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Haben Sie schon die ersten Weihnachtsgeschenke gekauft? In zehn Tagen ist Ostern, werden Sie denken. Von Weihnachten noch keine Spur. Doch. Eine erste zaghafte Spur ist heute zu erkennen. Denn heute in neun Monaten feiern die meisten Christen auf der ganzen Erde Weihnachten. In vielen christlichen Kirchen wird deshalb heute das Fest der Verkündigung des Herrn gefeiert. Es bringt uns auf diese erste Spur. Die biblischen Texte erzählen heute von den Anfängen des Lebens Jesu. Von dem jungen Mädchen Maria, das in Nazareth lebte. „Der Engel des Herrn trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Fürchte dich nicht, Maria, du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: Dem sollst du den Namen Jesus geben“, so heißt es in der Bibel (Lk1,28-30) Neun Monate später, an Weihnachten wird das sichtbar, woran der Tag heute erinnert: Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. Karfreitag und Ostern verdichtet sich das, was Menschwerdung Gottes eben auch bedeutet. Dass Jesus für die Menschen gelebt hat. Dass er in seinem Leben und Sterben auch das Scheitern erfahren hat, aber auch: dass sein Leben nicht im Tod geblieben ist. Wenn Gott Mensch in Jesus geworden ist, dann geht es nicht nur um die Geburt neun Monate später. Es geht nicht nur um die „Stille Nacht, heilige Nacht“. Es geht um sein Leben. Es geht um seine Botschaft vom Leben, die er uns gegeben hat. Und vorgelebt hat. Es geht um unser Leben. Ich finde es schön, diese Spur jetzt im Frühling gelegt zu bekommen. Diese Lebens-Perspektive. In diesen Wochen, in denen das Leben in der Natur neu aufbricht und auch wir neu aufleben nach den Wintermonaten. Das JA, das Maria damals gesprochen hat, war ein JA zum Leben. Wie das Leben in der Schöpfung mit dem warmen Frühling nach den kalten Monaten neu beginnt, so beginnt mit dem neuen Leben, das Maria nun in sich trägt, bald etwas Neues. So neu, dass es noch nachwirkt bis heute. Deswegen gehören für mich auch Weihnachten und Ostern, Krippe und Kreuz, zusammen.

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Oscar Romero – heute vor 35 Jahren wurde dieser Mann im Alter von 62 Jahren bei der Feier eines Gottesdienstes am Altar hinterhältig ermordet. Oscar Romero war von 1970 an bis zu seinem Tod Bischof in El Salvador, die letzten drei Lebensjahre Erzbischof der Hauptstadt San Salvador. In dieser Zeit erkannte er immer mehr seine Aufgabe darin, den entrechteten Mitmenschen beizustehen. Ihnen eine Stimme zu verleihen. Einen Tag vor seinem Tod wandte er sich in seiner letzten Sonntagspredigt direkt an die Angehörigen der Armee, der Nationalgarde und der Polizei: „Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Wehklagen täglicher eindringlich zum Himmel steigen, flehe ich Sie an, bitte Sie inständig, ersuche ich Sie im Namen Gottes: Machen Sie der Unterdrückung ein Ende!“ Oscar Romero wurde wegen seiner klaren Worte ermordet. Doch sein Lebensanliegen konnte bis heute nicht zum Schweigen gebracht werden. Durch sein radikales Eintreten für die Armen, Entrechteten und Ausgebeuteten und seinen unbeugsamen Einsatz für Gerechtigkeit wurde er zu einer herausragenden Stimme der lateinamerikanischen Kirche. Diese Stimme ist bis heute nicht verstummt. Seine eigene Kirche machte es ihm nicht leicht. Nach einem Besuch 1979 beim damaligen Papst sagte Romero: „Ich glaube, ich werde nicht noch einmal nach Rom kommen. Der Papst versteht mich nicht.“ Heute würde er ihn wohl verstehen. Mittlerweile ist er als Märtyrer von seiner Kirche anerkannt. Im Mai wird er in San Salvador seliggesprochen. Oscar Romero zeigt uns noch nach mehr als drei Jahrzehnten, wie mutig Menschen werden können, wenn sie der Botschaft Jesu vertrauen. Mutig gegenüber seiner eigenen Kirche, die ihn lange nicht anerkannte. Mutig gegenüber den Mächtigen des Landes, denen er schon lange ein Dorn im Auge war. Mit der Erinnerung an diesen Menschen wünsche auch ich mir, dass die Armen Brot haben, die Tyrannen gestürzt werden und dass das Recht siegt. Erzbischof Oscar Romero macht mir Mut, die Hoffnung nicht zu verlieren.

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Eine Schildkröte und ein Hase nebeneinander an einer Startlinie. Ein verrücktes Bild. Darunter der Spruch: „Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu“. Dieses Wort des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horvath geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Schon am Beginn dieser Fastenzeit wurde ich darauf aufmerksam. Seitdem lässt es mich nicht mehr los. Der Verlag „Andere Zeiten“ stellt es seit einigen Jahren in die Mitte seiner Fastenaktion „7 Wochen anders leben“. Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu. Udo Lindenberg hat es in seinem Lied „Ganz anders“ vertont und fügt hinzu: „Ich bin gar nicht der Typ, den jeder in mir sieht“. Meine Ideale kenne ich. Und doch bleibe ich oft genug dahinter zurück. Ich bin nicht immer der Vorzeigeehemann, der ich eigentlich gerne wäre. Ich bin nicht immer der beste Freund, der beste Kollege. Aber, so denke ich für mich: So bin ich eben. Ich bin so, wie ich bin. Auch mit all dem, was ich nicht schaffe, auch mit meinen unerreichten Idealen und Zielen. Ich bin so, wie ich bin. Mit all dem, was mir gelingt; worüber ich mich freuen kann. Mein Leben ist ein Spagat zwischen dem, wie es ist und wie es sein könnte. Wie ich bin und wie ich sein könnte. „Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu“. Es ist wie ein Sehnsuchtswort. Wie eine Ahnung, dass es noch etwas gibt, wohin ich auf dem Weg bin mit meinem Leben. Wenn ich spüre, dass ich so selten dazu komme, anders zu sein, ist das eine Spur zum Leben. Vielleicht gelingt es mir ja heute oder in den kommenden Wochen vor Ostern einfach mal anders zu sein. Etwas zu tun, was ich immer schon mal tun wollte. Etwas zu lassen, was ich immer schon mal lassen wollte. Einfach mal anders zu sein, überraschend, vielleicht sogar verrückt anders.

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Die Christen geben ihren Gedenktagen manchmal kuriose Namen. So steht heute im Kalender der Kirchen der Gedenktag der „Enthauptung Johannes des Täufers“. Makaber und gruselig sind die Bilder, auf denen Künstler darzustellen versuchen, wie der Frau von König Herodes und deren Tochter der Kopf des Täufers auf einer Schale präsentiert wird. Johannes musste sterben, weil er unmissverständlich und auf die Gebote Gottes hingewiesen hatte. Eine königliche Familie zurechtzuweisen, das braucht gehörig Mut. Johannes ist das Einstehen für seine Überzeugungen wichtiger als mögliche Nachteile für sich selber. Mutig dieser Mensch. Mir kommt dabei heute das Wort „Zivilcourage“ in den Sinn. Johannes der Täufer hatte Zivilcourage. Er wurde dafür enthauptet. Zivilcouragiertes Handeln trägt immer Risiken in sich. Man kann nie wissen, wie sich eine kritische Situation entwickelt, wenn ich meine Meinung mit Überzeugung vertrete oder sogar aktiv eingreife. Manchmal verlässt mich hier schon der Mut. Gewalt im öffentlichen oder privaten Raum, Mobbing an Schulen und am Arbeitsplatz. All das gibt es leider genug. So gibt es genügend Gelegenheiten, die unsere Zivilcourage erfordern. Unseren Mut. Wenn ich mit offenen und kritischen Augen lebe, sehe ich, was zu tun ist. Dann sehe ich hoffentlich nicht weg, wenn in meinem Umfeld Menschen gemobbt werden oder ihnen Unrecht geschieht und Gewalt angetan wird. Ich wünsche mir dann den Mut, mich einzumischen. Zivilcourage zu zeigen, wenn Menschen gedemütigt, bedroht oder angegriffen werden. Nicht schweigen und wegschauen. Johannes der Täufer hätte es leichter haben können, wenn er seinen Mund gehalten hätte. Sein Leben wäre ihm wohl erhalten geblieben. Doch er hatte die Kraft das Unrecht beim Namen zu nennen. Ein kurioser Gedenktag, aber eine wichtige Botschaft.

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„Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem Liebe“. Ein Wort, das dem Kirchenvater Augustinus zugeschrieben wird. Der Kalender erinnert heute an diesen Menschen, der um 400 nach Christus lebte. Er war in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod Bischof von Hippo in Nordafrika. Im heutigen Algerien. Als großer Denker des christlichen Altertums hat er die Theologie und Philosophie der nachfolgenden Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag entscheidend beeinflusst. „Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem Liebe“. Ein Wort, das zum Leitbild meiner Kirche gehört und auch mir persönlich viel bedeutet. Es spricht mich an, weil es für eine offene und weite Kirche steht. Für ein offenes Christentum. Augustinus lebte nah am Ursprung des Christentums. Die Welt war noch klein. Vieles war noch unentdeckt und unerforscht. Viele Regionen der Erde waren den ersten Christen noch fremd. Die großen Spaltungen der Kirchen standen noch aus. Heute leben wir in einer vernetzten Welt. Kaum ein Fleck in  der Welt, der nicht irgendwie erforscht und bekannt ist. Jede Religion sucht ihren Platz. Das Christentum ist mittlerweile in viele Konfessionen geteilt. Hier ist dieses Wort des Augustinus wie ein Leitwort für das Miteinander der christlichen Kirchen und Gemeinden. Es ermutigt aufeinander zuzugehen. Sich im Notwendigen zu vereinen. Im Engagement für die notleidenden Menschen. Im Sinne der Bibel Not zu wenden. Gemeinsam so den Glauben an Gott zu bezeugen. Dann aber dem jeweils anderen genügend Freiraum zu geben für seine eigenen Ansichten und Meinungen. Für seine Art zu glauben und zu vertrauen. Tolerant und offen zu sein und respektvoll miteinander umzugehen. So rücken wir als Christen enger zusammen und wissen uns in der Liebe verbunden.

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Das war ein Gefühl vor gut sechs Wochen. An einem Sonntagabend. Deutschland ist Fußballweltmeister geworden. Kaum jemand, der sich dieses Endspiel entgehen ließ. Millionen Menschen blickten wochenlang nach Brasilien. Das Gastgeberland zeigte sich von seiner besten Seite. Prächtige Stadien. Gut gelaunte, feiernde Menschen. Die Probleme des Landes wurden für eine Zeit lang verdrängt. Jetzt schaut die Welt nicht mehr auf Brasilien. Die Probleme aber sind den Brasilianern geblieben. Überhöhte Steuern. Korruption. Bildungsarmut. Wachsende Elendsviertel. Wochenlang war die Weltöffentlichkeit abgelenkt von diesen Herausforderungen. Wochenlang waren die Betroffenen in diesem Fußballland Brasilien selber abgelenkt von ihren Problemen. Probleme, die nicht neu sind. Heute vor 15 Jahren verstarb Dom Hélder Camara. Ein brasilianischer Bischof. Von den Menschen in seinem Land und darüber hinaus bis heute hoch verehrt. Als „Bruder der Armen“ setzte er sich leidenschaftlich für die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in Brasilien und ganz Lateinamerika ein. Als Kämpfer für die Menschenrechte nannte man ihn das „Gewissen Brasiliens“. So trat er massiv und entschieden der damaligen Militärdiktatur entgegen. Ihm war es wichtig, dass die Kirche bei den Menschen ist, ihnen und der Welt zugewandt. Einem Priester, der sich in einem Armenviertel engagierte, sagte er: „Du hast die neue Zeit verstanden. Du weißt, dass die gute Nachricht heute mehr denn je mit Taten verkündet werden muss, ehe sie mit Worten gepredigt wird“. Eine Inspiration für alle, denen auch nach der Fußballweltmeisterschaft die Brasilianer mit ihren Problemen und Sorgen nicht egal sind. Der Todestag von Dom Hélder Camara könnte uns positiv beunruhigen. Klein von Gestalt ist und bleibt dieser Bischof einer der ganz Großen der Christenheit.

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Erinnern Sie, wann Sie das letzte Mal so richtig wütend waren? Auf einen Menschen, auf sein Verhalten. In einer Situation. Ich bin selten wütend und wenn, erinnere ich das genau. Wut bricht bei mir aus, wenn mich etwas massiv ärgert. Wenn Menschen oder ich selbst ungerecht behandelt werden. Wenn ich wütend bin, will ich etwas verändern. Ich will mich nicht damit abfinden, was geschehen ist oder geschieht. Wut gibt mir Kraft und Energie es nicht so zu belassen, wie es ist. Es beruhigt mich, wenn ich in der Bibel einen wütenden und zornigen Jesus erlebe. Er geht die Pharisäer wütend an: „Weh euch ihr Heuchler! Blinde Führer seid ihr! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von dem, was ihr in eurer Maßlosigkeit zusammengeraubt habt.“ In seiner Wut über das Verhalten der Pharisäer erkenne ich, was Jesus wesentlich und heilig ist. Seine Wut entbrennt immer dann, wenn Unrecht geschieht. Wenn sich Menschen von der Gerechtigkeit loslösen. Der liebe und gütige Jesus ereifert sich dann wütend für Gerechtigkeit und Wahrheit. Seine Liebe und seine Güte sind dabei keine Gegensätze zu seiner Wut. Ich spüre seine Energie, die wie Feuer in ihm brennt. Manchmal wünsche ich mir, dass ich öfter wütend wäre. Wenn in meiner Nähe Unrecht geschieht oder Falsches erzählt wird. Wenn Menschen lieblos miteinander umgehen. Ständige Wutanfälle oder Wutausbrüche helfen da nicht weiter. Dann werde ich zum ungenießbaren Wüterich. Doch wenn Wut angebracht ist, dann sollte ich sie nicht unterdrücken. Sie ist dann eine Energie, die etwas verändern kann. Wie eine Kraft und Leidenschaft, die mich kreativ werden lässt. Ich bewundere diesen Jesus, der diese Kraft und Leidenschaft lebt. Der wütend ist, wenn Menschen einander Unrecht tun. Der seine Wut nicht unterdrückt, weil er lieb sein will.

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Es sind noch Schulferien. Für viele Menschen eine lang ersehnte Auszeit. Eine freie Zeit. Eine Zeit, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen genießen. Einmal das tun, wozu ich sonst so selten komme. Einfach mal in den Tag hineinleben. Den Alltag vergessen. Eine solche Auszeit ist wie eine Brachzeit, die die Natur in jedem Winter erlebt. Brachliegen. Da denke ich vielleicht eher an ungenutzt, vergeudet, unproduktiv. Frühere Generationen dagegen ließen ganz bewusst ein Drittel des Ackerlandes als Brache liegen, damit sich der Boden erholen konnte. Das Wachstum kommt zum Stillstand. Die Blätter werden abgeworfen. Der Boden kann sich erholen. Äußerlich sieht man kaum was von dem, was sich innerlich verwandelt und verändert. Es lohnt sich in der Betriebsamkeit des Alltags einfach mal aufzuhören. Eine Brachzeit zu haben. Wenn wir uns eine Auszeit nehmen, wie es jetzt viele in der Ferienzeit tun, dann muss ich deswegen nicht weit wegfahren. In der eigenen Region und sogar in den eigenen vier Wänden kann ich aufhören betriebsam zu sein. Jede Auszeit kann, wie die Brachzeit in der Landwirtschaft, fruchtbar sein. Erholsam. Lebendig. Ich mache den Wert meines Lebens nicht fest an der Arbeit und meiner Produktivität. Es gibt keinen Menschen, der sich sein Recht auf Leben erarbeiten oder beweisen muss. Juden und Christen sind sich einig darin, dass dieses Ruhehalten, dieses Aufhören, heilig ist. In den ersten Kapiteln der Bibel erzählen Menschen davon, wie sie sich damals die Erschaffung der Welt durch Gott vorstellten. Die Vollendung der Schöpfung am siebten Tag geschieht durch die Ruhe des Schöpfers und seiner Geschöpfe. Eine Brachzeit, eine Auszeit, kann zu einer besonderen Zeit werden – für Schöpfer und Geschöpfe. Für Gott und Mensch.

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Das ist leichter gesagt als getan, so sage ich manchmal im Gespräch, wenn jemand locker flockig etwas vorschlägt. Wenn ich eher skeptisch bin. Das ist leicht gesagt – fast schon eine Redewendung. Seit einigen Jahren gibt es offiziell die „Leichte Sprache“. Sie ist entstanden aus einer Selbsthilfebewegung von Menschen mit geistiger Behinderung. Seit der UN-Menschenrechtskonvention von 2008 gehört sie mit zu deren „Recht auf Verstehen“. Leicht zu sprechen ist nicht so leicht. Leichte Sprache ist nicht kinderleicht, sie ist keine Kindersprache. Leichte Sprache ist auch nicht unbedingt verständlicher, es geht ihr nicht um das totale Verstehen. Es bleibt vieles offen. Anderes bleibt fragwürdig. Die Lebenshilfe Bremen hat passend zum diesjährigen Osterfest die Ostergeschichte in Leichter Sprache herausgegeben. Denn auch in der Verkündigung hilft diese Sprache. Ich höre manche biblischen Geschichten neu und die alten Botschaften kommen unbehindert bei mir an. Hier eine Kostprobe aus dem Osterevangelium: Es ist ganz früh am Sonntag. Die Frauen gehen zum Grab von Jesus. Da sehen sie: Die Höhle ist offen. Die Frauen gehen in die Höhle. Da sehen sie: Das Grab ist leer. Da kommen zwei Engel. Sie sagen zu den Frauen: Jesus ist wieder bei den Menschen. Er lebt. Es ist eine Freude so die alte Geschichte von Ostern neu zu lesen und zu verkünden. Die einfachen und kurzen Sätze der leichten Sprache schaffen einen Raum für eigene Bilder und Gedanken. Ich kann diesen Raum mit meinen eigenen Erfahrungen und auch Fähigkeiten füllen. Im Hören können mein Glaube und auch meine Phantasie mitgehen und so die leeren Stellen füllen. Jesus ist wieder bei den Menschen. Er lebt. So ein Wort in leichter Sprache gibt mir Kraft für meinen Lebensweg. Ich nehme diese Botschaft einfach mit hinein in mein Leben.

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Unser Enkelkind Leni macht uns allen viel Freude. Diesen wenige Monate alten kleinen Säugling zu erleben, wie er von Tag zu Tag die Welt erobert, das ist einfach faszinierend. Wie sie jetzt schon mit so wachen Augen in die Umgebung schaut und uns wahrnimmt. Wenn ich sie so ansehe frage ich mich manchmal: In welche Welt hinein wurde dieses Kind geboren? Wie sieht diese Welt aus, wenn Leni 20 Jahre alt ist und ich, so Gott will, gut 70? Wie sieht die Welt aus, wenn Leni selber Mutter wird und ihre eigenen Kinder in diese Welt einführt? Niemand vermag dies vorherzusagen. Aber ich weiß, was ich diesem kleinen Kind wünsche. Dass es in einer Welt aufwachsen wird, die sich immer mehr dem Frieden zuwendet. Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen und alle Geschöpfe durchzieht die ganze Geschichte. Und doch ist es so schwierig mit dem Frieden – im Großen wie im Kleinen. Der Friede sei mit euch, so grüßt der auferweckte Jesus seine Jünger als nach seinem Tod zu ihnen kommt. Der Friede sei mit euch! Eine österliche Zusage. Der Friede sei mit dir. Das wünsche ich der kleinen Leni und das wünsche ich allen Kindern auf dieser Erde. Wenn in der Bibel von Frieden die Rede ist, dann ist meist Shalom gemeint. Shalom ist ganzheitlich zu verstehen und meint auch Wohlergehen, Sicherheit und Ruhe. Auch das wünsche ich unserer kleinen Leni und allen Kindern. Wenn hebräisch sprechende Menschen sich begrüßen, dann sagen sie oft: Was ist dein Shalom? Es ist eine Frage nach dem Wohlbefinden und zugleich der Wunsch für ein erfülltes Leben. Alles das fällt nicht einfach vom Himmel. Der Friede sei mit euch. Das ist auch ein Auftrag, eine österliche Herausforderung. Mein Leben, das Leben jedes Menschen, auch das Leben der kleinen Leni, soll mit dazu beitragen, dass die Welt anders wird. Friedvoller. Ich möchte der kleinen Leni dabei helfen, Frieden zu finden und Frieden zu geben.

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