über Liebe und Trauer zu sprechen. Sie erfahren: Genau dann beginnt neues Leben. Beginnt ein Leben trotz Liebeskummer.
Zur Sprache bringen
Ich mache mir ziemlich Sorgen um die politische und gesellschaftliche Landschaft in Deutschland. Ich erlebe, dass da viel Neben- und Gegeneinander herrscht. Meinungen, die aufeinanderprallen – ganz egal, ob es um einen Buckelwal in der Ostsee, um das Klima und erneuerbare Energien, um Renten oder die ärztliche Versorgung geht. Schnell werden da Positionen festgezurrt. Es ist fast so, als würden die Menschen hierzulande ganz unterschiedliche Sprachen sprechen.
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel, sie wiederholt sich heute. Sie erzählt, wie Menschen anfangen, einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reichen soll. Gemeinsam beginnen sie. Aber unterwegs, da werden sie sich uneinig. Wohin und wofür sollen wir bauen? Wer wird ganz oben wohnen? Wer hat die Macht?
Eine gemeinsame Idee? Verständnis füreinander? Fehlanzeige. Fast so, als würden die Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen. So kommt das großspurige und maßlose Bauprojekt ins Stocken, wird schließlich abgebrochen.
Eine Geschichte, wie für heute gemacht. Menschen wollen sich nicht verstehen, verfolgen nur noch ihr eigenen Pläne, reden aneinander vorbei, bauen und leben nebeneinander her.
An Pfingsten wird eine Gegengeschichte dazu erzählt. Auch da hat es den Freundinnen und Freunden Jesu die Sprache verschlagen. Weil Jesus tot ist, ist ihnen ihre Hoffnung abhanden gekommen. Sie finden keine Worte, haben keine Pläne. Aber sie haben sich – und merken, wie wichtig das ist: Zusammen sein, Freude und auch Trauer teilen. Das macht sie lebendig. Es ist, als würde ihr Lebensfunke wieder entfacht. Weil sie in diesen schweren Zeiten gemeinsam unterwegs sind. Sie erfahren: Durch die Menschen ist Gott allen Menschen nahe. Auch und gerade bei denen, die verzweifeln und keinen Ausweg sehen.
Und genau das erzählen die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Erzählen allen Menschen, was sie trägt und bewegt. Dass es gut tut, das Leben miteinander zu teilen. Dass es glücklich macht, einander zuzuhören und füreinander da zu sein. Das ist der gute Geist, der mit Pfingsten durch die Straßen und Landschaften wehen kann. Und das ist vielleicht ja auch ein Rezept für heute gegen alle Sprachlosigkeit.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44492Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Gerade läuft die Doku-Serie In höchster Not über die Bergwacht in den bayerischen Alpen. Da werden ehrenamtliche Kräfte bei ihren Einsätzen begleitet. Die sind oft spektakulär – und oft haben sie damit zu tun, dass Menschen einfach leichtsinnig oder unvorbereitet unterwegs sind. Die Bergretter aber bleiben erstaunlich cool. Die Rettung steht im Vordergrund. Warum jemand in Not kommt, das ist erstmal egal.
Aber einer der ehrenamtlichen Bergretter sagt ein paar Sätze, die bei mir nachklingen. Er sagt: „Es gibt eine Grundeinstellung. Die ist modern. Dass man alles erreichen kann, was man will. Nur interessiert das den Berg nicht. Es gibt Situationen, da kann der Wille noch so stark sein, die äußeren Umstände lassen nicht zu, was man will.“
Ich erlebe das auch so. Da gibt es diese Idee: Wenn du was willst, dann kannst du das auch schaffen. Die Kehrseite dieser Überzeugung: Wenn ich was nicht erreiche, dann kanns ja nur an mir liegen. Dann habe ich mich halt nicht genug angestrengt.
Die Bergretter öffnen den Blick auf eine andere Sichtweise. Sie erleben: Auch der größte Wille stößt an seine Grenzen. Denn in den Bergen, da hängt es nicht nur von mir ab. Da muss ich mich bestimmen lassen: Vom Weg, vom Wetter oder auch der von Tagesform. Berge, das habe ich selbst schon im Urlaub erlebt, machen demütig. Sie zeigen mir: Ich selbst bin abhängig von vielem anderen. Kann nicht alles, was ich will oder mir vornehme. Berge machen mir deutlich: Ich muss genau prüfen, was in bestimmten Situationen gefordert ist. Mich fragen: Was kann ich eigentlich leisten? Gehe ich Wege, die zu mir passen? Habe ich die richtigen Schuhe, ausreichend Verpflegung, neue Karten, guten Empfang?
Das ist eine Weisheit auch jenseits der Berge: Nur Wollen reicht nicht. Ich muss auch meine Grenzen akzeptieren – und muss bereit sein, zu sehen, was in einer Situation wirklich angebracht ist.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44411Zeige Beiträge 1 bis 10 von 965 »
