Manuskripte

SWR3 Worte

25APR2020
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Der Mensch ist primitiv, sagen manche. Aber gerade der Fußball zeige, wie weit es der Mensch inzwischen gebracht habe, sagt Autor Axel Hacke, nicht ohne Augenzwinkern:

Der Fußball ist gerade der Beweis dafür, dass die Menschheit es ungeheuer weit gebracht hat: Zehntausende, die sich gegenseitig nicht besonders gut leiden können, weil sie Fans gegnerischer Vereine sind, Zehntausende feindseliger Menschen also sind in der Lage, sich in einem Stadion zu treffen, ohne dass es nachher Tote gibt, in der Regel jedenfalls. Das ist fantastisch, wenn man sich überlegt, woher wir kommen.

Axel Hacke, Über den Anstand in schwierigen Zeiten

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24APR2020
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Verspätungen sind ärgerlich. Manche sind auch schön. Wie der Autor Oliver Spies erzählt:

Vorne auf dem Steg war ein Zettel ans Holz gepinnt: „Fährmann kommt gleich“. Also setzten wir uns und warteten. Wir schauten zu den Inseln, beobachteten, wie die Sonne mit dem Nebel rang. Eine Möwe lachte über uns und glitt mit einem einzigen Flügelschlag zur Insel. Nach einer Weile gingen wir, ein Boot war noch immer nicht in Sicht. „ein wundervoller Steg!“, sagte einer auf dem Rückweg: „Zum Glück kommt der Fährmann später.“

Andere Orte, hg.v. Andere Zeiten e.V., Hamburg, 2018

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23APR2020
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Wie soll man nur reagieren, wenn man vom Tod eines Menschen erfährt, zumal von einem schrecklichen Tod? Was hilft den Trauernden? Freya von Stülpnagel und Golli Marboe haben Kinder durch Suizid verloren und sagen, was ihnen geholfen hat:

Da sein aushalten, mitgehen. Zum Aushalten gehört, nicht wegzutrösten, wo es keinen Trost gibt, sondern den Schmerz aushalten. Auch mal die Klappe halten. Oder praktische Hilfe. […] Mein Onkel hat jeden Tag eine Suppe in einer andern Farbe gebracht, in Wasserflaschen abgefüllt: mal eine grüne Suppe, dann eine rote, eine gelbe.

Und man sollte schnell reagieren.

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22APR2020
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Wir können uns immer gut verstellen- in allen Lebenslagen. Wo das nicht geht: wenn man mit sich allein ist, ohne Ablenkung. Wie zB. in einer Wüste, sagt der Autor und Wüstenwanderer Ulrich Tietze:

In der Wüste kannst du keine Maske tragen, weder eine äußerlich sichtbare noch eine andere. Mehr wohl als jede andere Landschaft wirft sie den Menschen auf sich selbst zurück, zeigt ihm sein Inneres. Ohne dass du einen Spiegel in der Hand hast, siehst du dir dort so sehr ins Gesicht, dass es fast unerträglich sein kann. Vielleicht ist in der Wüste jeder Mensch, egal ob Bewohner oder Gast, der Wirklichkeit Gottes in manchen Momenten so nahe wie möglich.

Andere Orte, hg.v. Andere Zeiten e.V., Hamburg

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21APR2020
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Wie schwierig es ist Kinder zu unterrichten, haben viele Eltern jetzt lernen müssen. Und sie haben gelernt: es geht in der Schule nicht nur um Wissensvermittlung. Das gibt auch die Gesamtschullehrerin und Autorin Julia Wöllenstein zu bedenken:

„Es bräuchte mehr Pädagogik. [Auch in den Gymnasien] Lehrersein ist Beziehungsarbeit. Deine Bildungskarriere hat auch damit zu tun, ob du Bock hast für deine Englischlehrerin zu pauken. Und ob du dich als Lehrerin auf die Kinder einlässt, gerade auf die schwachen und traumatisierten. Wir müssen jedes Kind abholen, wo es steht.“

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20APR2020
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Jimin Oh-Havenith war ein Wunderkind am Klavier. Dann kam alles anders: Hochzeit, Kind, Tod des Mannes und nochmals Heirat und Kind. Das Klavierspielen hatte sie aufgegeben, aber jetzt mit 59 kommt es wieder. Sie sagt:

Erst […] als mein Sohn groß genug war, fing ich wieder an zu spielen. Ich merkte: Wenn ich das nicht mache, werde ich nie zu meinem inneren Frieden kommen. […] Ich spielte eine Stunde und war fix und fertig. Die Kondition war nicht mehr da [….] Ich habe [aber] der Stimme nicht nachgegeben. Ich ging Schritt für Schritt, wie ein Kleinkind. Dann lud ich Freunde ein zu Hauskonzerten. [….] Mittlerweile habe ich fünf CDs aufgenommen. Ich plane nicht, aber ich bin bereit und arbeite.

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19APR2020
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Viele Menschen glauben irgendwie – an Gott. Und sie tun es sehr unterschiedlich. Wie aber glaubt man „richtig“? Der Pfarrer Hans-Martin Lübking stellt Gott diese Frage

Gott,
Es gibt einen Glauben
Der sprachlos ist
Und einen, der immerzu von Gott redet;

Der nur noch aus Tradition besteht,
und einen, der alle Tradition über Bord wirft;

Es gibt einen Glauben, der alles besser weiß,
und einen, der sich aus allem heraushält;

Einen Glauben, der voller Zweifel ist,
und einen, der keinen Zweifel kennt.

Es gibt einen Glauben, der überhaupt nicht auffällt,
der alles beim Alten lässt.
Und einen Glauben, der die Welt verändern möchte,
einen für die Notzeiten
und einen, der unabhängig ist von den Lebensumständen.

Gott, es gibt diesen und jenen Glauben,
welcher ist richtig?

Nach: Hans-Martin Lübking, Aus: Evangelischer Lebensbegleiter

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