Manuskripte

SWR3 Worte

07MRZ2020
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Der Autor David Whitehouse beschreibt in einem seiner Romane was Liebe für die geistig behinderte Rosa ist:

 

[...]…ein Gefühl, das nicht einfach so kam und wieder ging, sie wuchs nicht und sie ließ auch nicht nach. Man verliebte sich nicht und man entliebte sich nicht. Liebe, das war der Schlupfwinkel, den sie in der Achselhöhle der Mutter fand, Liebe war, wenn der Käse auf einer Ofenkartoffel schmolz, und die Art, wie der HundBert (...) ihren Teller bewachte, ohne jemals etwas davon zu klauen. Liebe war das Gefühl, das sie für Bobby hegte. Sie entwickelte sich nicht, sie war einfach da, im Hier und Jetzt, ohne jede Vergangenheit oder Zukunft. Liebe war eben einfach nur.

  

Aus: David Whitehouse: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek. Heyne Verlag, München 2015, S. 212f.

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06MRZ2020
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Der Autor Werner Küstenmacher über das, was er für ein gesundes Ich hält:

 

[…] Wer bin ich wirklich? Ich allein, ohne Beachtung der Menschen um mich herum? Das ist keine harmlose Frage. [...]Gefühle über einen längeren Zeitraum zu unterdrücken, sich selbst nicht mehr zu spüren, das ist lebensgefährlich. […] Der erste Schritt zu einem gesunden Ich besteht darin, die Träne zu weinen. Das Lachen zu lachen. Sich nicht zu fragen: Darf ich das? Ist das gut für mich? Schadet das meiner Beziehung? Kostet das Geld? Kostet mich das meinen Job? Sondern: Innehalten, bevor die angelernten Mechanismen wieder anlaufen. Nach innen lauschen, auf das eigene Herz hören – und dann das, was man da innen findet, ansehen und mögen und sagen: Ja, das bin ich. 

 

Quelle: Werner Tiki Küstenmacher: Die neue 3-Minuten-Bibel. Knaur Taschenbuch, Pattloch Verlag 2013, S. 166.

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05MRZ2020
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Ein Text von Stefan Brinkmann, der nicht nur für Blumen gilt:

 

Kleine Blume,
Kopf hoch,
lass die Blätter nicht hängen. 

Auf jeden Winter
folgt ein neuer Frühling,
in dem Du in alter Pracht
erblühen kannst. 

Lass nur die Kälte nicht
zu Deinen Wurzeln dringen.

  

Quelle: Stefan Brinkmann alias Nachtpoet auf: https://www.instagram.com/p/ByQKpq4Cg2R/

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04MRZ2020
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Der Autor Werner Küstenmacher darüber, wie wichtig es ist mehr in sich selbst zu schauen als auf die Anderen:

 

Ich habe den Eindruck, dass ein großes Problem in unserer Gesellschaft der nach außen verborgene Mensch ist. Der sein Selbstgefühl nicht aus sich bezieht, sondern aus der Reaktion der anderen (...). Der aus den Nachrichten erfährt, wie es ihm geht. Oder aus der Beurteilung seines Chefs. Oder aus der Stimmung seines Partners. Es ist schlimm, wenn ein Mensch sein Ich vergisst. Wenn seine seelische Haut ein Leck bekommen hat, aus dem sein Ich herausläuft. Wenn er auf die Frage „Wie geht`s dir?“ nicht mehr antworten kann, weil er sich die Frage abgewöhnt hat.

 

Quelle: Werner Tiki Küstenmacher: Die neue 3-Minuten-Bibel. Knaur Taschenbuch, Pattloch Verlag 2013, S. 166.

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03MRZ2020
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Was ist Hoffnung? Der Autor David Whitehouse gibt mit seiner zehnjährigen Romanfigur Bobby diese Antwort:

 

„Immer wenn er hörte, wie Leute von Hoffnung sprachen, dann klang es so, als sei das etwas, was man nur in Zeiten der Verzweiflung haben konnte. Bobby glaubte nicht, dass das stimmte. [...] Er fand: Hoffnung ist[...] ein Seelenlotsenlicht. Es flackert nie. Es geht nie aus. Und auch wenn sie es vielleicht nicht wissen, so wärmen sich die Menschen doch jeden Tag ihre Hände daran. Es hilft ihnen dabei, morgens aufzustehen. Es bringt sie dazu, das Haus zu verlassen. Es gibt ihnen die Kraft, ihr Leben zu meistern.“

  

Quelle: David Whitehouse: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek. Heyne Verlag, München 2015, S. 101

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30463
02MRZ2020
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Eine Geschichte über Angst von Khalil Gibran:

 
Es kam ein Patient zum Arzt und klagte: „Angst beherrscht mein Leben. Sie hat mir alle Freude genommen." Der Arzt erzählte dem Patienten darauf eine Geschichte: „Hier in meiner Praxis lebt eine Maus, die an meinen Büchern knabbert. Mache ich zu viel Aufhebens von der Maus, wird sie sich vor mir verstecken und ich werde nichts anderes mehr tun, als sie zu jagen. Stattdessen habe ich meine wertvollsten Bücher an einen sicheren Platz gestellt und ich erlaube ihr, an den anderen zu knabbern. Auf diese Weise bleibt sie eine einfache, kleine Maus und wird nicht zu einem Monster. Mein Rat lautet also: Richten Sie Ihre Angst auf einige wenige Dinge, dann bleibt Ihnen Mut für das, was wichtig ist."

Quelle: Khalil Gibran / Der Wanderer, leicht modifiziert

https://nur-positive-nachrichten.de/inspirierende-geschichten/die-maus-inspirierende-kurzgeschichte-ueber-unsere-aengste

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01MRZ2020
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Der Autor Werner Küstenmacher über Offenheit für den Glauben:  

Jesus spricht ungern von „Gläubigen“ und „Ungläubigen“ (...) - er unterscheidet einfach zwischen Sehenden und Blinden. Damit macht er deutlich: Glauben erfordert keine besonderen Fähigkeiten oder übermenschlichen Anstrengungen. Alles, was dazu nötig ist, ist Offenheit. So wie man die Augen aufmacht und sieht, was vor einem ist, so soll unser Herz, unsere ganze Person offen sein, es geschehen lassen. Dasklingt einfach, aber unser Blick ist getrübt von vielerlei Hindernissen, die uns die Sicht versperren. Getönte Brillen, die uns die Wirklichkeit verzerren. Man nennt das Ideologie, und es gibt kaum etwas, das Jesus so wütend macht, wie solche Denkschablonen: Wenn Menschen nicht auf Menschen sehen, sondern auf ein System, eine Idee, irgendetwas, das wichtiger ist als der Mensch, der gerade vor ihm steht.  

Quelle: Werner Tiki Küstenmacher: Die neue 3-Minuten-Bibel. Knaur Taschenbuch, Pattloch Verlag 2013, S. 162f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30461