Manuskripte

SWR3 Worte

01FEB2020
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Alle wollen helfen, manche tun mehr als andere. Menschen, die ihr Leben hingeben um andere zu retten. Rupert Neudeck war einer davon. Er hat Menschen gerettet. Anlässlich seines Todes sagte Navid Kermani:

…wir gewöhnlichen Menschen, helfen nicht in jeder Not und nicht jedem Bedürftigen, und wir haben durchaus Gründe, es nicht zu tun.
Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt... Die Religionen verlangen keineswegs von uns, alles zu geben. Und doch … Es gibt zu viel Leid auf der Welt; unsere Zivilisationen würden zugrunde gehen, wenn jeder von uns nur seinen eigenen Anteil an der Barmherzigkeit trüge.

Es brauchte zu allen Zeiten einzelne Menschen, die alles geben, die so vielen Menschen helfen, wie es eben nur geht, ohne zu fragen, was für sie selbst übrig bleibt…
Wo immer über sie geschrieben wurde fiel auf, dass sie etwas Kindliches ausstrahlen, dass sie ein bisschen wie Kinder sind.

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-145417505.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30213
31JAN2020
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Viele Vesperkirchen laden in diesen kalten Wochen wieder ein – zum Essen und zu Gemeinschaft. Aber vor allem versuchen wir von der Vesperkirche, den Gästen zuzuhören. Eine Frau wirkt voller Angst:

Ich bin hierhergekommen, nur um zu essen. Jetzt stellen sie mir lauter Fragen. Ich will aber nicht reden. Ich will meine Ruhe. Na gut, wenn Sie wirklich Zeit haben Dann….Ich musste fliehen. Ich muss immer wieder fliehen. Ich musste ganz unten ankommen. Vielleicht konnte ich nur so etwas lernen.
Ich will mich immer einmischen, ich will allen helfen und jetzt weiß ich kaum wie ich klarkommen soll. Ich brauche etwas wo ich sicher bin, etwas wo ich schlafen kann und die Tür zumachen. Oder ein Zelt.
Mein Hund passt dann schon auf mich auf. Sie haben ein Zelt?! Dann brauch ich nur noch einen Platz, an den ich heute kann. Dann bin ich für heute gerettet.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30212
30JAN2020
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In der Mannheimer Vesperkirche sind zurzeit jeden Tag hunderte Menschen zusammen mit ganz unterschiedlichen Schwierigkeiten. Viele können sich nicht regelmäßig waschen, haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Viele Ehrenamtliche helfen. In diesem Jahr lädt wieder ein Friseursalon in der Nachbarschaft ein, öffnet nur für die Vesperkirche zwei Montage: Haare waschen, schneiden, föhnen, zuhören. Wen sie da rauskommen sind alle schön und glücklich und aufgerichtet. Ein Gast kann es gar nicht glauben, als wir mit dem Angebot an seinen Tisch kommen.

Echt wir dürfen zum Friseur? Richtig in einen Friseursalon?? Wow! Ich war seit über einem Jahr nicht mehr beim Friseur. Schaun‘ Sie mal: Meine Haare sind völlig verfilzt.
Und meine Freundin, darf die auch noch mit? Haben Sie einen Termin für uns alle beide?
Das werden wir Ihnen allen nie vergessen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30211
29JAN2020
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In Mannheim ist wieder Vesperkirche, etwa 500 Menschen kommen jeden Tag um sich hier aufzuwärmen, etwas zu essen zu bekommen, oder medizinische Hilfe, Kleidung, Schlafsäcke und auch Sozialberatung. Einer hält mir seine Hand vor die Nase, der halbe Zeigefinger fehlt:

Schaun Sie mal! Sehen Sie? Ich hab die Hand noch, wissen Sie noch vor zwei Jahren? Sie haben mich da hin geschickt ins Krankenhaus. Ich wollte nicht, ich hatte Angst die Hand zu verlieren und das hätte ich auch.
Hätten Sie mir nicht gesagt, ich muss dahin. Ich hatte eine Blutvergiftung. Alles war entzündet.

Aber jetzt habe ich die Hand noch. Ich kann sie nicht so gut bewegen. Und nur der eine halbe Finger fehlt. Das habe ich den Leuten hier in der Kirche zu verdanken! Den Sanitätern und den Ärzten. Und Gott!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30210
28JAN2020
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In Mannheim ist jetzt wieder Vesperkirche, jeden Tag kommen um die 500 Menschen in die Kirche, um hier gemeinsam zu essen. Es sind Arbeitslose, Obdachlose, Rentnerinnen und Kranke, Einsame, Menschen mit Suchterkrankungen und psychischen Problemen. Und weil die Kirche so voller Leute ist, passiert auch immer mal was. Meine Kollegin erzählt, wie plötzlich ein Wohnsitzloser ausrastet:

Er ist auf einen der Mitarbeiter. Losgegangen hat gebrüllt „Navy, Navy!“
War offensichtlich in einem völlig anderen Film. Ich wusste echt nicht, ob ich da heil rauskomme. Aber es war klar, dass er irgendwo im Krieg war. Ein flash, ein Trauma. Der war nicht mehr hier bei uns.

Leute, die wie er auf der Straße leben, umarmen ihn und beruhigen ihn. Sie haben den Mitarbeiter geschützt. Aber auch ihren Freund davor bewahrt, dass er wohlmöglich Hausverbot erhält. Echte Freunde!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30209
27JAN2020
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In Mannheim ist von 6. Januar bis 2. Februar wieder die Vesperkirche geöffnet. Es gibt jeden Tag Essen und medizinische Begleitung, Beratung und Unterstützung für Menschen in Not. Etwa sechzig Ehrenamtliche pro Tag helfen in den vier Wochen mit. Einer davon ist Arzt. Grade hat er einen Menschen mit Erfrierungen an Füßen und Händen behandelt und sagt:

Das hätte ich nie gedacht. So etwas hier bei uns überhaupt zu sehen. Na klar ist es nicht so kalt. Aber bei -2° und mit nassen Füßen und drei Jacken übereinander.
Die schnüren die Durchblutung der Hände ab. Wenn du dann draußen schläfst…

Für den brauchen wir jetzt erstmal vor allem trockene Strümpfe;damit das wieder heilen kann. Wie gut, dass seine Freunde ihn hergebracht haben und dass die Sanitäter sich so gut auskennen. Wenn die ihn hier jetzt jeden Tag verbinden, dann hat er eine Chance. Dann kann das wieder besser werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30208
26JAN2020
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Suchen und suchen. Und endlich finden. Ein Loblied von einem, der endlich gefunden hat. Aufgeschrieben im Buch der Psalmen.

Gott, dich suche ich.
Nach dir dürstet meine Kehle,
nach dir sehnt sich mein Körper,
in einem Land, vertrocknet und verdorrt ohne Wasser.

So habe ich im Heiligtum nach dir gesucht,
deine Macht und Freundlichkeit zu sehen:
Ja deine Freundlichkeit ist besser als Leben,
meine Lippen wollen dich preisen.

So will ich dich segnen mit meinem Leben,
in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
Wie von Fett und Öl wird meine Seele satt,
mit Lippen voll Jubel lobsingt mein Mund.

Wenn ich an dich denke auf meinem Lager,
in durchwachten Nächten über dich nachsinne.
Ja, du bist mir zur Hilfe geworden,
im Schatten deiner Flügel kann ich jubeln.

Mein verletzliches Leben hängt an dir,
möge deine reche Hand mich halten.

Psalm 63

BasisBibel, Deutsche Bibelgesellschaft 2012

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30207