Manuskripte

SWR3 Worte

11APR2020
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Heute ist der Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Ein Tag der Ruhe und des Stillstands.
Was passiert, wenn alles still steht? So wie in den letzten Wochen? Der Soziologe Hartmut Rosa nennt es „Resonanzmodus“ und beschreibt ihn so:

„Hören, wahrnehmen und antworten, ohne auf etwas Bestimmtes hinauszuwollen, ohne optimieren zu müssen. Im Grunde bin ich überzeugt davon, dass nur in … Resonanzmomenten Neues entstehen kann. Und deshalb würde ich durchaus sagen, wir sind in einem kollektiven Resonanzmoment.

In einer Situation, in der wir alle hinhören, uns füreinander und die Welt öffnen und eine Antwort finden können. Und da kann … vielleicht etwas … Neues entstehen. Die Gesellschaft kann sich neu erfinden. Und ja, sie hätte es bitter nötig. Wenn man nach optimistischen Deutungen der Lage sucht, würde ich sagen, genau darin liegt die Chance….“

Soziologe Hartmut Rosa über Corona, „Wir sind in einem Versuchslabor“, taz.de, 25. März 2020, https://taz.de/Soziologe-Hartmut-Rosa-ueber-Corona/!5673868/

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10APR2020
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Heute ist Karfreitag. Der Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde und gestorben ist. Und der Tag derer, die wie er leiden und verzweifelt sind. Diesen Menschen gibt ein Psalm der Bibel Sprache:

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber keine Rettung ist in Sicht, ich rufe, aber jede Hilfe ist weit entfernt!
3 Mein Gott! Ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht, ich rufe in der Nacht und komme nicht zur Ruhe.
4 Du bist doch heilig, du wohnst dort, wo ´dein Volk` Israel dir Loblieder singt.
5 Unsere Väter setzten ihr Vertrauen auf dich. Sie vertrauten dir, und du hast sie gerettet.

12 Bleib mir doch jetzt nicht fern! Die Not ist so bedrohlich nah, und da ist niemand, der mir hilft!

15 Ich fühle mich, als wäre ich hingeschüttet wie Wasser... Mein Herz ist wie flüssiges Wachs, das tief in meinem Innern zerschmilzt.
16 Ich bin ohne Kraft, ausgetrocknet wie eine Tonscherbe. Die Zunge klebt mir am Gaumen.

20 Du aber, Herr, bleib nicht fern von mir! Du bist doch meine Kraft, schnell, komm mir zu Hilfe!

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09APR2020
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Dieses Osterfest werden wir nur im kleinen Kreis feiern können. Vielleicht ganz allein. Aber wir können uns erinnern, wie schön das war. Als wir das letzte Mal zusammen gegessen und gefeiert haben. Christinnen und Christen erinnern sich heute an das letzte Zusammensein von Jesus und seinen Jüngern. Es hat Brot und Wein gegeben, erzählt die Bibel:

23 … In der Nacht, in der er verraten wurde,
nahm der Herr Jesus das Brot.
24 Er sprach das Dankgebet,
brach das Brot in Stücke
und sagte:
»Das ist mein Leib für euch.
Tut das immer wieder
zur Erinnerung an mich!«
25 Genauso nahm Jesus nach dem Essen den Becher
und sagte:
»Dieser Becher steht für den neuen Bund,
den Gott mit den Menschen schließt.
Er kommt zustande durch mein Blut.
Tut das immer wieder,
sooft ihr aus dem Becher trinkt,
zur Erinnerung an mich!«

Aus: 1. Korinther 11, 23-25, Basisbibel NT+ PS, Online-Ausgabe 2020,

https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/basisbibel/bibeltext/bibel/text/lesen/stelle/56/110001/119999/

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08APR2020
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In diesen Tagen müssen wir so vieles akzeptieren, und können so vieles nicht unter Kontrolle bringen, nicht verstehen. Der Soziologe Hartmut Rosa erkennt darin auch eine Chance:

„Unablässig versucht der moderne Mensch, die Welt in Reichweite zu bringen: Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügbaren.“

Hartmut Rosa, Unverfügbarkeit

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30682
07APR2020
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Unser öffentliches Leben ist auf Null gestellt. Viele wissen nicht, ob ihre wirtschaftliche Existenz eine Zukunft hat. Viele sorgen sich um ihre Familie und Freunde. Worauf können wir jetzt hoffen? Der Theologe Fulbert Steffensky meint:

„Ich muss sagen: meine Kinder, meine Enkel, die Kinder in den Lagern Griechenlands, das sind meine Hoffnungsbilder. Weil ich an ihnen lerne, was sie brauchen und was ihnen nicht angetan werden soll. Und an ihnen verlerne ich die Frage, ob man Hoffnung haben kann.

Wer liebt, der tut zumindest, als hoffe er. Indem er für sie arbeitet, für sie schreit, für sie sich empört. Und man verlernt auch die falschen Hoffnungen. Die Illusion.

Alle die, die ernsthaft gearbeitet haben an der Hoffnung… die haben diese Frage nicht gestellt, kann man hoffen. Sie haben gearbeitet und sie haben die Hoffnung darüber gelernt.“

Fulbert Steffensky, März 2020

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06APR2020
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Vor uns liegt die Karwoche. Wir gehen auf Ostern zu. Mich begleitet dabei in dieser besonderen Zeit ein Gebet von Franz von Assisi:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Gebet des Heiligen Franziskus, Franz von Assisi

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05APR2020
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Was kann ich tun, wenn Angst und Traurigkeit immer wieder zurückkommen? Manchmal hilft es mir, andere zu trösten. Und für sie die Hoffnung im Herzen zu bewahren. Die jüdische Schriftstellerin und Dichterin Mascha Kaléko beschreibt das so:

„Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
Und Deine Stirn so schwer ist von Gedanken,
Lass mich Dich trösten, so wie man ein Kind
In Schlaf einsingt, wenn letzte Sterne sanken.

Die Sonne ruf ich an, das Meer, den Wind,
Dir ihren hellsten Sonnentag zu schenken,
Den schönsten Traum auf Dich herabzusenken,
Weil Deine Nächte so voll Wolken sind.

Und wenn Dein Mund ein neues Lied beginnt,
Dann will ich Meer und Wind und Sonne danken,
Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
Und Deine Stirn so schwer ist von Gedanken.“

Mascha Kaléko, Das lyrische Stenogrammheft, Kleines Lesebuch für Große

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