Manuskripte

SWR3 Worte

21DEZ2019
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Was hilft gegen die Angst? Wie bekommt man Mut? Die Schriftstellerin Luise Rinser hat folgende Erfahrung gemacht:

Einer meiner Bekannten malt sich alle schlimmen Ereignisse, die ihm vielleicht zustoßen könnten, im Voraus genauestens aus, dann legt er sich zurecht, wie er sich in jeder Situation zu verhalten hat. Dadurch hat er tatsächlich eine Art Krisenfestigkeit erlangt. Aber ist er deshalb glücklich und ruhig? Keineswegs! Denn er ist nur immerzu darauf bedacht, mögliche Bedrohungen sofort als solche zu erkennen.

Ich kenne ein weit besseres Hilfsmittel. Es ist im Grunde dasselbe, das ein Kind anwendet, wenn man es in den dunklen Keller schickt: Es singt laut. Damit zeigt es dem Unbekannten, dass es ihm etwas entgegenzusetzen hat: den Mut. Und Mut ist eine Form des Vertrauens. Nicht in die eigene Kraft, sondern in etwas, das uns beschützt.

Der andere Advent 2019/2020, Hamburg 2019

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20DEZ2019
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Eigentlich ist der Advent eine besinnliche, eine stille Zeit. Aber Stille ist gar nicht so leicht zu finden. Die Schriftstellerin Zsusza Bank erzählt von ihren Momenten der Stille, die sie am Abend erlebt:

Wenn wir die Cafétür schließen, das schwere Gitter vor dem großen Fenster herablassen, die Kaffeemaschine ausschalten, wenn ihr Grundbrummen aufhört und sie anfängt zu schweigen, wenn wir den Rest an Torten und Kuchen in die Kühlzelle stellen, Lilli die Musik ausmacht und kein Geräusch mehr kommt, keine Stimmen mehr zu hören sind – das ist meine stille Zeit.

Wir sitzen auf dem roten Sofa mit der hohen Lehne, ziehen die Schuhe aus, legen die Füße hoch. Diese zehn, fünfzehn Minuten am Abend sind unsere stille Zeit, Lillis und meine stille Zeit im Advent.

Der andere Advent 2019/2020, Hamburg 2019

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19DEZ2019
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In der Weihnachtsgeschichte spielt der Stern eine große Rolle. Der über dem Stall in Bethlehem, der die Weisen aus dem Morgenland auf die Spur des Kindes in der Krippe setzt. Das ist gut 2000 Jahre her. Aber noch immer können die Sterne am Himmel etwas über Weihnachten erzählen. Das jedenfalls findet der Theologe Frank Hofmann:

Mit menschlichem Auge gerade noch so zu erkennen, ist die Sonne „Chi Aurigae“. Sie ist über 2000 Lichtjahre von uns entfernt. Wenn wir Chi Aurigae sehen, schauen wir also auf ein Licht, das vor über 2000 Jahren ausgesandt wurde.

Oft scheint der Himmel in der Nacht einfach nur dunkel zu sein. Aber all die Lichtinformationen, die damals ausgesandt wurden, sind im Weltraum unterwegs. Das Licht von Bethlehem, es leuchtet noch immer.

Der andere Advent 2019/2020, Hamburg 2019

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18DEZ2019
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Viele Menschen kennen den Hunger nach Leben. Die Schriftstellerin Anna Tüne hat gute Ideen, wie man diesem Hunger beikommen kann:

Vergesst nicht, neben dem Lernen, dem Arbeiten und Kämpfen, der Wut und der Geduld das Billardspielen zu lernen. Oder greift zur Gitarre, Laute, Flöte, lernt das Kochen neu, nicht als Pflicht, sondern als schmatzigen, schmausigen Spaß.

Denkt euch Witze aus, lernt erneut den Himmel sehen, das Jauchzen beim Tanzen, das laute Rufen, das Miteinander; übt euch im Lieben. Nur so werden wir, altersschwer und grau dann, sagen können: Ich bin lebenssatt.

Freude – Schätze aus 20 Jahren Der andere Advent, Hamburg 2014

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17DEZ2019
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Als Bundespräsident hat Joachim Gauck viele kluge Reden gehalten. Kluge und weise Worte findet er aber auch für seine Enkeltochter Josefine:

Es ist ein großes Geheimnis, dass, wenn wir selber verzagt sind, oft Menschen da sind, die einen stabileren Grund unter den Füßen haben oder einen Kern in sich, dem sie trauen. Die Menschen, denen ich nachlebe, hatten ihn aus ihrem Glauben.

Zu hören, zu glauben, sich darauf zu verlassen, dass wir ganz zuletzt, vielleicht ganz am Ende - oder auch ganz plötzlich - nicht mehr unserer Angst gehören, sondern Gott, dass eine stärkere Liebe existiert als die, die wir Menschen zustande bringen, das, Josefine, lässt manchen Menschen Hoffnung finden, wenn andere aufgeben.
Weit wird das Land, wenn Menschen das glauben, und ruhig unser ängstliches Herz.

Freude – Schätze aus 20 Jahren Der andere Advent, Hamburg 2014

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16DEZ2019
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Stell dir vor, jeden Morgen stellt dir eine Bank 86400 Euro auf deinem Konto zur Verfügung. Du kannst den gesamten Betrag an einem Tag ausgeben. Allerdings kannst du nichts sparen, was du nicht ausgegeben hast, verfällt. Aber jeden Morgen, wenn du erwachst, eröffnet dir die Bank ein neues Konto mit neuen 86400 Euro für den kommenden Tag.

Jeder von uns hat so eine magische Bank: die Zeit. Jeden Morgen bekommen wir 86400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren. Aber jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen. Was also machst du mit deinen täglichen 86400 Sekunden?

„Das Tagesgeschenk“ von Marc Levy
Freude – Schätze aus 20 Jahren Der andere Advent, Hamburg 2014

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15DEZ2019
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Viele Menschen wissen, wie sich Not und Elend anfühlen. Dann ist das Leben dunkel, und Hoffnung ist schwer zu finden. Aber die Not hat nicht das letzte Wort. Gerade dort, wo es besonders dunkel ist, will Gott uns begegnen. Diese Hoffnung teilt der Theologe Helmut Gollwitzer, und bei ihm klingt das so:

Die Nacht wird nicht ewig dauern.
Es wird nicht finster bleiben.
Die Tage, von denen wir sagen,
sie gefallen uns nicht,
werden nicht die letzten Tage sein.

Wir schauen durch sie hindurch
vorwärts auf ein Licht,
zu dem wir jetzt schon gehören
und das uns nicht loslassen wird.

Freude – Schätze aus 20 Jahren Der andere Advent, Hamburg 2014

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