Manuskripte

SWR3 Gedanken

Ein Blick auf meinen aktuellen Status verrät mir: Es geht mir schlecht. Ganz schlecht. Obwohl ich mich hervorragend fühle. Und siehe da, einmal kurz die Fitness-App neu gestartet und schon findet auch sie, dass es mir prima geht.

Ich habe mir vor kurzem ein kleines Gerät zugelegt, das mir Aufschluss über meine Gesundheit geben soll. Es misst durchgehend Puls, Herzschlag und Blutdruck. Zählt meine Schritte und piept penetrant, wenn ich mich an einem Tag zu wenig bewegt habe. Zudem sagt mir eine App auf meinem Handy, wie ich mich gesund ernähren kann. Einfach so verhalten, wie es die Geräte vorschlagen, dann geht`s mir super. Dachte ich.

Ich fühle mich allgemein sehr gesund und fit. Und mit diesen kleinen Geräten wollte ich herausfinden, ob mein Bauchgefühl auch stimmt. Leider sind mein Bauchgefühl und die Gerätchen manchmal ganz unterschiedlicher Ansicht. Kürzlich hat eines abends mit einem penetranten Piepen behauptet, ich hätte den ganzen Tag über nur 20 Schritte gemacht und sei quasi klinisch tot. Ja, kein Wunder, wenn ich es auf dem Waschbecken vergessen habe.

Woher soll denn ein kleines Gerät wissen, ob mein Herz rast, weil ich kurz vor einem Infarkt stehe oder weil ich vielleicht verliebt bin?

Irgendwann hatte ich das Gefühl, ständig überwacht zu werden, gestresst und fremdgesteuert zu sein. Und es war ja auch so. Ich hatte mir von einem kleinen Gerät vorschreiben lassen, wie ich mich fühle. Aber wenn ich ein bisschen auf meinen Körper und mein Bauchgefühl höre, dann weiß ich doch selbst, wie es mir geht. Der menschliche Körper ist ein wahres Wunderwerk der Schöpfung. Unfassbar, wie hervorragend alles ineinander greift und ganz natürlich funktioniert. Und wenn mal etwas nicht stimmt, dann hat mein Körper die Möglichkeit, Signale auszusenden. Schmerz. Unwohlsein oder ein intuitives Bauchgefühl. Und das kann eigentlich jeder Mensch wahrnehmen. Wenn es mir wirklich schlecht geht, gehe ich einfach zum Arzt. Der kann dann überprüfen, ob mein Bauchgefühl stimmt oder nicht. Das Gerät allerdings liegt jetzt in der Schublade, die Fitness-App ist gelöscht. Und es geht es mir ausgezeichnet.

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Der Gedanke, den ich gleich ausspreche ist schon ganz gut. Aber noch nicht perfekt. Nicht perfekt heißt: Noch nicht fertig. Nicht ausgereift. Noch nicht. Und genau darum geht es.

Ich habe das Gefühl, ein ewiges „noch nicht“ begleitet mich durchs Leben.

Ich bin glücklich, aber noch nicht  immer.  Ich bin gut in meinem Job, aber noch nicht ganz. Dieses ewige noch nicht nervt ganz schön. Allein die Vorstellung davon wie der perfekte Zustand aussehen müsste, macht mir immer wieder bewusst, dass ich von dieser Perfektion eben immer noch einen Schritt entfernt bin. Ein ewiges „schon, aber noch nicht“. Andererseits bringt mich genau diese Vorstellung dazu, immer weiter an mir zu arbeiten. Mich und mein Leben immer weiter perfektionieren zu wollen. Und das empfinde ich als etwas Gutes.

Erstaunlicherweise ist dieses schon, aber noch nicht ein Bild, das auch Jesus verwendet hat,  wenn er den Menschen erklären wollte, wie das Reich Gottes ist. Immer wieder hat er den Menschen gesagt, dass das Reich Gottes kommen wird. Das Problem ist aber: keiner von den Menschen hat das Reich Gottes je gesehen. Deshalb versuchte Jesus durch sein Handeln den Menschen eine Vorstellung davon zu geben, wie das Reich Gottes ist: Er hat Menschen geheilt, weil es im Reich Gottes keine Krankheiten und kein Leid gibt. Er hat Tote zum Leben erweckt, weil es bei Gott keinen Tod gibt. Er hat sich mit Ausgestoßenen getroffen, weil es im Reich Gottes keine Außenseiter gibt.

So hat Jesus den Menschen eine Vorstellung vom Reich Gottes gegeben. Von einer Welt, die so ganz anders ist, so viel schöner, so viel besser als unsere hier. Unsere Welt, die zwar schon ein wenig so ist, aber eben noch nicht ganz. Und jeder der davon begeistert ist, kann daran mitarbeiten. Und das „schon aber noch nicht“ ein bisschen mehr in Richtung „noch nicht, aber fast“ rücken.

Denn immer, wenn ein Mensch einem anderen etwas Gutes tut, dann kommt ein Stück mehr vom Reich Gottes in diese noch nicht perfekte Welt.

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