Manuskripte

SWR3 Worte

13JUN2020
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Samstag ist Einkauftag. Gerd Müller, der Minister für Entwicklungshilfe in der Bundesregierung, will sich für fairen Handel einsetzen. Auf die Frage, was denn geschehen muss, dass die Menschen, die unsere Konsumgüter herstellen, auch gerecht bezahlt werden, sagt er:

„Die Verantwortung liegt bei den großen Handelsketten. Sie sind dafür zuständig, zu garantieren, dass in der Schokolade, im Kaffee, im Kakao, in den Textilien und in allen anderen Waren keine Kinder- und Sklavenarbeit steckt. Entscheidend ist, dass beim Einkauf des Rohproduktes existenzsichernde Löhne bezahlt werden…Man muss sich vorstellen: die Erzeuger bekommen 7 Cent vom Preis einer Schokolade. Davon kann keiner leben, das muss sich ändern.“

 

Quelle: Schwäbisches Tagblatt Tübingen, Interview, André Bochow mit Gerd Müller, „Wir brauchen einen Jahrhundertvertrag“, Freitag, 17. Januar 2020.

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12JUN2020
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Die Moderatorin und Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes hat mit ihrem Mann, Christian Ulmen, eine 7-jährige Tochter. Sie erlebt immer wieder Eltern, die ihre Kinder überbehüten. Auf die Frage, was sie vom Verhalten dieser „Helikopter-Eltern“ hält, antwortet sie:

„Es gibt auch den Begriff der … Curling-Eltern‘, die dem Kind sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumen. Sie möchten dem Kind damit einen freien Weg in die Zukunft ermöglichen. Dabei wäre das Gegenteil viel besser. Kinder brauchen Hindernisse. Sie sollen an ihren Erfahrungen wachsen. Selbstwirksamkeit ist ein wichtiges Wort in diesem Zusammenhang. Viele Kinder werden durch ’Helikopter-Eltern‘ ihrer Selbstwirksamkeit beraubt.“

 

 

Quelle: Galore Interviews, Nr. 38, 12/2190, S. 64, Verlag Dialog GmbH, Dortmund.

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11JUN2020
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Der Bestseller-Autor John Strelecky auf die Frage, wo für ihn der Unterschied zwischen Glück und Erfüllung liegt:

„Ich habe einen sehr guten Kumpel, dessen Vater verstorben ist. Für diesen Freund da zu sein, war keine Sache des Glücklichseins. Er war nicht glücklich. Ich war nicht glücklich. Aber es war ein unvergesslicher und erfüllender Moment, weil ich ihn trösten und unterstützen konnte. Auch das gehört zum Leben dazu: Es geht nicht darum, immer nur glücklich zu sein.“

 

Quelle: Galore Literatur, Nr. 39, 03/2020,  S. 10, Verlag Dialog GmbH, Dortmund.

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10JUN2020
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Christian Felber ist der Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie, das heißt, einer Wirtschaftsform die völlig anders ist als unsere heutige. Auf die Frage, wie seine Vision der Wirtschaft in 50 Jahren aussieht, antwortet er:

„Die Vision ist, dass Wirtschaften keinen Schaden mehr anrichtet. Nirgendwo auf der Welt werden mehr die Menschenrechte verletzt. Arbeit ist sinnvoll, und niemand verdient weniger als er oder sie zu einem guten Leben braucht. Das Klima und die Artenvielfalt sind stabil. Wir haben eine Natur, in der wir uns tiefer erholen können als heute, Flüsse sind trinkbar. Und das alles, weil die Wirtschaft ihren Erfolg eben nicht mehr einseitig an finanziellen Kennzahlen abliest.“

 

 

Quelle: Schwäbisches Tagblatt Tübingen, Dienstag, 24. September 2019, Lokalteil, Artikel „Ein gutes Leben für alle“ von Moritz Hagemann.

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09JUN2020
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Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist eingerichtet für 3000 Menschen. Circa 20.000 leben aber dort, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Der 85jährige Jean Ziegler hat Moria letztes Jahr im Auftrag des UN-Menschrechtsrates besucht. Er bezeichnet das Flüchtlingslager als „Schande Europas“ und fordert:

„Moria muss aufgelöst werden. Sofort! Die Leute müssen hier leben wie Tiere. Eine ganze Reihe von Menschenrechten wird permanent verletzt: das Recht auf angemessene Nahrung. Das Recht auf Bildung für die Kinder. Das Recht auf Gesundheit. Schließlich wird das universelle Menschenrecht verletzt, ein Asylgesuch zu stellen und eine ernsthafte Anhörung zu erfahren. Was wir in Moria sehen, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

 

 

Quelle:www.zeit.de, Interview von Christiane Grefe mit Jean Ziegler, „Die Leute leben hier wie Tiere“, 24. Mai 2019, 19 Uhr 39.

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08JUN2020
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Jochen Brühl ist Bundes-Vorsitzender der Tafel, des Vereins, der überschüssige Lebensmittel an Menschen verteilt, die wenig Geld haben. Dabei erlebt er wie viel Armut auch mit Einsamkeit zu tun hat. Über eine ältere Frau erzählt er:

„Sie frühstückt alleine, liest die Zeitung, kocht sich Mittagessen, trinkt einen Kaffee und legt sich wieder hin. Sie geht nicht aus und trifft niemanden, weil die meisten ihrer Freunde schon tot sind. Sie macht sich aber jeden Tag ordentlich zurecht, obwohl sie nie Besuch bekommt. Nur weil sie möchte, dass der Bestatter sie eines Tages gut frisiert findet und keinen Schreck bekommt.“ 

 

Quelle: Galore Interviews, Nr. 38, 12/2190, S. 58, Verlag Dialog GmbH, Dortmund.

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07JUN2020
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Klaus Guba ist Chef der deutschen Forschungsstation am Südpol. Mit seinem 9köpfigen Team erforscht er dort unter anderem das Klima.
Das Leben am Südpol ist einsam und die Tage gleichförmig. Darum ist es wichtig eine Struktur zu finden. Dazu sagt er:

Das war am Anfang ein echtes Problem: Das gab es so viele Aufgaben, dass jeder durchgearbeitet hat. Das wird aber auf Dauer nicht klappen. Wir müssen sehen, dass wir auch einen Tag freie Zeit herausschaufeln. Sonst verlieren wir das Zeitgefühl. Wichtig ist deshalb auch die Tagesstrukturierung in der Freizeit: Montags sind Serien dran, dienstags spielen wir Basketball, donnerstags ist Filmabend und am Samstag ist Spieleabend. Den Sonntag versuchen wir freizuhalten.

 

Quelle: Südwestpresse, Donnerstag, 26. März 2020, Interview, „Ironie geht oft ins falsche Ohr“.                                   

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