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Vor einigen Wochen war ich im Krankenhaus, nichts wirklich Ernstes, ich wurde schnell wieder entlassen. Aber ich habe gestaunt: da arbeiten Menschen aus fast hundert Nationen zusammen. Um nur einige zu nennen: Der Chefarzt hatte einen syrischen Migrationshintergrund, meine Operateurin stammte aus Griechenland, die Anästhesieschwester aus dem Baltikum, der Stationspfleger kam aus Wiesbaden – das gilt in Mainz ja auch immer irgendwie als Ausland.
Sie alle haben sich sozusagen miteinander verbunden, um Menschen zu helfen. Ich kann nur ahnen, wie kompliziert es ist, ein Krankenhaus zu organisieren. Was da alles bedacht werden muss. Wie viele Abläufe das sind! Das geht nur Hand in Hand: wenn jede und jeder tut, was getan werden muss und was ihre oder seine Aufgabe ist. Die gemeinsame Aufgabe steht über allem, ihr muss alles andere dienen.
Ich habe mich bei dieser bunten Vielfalt von Menschen in den allerbesten Händen gefühlt. Und habe bei mir gedacht: Wie wunderbar das hier im Krankenhaus klappt: Da arbeiten die verschiedensten Menschen miteinander unter einem Dach. Es tut gut zu wissen, dass das funktioniert. Und ich würde mir wünschen, dass das überall so reibungslos und selbstverständlich geht.
Für mich war der Klinikaufenthalt wie ein kleines Pfingstwunder. Beim ersten Pfingstfest vor fast zweitausend Jahren, erzählt die Bibel, da waren Leute aus den unterschiedlichsten Gegenden dabei: Phrygien, Pamphylien, Libyen und sogar aus Rom. Das Wunderbare damals: Plötzlich haben diese verschiedenen Menschen sich verstanden. Da ging es nicht nur ums Hören – sie haben entdeckt, dass sie zusammengehören. Das war eine geistliche, eine göttliche Erfahrung. Denn es war Gottes Geist, der den Menschen Augen, Ohren und Herzen geöffnet hat.
Ich wünsche mir das für unser Zusammenleben. So, wie ich es im Krankenhaus erleben durfte: Denn dort ist sozusagen ständig Pfingsten.
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Bürgermeister Ludwig Krafft und Baumeister Heinrich Parler haben es gewagt: Sie haben vor 649 Jahren den Grundstein für das Ulmer Münster gelegt. Und dabei wurde auch gleich an die Zukunft gedacht: Zwar hatte die Stadt Ulm damals nur 10.000 Einwohner. Aber die neue Kirche sollte Stehplätze für doppelt so viele Menschen bieten – damals stand man ja in der Kirche und saß noch nicht wie heute. Der Bau ging in den darauffolgenden Jahren mühsam voran, einmal drohte alles einzustürzen und musste gestützt und umgebaut werden. Man sparte Ressourcen und verwendete Ziegelsteine. Auf diese Art und Weise bauten die Ulmer volle 166 Jahre weiter. Aber dann war der gotische Baustil der Kirche aus der Mode gekommen und Geld fürs Weiterbauen war schlichtweg auch keines mehr da. Ganz klar, was in so einer Situation geschehen muss: Baustopp. Wirklich tragisch war das nicht: Gott loben kann man schließlich auch in einer Kirche, die noch nicht fertig ist. Hauptsache, man hat ein Dach über dem Kopf.
So blieb das Ulmer Münster drei Jahrhundertelang unvollendet, bis man sich dann doch zum Weiterbauen entschloss. Das dauerte noch einmal 46 Jahre, bis die Kirche so aussah wie heute.
Selbstverständlich muss man auch heute noch jedes Jahr viel Geld in die Hand nehmen, um die Kirche zu unterhalten. Das Münster ist und bleibt eine Dauerbaustelle. Irgendetwas geht immer kaputt und muss repariert werden. Aber die reine Bauzeit von der Grundsteinlegung bis zur fertigen Turmspitze kann sich sehen lassen: über fünfhundert Jahre. Das nenne ich einen langen Atem.
Bürgermeister Krafft und Baumeister Parler war völlig klar, dass sie die Vollendung des Baus nicht erleben würden. Es war ein Projekt für viele Generationen, für das sie den Grundstein gelegt haben. Und es wäre Größenwahn gewesen zu glauben, dass Anfang und Ende in den gleichen Händen liegen. Sooft ich in Ulm, um Ulm und um Ulm herum bin: ich freue mich, dass die Menschen damals für eine Sache mutig genug waren: Sie haben einfach angefangen.
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„Peter und Paul, die schlagen sich auf’s Maul.“ Auf diese kurze Formel bringt ein Sprichwort die Beziehung von zwei Männern. Die beiden sind bekannter unter ihren biblischen Namen: Petrus und Paulus. Beide sind sehr wichtig, beide sind zentrale Figuren der ersten christlichen Gemeinden. Allerdings sind die beiden des Öfteren nicht einer Meinung, das heißt: besonders grün sind sie sich nicht gewesen. Da ist Petrus. Als Jesus verhaftet worden ist, da war Petrus schwach und feige und hat gleich drei Mal behauptet: „Jesus kenne ich nicht!“ Aber gerade er hat dann später die Kraft gehabt, die Jüngerinnen und Jünger zusammenzuhalten.
Und da ist Paulus. Zuerst hat er mit großer Überzeugung die Christen verfolgt, aber dann wurde er selber überzeugter Christ und hat rund ums Mittelmeer Gemeinden gegründet. Beide Männer haben also heftige Brüche in ihrem Lebenslauf. Richtig gekracht hat es zwischen den beiden, als es darum ging, welche Regeln für die Zubereitung von Speisen gelten sollen und welche nicht. Das war wichtig für die Frage, wer sich mit wem an einen Tisch setzen darf.
Und trotzdem feiern die Kirchen die beiden gemeinsam. Heute, am 29. Juni ist ihr Feiertag: Peter und Paul. Ein gemeinsamer Feiertag für zwei Menschen, die sich im Leben nicht immer grün waren. Das gefällt mir. Denn es zeigt: Man muss nicht in allem einer Meinung sein, um zusammenzugehören.
Wenn es nach mir geht, können sie sich gerne weiter streiten. Solange sie darauf verzichten, sich aufs Maul zu hauen! Aber grundsätzlich müssen sie ja beide sagen können, was sie denken. Es muss doch möglich sein, über den richtigen Weg zu streiten. Selbst wenn es keine Einigung gibt und man am Schluss zu dem Ergebnis kommt, dass man auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel kommen kann. Denn vor allem anderen sind Petrus und Paulus ja doch Brüder und Geschwister – Kinder Gottes.
Mein Merksprüchlein dafür: Lieber Paul und lieber Peter, hört doch auf mit dem Gezeter! Streitet gern mit Leidenschaft, vergesst nicht die Geschwisterschaft!
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Der britische Informatiker William Tunstall-Pedoe hat vor einigen Jahren in Cambridge ein Computerprogramm mit sage und schreibe 300 Millionen Daten gefüttert. Offensichtlich war ihm gerade langweilig. Und so wollte er wissen, welcher Tag der langweiligste Tag im gesamten 20. Jahrhundert gewesen ist. Das Ergebnis: Es war ein 11. April, und zwar im Jahr 1954. An diesem Tag hat sich, so scheint es, nicht wirklich etwas Berichtenswertes oder für die Menschheit Relevantes zugetragen. Zumindest, wenn man große Maßstäbe anlegt wie eben insgesamt 300 Millionen weltgeschichtliche Ereignisse, Geburten oder Todesfälle von berühmten Persönlichkeiten, eine spektakuläre Erfindung oder Uraufführung oder sportliche Höchstleistungen und so weiter. All die Daten, mit denen William Tunstall-Pedoe das Computerprogramm gefüttert hat.
Die Bibel sieht das anders als William Tunstall Pedoe. Sie konzentriert sich nicht auf Berühmtheiten. Jede und jeder einzelne bekommt hier immer wieder gesagt: Gott sieht dich. Und Gott findet es ganz und gar nicht langweilig, dich zu begleiten. Wenn du dich dann einmal langweilen solltest – dann langweilt sich Gott halt mit, so geht Liebe. Ob dir dann mit Gott zusammen immer noch langweilig ist, das könnt ihr ja anschließend miteinander herausfinden.
Was Krieg, Verbrechen und Katastrophen angeht, darf es ruhig mehr langweilige Tage geben. Das ist mir schon seit langem nicht langweilig genug. Ansonsten aber ist das mit der Langeweile so eine Sache:
Eines der wenigem vom Computerprogramm errechneten wenigstens halbwegs erwähnenswerten Ereignissen am 11. April 1954 ist die Geburt der türkischen Wissenschaftlers Abdullah Attalar von der Universität Ankara. Als der tatsächlich gefragt wird, wie es ist, am langweiligsten Tag des ganzen Jahrhunderts auf die Welt gekommen zu sein, da ruft er seine Mutter an. Die muss lachen. Denn für Attalars Mutter war es überhaupt kein langweiliger Tag. Sondern ein weltbewegender: Sie hat ihr erstes Kind auf die Welt gebracht.
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Es gibt für mich keinen hartnäckigeren Menschen als Abraham. Dem erzählt Gott in der Bibel, was er mit Sodom und Gomorrha vorhat: nämlich vernichten. Diese beiden Städte sind in der Bibel legendär für ihre Verbrechen – also kein Verlust, wenn sie von der Landkarte verschwinden.
Abraham sieht das anders. Kein Ort ist nur schlecht. Überall tun Menschen Gutes. Überall gibt es Gerechte. Also beginnt Abrahm mit Gott zu feilschen. Wenn es um Menschenleben geht, kennt Abraham keine Scheu. Auch nicht vor Gott und dessen Plänen. Abraham argumentiert und bittet, und er packt Gott bei seiner Ehre:
Gott, Du bist der Richter aller Welt. Du bist gerecht. Du kannst doch unmöglich die Guten mit den Bösen in einen Topf werfen. Im Gegenteil: Sollte nicht die Stadt wegen der Guten bestehen bleiben? Es könnten doch, sagen wir mal, fünfzig Gerechte dort leben.
Gott verspricht ihm: In dem Fall wird die ganze Stadt verschont.
Ein schöner Erfolg für Abraham. Aber er ist noch nicht zufrieden. Für Abraham war das erst der Einstieg in die Verhandlungen mit Gott. Denn es könnte ja sein, dass es fünf weniger sind, also fünfundvierzig. Diese fünf können doch unmöglich den Unterschied machen.
Das muss Gott natürlich einsehen. Und nachdem das Gespräch zwischen Gott und Abraham einmal diese Wendung genommen hat, sind für Gott dann auch konsequenterweise nur vierzig okay. Gilt das auch für dreißig? Ja, das gilt auch für dreißig. – Der traut sich was, der Abraham! Und Abraham bleibt hartnäckig: Was ist mit zwanzig? Ob Gott das Gespräch noch geheuer ist? Aber was soll er jetzt noch sagen, also: Dreißig waren in Ordnung, also sind es auch zwanzig.
Allmählich kommen wir den einstelligen Zahlen gefährlich nahe: Und wenn es nur zehn wären? Auch zehn Gerechte werden von Gott akzeptiert, bevor er das Gespräch beendet; wer weiß, was Abraham sonst zu guter Letzt noch ausgehandelt hätte.
Ich finde Abraham einfach unglaublich. Auch Gott, der mit sich reden lässt, ist nicht schlecht. Aber Abraham: der tritt ein für Gerechtigkeit, statt Vernichtung und Untergang das Wort zu reden. Die Botschaft ist klar: Trau dich was, setz dich ein für Gerechtigkeit, und bleib dran!
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„Für mich ist dies das Ende, aber auch der Beginn.“ Das waren die letzten Worte von Dietrich Bonhoeffer, Pfarrer und Widerstandskämpfer. Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hatte er sich immer wieder gegen deren Herrschaft ausgesprochen. Er litt darunter, wie die Nazis die Ängste seiner Landsleute ausnutzten und sie zum Hass aufstacheln konnten. Wenige Wochen vor der deutschen Kapitulation 1945 wurde Bonhoeffer noch ermordet. Als Gegner der Diktatur sollte er nicht überleben und musste auf Befehl Hitlers sterben. 39 Jahre wurde er alt.
„Für mich ist dies das Ende, aber auch der Beginn.“ Gerade erst haben wir Ostern gefeiert. Für Bonhoeffer war die Osterbotschaft die wichtigste Botschaft von allen: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Der Tod hat bei Gott keine Chance und alle Todbringenden auch nicht. Und allen, die gestorben sind, schenkt Gott einen neuen Anfang und ein neues Leben.
Dietrich Bonhoeffer hat dabei nicht nur an das Jenseits, nicht nur an sich selbst im Himmel gedacht. Er war voller Hoffnung, dass es auch für die Menschen auf der Erde einen neuen Anfang geben kann. Einem Freund in England ließ er kurz vor seiner Ermordung ausrichten, woran er glaubt: „eine universelle christliche Brüderlichkeit, die über nationale Interessen hinausgeht“. Er war überzeugt, dass die Nächstenliebe den Menschen den richtigen Weg zeigen kann.
Wir leben heute immer noch in einer Welt des Krieges. Angesichts all der Todbringer unserer Gegenwart sind unser Vertrauen und unser Mut gefragt – und unser Einsatz dafür, dass alle Menschen weltweit als Geschwister zusammenleben können. Gott selbst steht den Menschen dabei zur Seite. Dietrich Bonhoeffer hat für Gottes Begleitung schöne und gute Worte gefunden. In seiner Gefängniszelle hat er vor seiner Ermordung seine berühmtesten Zeilen gedichtet:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jeden neuen Tag.“ – Ostern, das Fest für das Leben, liegt hinter uns, aber die Zeit für das Leben beginnt gerade erst.
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Vögel zu beobachten ist gerade stark im Kommen/liegt gerade voll im Trend In England, wo viele einen „Spleen“ haben, ist das keine Überraschung. Aber auch hier bei uns in Deutschland greifen immer mehr Menschen zum Fernglas, beobachten Vögel und lauschen ihrem Gesang. Schon frühmorgens ziehen sie hinaus, bei Wind und Wetter. Und notieren ihre Beobachtungen möglichst präzise.
Das dient zum einen oft der Bestandsaufnahme: Wie viele Vögel leben hier, welche Arten sind vertreten. Aber gleichzeitig hat das Beobachten auch Auswirkungen auf den Vogelfreund. Denn nun ist in mehreren Studien wissenschaftlich untersucht und bewiesen: Das Beobachten von Vögeln, das sogenannte „Birding“, macht Menschen glücklich. Es schärft die Beobachtungsgabe: Manchmal muss man schon genau hinschauen, um Unterschiede zu entdecken, damit sich ein Vogel bestimmen lässt. Und man braucht dabei einiges an Ausdauer: Hektik verwandelt sich in Ruhe, Ungeduld in die Fähigkeit zu warten. Die Hirnströme von Vogelbeobachtern, so genannten „Birdern“, zeigen diese positive Entwicklung ganz deutlich.
Einer der ersten Birder war tatsächlich schon vor zweitausend Jahren unterwegs: Jesus hat den Himmel und die Vögel unter dem Himmel genau betrachtet. Das Ergebnis seiner Beobachtungen hat er so zusammengefasst:
„Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch!“
Ich stelle mir den Vogelbeobachter Jesus als einen glücklichen Menschen vor. Denn er hat Vögel gründlich beobachtet und ihnen dabei zugesehen, was sie den lieben langen Tag so machen. Natürlich machen die Vögel etwas, sie suchen ihre Nahrung, und das Tag für Tag. Sie tun es mit dem täglichen Segen Gottes.
Für mich ist das, was Jesus hier sagt, einer seiner schönsten und wichtigsten Sätze. Denn er gibt mir die Zuversicht, dass diese Erde und alle Geschöpfe darauf und wir Menschen mittendrin eine Zukunft haben – der himmlische Vater ernährt die Vögel und wird auch uns nicht vergessen. Sein Segen gilt auch uns.
Also ab nach draußen: Und das Fernglas nicht vergessen! Seht die Vögel unter dem Himmel und werft dabei einen Blick auf Gottes Segen. Das ist gut für die Nerven und macht glücklich.
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Wir alle sind aus Sternenstaub. Ja, wir Menschen stammen tatsächlich von Sternen ab. Manchmal passen Poesie und Wissenschaft doch zusammen. Und auch bei Wissenschaft kann einem schon einmal ganz poetisch zumute werden. Denn, liebe Sternenstaublerinnen und Sternenstaubler, wir bestehen zum allergrößten Teil aus Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff. Diese Elemente stammen aber wiederum aus längst erloschenen Sternen. Und als diese Sterne einstens explodiert sind, wurden zwar nicht wir, aber doch diese Elemente, unsere Ausgangsprodukte, als Staub ins Universum hinausgeschleudert – und landeten dann auch auf dem Klumpen, der einmal unsere Erde werden sollte. Auf der Erde wurden dann, ganz, ganz langsam und allmählich, zunächst viele andere Lebensformen und schließlich wir aus diesen Elementen zusammengebaut. Ich finde es sehr beachtlich, dass aus solchen elementaren Bausteinen im Laufe von Milliarden von Jahren das menschliche Leben entstanden ist. Wenn ich mir allein schon die großen Lieferwege und die lange Lieferkette anschaue!
Einer, der das Universum mit allem Drum und Dran, diesen Sternenstaub und damit letztlich sich selbst erforscht, ist Richard D’Souza. Er ist Priester und Astronom und der Direktor der päpstlichen Sternwarte. Für ihn gehören die Sehnsucht nach dem Jenseits und die Wissenschaft untrennbar zusammen. Und er findet, dass genau diese Sehnsucht die Menschen weltweit verbindet: Die Menschen in Indien, woher er kommt, mit denen in Europa, Amerika, Afrika, überall auf der Erde. Richard D’Souza erinnert daran, dass wir neugierigen Menschen von Anfang an ergründen wollten, was es mit unserer Herkunft auf sich hat. Schon die Bibel hat sich einen Reim darauf gemacht:
Am Anfang ist die Erde nichts als wüst und leer, tohowabohu. Dann: Es werde Licht. Dann Pflanzen und Tiere. Dann, als Teil davon, der Mensch. Was für ein Weg! Was für ein Wunder! Wie großartig, was aus Staub alles werden kann! Wie wunderbar, dass wir Sternenstaubler heute die Sterne betrachten.
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Vor über zweihundert Jahren haben heute, also vier Tage vor Weihnachten, die Brüder Grimm ihre berühmte Märchensammlung veröffentlicht. Eins davon ist ein echtes Adventsmärchen und es geht so: Ein Junge muss im Winter Holz aus dem Wald holen. Es hat geschneit, es ist kalt, also räumt er den Schnee weg und will Feuer machen. Da findet er einen kleinen goldenen Schlüssel. Er denkt sich: Kein Schlüssel ohne Kästchen – und tatsächlich findet er auch ein Kästchen. Der Schlüssel passt ins Schloss, er schließt auf… Und jetzt müssen wir nur noch warten, bis er den Deckel öffnet, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen sind.
Das ist ein ungewöhnliches, sehr offenes Ende für ein Märchen. Alle, die nicht warten können, bekommen eine lange Nase gedreht. Kurzweilig erzählt, aber zugleich ist da der sehr offensichtliche pädagogische Zeigefinger kurz vor Weihnachten: Lerne warten! Noch ist es nicht soweit.
In dem kurzen Märchen steckt noch eine zweite Botschaft. Die heißt: Mitten in deinem Leben kann Dir etwas Wunderbares begegnen.
Holz holen und Feuer machen, das waren damals ganz alltägliche Arbeiten. So wie heute einkaufen gehen und Essen kochen. Wenn du deine Augen offenhältst, dann findest du vielleicht den Schlüssel zu etwas Besonderem mitten in deinem Alltag. Was genau das sein wird – wer kann das vorher wissen? Und am Ende kommt es gar nicht darauf an, was für wunderbare Dinge genau sich dir auftun. Ja, das Ende kann man sogar einfach weglassen. Denn wenn du mit offenen Augen und Sinnen durchs Leben gehst, dann sind Schlüssel und Kästchen schon Grund genug zum Staunen.
Bereite dich also ruhig auf das große Fest vor und übe dich in Geduld! Aber vergiss beim Warten und Vorbereiten nicht den 20. Dezember, diesen einen Tag heute – wer weiß, was dir gerade heute vor die Füße rollt und was dir Wunderbares begegnet.
Den Deckel öffnen kannst du auch noch später.
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Fünf Tage vor Weihnachten hat der englische Schriftsteller Charles Dickens damals seine berühmte Weihnachtsgeschichte veröffentlicht.
Er erzählt uns von Ebenezer Scrooge. Der ist seines Zeichens ein Geizhals und Menschenfeind. Für Ebenezer ist der Gedanke, Mitmenschen etwas Gutes zu tun, völlig verrückt und abwegig: „Humbug“ nennt er das Ganze. Das ist tatsächlich ein englisches Wort für absolut schwachsinnigen und unglaubwürdigen Blödsinn. Spenden? Etwas für andere tun? Am Ende etwa sogar noch miteinander Weihnachten feiern? Dafür hat Scrooge nur Hohn und Spott übrig. Wer sich nicht selbst versorgen kann - ab ins Gefängnis oder ins Arbeitslager mit ihm.
Es braucht tatsächlich sage und schreibe drei Weihnachtsgeister, damit Scrooge seine Mitmenschen und die soziale Wirklichkeit in seiner Stadt wahrnehmen kann. Eigentlich hätte Ebenezer auch von selbst darauf kommen können. Denn Charles Dickens hat ihm ganz bewusst einen seltsamen Namen aus der Bibel gegeben. Ebenezer ist hebräisch und heißt übersetzt: Stein der Hilfe. Gemeint ist damit: Die Hilfe ist fest und unerschütterlich.
Die drei Geister haben ganz schön damit zu tun, Ebenezer die Augen und das Herz zu öffnen. Denn darauf kommt es an, von Herzen zu helfen. Dann ist man nämlich selbst ganz dabei und gibt ein Stück von sich selbst. Es ist ein hartes Stück Arbeit, bis Scrooge etwas von seinem Reichtum spendet und außerdem noch das mangelernährte Kind seines Angestellten rettet. Und was vielleicht genauso wichtig ist und Scrooge wahrscheinlich noch viel mehr Überwindung gekostet hat: Jahrelang war sich immer selbst genug. Jetzt lässt er sich doch tatsächlich von seinem Neffen einladen. Diese Übung ist mindestens genauso schwer: Er kann nun nicht nur Gutes tun. Er kann es endlich auch zulassen, dass ihm jemand etwas Gutes tut.
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