Manuskripte

SWR4 Sonntagsgedanken

Teil 1 – Management-Tipps aus dem sechsten Jahrhundert

Was macht einen guten Chef aus? Wer einen hat, kann sich glücklich schätzen. Wer selbst einer ist, umso besser. Wer einer werden will, kann das in Seminaren lernen. Versprechen zumindest die Anbieter solcher Seminare. Aber was macht nun einen guten Chef aus? Reicht es schon, wenn er einfach der Gehaltserhöhung zustimmt? Nunja, das wäre wohl zu wenig. Ein Job ist ja nicht nur Geldverdienen. Auf der Arbeit verbringe ich die meiste Zeit der Woche. Mit Kolleginnen und Kollegen, mit dem Chef. Da geht es nicht nur ums Geld. Auch auf das Miteinander kommt es an. Und auf Abläufe. Ich hatte bisher meist Glück mit meinen Chefs. So unterschiedlich sie waren. Am liebsten waren mir Chefs, die klare Aufträge gegeben haben. Bei denen ich wusste, wo ich dran bin, auch wenn ich nicht immer einverstanden war. Anderen ist es vielleicht lieber, wenn sie möglichst viele Freiräume haben. Möglichst viel selbst entscheiden können. Aber ein Chef, der es gut meint mit der Firma im Ganzen und mit den unterschiedlichen Mitarbeitern, der das Ohr bei den Mitarbeitern und die Gedanken beim nächsten Ziel hat, der kann gern auch klare Ansagen machen. Hilft oft und gibt Orientierung. Das ist schon lange bekannt. Eine weit über tausend Jahre alte „Stellenbeschreibung“ für einen guten Chef stammt aus dem Kloster. Der heilige Benedikt hat sie für seinen Orden im sechsten Jahrhundert aufgeschrieben. Die Tipps von ihm sind heute in Managerseminaren wieder voll im Trend. Der Chef des Klosters, der Abt, soll nach der Benediktsregel durchaus streng sein. Da gibt es sogar ziemlich harte Strafen für die, die den Anweisungen nicht folgen. Aber Benedikt hat in seiner Ordensregel auch klar beschrieben, was für den Chef selbst gilt: Er soll mehr durch sein Tun als durch sein Reden auffallen. Er soll auch auf den Rat von denen hören, die jünger und nicht so routiniert sind, denn sie haben vielleicht gute neue Ideen. Wenn er das berücksichtigt, soll der Chef frei entscheiden – und alle müssen sich daran halten. Ohne Widerrede. Ein guter Chef muss also zuhören können und dann  ebenso klar sein in dem, was er anordnet. Er muss das Gute für alle suchen. Ein Spagat und sicher nicht einfach. Man könnte das „dienen von oben nach unten“ nennen, so komisch das klingt. Aber es funktioniert: „Dienen von oben nach unten“. Kirchliche Tipps fürs Arbeitsleben, jahrhundertealt – und doch heute wieder irgendwie innovativ.

Teil 2 – Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes

Der heilige Benedikt hat in seiner Ordensregel im sechsten Jahrhundert das „Dienen von oben nach unten“ beschrieben: Der Klostervorsteher muss zuhören können und Bodenhaftung haben. Dann aber auch klare Ansagen machen, an die sich alle halten müssen. Nicht einfach jeden machen lassen, wie er will. Das wäre orientierungslos. Oder, wie es heute Morgen in den katholischen Gottesdiensten in einer Geschichte aus der Bibel heißt: „Sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Wer sich orientieren will, braucht Leitung, Führung und Führungs-Kraft – im wahrsten Sinn des Wortes. Wie ein guter Hirte für die Schafe. Das macht eine gute Führungskraft aus: Das Gute für alle im Blick haben und verlässliche Ansagen machen. In der Kirche von heute wünschen sich manche, die besonders streng sind, klarere Ansagen – etwa vom Papst. Manche werfen ihm gar Führungsschwäche vor. Andere kritisieren dagegen, wenn der Papst etwas sagt, was ihnen nicht passt. Ist der Papst denn ein schlechter Chef? Die Antwort gibt – so finde ich – ein Kinofilm, der gerade läuft: „Papst Franziskus, ein Mann seines Wortes“, heißt er. Hauptdarsteller ist der Papst selbst. Es ist ein Dokumentarfilm. Der Regisseur Wim Wenders hat den Papst in seinem Alltag beobachtet, seine Auftritte, seine Begegnungen mit Menschen etwa im Krankenhaus und im Gefängnis, in großen Audienzen und in persönlichen Momenten. Und er hat ihn interviewt und befragt dazu, was ihm wichtig ist und wie er die Welt sieht.  Barmherzigkeit. Glaube als zärtliche Begegnung mit Gott. Menschen an den Rändern und im Abseits in den Blick zu nehmen. Darüber nachzudenken, was das, was wir hier tun und lassen, mit den globalen Fragen von Umwelt, Gerechtigkeit und Frieden zu tun hat. Das und noch viel mehr zeigt der Film in eindrucksvollen und bewegenden Bildern. Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes. Das Wort – und die Macht der Bilder, das ist seine Führungskraft. Seine Stärke. Das wirkt sich auch auf die Mitarbeiter aus. Das, was ihn für mich zu einem guten Chef macht: Er hat das Ohr bei den Menschen. Und er sagt, was er denkt und will. Nicht als Basta-Befehl, sondern so, dass doch auch jeder noch genügend Freiheit zum Selber-Entscheiden hat. Ich glaube, der Titel des Kinofilms meint dazu noch ein anderes Wortspiel: Papst Franziskus – ein Mann „Seines“ Wortes: Gottes Wortes also. In dem, was er sagt und tut, greift der Papst das auf, was Menschen heute bewegt. Der Papst beeindruckt damit auch Menschen, die gar nicht zur Kirche gehören. Auch für sie ist sein Wort glaubwürdig. Und so ist er, finde ich, Vorbild für Chefs – und Mitarbeiter auch heute. Als guter Hirte, als Chef der Kirche und als Führungskraft, die Orientierung gibt. Auf ein Wort: Dieser Papst zeigt Führung mit Kraft. Das ist ganz großes Kino!

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