Manuskripte

SWR3 Worte

18APR2020
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Der Politikwissenschaftler Erik Flügge erinnert sich an die Zeit vor der Pandemie: 

Wir haben die Freiheit gehabt einander zu umarmen, zu küssen und zu lieben. Wir haben die Freiheit gehabt, mit leichtem Schnupfen noch immer aus dem Haus und sogar zur Arbeit zu gehen. (…) 

All das war aus der Perspektive einer Pandemie-Vorsorge niemals sinnvoll. Aber es war sinnvoll aus anderen Gründen. Weil es ein Grund zur Freude und nicht für Angst ist, wenn sich Menschen nahe kommen. Weil die Freiheit sich zu bewegen ein hohes Gut ist. Weil die minimale Chance einer Pandemie nicht alles andere überlagern darf.

 

Quelle:
Erik Flügge: Freiheit und Pandemie, in: https://www.erikfluegge.de/wp-content/uploads/2020/03/EF-Freiheit-und-Pandemie-Digital-k1.pdf

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30709
17APR2020
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Geh und tu, was du wirklich zu tun liebst- und nichts anderes! Nutze deine Zeit. Innerhalb der wahren Ordnung der Dinge tut man nichts, um glücklich zu sein- man ist glücklich und tut deshalb etwas. Jeder Mensch kann alles lieben, wenn er versteht, was er tut und warum. Niemand tut etwas, was er nicht tun will. Jeder tut, was er will. Ob er will oder nicht!

Stefan Bertels: Mein Gott. Ed. Blaes. 2020

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30555
16APR2020
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Eine kleine Geschichte des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho über die Angst: 

Ein Patient sagte zu seinem Arzt: „Angst beherrscht mein Leben, und sie hat mir alle Freude genommen.“ 

Der Arzt entgegnete: „Hier in meiner Praxis lebt eine Maus, die an meinen Büchern knabbert. Mach ich zu viel Aufhebens um die Maus, wird sie sich vor mir verstecken, und ich werde nichts anderes mehr tun, als sie zu jagen. 

Stattdessen habe ich meine wertvollsten Bücher an einen sicheren Platz gestellt und erlaube ihr, an den anderen zu knabbern. So bleibt sie eine einfache Maus und wird nicht zu einem Monster. (…)

 

Quelle:

Paulo Coelho: Der Wanderer, Diogenes Verlag, Zürich 1998, S. 71f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30708
15APR2020
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Heiko Herrlich, der Trainer vom FC Augsburg, über seine bisher größte Angst im Leben: 

Das war vor 20 Jahren, als ich die Diagnose eines Hirntumors bekam. (…) Das ist das schlimmste Gefühl von Angst, das ich jemals erlebt habe. 

Die Frage "Warum ich?" habe ich mir damals eigentlich nie gestellt. (…) Ich hatte (…) ein tiefes Gottvertrauen und habe gespürt: Damit will Gott mir etwas sagen. Ich muss auch die Chance in der Situation sehen – so hart, wie es ist. Ich habe damals alle Leute kontaktiert, denen ich mal wehgetan (…) hatte. Falls ich schon oben anklopfen müsste, wollte ich wenigstens mit einer weißen Weste dastehen. Und danach ging es mir gut! Ich hatte Frieden wie eigentlich nie mehr danach in meinem Leben.  (…) 

Wenn ich auf die Situation damals zurückschaue, welche Kräfte ich mobilisiert habe, dann denke ich immer: Das war gar nicht meine Kraft, sondern das war Gottes Kraft. Gott hat mich durch meine schwersten Ängste getragen.

 

Quelle:
https://www.katholisch.de/artikel/24759-heiko-herrlich-gott-hat-mich-durch-meine-schwersten-aengste-getragen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30707
14APR2020
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Der Kölner Politikwissenschaftler Erik Flügge erinnert sich an die Zeit, bevor uns das Corona-Virus massiv eingeschränkt hat. Er schreibt: 

Frei zu leben war immer richtig. Vergessen wir nicht, dass wir gefeiert haben. (…) In kleinen und großen Gruppen waren wir beisammen, ohne uns zu fragen, welche Risiken das birgt, weil das Recht uns zu versammeln uns allen gegeben war. Weil dieses Recht erkämpft worden ist von Mutigen (…). 

Nun ist die Freiheit für den Augenblick verloren (…) bis die Krise beendet ist. (…) Wenn sie endlich irgendwann vorüber ist, werden wir uns der Freiheit wieder erinnern müssen. (…) Es wird genauso viel Arbeit werden, die Freiheit gemeinsam wiederzufinden und zuzulassen, wie es jetzt Arbeit macht, sie einzudämmen.

 

Quelle:
Erik Flügge: Freiheit und Pandemie, in: https://www.erikfluegge.de/wp-content/uploads/2020/03/EF-Freiheit-und-Pandemie-Digital-k1.pdf

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30706
13APR2020
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Die Autorin und Bloggerin Susanne Niemeyer spekuliert über den Tod. Sie schreibt: 

Der Tod ist ein Verschwender. Er holt jeden. Viel zu junge, viel zu lebendige, viel zu geliebte, viel zu viele Leben. So scheint es jedenfalls. 

Vielleicht aber ist es auch ganz anders. Vielleicht ist er ein Sammler. Vielleicht sammelt er, so wie die Birke im Winter Kraft für das Frühjahr sammelt. Vielleicht sammelt er uns und reicht uns weiter an einen Frühling, der nicht enden wird. Ein Frühling, der hell und leuchtend ist.

 

Quelle:
Susanne Niemeyer: 100 Experimente mit Gott, Herder Verlag Freiburg 2018, S. 136

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30705
12APR2020
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Die Journalistin Valerie Schönian hat ein Experiment gewagt. Obwohl sie kaum etwas von der Kath. Kirche wusste, hat sie ein Jahr lang einen Priester begleitet. Dabei hat sie auch Ostern miterlebt. Darüber schreibt sie: 

Christen glauben an die Auferstehung. Aber nicht nur so ein Seelen-Ding oder Geist-Etwas, sondern an die leibhaftige. (…) Leib meint mehr als Körper, nämlich auch Person und Identität. Der Glauben an die leibhaftige Auferstehung hat also nichts mit Zombies zu tun. Er heißt im Kern, dass unsere Person mit dem Tod nicht verschwunden sein wird, sondern wir für andere und uns selbst erkennbar sein werden. Dass also unsere Beziehungen miteinander über den Tod hinaus bestehen. Christen glauben, wir werden uns wiedersehen – alle.

 

Quelle:
Valerie Schönian: Halleluja, Piper-Verlag München 2018, Pos 3090

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30704