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Heute ist der Tag des Hl. Georg. Ein nicht unumstrittener Heiliger. Sogar so umstritten, dass er 1969 offiziell aus dem Heiligenkalender entfernt wurde, weil Menschen ihn zum Patron der Kreuzzüge und der Ritterorden gemacht hatten. Später aber wurde er wieder aufgenommen. Wohl wegen seiner großen Popularität und Verehrung. Wie bei vielen Heiligen, gibt es auch bei Georg eine Unmenge an Legenden. Bekannt ist vielen die Drachenlegende. Georg soll eine Königstochter vor einem Drachen gerettet haben, in dem er die Bestie mit dem Schwert getötet hat. So wird er oft dargestellt. Der Gute besiegt das Böse. Georg ist ein besonderer Mensch aus früher Zeit. Einer Zeit, in der die Christen verfolgt und diskriminiert, gefoltert und getötet wurden. Georg hat seinen Verfolgern widerstanden, er hat sich nicht verbiegen lassen. Er starb für den noch jungen Christenglauben im beginnenden 4. Jh. Mir ist das wichtiger, als alle Legenden, die sich um ihn ranken. Georg, ein Mensch der Vergangenheit, er hat auch mit unserer Zeit zu tun. Es gibt auch heute Christen, die verfolgt und diskriminiert werden. Schätzungen sprechen von 100 Tausend ermordeten Christen im Jahr. Andere werden in ihren Lebensmöglichkeiten eingeschränkt, können ihren Glauben nicht frei leben und ausüben. Ich bin froh und dankbar, dass ich in unserem Land ungehindert meinen Glauben leben und praktizieren kann. Manchmal vielleicht belächelt zu werden. Ein anderes Mal kritisch hinterfragt zu sein. Damit kann ich aber gut umgehen. Dadurch ist mein Leben nicht in Gefahr. Darüber komme ich sogar mit Menschen ins Gespräch über den Glauben, über das Leben. Georg kann mich mit seiner Lebensgeschichte daran erinnern. Zu meinem Glauben zu stehen. Das Christsein nicht zu verstecken, aber auch nicht aufzudrängen.

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Dieser Planet ist uns geschenkt. Nicht jeden Tag gelingt es mir, mir diesen Satz bewusst zu machen. Bewusst auf dieser Erde zu gehen und zu leben. Heute habe ich es mal ganz bewusst getan. Denn heute ist der internationale Tag der Erde. 1990 erstmalig begangen. 175 Länder beteiligen sich daran. Der Tag der Erde - zum ersten Mal nehme ich diesen Tag wahr. Mir kommt ein Lied von Herbert Grönemeyer in den Sinn: Ein Stück vom Himmel. Darin singt er: Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht? Eine provozierende Frage. Ich habe heute versucht diese Erde, die sich mir freundlich zeigt, bewusst wahrzunehmen. Meine Schritte nicht unbedacht zu gehen. Meine Augen nicht ins Leere blicken zu lassen. Die Erde ist uns geschenkt, sie ist freundlich, gerade jetzt in dieser Jahreszeit, in der alles blüht und wächst. Endlich. Es gibt so viel zu sehen und zu berühren, zu riechen, zu schmecken und zu hören. Für mich ist diese Erde mehr als nur ein Planet. Sie ist mehr als nur natürliche Umwelt. Für mich ist diese Erde eine Schöpfung Gottes. Mit den Tieren und Pflanzen gehören wir Menschen dazu. So erzählen es ja auch die alten Schöpfungsgeschichten der Bibel. Sie sind keine Berichte, wie alles genau geworden ist. Aber sie erzählen, was es mit der Erde auf sich hat. Macht euch die Erde untertan, heißt es in der Bibel. Damit ist gemeint, die Erde zu bewahren und die Tiere und Pflanzen zu behüten.  Behutsam mit ihnen und miteinander umzugehen. Nachhaltig zu leben, damit auch unsere Nachkommen die freundliche Erde genießen können. Es geht heute am Tag der Erde nicht nur um diesen einen Tag. Sondern immer wieder diese Erde als Geschenk bewusst wahrzunehmen und sich für ihren Erhalt einzusetzen. Eine gesunde Erde bedeutet gesunde Schöpfung als freundlichen, lebenswerten Ort für die Zukunft.

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Ihre Namen sind lustig und phantasiereich. Sie heißen Dr. Johannis Kraut, Dr. Rundkragen oder Dr. Schlamassel. Es sind Clowns, Menschen, die andere Menschen zum Lachen bringen. Dort, wo es sonst wenig zu lachen gibt. Sie sind Clowndoktoren und erleichtern den kleinen Patienten auf den Kinderstationen den Alltag. Oft im weißen Kittel, wie die richtigen Ärzte, aber ohne Spritze und Stethoskop und mit roter Nase im Gesicht. Mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Humor bereiten sie den Kindern ein wenig Freude in einer fremden und auch bedrohlichen Umgebung. Ihre Späße sind nicht oberflächlich. Sie geben den Kindern und auch den Eltern Lebensfreude und Lebensmut. Sie erinnern an das alte Wort von Hippokrates: Lachen ist die beste Medizin. Dieses Wort gilt noch heute. Clowns helfen uns zu lachen. Die Clowndoktoren helfen den kranken Kindern zu lachen. Sie helfen zu lachen, wenn es scheinbar nichts mehr zu lachen gibt. Sie helfen zu lachen. Nicht über andere, mehr über uns selber. Es geht nicht um einen lustigen Auftritt, um eine Nummer. Um Comedy. Es geht um das Hinhören auf das Leben der Menschen. Lachen, ja schon ein Lächeln hat tiefe Auswirkungen auf unser Befinden. Wenn sich die Mundwinkel heben, wird die Seele positiv beeinflusst. In einem Psalm heißt es: „Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen." (Ps 126;1-2a) So soll es sein. Lachen befreit. Wer lacht, nimmt das Leben nicht so bierernst und nimmt sich selbst nicht so wichtig. Lachen ist das Bekenntnis, dass wir Menschen sind. Das Lachen lässt uns Menschen menschlich bleiben.

 

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Heute vor 50 Jahren hat Papst Johannes XXIII. das 2. Vatikanische Konzil eröffnet. Nicht nur die Katholiken schauten an diesem Tag aufmerksam nach Rom. Auch die Christinnen und Christen der anderen Kirchen blickten gespannt auf das Konzil, das vom Bischof von Rom mit dem Wort „aggiornamento" angekündigt wurde. Aggiornamento - frei übersetzt: eine Öffnung hin zum Heute. Dieses Konzil suchte die alten Bilder der Kirche neu zu entdecken. Kirche als Communio, als Gemeinschaft; Kirche als pilgerndes Gottesvolk. „Sein wandernd Volk will leiten, der Herr in dieser Zeit; ...",  so sangen die Christen nach dem Konzil. Der Chor des Gottesvolkes auf dem Weg wurde schon während des Konzils vielstimmig. Die anderen christlichen Kirchen waren als Beobachter in der Konzilsaula vertreten. Die Ökumene hatte einen festen Platz in den Gesprächen und Beschlüssen bekommen. Die römische Kirche trat mit dem Konzil offiziell in die ökumenische Bewegung ein. Das Schlussdokument zur Ökumene ermutigt bis heute zu einer Ökumene auf Augenhöhe. Ist es doch das erste offizielle Wort aus dem Vatikan zugunsten des ökumenischen Dialogs. Ich gehöre nicht zur römisch-katholischen Schwesterkirche, aber erinnere heute gerne an diesen denkwürdigen 11. Oktober 1962 in Rom. Ich erinnere gerne an diesen mutigen, kleinen und korpulenten Papst Johannes. Sein Mut und seine Weitsicht helfen uns bis heute als Christinnen und Christen aufeinander zuzugehen. Getrennt in Konfessionen, aber durch die eine Taufe verbunden als das eine Gottesvolk unterwegs.

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„Auch der schönste Sommer will einmal Herbst und Welke spüren." So schreibt Hermann Hesse in einem seiner Gedichte. Das Alter bezeichnen wir gerne als den Herbst des Lebens. Das Alter ist oft beides: ein herrlicher Altweibersommer, ein goldener Oktober und kräftige Herbststürme mit nasskaltem Regenwetter. Das Alter hat viele Gesichter. Aktive, fröhliche Senioren, die bewusst, aktiv und engagiert leben; die reisen, vielleicht noch mal studieren, nordic walkend durch die Parkanlagen ziehen, sich noch mal verlieben, mit Enkelkindern ausgelassen im Garten spielen. Das sind die schönen Seiten des Altwerdens. Der goldene Oktober. Und es gibt die andere Seite. Wenn Menschen nicht mehr so können, wie sie wollen; die Kräfte nachlassen, die Einsamkeit kommt, weil der Partner, die Freundinnen und die Angehörigen längst verstorben sind. Wenn nichts so bleibt, wie es mal war. Wenn das Gedächtnis nachlässt und für viele die Reise ins Vergessen beginnt. Wenn der eigene Tod immer mehr in den Blick gerät. Diese Menschen spüren dann den Herbst des Lebens wie Stürme und nasskaltes Regenwetter. Die Bibel ist da realistisch. Sie erzählt und singt vom Leben in den Psalmen: „Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus, sie gleichen dem sprossenden Gras. Am Morgen grünt es und blüht, am Abend wird es geschnitten und welkt." (Ps 90,5-6). Unerfüllte Wünsche, verschenkte Möglichkeiten, Leid und Krankheit in Gottes Hände zu legen, dazu lädt der Herbst des Lebens ein. Die letzten goldenen Sonnenstrahlen zu genießen, Rückschau zu halten auf den Frühling des Lebens und die schönen Sommertage; die Ernte zu genießen. Und sich dann eines Tages vom Wind nach Hause, zu Gott, wehen zu lassen.

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Jeden Morgen gehe ich zuerst ins Bad und stehe vor dem Spiegel. Verschlafen, unordentlich, zerzaust sehe ich mein Gesicht. Mein eigenes Gesicht. Es ist das erste, was ich vom neuen Tag sehe. Mein Gesicht im Spiegel. Ich schaue es an und denke: Ich kenne dich nicht, aber ich wasche dich trotzdem. Manchmal gelingt es mir in Ruhe mir selber zu sagen: Dieser Mensch, den ich da sehe, ist ein von Gott geliebter und bejahter Mensch. Ich höre dann auch meine eigene Frage in mir: Was ist an mir schon liebenswert? Ich bin noch nicht in Hochform. Ich bin noch nicht gewaschen, nicht gestylt und nicht gepflegt. Ich habe noch nichts geleistet an diesem neuen Tag. Ich habe noch längst keinen Grund, mit mir zufrieden zu sein. Mich an mir selber zu erfreuen. „Doch dann fällt mir Psalm 8 ein, mein Lieblingspsalm: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, ..., dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt." (Ps 8,5-6) Dann wird mir bewusst: Gott liebt mich. So wie ich bin. Er hat mich mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Ich schaue in den Spiegel und erfreue mich an diesem Gedanken. Noch ungewaschen und ungepflegt. Und dann kann ich auch sagen: Ja, diesen Menschen, den ich da sehe, liebe ich auch. Ich lächle mein eigenes Gesicht an. Weil Gott Ja sagt zu mir, sage ich auch Ja zu mir und zu diesem neuen Tag: Mein Morgengebet. Man kann sich natürlich auch am Abend vor den Spiegel stellen. Denn das JA Gottes ist an keine Tageszeit gebunden.

 

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„Von einem bestimmten Alter an ist jeder Mensch für sein Gesicht verantwortlich." Ein Wort von Albert Camus. Ich denke, er meint: Kein Körperteil steht so im Mittelpunkt wie das Gesicht. Das Gesicht ist Spiegel der Seele. Es gibt etwas von meinem Leben preis. Mit der Zeit wandelt sich unser Gesicht.  Nichts anhaben konnte die Zeit dem Gesicht eines jungen Bergmanns, der kurz vor seiner Hochzeit unter Tage tödlich verunglückte. Seine Leiche wird erst Jahrzehnte später aus Schutt und Wasser ausgegraben. Das eisenhaltige Wasser hat seinen Körper durchtränkt. Seine Gesichtszüge blieben erhalten. Der Tote wird zutage gefördert, aber niemand kann sich an ihn erinnern. Seine Angehörige und Freunde sind längst verstorben. Schließlich kommt zitternd und gebeugt auf ihrem Stock eine alte Frau herbei. Sogleich erkennt sie in dem Toten ihren früheren Bräutigam. Vor mehr als 50 Jahren war er einige Tage vor der Hochzeit im Bergwerk verschüttet worden.
* Die Geschichte erinnert an einen Film, der um ein Vielfaches zu schnell läuft. Unsere Erfahrung: Die Zeit hinterlässt Spuren in unseren Gesichtern. Nur in leblosem, konserviertem Zustand kann ein Mensch sein Gesicht wahren, wie in der anrührenden Geschichte. Ein lebendiges Gesicht erzählt vom Leben, gibt Einblicke ins Leben, ist gezeichnet vom Leben. Die Spuren der Zeit im Gesicht eines Menschen sind wie ein Ausweis all dessen, was dieser Mensch erlebt hat. Dass er sich gefreut hat am Leben, das er gelitten hat in seinem Leben. Und jeder Gesichtszug, jede Falte sagt: Ich lebe. Ich bin auf dem Weg durch die Zeit.  

 

 

 

* Geschichte von Johann Peter Hebel

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...der Eingang zur Geburtskirche Jesu

Wenn ich durch Türen gehe, verändert sich etwas in mir. Das ist meine Erfahrung. So ist es ein erhebendes Gefühl, wenn ich etwa durch das große Portal des Kölner Domes schreite und das Innere der Kathedrale betrete. Das gewaltige Portal stimmt mich darauf ein, in einen besonderen Raum zu gehen, einen heiligen Raum.  Es gibt aber nicht nur die großen geschmückten Portale, durch die ich einen Kirchenraum betrete. Auf eine ganz andere Kirchentür treffen Pilgerinnen und Pilger in Palästina. Im Heiligen Land. Es ist die kleine Tür zur Geburtskirche Jesu in Betlehem. Die Tür hat nur eine Höhe von 1,20 m. Vermutlich um berittene Angreifer aufzuhalten, wurde das ursprünglich große Portal verkleinert. Die Menschen nennen diese Tür heute das „Tor der Demut“. Jeder Mensch, der diese Kirche betreten möchte, muss sich bücken, sich klein machen, sich verneigen. Jeder Staatsmann, jeder Papst, jeder Mensch. Diese unscheinbare Tür erinnert daran, dass Gott Mensch geworden ist im Kind Jesus von Nazareth. Er hat sich klein gemacht, um uns nah zu sein. Betlehem ist der Ort, an dem dies spürbar wird. Und diese Tür ist ein besonderes Zeichen dafür. Ich freue mich darauf, bald dort sein zu können. Ich werde mich dann selber bücken müssen, um in die Geburtskirche zu gelangen. Mich verneigen, an dieser Tür, die nur Kinder aufrecht durchschreiten können. Ja, wenn ich durch Türen gehe, verändert sich manches Mal etwas in mir. Denn ich muss ja wieder hinausgehen. Ich habe neue Menschen kennen gelernt, neue Lebensmöglichkeiten entdeckt, Neues erfahren und Neues gesehen. Wenn ich zurück komme aus dem Land der Bibel wünsche ich mir neue Sichtweisen. Veränderte Blickwinkel. Manche Türen werden mir wohl verschlossen bleiben. Aber viele Türen werden mir hoffentlich offen stehen. So meine Hoffnung. Ich wünsche mir neue Einblicke auf das Leben der Menschen, die dort um Frieden ringen und selber auf offene Türen und Begegnungen hoffen.

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jüdisches Neujahrsfest

Es ist schön, dass heute zwei Feste zusammen fallen: das christliche Erzengelfest und das jüdische Neujahrsfest. Eigentlich haben sie nichts miteinander zu tun. Doch ich finde diese beiden so unterschiedlichen Festtage passen gut zusammen: die Engel, die Boten Gottes in meinem Leben, und der Blick auf ein neues Jahr, dessen Beginn unsere jüdischen Geschwister heute feiern. Und die Engel sind ja auch keine Erfindung des Christentums. Sie haben ihren Ursprung in der hebräischen Bibel – im Ersten Testament – im Glauben der Israeliten. So erschien Michael den Jünglingen im Feuerofen und rettete sie. Raphael war der Wegbegleiter des jungen Tobias im Buch Tobit. Gabriel prophezeite dem Propheten Daniel den Messias und verkündete an der Nahtstelle zum Neuen Bund die frohe Botschaft an Maria. Und Juden und Christen singen und beten bis heute in den Psalmen der Bibel: „Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen“. Engel sind Boten Gottes, die uns schützen, stärken und begleiten möchten. Dieser Glaube an die Engel ist wie ein christlich-jüdisches Vermächtnis. In der wohl grausamsten Zeit der deutschen Geschichte, in der Millionen von Juden und unzählige Menschen aus der Bekennenden Kirche dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen, schrieb der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer über Engel: „Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsene heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“ Viele Menschen entdecken heute für sich die Engel neu. Das ist für mich kein naiver Glaube, der noch in den Kinderschuhen steckt. Der Glaube an die Engel ist die Hoffnung und die Zuversicht: Ich bin nicht allein. Ich bin getragen von meinem Gott, der mir seine Engel an die Seite stellt, um mich zu behüten und zu begleiten. Ich wünsche Ihnen diese Hoffnung und unseren jüdischen Geschwistern ein von Engeln behütetes neues Jahr.

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Hab Frieden, so lange du lebst! Mose hat dieses Segenswort kurz vor seinem Tod auf dem Berg Nebo gesprochen. An der Stelle im heutigen Jordanien, an dem er vermutlich beerdigt wurde, und vor seinem Tod auf das Gelobte Land herab sehen konnte. Selber durfte er es nicht mehr betreten. Hab Frieden, so lange du lebst! Wie ein Vermächtnis liegt dieser Segen über die Weite dieser Region. Manche nennen diese wechselvolle Landschaft von Palästina und Israel das „fünfte Evangelium“. Dort leben sie alle zusammen: die Menschen aus den drei großen Weltreligionen: Christen, Juden und Muslime. Es ist ein Zusammenleben voller Spannungen und auch kriegerischer Auseinandersetzungen. Alles andere als friedlich. Immer wieder hören wir davon und sehen die Bilder. Oft genug kommt es zu Zwischenfällen im Grenzbereich zwischen Palästina und Israel. Wir wissen davon. Zu viele Menschen auf beiden Seiten sind diesem Unfrieden bereits zum Opfer gefallen. Und selbst in der Grabeskirche der Christen in Jerusalem geht es nicht immer friedlich zu. Dort bezeugen Menschen unterschiedlicher Konfessionen den Tod und die Auferweckung Jesu. Weil sich die armenischen, orthodoxen und katholischen Christen unter dem einen Dach der Kirche aber nicht verstehen, verwalten zwei muslimische Familien seit Jahrhunderten den Schlüssel und die Eingänge dieser Kirche. Ein spannungsgeladenes Zusammenleben also auch unter den Christen im Heiligen Land.  Alles andere als friedlich. Hab Frieden, so lange du lebst. Die Bitte des Mose ist bis heute unerfüllt. Im Schauen vom Berg Nebo herunter in die Weite wird alles klein, die Unruhen, die Spannungen. Aber sie sind noch da. Ich freue mich darauf, bald auf dem Berg Nebo sein zu können. Die Sehnsucht nach Frieden ist groß. Wenn ich am Ende der Reise meinen Koffer packe, dann möchte ich beides im Gepäck mit nehmen: die Hoffnung auf Frieden und die Sehnsucht nach Frieden. Des Friedens, der bekanntlich im Kleinen zuhause beginnt. Ich wünsche Ihnen einen guten Abend und eine gute Nacht.

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