Manuskripte

SWR3 Worte

23MAI2020
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Ethische Fragen im Bereich der Medizin fordern heraus und es sind schwerwiegende Fragen, über die besonders zurzeit entschieden werden muss. Der Palliativ-und Notfallmediziner Matthias Töns gibt zu bedenken:

„Das Problem der Vereinsamung in der Intensivmedizin ist jedenfalls ganz dramatisch. [In der Zeit vor der Covid 19–Pandemie] fragten mich Angehörige von Krebspatienten nicht selten, ob sie den Kranken nach Hause nehmen könnten, um ihm die letzten Wochen im Kreise der Familie ermöglichen zu können.

Ich glaube dieses menschliche Bedürfnis nach Zusammensein und Familie wird derzeit einer Medizintechnik geopfert, die an einer rein physikalischen Lebensverlängerung ausgerichtet ist.“

Matthias Töns im Interview mit Elisabeth Zoll, „Das Sterberisiko ist sehr hoch“ https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Das-Sterberisiko-ist-sehr-hoch-455474.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30932
22MAI2020
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Leni Hinze ist Sprecherin der deutschen Organisation „Seebrücke“. Während wir im Schutz unserer Häuser unsere Gesundheit verteidigen, drohen wir die Menschen zu vergessen, die auf der Flucht vor Krieg schutzlos dem Virus ausgeliefert sind. Sie erzählt:

„Es gibt die katastrophale Situation in Griechenland nach wie vor. Von Libyen aus fahren weiterhin Boote auf das Mittelmeer und es befinden sich ständig Boote in Seenot. […] Gerade jetzt in Zeiten von Corona müssten wir alle viel mehr solidarisch sein als sonst, und die Solidarität muss einfach für alle Menschen gelten – gerade auch für geflüchtete Menschen.“

Leni Hinze im Interview mit Svitlana Magazova, In: Was passiert mit Flüchtlingen in den Lagern - wo ist die EU?, https://www.swr.de/swraktuell/radio/mondial-podcast-100.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30931
21MAI2020
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Heute ist „Christi Himmelfahrt“- da erinnern sich Christinnen und Christen daran, dass Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung in den Himmel aufgefahren ist. Ein schönes Märchen? Der Theologe Andreas Knapp kann die Geschichte erläutern:

„Aufgefahren in den Himmel, das heißt das Kreuz wächst in den Himmel und alle Tränen aus überlangen Menschennächten tauen nach oben. Keine Wunde der Welt wird vergessen oder schöngeredet und das Glück der Liebe versandet nicht einfach in der Wüste des Todes. Vielmehr findet alles Gelebte nach Hause […], wo zwischen zerbrochenen Muschelschalen die kostbare Perle für immer leuchtet.“

Andreas Knapp, Aufgefahren in den Himmel, in: Tiefer als das Meer

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30930
20MAI2020
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Katharina ist Studentin. Gemeinsam mit Studierenden aus anderen Ländern, Kulturen und Religionen hat sie überlegt: Warum ist es wichtig, dass wir einander kennenlernen und uns persönlich begegnen? Sie meint:

„Weil ich finde, dass es unerlässlich ist, informiert zu sein, um Vorurteile zu überwinden und den anderen so zu verstehen, wie er sich selbst versteht. [Und auch], um überhaupt miteinander ins Gespräch zu kommen. Wesentlich ist für mich dabei die Begegnung mit Menschen unterschiedlicher religiöser, weltanschaulicher oder auch politischer Prägung; denn ich bin überzeugt, dass nur in der Begegnung Dialog entstehen kann und Vorurteile überwunden werden können, und dass nur so ein konstruktives Miteinander realisiert werden kann.“

https://dialogperspektiven.de/programm/2019-2020/konferenz/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30929
19MAI2020
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Vor 75 Jahren ist der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Die Theologin Dorothee Sölle hat sich gefragt: Wie kann mir Deutschland, von dem so viele Verbrechen ausgegangen sind, eine Heimat sein? Sie sagt:

„Heimat ist das Land, dessen Geschichte ich kenne. […] Wenn wir den Namen der jüdischen Familie, die das kleine Geschäft an der Ecke hatte, noch kennen oder wieder lernen, dann wird Heimat nicht nur eine wehmütige Umschreibung für ein Paradies, in dem wir nie waren, sondern auch Erinnerung an die, denen wir die Heimat genommen haben und die wir in die Fremde getrieben haben. […] Heimat entsteht da, wo wir uns erinnern, und die Wegwerfmentalität – nun mal endlich Schwamm drüber! – nicht zulassen. […]

Ohne Gedächtnis und Erinnerung gibt es keine Heimat, und indem wir uns erinnern, beheimaten wir uns auch.“

Dorothee Sölle, Zu Hause war noch niemand in: Dies.: Mutanfälle. Texte zum Umdenken

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30928
18MAI2020
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Man sieht ihn immer fröhlich auf der Bühne: Thomas Gottschalk, der heute seinen 70. Geburtstag feiert. Wie schafft er das? Dazu sagt er:

„Ich bin mit [dem christlichen] Glauben aufgewachsen und habe bisher keinen Grund gehabt, ihn aufzugeben. Ich bin sogar davon überzeugt, dass ein gläubiger Mensch und ein fröhlicher Mensch nicht nur deckungsgleich sein können, sondern sogar deckungsgleich sein sollten. Evangelium heißt ja frohe Botschaft – das nehme ich ernst. Du kannst als Entertainer nicht andere fröhlich stimmen, wenn du es selber nicht bist.“

Thomas Gottschalk im Gespräch mit Markus Verbeet, „Jesus war auch mal ein Zecher“ https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-81933536.html.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30927
17MAI2020
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Der Theologe Jürgen Moltmann hat mit seinen 94 Jahren schon viele Krisen und Katastrophen überlebt. Und auch jetzt schaut er hoffnungsvoll in die Zukunft. Was hilft ihm dabei? Er sagt:

„Niemand übersieht die Corona-Katastrophe. Niemand weiß, wie lange sie dauert. Niemand weiß, wann sie jemanden trifft.
Nein, Gott erspart uns nicht das „Tal des Todes“, aber Gott ist bei uns in all unseren Ängsten. Gott geht mit uns in die Dunkelheit. Er erspart sich selbst nicht das „finstere Tal“. Gott durchleidet unsere Ängste mit uns und weiß doch den Weg für uns. […] Gott ist uns näher als wir uns selbst sein können. Darum ist er schwer zu fassen, aber man kann auf seine Nähe vertrauen.“

Jürgen Moltmann Titel: Hoffung zu Zeiten der Corona-Pandemie 2020. Ein hoffnungstheologischer Impuls

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30926