Manuskripte

SWR3 Worte

09NOV2019
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Heute vor 30 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen. Uwe Schwab, der ehemalige DDR-Bürgerrechtler erinnert sich, dass die Leipziger Nikolaikirche damals ein zentraler Ort der friedlichen Revolution war und erzählt:

 

„Mich hat […] einfach mal jemand mit in die Nikolaikirche genommen - das war ein Glücksfall. Ich bin kein Christ, aber man traf dort auf junge Leute, die ganz anders tickten und nicht nur alles nachbeteten, was von oben verlangt wurde. Die redeten ganz offen über gesellschaftliche Probleme […]. Für mich war das wie eine Schule der Demokratie, in der man gelernt hat, andere Meinungen zuzulassen und Argumente auszutauschen […]

Natürlich gab es auch Pfarrer, die jeden Protest abgelehnt haben und nie Räume zur Verfügung gestellt haben. Genug andere haben es aber getan – […] so sind in der Kirche viele Gruppen entstanden - das war eine Grundbedingung für das, was dann zur Wendezeit passiert ist. Ohne die evangelische Kirche wäre das nicht möglich gewesen.“

 

 

Autor: Uwe Schwab

Titel: Die Kirche hat eine riesengroße Rolle gespielt

In: https://www.evangelisch.de/inhalte/160849/01-10-2019/ex-ddr-buergerrechtler-uwe-schwabe-kirche-rolle-friedliche-revolution

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29706
08NOV2019
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Heute vor genau 70 Jahren hat Georg Elser versucht, Adolf Hitler umzubringen, um so den Krieg abzuwenden. Der Journalist Tim Pröse schreibt darüber:

 

„Dreizehn Minuten zwischen Leben und Tod. Zwischen Rettung und Untergang. Diese dreizehn Minuten fehlten Georg Elser, um die Welt zu verändern. Wäre seine Bombe nur etwas früher explodiert, hätte sie Hitler getötet. […]

Elser war ein selbstbewusster Mensch mit klarem Blick und verschmitztem Lächeln. Etwas Unternehmungslustiges und Unabhängiges lag in seinen Zügen.

Der Mut eines Alleingängers, der so fest war, dass er selbst die Nazis verwirrte. Niemanden hatte Elser von seinem Vorhaben erzählt. Allein Gott im Gebet vertraute sich der gläubige Katholik an.“

 

Autor: Tim Pröse

Text: Hitler Attentäter Georg Elser. Es fehlten nur 13 Minuten.

In: https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29705
07NOV2019
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Der Schulalltag der Brüder-Grimm Grundschule in Oberhausen ist von kultureller und religiöser Vielfalt geprägt. Die Grundschullehrerin Fereba Seleman spricht für alle Kinder dort ein Segensgebet:

 

„Gott schenke uns die Kraft des Herzens,

dass es weit genug sei, um aufzunehmen und zu empfangen.

Gott schenke uns die Kraft der Hände, um Frieden in die Welt zu säen.

Gott schenke uns die Kraft der Gedanken, um fantasievoll Auswege aus

der Sackgasse zu finden.

Gott schenke uns die Kraft der Stimme, dem Frieden eine Melodie zu

geben, die alles durchdringt.“

 

 

Autor: Fereba Seleman

Titel: Segensgebet

In: Pädagogisches Institut. Evangelische Kirche von Westfalen: Interreligiös unterrichten. Fort- und Weiterbildung für Schulen und Kirche 2/2019, S. 45.

Link zum PDF: http://www.pi-villigst.de/veranstaltungen.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29704
06NOV2019
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Was macht Menschsein aus?

Die gemeinsame Antwort aus jüdischer, christlicher und muslimischer Sicht heißt: wir sind von Gott geschaffen. Der Rabbiner Leo Baeck beschreibt das so:

 

„Die Gottesebenbildlichkeit ist das, was jedem zukommt, […] mir nicht mehr, aber auch nicht weniger als irgendeinem anderen. Wir gehören alle zu Gott, wir sind alle dieselben. […] Über die Grenzen, welche die Völker […] und die Stände […] abstecken wollen, geht die Einheit

und geht die Hoheit des Menschlichen.

Nicht unser Wohlwollen oder unsere Bereitwilligkeit schenkt es dem andern, dass er unser Mitmensch ist, […] sondern er ist es kraft Gottes.“

 

 

Autor: Leo Baeck

Titel: Die Schöpfung des Mitmenschen

In: Ders.: Soziale Ethik im Judentum, Frankfurt 1914³, S. 9-15, 10

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29703
05NOV2019
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Seit über 25 Jahren gibt es sie nun, die Stolpersteine: Kleine quadratische im Boden verlegte Messingschilder, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Der Chemnitzer Rapper Trettmann schaut sich einen von ihnen genauer an und „stolpert“ über die Geschichte einer jungen Frau:

   

„Sie war Mitte zwanzig - selbes Alter… Was ist wohl passiert?

Ging sie gern tanzen?
Königin vom Ballsaal - Genau wie du - Ja, genau wie du - Queen im Club.

Setz mich hin vor ihrer Haustür.

Sie ging ein und aus hier. Saß sie auch hier? […]

Stell mir vor, wie sie mir 'n Lächeln schenkt […]

In meiner Straße Stolpersteine.

Vögel singen und ich [ich] weine.“

  

Songwriter: Christian Meyerholz / Christoph Erkes / Nicole Schettler / Silvio Brunner / Stefan Richter (alias Trettmann)

Titel: Stolpersteine

In: Trettmann & KitschKrieg; https://genius.com/Trettmann-and-kitschkrieg-stolpersteine-lyrics

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29702
04NOV2019
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Ein Blick in die Zeitung und Frieden scheint weit entfernt.
Ein Blick um mich herum - und er kann plötzlich ganz nah sein: der einfache Frieden. Die Berliner Schriftstellerin Gisela Steineckert malt ihn uns vor Augen:

 

„Wenn […] vom Schornstein steigt der Rauch,

soll'n die Leute beieinander sitzen, vor sich Brot und Ruhe auch.

[…]

Das ist der einfache Frieden, den schätze nicht gering. […]

 

Wo ein Mann ist, soll eine Frau sein, dass da eins das andre wärmt. […]

Wo ein Ball liegt, soll nah ein Kind spiel'n, das zwei gute Eltern hat. […]

Das ist der einfache Frieden, den schätze nicht gering.

Es ist um den einfachen Frieden seit Tausenden von Jahren

ein beschwerlich Ding.

[…]

 

Wo ein Leben war, da soll ein Tod sein

unter Tränen still ins Grab,

wo der Nachfahr manchmal hingeht

zu dem Menschen, den es gab. […]

Das ist der einfache Frieden, den schätze nicht gering.“

 

 

Autorin: Gisela Steineckert

Titel: Der einfache Friede

In: http://www.gisela-steineckert.de/Gedichte/dereinfachefrieden.htm

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29701
03NOV2019
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November! – er wird auch Trauermonat genannt – stille Tage, Volkstrauertag, Totensonntag und draußen hängt kaum noch ein buntes Blatt an den Bäumen. Anlass zum Nachdenken: über das eigene Leben und vor allem die eigene Vergänglichkeit. Medard Kehl, Jesuit und Theologieprofessor, sagt: 

„Wenn Jesus wirklich die menschliche Gestalt Gottes ist, zeigt Gott uns so, dass er alle unsere Höhen und Tiefen bereit ist zu teilen. Dass alles dazu gehört; eben auch das Leid, das Scheitern, der Verrat und auch der Tod. Dass Jesus das durchleidet, ist für mich das größte Zeichen der Solidarität von Gott mit den Menschen. Dadurch wird sichtbar, der Tod hat nicht das letzte Wort.“  

 

Autor: Medard Kehl im Interview mit Christian Reinartz

Titel: Die Auferstehung ist für den Glauben eine Zumutung

In: https://www.extratipp.com/hessen/frankfurter-theologie-professor-medard-kehl-interview-auferstehung-glauben-eine-zumutung-9734701.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29700