Manuskripte

SWR3 Worte

05SEP2020
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Der Fußballer Benedikt Höwedes gehört zur Weltmeistermannschaft von 2014. Im Endspiel hätte er beinahe das entscheidende Tor geschossen. Auf die Frage, ob er sich ärgere, dass sein Kopfball nur an den Pfosten ging, antwortet er:

Im Gegenteil, ich bin bis heute heilfroh, dass ich nicht der Schütze des entscheidenden Tores gewesen bin. Dann wäre die Aufmerksamkeit auf mich gefallen. Ich habe nie gern im Rampenlicht gestanden. Ich möchte nicht der alleinige Held sein, sondern ein Teil der Mannschaft, ein Teil einer Erfolgsstory sein.

Quelle: Der Spiegel, Nr. 32/1.8.2020, Interview mit Benedikt Höwedes, „Der Fußball hat sich brutal entwickelt. Und dabei distanziert von den normalen Fans“, S.120.

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04SEP2020
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Die Politikerin Claudia Roth war als Kind viel bei ihren Großeltern. Darüber, was sie von ihnen über den Glauben und die Liebe gelernt hat, sagt sie:

Beide gehörten verschiedenen Konfessionen an, was damals etwas Besonderes war. Trotzdem war immer das Gemeinsame und nicht das Trennende entscheidend. Meine Oma war sehr gläubig. Dennoch hat sie akzeptiert, dass ich aus der katholischen Kirche ausgetreten bin, weil diese Institution Frauen diskriminiert. Meiner Großmutter konnte ich alles sagen, sie hat bedingungslos geliebt. Ich durfte als Kind immer im Ehebett im Gräbele schlafen, und die Beiden, dieser große Opa und die kleine, runde Oma, haben sich dann über mir die Hand gereicht, sich beschützt und festgehalten. Das war von einer solchen Innigkeit, ich glaube, daher habe ich die Sonne in meinem Herzen.

Quelle: Südwestpresse, Samstag, 11. Juli 2020, Interview mit Claudia Roth: „Den Alltagsrassismus nicht kleinreden“.

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03SEP2020
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Der Jazz-Sänger und Komponist Gregory Porter ist ein sehr religiöser Mensch. Darüber wie seine Musik und sein Glauben zusammenhängen, sagt er:

Wenn Sie sich mit den bedeutendsten Soul- und Jazzmusikern beschäftigen, nehmen wir Marvin Gaye, Al Green, Ray Charles oder Luther Vandross, dann sehen Sie: Egal wie stark sie in ihren Songs die Liebe zu einer Frau behandelt haben, ihre stilistische Inspiration, rührt aus dem Besingen der Gegenwart Gottes. Sie lernten in der Kirche, sich vom heiligen Geist beherrschen zu lassen, was ihnen ermöglichte, Dinge zu formulieren und Töne zu singen, die sie normalerweise nicht hätten singen können. Auch ich habe mir die Werkzeuge in der Kirche angeeignet, nun wende ich sie in der säkularen Sphäre an. Die Sehnsucht nach Gott steckt in meiner musikalischen DNA.

Quelle: Galore Interviews, Nr. 40, 04/2020, Verlag Dialog GmbH, Dortmund, S. 121.

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02SEP2020
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Der Singer-Songwriter Jason Mraz wurde gefragt wofür er dankbar ist. Seine Antwort war:

Natürlich für meine Gesundheit. Vor allem auch für Zeit. Damit meine ich einerseits meine eigene Zeit und die Möglichkeit frei darüber zu bestimmen: Will ich der Weiterentwicklung hinterherjagen und noch größere Berühmtheit anstreben oder möchte ich behutsam mit mir umgehen und mich um Freunde und Familie kümmern, die gerade Unterstützung brauchen? Andererseits meine ich aber ebenso die Zeit, die andere Menschen mir widmen. Wenn sich eine Person dafür entscheidet, ihre Zeit damit zu verbringen, sich meine Musik oder ein Konzert von mir im Internet anzuhören, dann schenkt sie mir ihre wertvollste Ressource.

 

Quelle: Galore Interviews, Nr. 41, 06/2020, Verlag Dialog GmbH, Dortmund, S. 121.

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01SEP2020
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Die Schweizer Fernsehmoderatorin Barbara Bleisch hat einmal den Schauspieler Klaus Maria Brandauer interviewt. Am Anfang des Gesprächs war er sehr verschlossen. Wie es ihr gelungen ist ihn zu öffnen, beschreibt sie so:  

Ich hatte gelesen, dass er Kastanien mag. So wie ich. Am Vorabend des Gesprächs mit Brandauer habe ich mir also eine glänzende Kastanie von der Straße geholt, sie dann im Lauf des Gesprächs auf den Tisch gelegt und mit ihm über Kastanien gesprochen, die in einem stacheligen Häuschen heranwachsen und selber so vollkommen sind. In diesem Moment war dieser Mann so berührt, dass ich gemerkt habe: Jetzt öffnet er sich. Das sind großartige Momente, in denen man denkt: Ah, jetzt zeigt sich mir der Mensch!

Quelle: Galore Interviews, Nr. 41, 06/2020, Verlag Dialog GmbH, Dortmund, S. 66.

 

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31AUG2020
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Der Liedermacher Reinhard Mey beklagt eine zunehmende Verrohung in unserer Gesellschaft. Auf die Frage was er dagegen setzt antwortet er:

Freundlichkeit. Kostet nichts, bringt viel Freude, fällt mir nicht schwer. Den Menschen einfach signalisieren, dass man nicht vorhat, im nächsten Moment die Waffen zu ziehen. Ich gehe in der Woche drei-, viermal denselben Weg, da trifft man bestimmte Leute schon mehrmals. Einer ist dabei, der hat nie zurückgegrüßt, und ich dachte mir: Den knackst du irgendwann. Also habe ich diese Person so penetrant immer weiter gegrüßt, bis sie eines Tages tatsächlich mein „Guten Tag“ erwiderte. Heute sehe ich diesen Menschen schon von Weitem – und ich freue mich er freut sich.

Quelle: Galore Interviews, Nr. 41, 06/2020, Verlag Dialog GmbH, Dortmund, S. 21.

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30AUG2020
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Der Sonntag gibt Gelegenheit zur Muße. Aber was ist das eigentlich - Muße? Peter Philipp Riedl ist Leiter des Sonderforschungsbereichs Muße an der Uni Freiburg. Er beschreibt sie als:

Absichtslose Hingabe. Das heißt, ich lasse mich voll und ganz auf etwas ein, ohne dass ich eine Stoppuhr danebenliegen habe. Der Zeithorizont ist zwar nicht unendlich, aber er sollte zunächst einmal offen sein, denn Muße befreit von zeitlichen Zwängen und direkten Leistungserwartungen…Sie eröffnet Räume für ein freies Verweilen in der Zeit. Wie dieses Verweilen ausgefüllt wird, das ist zunächst offen. Um es zu beschreiben helfen Paradoxien. Zum Beispiel als ‚bestimmte Unbestimmtheit‘…oder als ‚tätige Untätigkeit‘.

Quelle: Galore Interviews, Nr. 41, 06/2020, Verlag Dialog GmbH, Dortmund, S. 82.

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