Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


26OKT2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Alles beginnt mit der Sehnsucht“ – hat die Schriftstellerin Nelly Sachs geschrieben. Wirklich alles? Ich glaub schon. Denn wer kennt es nicht, dieses innige Sehnen, dieses liebende Verlangen. Sehnsucht kann süß sein, wenn ihre Erfüllung abzusehen ist. Sie kann bitter werden, wenn sie nie gestillt wird, die Sehnsucht nach Liebe vor allem. Sehnsucht kann frei machen, wenn ich sie abgebildet sehe in einem Flugzeug am blauen Himmel. Und bin ich am Ziel meiner Träume angelangt, dann kommt sie  erstaunlicherweise immer wieder. Im Salzgeruch des Meeres, der daran erinnert woher wir kommen. Oder im Rhythmus der Wellen, die Sehnsucht nach Ewigkeit.
Alles beginnt mit der Sehnsucht. Vielleicht ist das Schreiben für die Schriftsteller ja auch eine Art mit der Sehnsucht umzugehen, sie damit zu stillen. Die Sehnsucht treibt die Menschen an, sie bringt sie zu Höchstleistungen. Auf alle 8000er zu steigen, den Südpol und die Wüste Gobi zu Fuß zu durchqueren, wie Reinhold Messner. Die Sehnsucht treibt die Menschen auch um. Die tiefe Sehnsucht nach Frieden lässt die Menschen immer wieder aufeinander zugehen, selbst nach schlimmsten Gräueltaten. Und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit treibt sie dazu an, sich mit den Umständen nie zufrieden zu geben, die Welt und sich selbst zu verbessern, sie schöner und lebenswerter zu machen. Und selbst wenn alle Arbeit getan scheint, alle Wünsche verwirklicht und alle Träume erfüllt, bleibt immer noch ein unstillbarer Rest an Sehnsucht. Wie eine unsichtbare Nabelschnur, die uns mit der Welt verbindet, in der es keine Sehnsucht mehr gibt…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34152
25OKT2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über“. So ein altes Sprichwort aus der Bibel. Wer also von was begeistert ist, der will, ja der muss wohl davon reden. Im christlichen Glaube geht’s ja nicht nur sehr ernst um erste und letzte Dinge, sondern – man glaubt’s fast nicht - auch um Begeisterung und Glück! Und darum wird auch so viel über den Glauben geredet. Aber wie redet man vom Glauben? Wie redet man richtig oder angemessen über ihn? Ein bisschen ist es so wie beim Reden über die Liebe. Erzähle ich zum Beispiel jemandem, der Pech in der Liebe hat von meinem frischen Liebesglück, dann tut ihm das weh. Ähnlich ist es mit dem Glauben. Menschen, die keine Glaubenserfahrungen haben oder haben wollen ist es vielleicht peinlich, wenn Gläubige sehr offen über ihren Glauben reden. Oder es nervt sie, wenn manche Christen so reden als ob sie ihren Herrn Jesus in der Tasche hätten und bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit nur rauszuholen brauchen.                                                                                                                   Drei Dinge sind mir beim Reden über meinen Glauben wichtig: Zum einen: nicht aufdringlich zu sein. Ich möchte meinen Glauben anbieten - wie einen Apfel auf einem Silbertablett. Der lecker riecht und schön anzusehen ist. Den man mitnehmen, aber auch liegenlassen kann. Zum anderen möchte ich, wenn ich vom Glauben rede, vorsichtig und ehrfürchtig über ihn reden. Weil ich dabei vom Heiligsten spreche, das es neben der Liebe für mich gibt. Und schließlich: glaub-würdig vom Glauben reden. Das heißt, dass ich das, worüber ich rede, auch wirklich lebe…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34151
24OKT2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Da seh ich schwarz“- Redewendungen wie diese weisen auf den Zusammenhang von Seele und Sehen, von Psyche und Wahrnehmung. Genau darum geht es auch in der Geschichte, die heute in den katholischen Kirchen zu hören ist: die Heilung des Blinden Bartimäus durch Jesus von Nazareth. Heilungsgeschichten der Bibel können immer auf drei Ebenen gelesen werden. Zunächst auf wörtlichen, die das Geschehen 1:1 so nimmt wie es beschrieben ist: Dass Jesus als der Sohn Gottes übernatürliche Kräfte hatte und scheinbar unheilbar Kranke heilen konnte. Heilungsgeschichten können aber auch symbolisch verstanden werden: dass der Mensch, der geheilt wurde, blind war für die wesentlichen Dinge des Lebens und Jesus ihm die Augen dafür geöffnet hat. Und schließlich gibt es noch die psychosomatische Sichtweise: dass Menschen, die ein schweres seelisches Trauma erlitten haben und deswegen nicht mehr sehen können, obwohl die Augen keine organischen Schäden haben. „Psychogene Blindheit“ wird das auch genannt.
Ich bin offen für alle drei Sichtweisen bei den Heilungsgeschichten Jesu. Denn mir ist viel wichtiger zu verstehen, warum Jesus so gehandelt hat und was das für den Glauben heute bedeutet.
Nach der Erzählung des Evangelisten Markus hat der blinde Bettler Bartimäus lautstark nach Jesus gerufen. Die Begleiter Jesu wollen Bartimäus abwimmeln. Aber Jesus spürt dessen brennende Sehnsucht und lässt ihn zu sich bringen. Als Bartimäus vor ihm steht, stellt er ihm die Frage, die er leidenden Menschen fast immer stellt: „Was willst Du, dass ich Dir tue?“ Und Bartimäus antwortet:“ Ich möchte sehen können!“ Worauf Jesus zu ihm sagt: „Dein Glaube hat Dich gerettet“ und im gleichen Augenblick konnte Bartimäus sehen. Was ist da eigentlich passiert? Jesus holt einen Ausgestoßenen seiner Zeit – Blindheit galt als Strafe Gottes – aus der sozialen Isolation. Er aktiviert dessen Selbstheilungskräfte, indem er ihn ernst nimmt und fragt was er will. Und nimmt ihn, den Ausgestoßenen, als vollwertiges Mitglied in seine Gemeinschaft auf. Und warum macht Jesus das? Weil Heilung für ihn ein Zeichen des Gottesreiches ist, das unter den Menschen sichtbar und spürbar werden kann. Und weil für Jesus jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, mit dem er liebevoll, gerecht und heilsam umgehen möchte. So und nur so sollten sich auch die Kirchen von heute verhalten…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34175
24OKT2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Gut Ding will Weile haben“ sagt der Volksmund. Vieles in unserer Welt geht aber schnell, muss schnell gehen. Der Sanka darf nicht gemütlich zum Notfall juckeln. Der Prüfling sollte die Antwort auf eine Frage schon eher jetzt als nachher haben. Klar, trotzdem gibt es aber zu viele Bereiche, in denen schnell sein nicht unbedingt nötig ist und die Stress machen. Dass Smartphone-Nachrichten möglichst sofort beantwortet sein sollten ist wie ein ungeschriebenes Gesetz. Warum eigentlich? Oder die  Autobahn. Wie in einem Sog wird man dort in die Geschwindigkeit gezogen. Muss ja auch nicht unbedingt sein. Langsam kommt der Bauer auch zur Stadt. Und wahrscheinlich auch weniger gestresst als mit Tempo 200. Zu oft hab ich schon erlebt, dass die äußere Geschwindigkeit zur inneren wird. Dass ich nicht nur gehetzt werde, sondern mich selbst hetze. Dass sich die Schnelligkeit verselbständigt und in Bereiche dringt, in denen sie nichts zu suchen hat. Die wesentlichsten Dinge des Lebens entwickeln sich langsam. Liebe, wenn sie über das Verliebtsein hinauskommen soll, muss wachsen, sich entwickeln. Gesund werden, an Leib oder Seele, braucht Zeit. Und wenn ich in irgendeine Art von Gottesbeziehung kommen möchte, dann geht das nur durch Entschleunigung und Ruhe. Leicht gesagt, aber wie getan? Auch wenn es banal klingt, es gibt da nur ein Mittel: Die Bremse ziehen. Das kann wirklich jeder. Sich nicht mehr hetzen lassen. Alles einen Gang langsamer tun. Und sich dann ganz auf das einlassen was man gerade tut. Und auf den Menschen, der gerade vor einem steht. Auch wieder leicht gesagt, ich weiß. Das braucht Übung. Und es wird nicht gleich und auch nicht immer klappen. Ist aber nicht schlimm. Denn gut Ding will Weile haben…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34150
18SEP2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Es ist für mich einer der schönsten Texte der Bibel. Er ist vom Apostel Paulus und beschreibt wie er sich die Begegnung mit Gott nach seinem Tod vorstellt. Und was ihm davor am wichtigsten ist:   

Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. 

Quelle: Die Bibel, Neues Testament, 1 Kor 13, 12-13

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33880
17SEP2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Was ist Liebe? Was macht sie aus? Was unterscheidet sie von Verliebtheit oder Liebelei? Der Apostel Paulus hat vor rund 2000 Jahren einen Text über die Liebe geschrieben, der zeitlos gültig ist. Für Liebespaare und für die Liebe als Lebenshaltung:

Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. 
Die Liebe hört niemals auf. 

 

Quelle: Die Bibel, Neues Testament, 1 Kor 13, 4-8

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33879
16SEP2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Es ist einer der schönsten Texte der Bibel. Geschrieben vor rund 2000 Jahren vom Apostel Paulus an die erste christliche Gemeinde in Korinth. Bis heute wird er auch gern bei Hochzeiten gelesen. Weil es darin um das Wichtigste und Schönste im Leben geht:

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.  

Quelle: Die Bibel, Neues Testament, 1 Kor 13, 1-3

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33878
15SEP2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wogegen ich hochallergisch bin ist, wenn jemand tolle Predigten hält, aber das, was er sagt, nicht lebt. Darum mag ich auch diesen Text aus dem Jakobusbrief im Neuen Testament der Bibel. Der Verfasser dieses Briefes schreibt vor rund 2000 Jahren an eine christliche Gemeinde:

Brüder und Schwestern, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von Euch zu ihm sagt, geht in Frieden und wärmt und sättigt Euch, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen, was nützt das?! So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.

Quelle: Die Bibel, Neues Testament, Jakobus 2, 14-17

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33877
14SEP2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Auch wenn es leider immer wieder so aussieht, aber das Christentum ist keine Religion der Reichen und Mächtigen. Der Urbeweis dafür sind die Seligpreisungen Jesu. Er hat sie an den Beginn seines öffentlichen Wirkens gestellt. Sie sind quasi sein Programm und klingen so:

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. 

Quelle: Die Bibel, Neues Testament, Matthäus 5, 3-10

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33876
13SEP2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Es gibt ein uraltes Gift in den Religionen der Welt: Das Gift der Macht. Wenn Religionsführer die Seelen Menschen durch Gesetze knechten wollen. Jesus von Nazareth hat das auch erfahren. Die religiösen Machthaber haben immer wieder versucht, ihn in eine Falle zu locken. So zum Beispiel als sie ihn fragten, welches Gesetz denn das wichtigste sei. In seiner Antwort hat er ihnen gezeigt worauf es beim Glauben einzig und allein ankommt. Und gesagt: 

Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit Deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.

Quelle: Die Bibel, Neues Testament, Matthäus 22, 37-39

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33875