Manuskripte

SWR3 Worte

11JUL2020
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Der Mönch und Therapeut Anselm Grün darüber wie nutzlos Neid ist: 

Der Neid zeigt sich im ständigen Sich-Vergleichen mit anderen. Ich kann keinem andern begegnen, ohne mich mit ihm zu vergleichen. Ich fange sofort an zu werten, zu bewerten, zu entwerten und aufzuwerten. (...) Im Neid bin ich nicht bei mir, bin ich nicht mit mir selbst zufrieden, habe kein Gefühl für meine Würde. Ich erkenne meinen Wert immer nur im Vergleich mit andern. Das ist sehr anstrengend. Es zwingt mich entweder, die andern übertreffen zu müssen, oder aber es stürzt mich in Depression, weil ich keine Chance sehe, mit den andern mithalten zu können.

 

 

Quelle: Anselm Grün: Das große Buch der Lebenskunst – Was den Alltag gut und einfach macht. Herder 2012, S. 93.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31228
10JUL2020
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Obwohl ich das Wort „Corona“ mittlerweile fast nicht mehr hören kann, finde ich gut, was Eckhart von Hirschhausen über die Zeit danach sagt: 

Meine stille Hoffnung ist, dass wir durch die Corona-Krise neu darüber nachdenken, in welcher Welt wir leben wollen. Wofür wir Zeit haben wollen  und wofür nie wieder.

Wenn das Leben endlich ist – wann fangen wir endlich an zu leben? (..)Worauf freuen Sie sich?(..) Ich freue mich wieder auf volle Theater und Lachen aus vollem Hals. Humor ist auch systemrelevant. Für unser Immunsystem und unser Gesellschaftssystem. Ich freue mich auf echte face-to-face Kommunikation, die sich eben doch nicht durch Bildschirme ersetzen lässt.

 

 

Quelle: Eckart von Hirschhausen: Gesund leben, Ausgabe 3 2020. S. 32.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31227
09JUL2020
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Eine Geschichte über zwei buddhistische Mönche, die aber genauso gut  von zwei christlichen handeln könnte:  

Zwei Mönche Tanzan und Ekido, wanderten einmal eine schmutzige, schlammige Straße entlang. Kurz zuvor war heftiger Regen gefallen.

Als sie an eine Wegbiegung kamen, trafen sie eine schöne junge Frau(...), die die Straße überqueren wollte. „Kommen Sie”, sagte Tanzan sogleich. Er nahm sie auf die Arme und trug sie über den Morast der Straße. Sie dankte ihm und schritt weiter ihres Wegs.

Ekido sprach kein Wort, bis die beiden Mönche des Nachts einen Tempel erreichten, in dem sie Rast machten. Da konnte er nicht länger an sich halten.

„Wir Mönche sollen nicht in die Nähe von Frauen kommen”, sagte er zu Tanzan, „und vor allem nicht in die Nähe von jungen und hübschen. Es ist gefährlich. Warum hast du das getan?”
Tanzan lächelte. „Ich ließ die junge Frau an der Wegbiegung zurück”, antwortete er Ekido, „trägst du sie immer noch?”

 

Quelle: http://www.engelbrecht-media.de/s_die_schmutzige_strasse.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31226
08JUL2020
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In einer Stadt herrschte einmal große Armut. Die Menschen (..) waren verbittert und unzufrieden(...).

Eines Tages ließ der König alle Bewohner am Marktplatz versammeln, um ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen: [...]

„Ich habe heimlich ein Königskind unter eure Kinder gebracht. Behandelt es gut. Sollte ich erfahren, dass meinem Kind Schlechtes widerfährt, werde ich den Schuldigen zur Rechenschaft ziehen!“

[...]Die Stadtbewohner fürchteten die Strafe, weil niemand wusste, welches das Königskind war. Deshalb begannen sie, alle Kinder (..) so zu behandeln, als wäre jedes einzelne das Königskind.

Es vergingen viele Jahre. Die Kinder wurden zu Erwachsenen und bekamen selbst Kinder. Der mittlerweile alte König beobachtete mit Genugtuung die Entwicklung in seiner Stadt. Aus der früher armen und schmutzigen Stadt war eine prachtvolle, weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Stadt geworden. (...) Und ihre Bewohner waren glücklich und zufrieden.

 

Das heimliche Königskind von Burkhard Heidenberger

 

Quelle:https://www.zeitblueten.com/news/das-koenigskind/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31225
07JUL2020
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Der Mönch und Therapeut Anselm Grün über den Umgang mit unseren empfindlichen Seiten: 

Wir spüren in uns einen Drang, unsere Wunden zu verstecken. Vielleicht wehrst auch du dich dagegen, sie anderen zu zeigen. Du denkst, das würde dich schwächen. Die Leute würden über dich schlecht reden. (...) Doch das Gegenteil ist der Fall. Wenn du den Mut findest, deine Wunden zu zeigen, dann wirst du erfahren, wie Menschen zu dir kommen und dir von ihren Verletzungen und ihren Wunden erzählen. Du wirst zu einem Ratgeber für andere. Deine Wunde wird zu einer kostbaren Perle werden, für dich selbst und für andere. Du musst deine Wunde freilich nicht jedem zeigen (...) Spüre, wo es angebracht ist, die Wunden zu zeigen und wo es besser ist, sie zu bedecken.  

 

Quelle: Anselm Grün: Das große Buch der Lebenskunst – Was den Alltag gut und einfach macht. Herder 2012, S. 95.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31224
06JUL2020
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Manchmal wünsche ich mir, ich könnte schlechte Erfahrungen einfach aus meinem Leben streichen. Der Autor Stefan Brinkmann fände das gar nicht gut. Denn er meint:

 

Du wäschst deine Hände reinweiß in Unschuld

bleichst die schwarzen Stellen aus.

Sie stören doch nur das strahlende Bild

deiner ach so perfekten Erinnerung.

 

Doch was du da ausradierst, Liebstes, es sind

Buchstaben, Worte, Geschichten,

die dich erzählen.

 

Ohne sie bist du ein zerfleddertes Buch

mit fehlenden Seiten

an den wichtigsten Stellen.

 

 

Quelle:https://www.instagram.com/p/B-MeF2_C5Pu/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31223
05JUL2020
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Was zwischen den Völkern den Frieden erleichtert und erschwert, spielt sich im Kleinen auch in der „heilen“ Welt ab, hinter Geranien und Gardinen. Nur im geordneten Familienleben kann sich ein Kind einüben in den Frieden. Hier lernt es recht haben und recht geben. Sich behaupten und sich einordnen, nach Streit und Mißverständnis wieder miteinander spielen. Friedfertig und gewaltfrei leben. Die erste Friedenserfahrung für das Kind ist die Familie.

 

Anton Haller: Frieden lernen

 

Quelle: Anton Haller: Das kleine Buch Schritte zum Frieden. Ars edition Verlag 1984, S. 34.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31222