Manuskripte

SWR3 Worte

14MRZ2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Thomas Middelhoff war mal Topmanager und Multimillionär, bis er wegen Steuerhinterziehung und Untreue verhaftet wurde. Die Zeit im Gefängnis hat ihn verändert. Middelhoff erzählt:

Ich habe Demut gelernt in meiner Zeit als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt in Bethel. Seitdem ich diese Menschen getroffen habe, definiere ich Glück ganz anders.

Es hat mich glücklich gemacht, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun und mit diesem Menschen frohe Momente zu erleben, in denen Geld überhaupt keine Rolle spielt.

Auf einer Skala für Zufriedenheit hätte ich früher als Topmanager mit Millionen auf dem Konto eine Drei angegeben. Heute ist es eine Acht oder Neun. Dafür bin ich Gott unglaublich dankbar, er hat mir eine zweite Chance gegeben.

„Ich war ein Idiot“. BZ-Interview, Badische Zeitung, 14.9.209, Magazin, S. III

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30489
13MRZ2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Hate-Speech braucht aktive Gegenwehr, aber keinen Gegenhass. Das hat schon der Apostel Paulus gesagt. Die Pfarrerin Monika Lehmann-Etzelmüller hat dazu im Neuen Testament nachgelesen:

Paulus kannte kein Instagram und nutzte kein Twitter. Aber er hat einen guten Tipp für den Umgang mit dem Hass parat. An die Gemeinde in Rom schreibt er:
‚Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.‘ (Röm 12,12) Das ist naiv?

Mit einem Plakat mit der Aufschrift Skolstreejk for Klimatet vor dem Parlament zu stehen war auch naiv – und was hat es bewirkt! In der Überwindung des Bösen sind alle gefordert, alle und überall, auf dem Schulhof und am Gartenzaun, am Stammtisch und im Netz.“

„Nicht böse und nicht gut – das Netz ist, was wir daraus machen“, ganz persönlich. Magazin der Evangelischen Frauen in Baden 1/2020

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30488
12MRZ2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Wie geht das, Beten? Eine jüdische Legende zeigt, wie es auch ohne große Vorkenntnisse gehen kann:

Ein Rabbiner ging zum Gebet durch ein Dorf in den Wald dahinter.
Dort an einem bestimmten Baum betete er.
Und Gott hörte ihn.

Sein Sohn ging ebenfalls durch das Dorf in den Wald.
Er wusste nicht mehr, wo der Baum war.
Deshalb betete er an irgendeinem Baum.
Und Gott hörte ihn.

Der Enkel des Rabbiners kannte den Baum nicht und
den Wald nicht mehr. Er betete im Dorf.
Und Gott hörte ihn.

Der Urenkel kannte nicht Baum, noch Wald, noch Dorf.
Aber er kannte noch das uralte Gebet. Er betete es Zuhause.
Und Gott hörte ihn.

Der Ururenkel kannte nicht Baum, noch Wald, noch Dorf
und auch die Worte des Gebets nicht mehr.
Doch er kannte die Geschichte und erzählte sie seinen Kindern.
Und Gott hörte ihn.

leicht&sinn. Evangelisches Magazin für Frauen- und Gemeindearbeit. Oktober 2019,

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30487
11MRZ2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Wie ist das mit dem Beten? Was bringt’s? Grade, wenn man noch jung ist? Ein 20jähriger Berufsschüler sieht das so:

„Ich glaube an die Kraft des Gebets. Und ich glaube…, dass man über das Gebet auch Sachen anspricht, die man vielleicht mit seiner Familie oder mit engsten Personen nicht ansprechen würde, weil man nicht weiß, wie soll man es als Thema bringen?

Und im Gebet kann man sich einfach ausdrücken – (…) also ich bin mir sicher:
was ich mit ihm bespreche, bleibt unter uns und das geht an keinen Dritten.“

Jugend – Glaube – Religion. Was Jugendliche und junge Erwachsene dazu sagen, Eberhard Karls Universität

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30486
10MRZ2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Was können wir wissen? Über das Leben und über den Tod? Die Theologin Carola Moosbach fasst ihren Glauben und Unglauben in Worte:

„Für solche wie mich
Die wissen wollen wirklich wissen
Was wahr ist und
nicht Nach billigen Tröstungen suchen
Die nichts und niemandem glauben Können
und die Wahrheit ist Dass ich Angst habe Angst vor dem Sterben
Dem Leben das ohne Spuren versandet

Die Wahrheit ist
Dass wir es nicht wissen können
Nur Hoffnungen schüchtern in den Sand schreiben
Mit zögernden Händen
Und die Wahrheit ist
Womöglich größer als ich.“

Aus: Arbeitshilfe zum Weitergeben, Nr. 1, 2013

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30485
09MRZ2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

„Haben wir noch Fragen ans Leben? Die Bloggerin Susanne Niemeyer bricht eine Lanze dafür, dem Geheimnis auf der Spur zu bleiben. Sie schreibt:

„Was machen Tagträumer nachts? (…) Wie heißt das Tuwort von Frieden? …
Der wievielte Tropfen macht aus einer Pfütze einen See?
Wisst ihr noch, wie es sich anfühlte, als das Leben aus tausend Fragen bestand?
Als unsere Kinderaugen die Welt entdeckten?
Dann wurden wir groß, fingen an, über Steuererklärungen und Mülltrennung nachzudenken und die Fragen verschwanden.
Aber vielleicht sind es gar nicht die Fragen, die nicht mehr da sind, sondern unser Kinderherz, das verschwunden ist.
Suchende sollen wir sein, nicht Sichere. (…) Bleibt dem Geheimnis auf der Spur, nicht jedem Nachrichtenschnipsel. Folgt den Fragen und nicht den Antworten. Lasst euch nicht einfangen. Taucht tiefer. Gott hat die Sehnsucht in unser Herz gelegt, nicht die Sicherheit.“

Aus: https://www.freudenwort.de/engelimbiss/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30484
08MRZ2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Heute ist internationaler Frauentag. Ein guter Tag, um auch an überholten religiösen Bildern zu kratzen. Die Journalistin Antje Schrupp zum Bild vom männlichen Gott:

„Wenn Gott aber nicht Bruce Willis, sondern Meryl Streep wäre? Also keine, die wie ein strenger Vater droht: „Wehe, du hörst nicht auf mich, dann gibt’s Hausarrest!“. Sondern eine, die warnt: Zieh dir lieber etwas Warmes an, sonst wirst du dich noch erkälten?

Meine Lieblingsbibelstelle dazu steht beim Propheten Hosea, 11. Kapitel. Dort wird Gott - gefragt, warum sie die abtrünnigen Israeliten nicht bestraft -mit den Worten zitiert: „Mein Mitleid lodert auf, aber ich vollstrecke meinen Zorn nicht. Denn Gott bin ich, und kein Mann.“

Antje Schrupp auf: https://www.freitag.de/autoren/antjeschrupp/mutter-unser

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30483