Manuskripte

SWR3 Worte

27JUL2019
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Ein Nachbar hatte über Künzelmann schlecht geredet (...) Künzelmann stellte ihn zur Rede.

“Ich werde es bestimmt nicht wieder tun”, versprach der Nachbar. “Ich nehme alles zurück, was ich über Sie erzählt habe”. Künzelmann sah den anderen ernst an. “Ich habe keinen Grund, Ihnen nicht zu verzeihen” erwiderte er. “Jedoch verlangt jede böse Tat ihre Sühne.” Künzelmann gab ihm ein großes Kopfkissen. “Nehmen Sie dieses Kissen in Ihr Haus[...].” sagte er. “Dann schneiden Sie ein Loch in das Kissen und kommen wieder zurück, indem Sie unterwegs immer eine Feder nach rechts, eine Feder nach links werfen. Dies ist der Sühne erster Teil.”

Der Nachbar tat, wie ihm geheißen. Als er (...) Künzelmann (...)die leere Kissenhülle überreichte, sagte der:

“Gehen jetzt wieder den Weg zu Ihrem Haus zurück und sammeln Sie alle Federn wieder ein.”

Der Nachbar stammelte verwirrt: “Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln! Ich hab sie wahllos ausgestreut, inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen. Wie könnte ich sie alle wieder einfangen?”

Künzelmann nickte ernst: “(...) Genau so ist es mit der üblen Nachrede. (…)

 

Quelle: https://www.zeitzuleben.de/die-uble-nachrede/eingeschickt von einer Zeit zu leben-Leserin, leicht geändert

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29084
26JUL2019
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Anika Schuppert beschreibt auf Instagram einen Wunsch, den ich faszinierend finde:

"Ich wünschte manchmal, ich könnte mich von außen betrachten, um mich selbst mit anderen Augen zu sehen. Um in einem Moment des Zweifels vielleicht erstaunt darüber zu sein, wer ich eigentlich bin. Vielleicht würde ich erkennen, dass es keinen Grund zum Zweifeln gibt und dass alles ok ist, genau so, wie es ist.

 

Quelle: Anika Schuppert auf Instagram unter dem Profil "wespeakinsilence"

https://www.instagram.com/p/Bxyzvp1nNgf/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29083
25JUL2019
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Eine Geschichte von Gotthold Ephraim Lessing über den Zusammenhang von Innen und Außen:

Ein Mann hatte einen wunderschönen Bogen aus Ebenholz, mit dem er sehr weit und sehr sicher schoss, und den er ungemein pflegte und wertschätzte.

Einmal aber, als er ihn aufmerksam betrachtete, sprach er: “Ein wenig zu plump bist du doch! Deine einzige Zierde ist Glätte. Schade! Doch dem ist abzuhelfen. (...)Ich will hingehen und den besten Künstler Bilder in den Bogen schnitzen lassen.”

Er ging und der Künstler schnitzte eine ganze Jagd auf den Bogen und was hätte sich besser auf einem Bogen geschickt als eine Jagd?

Der Mann war voller Freude. “Du verdienst diese kunstvollen Verzierungen, mein lieber Bogen!” Mit diesen Worten wollte er ihn ausprobieren; spannte ihn und der Bogen – zerbrach.

 

Quelle. https://www.zeitzuleben.de/der-besitzer-des-bogens/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29082
24JUL2019
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Es heißt, dass der Apostel Johannes gern mit seinem zahmen Rebhuhn spielte.

Nun kam eines Tages ein Jäger zu ihm (…) und fragte: “Warum vertust du deine Zeit mit Spielen mit diesem nutzlosen Tier? (...)”

Verwundert blickte Johannes auf. (...)und fragte zurück: “Weshalb ist der Bogen in deiner Hand nicht gespannt?”

Der Jäger antwortete: “Das darf nicht sein. Ein Bogen verliert seine Spannkraft, wenn er immer gespannt wäre. Er hätte dann, wenn ich einen Pfeil abschießen wollte, keine Kraft mehr. Und so würde ich natürlich das anvisierte Ziel nicht treffen können.”

Johannes sagte daraufhin: “Siehst du, so wie du deinen Bogen immer wieder entspannst, so müssen wir alle uns immer wieder entspannen und erholen. Wenn ich mich nicht entspannen würde, indem ich z.B. einfach ein wenig mit diesem – scheinbar so nutzlosen – Tier spiele, dann hätte ich bald keine Kraft mehr, all das zu tun, was notwendig ist. Nur so kann ich meine Ziele erreichen und das tun, was wirklich wichtig ist.”

 

Wolf Lasko und Iris Seim: Der entspannte Bogen.

Aus: Wolf Lasko und Iris Seim: Die Wow-Präsentation.

Gefunden auf: https://www.zeitzuleben.de/der-entspannte-bogen/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29081
23JUL2019
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Manchmal drücke ich mich vor großen Aufgaben oder habe Angst davor, zu scheitern. Die  folgende Geschichte macht mir Spaß und Mut:

Ein Mann hatte bei einer Aufgabe versagt und fühlte sich furchtbar schlecht. Von Selbstzweifeln  geplagt, lief er eine Straße entlang. Plötzlich sah er mitten auf dem Weg vor sich einen kleinen Spatzen. Dieser lag auf dem Rücken und streckte seine winzigen Füßchen zum Himmel.

Der Mann, (...) schrie(..): “Geh mir aus dem Weg, du nichtsnutziges Federvieh!”

Der Spatz aber antwortete: “Nein, (...). Ich habe eine große Aufgabe zu verrichten.”

Der Mann (...)fragte: “Verrat mir, was so wichtig ist, dass du mir den Weg nicht freimachen willst?”

“Oh”, sagte der Spatz, “man hat mir gesagt, dass heute der Himmel auf die Erde fallen wird. Und deshalb liege ich nun hier. Ich werde ihn mit meinen Füßen auffangen.”

Der Mann lachte. (...)“Was? Du kleines Federknäuelchen willst mit deinen dürren Beinchen den Himmel auffangen?”

Der kleine Spatz erwiderte sehr ruhig und ernst: “Tja, man tut was man kann!”

 

Verfasser unbekannt, leicht umgeschrieben

 

Quelle: https://www.zeitzuleben.de/der-samurai-und-der-spatz/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29080
22JUL2019
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Grabsteine sind nicht gerade etwas, worüber ich oft nachdenke. Wohl deshalb hat mich eine Passage in einem Roman von Kate Morton sehr berührt. Die Figur „Leonard“ betrachtet darin eine Grabsteininschrift: 

„Einmal mehr blieb Leonards Blick an dem Gedankenstrich zwischen den Jahreszahlen hängen. In diesem von Flechten überwuchterten Wortzeichen lag ein ganzes Menschenleben: Kindheit, Romanzen, Verluste und Ängste, alles reduziert auf eine einzige in Stein gemeißelte Linie auf einem ruhigen Friedhof  am Ende einer Landstraße. An manchen Tagen fand Leonard den Gedanken tröstlich, an anderen erschreckend.“  

 

Quelle: Kate Morton: Die Tochter des Uhrmachers. Diana Verlag 2018, Seite 295

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29079
21JUL2019
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Ein provokanter Gedanke aus dem Buddhismus, zum Umgang mit der eigenen Vergangenheit:

"Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn:

“Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?”

Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf, umklammerte ihn und jammerte:

“Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?”

 

Quelle: https://nur-positive-nachrichten.de/inspirierende-geschichten/loslassen-eine-kurzgeschichte-mit-der-frage-wie-man-sich-von-der-vergangenheit-frei-machen-kann

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29078