Manuskripte

SWR3 Worte

29JUN2019
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Christian Olding ist Pastor. Er ist davon überzeugt, dass man Glauben lernen kann. Er sagt:  

„Das erste, was nötig ist, ist eine Vision: Die meisten Menschen haben für viele Bereiche ihres Lebens fünf- oder zehn-Jahres-Pläne. Sie wissen, was sie in ihrem Beruf erreichen wollen, und sie wissen auch, wo sie mit ihrer Beziehung irgendwann stehen möchten. Und ich glaube, dasselbe braucht es für Gott. Einen Plan, wohin ich (…) mit Gott kommen will. 

Ein Zweites: Ich muss aufstehen und es tun. Ich glaube, dass vieles im Glauben deswegen nicht vorankommt, weil wir uns weigern, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Ich brauche eine tägliche Struktur für meinen Glauben. So wie ich in einer Beziehung tägliche Strukturen brauche, damit man sich gegenseitig nicht aus dem Blick verliert. Genauso brauche ich diese (…) Strukturen für meine Beziehung mit Gott. 

Und das nächste ist Beständigkeit im Alltag. Nicht jeden Tag werde ich Gott bis tief ins Innere spüren. Sondern manchmal muss ich auch einfach nur in der Alltäglichkeit an ihm festhalten (…).“

  

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=202vQUXlbNQ (Veröffentlicht am 22.10.2018; letzter Zugriff: 02.05.2019)

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Manfred Kurz ist 82 Jahre alt. Er erzählt, wie es ist, sich mit über 80 noch einmal zu verlieben: 

„Als meine Frau nach 57 Jahren Ehe starb, war ich zum ersten Mal im Leben allein (…) Zwei Jahre später kam dann alles anders. Ich saß in meinem Stammrestaurant (…), da lief plötzlich meine Nachbarin an meinem Tisch vorbei. Ich kannte sie nur flüchtig. (…) Sie setzte sich zu mir (…). Danach trafen wir uns wieder (…). Auch sie war verwitwet (…). Es tat gut, jemanden zu haben, der mich versteht. Ich fand sie interessant, diese Frau, die ich eigentlich seit 40 Jahren kannte und doch irgendwie nicht. Also lud ich sie (…) zu mir nach Hause ein (…)

Das letzte Mal, dass ich versucht hatte, eine Frau zu erobern, war mehr als 50 Jahre her. ‚Meine Liebe, wollen wir uns zusammentun?‘, fragte ich. Sie war geschmeichelt und sagte: ‚Wie kommst du denn auf mich?‘ Und ich erklärte ihr, was ich so wunderbar an ihr fand (…) 

Seit diesem Tag gehen wir gemeinsam durchs Leben (…) Wir sind dankbar für jeden Tag, den wir haben. Jetzt ist jetzt (…)“

 

Quelle: Manfred Kurz, Wie es wirklich ist, sich mit über 80 Jahren nochmal zu verlieben, in: Die Zeit, gefunden auf Instagram, aufgezeichnet von Sara Tomsic, veröffentlicht am 23.03.2019. #wieeswirklichist #diezeit #liebe #verlieben #witwe #ehe

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27JUN2019
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Jeder Mensch ist einzigartig. Davon ist 17-jährige Sängerin Billie Eilish überzeugt. In einem Interview erzählt sie, wie sie das erkannt hat:  

„Eine Weile, als ich elf oder zwölf war, habe ich (…) versucht, all die normalen Dinge zu tun, die Mädchen in dem Alter so tun. Es hat nicht funktioniert, es waren die schlimmsten Jahre meines Lebens. Ich hatte gedacht, dass ich vielleicht doch so sein muss wie alle anderen, und irgendwann wurde mir klar, dass ich das eben nicht muss.“

 

Quelle: Billie Eilish, Ich habe einen Traum, in ZEITMAGAZIN, gefunden auf Instagram, veröffentlicht am 01.04.2019.

#ZEITmagazin

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28812
26JUN2019
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„Man kann nicht allen Bettlern etwas geben!“ „Doch!“, sagt die Journalistin Valerie Schönian. Über ihren Selbstversuch hat sie einen Artikel geschrieben:  

Als ich so klein war, dass ich auf Augenhöhe der Bettler über die Straßen lief, (…) fragte ich meine Mutter, warum niemand Geld in den Hut wirft und wieso auch wir das nicht tun. Sie antwortete: Man kann nicht allen Bettlern etwas geben. Es war derselbe Ton, in dem sie verkündet hatte, dass man keine Regenwürmer isst. Ein elterliches Dogma. (…). Seit ein paar Monaten probiere ich jetzt, das Gegenteil zu tun (…) Es klappt meistens, nicht immer (…). 

Der wichtigste Grund, warum ich heute jedem geben will, was in meinen Möglichkeiten liegt, ist dieser: Da bittet ein Mensch um Hilfe. Und deswegen hilft man ihm. Das sollte ein Dogma sein. Man muss dafür samstags nicht früher aufstehen, keinem Verein beitreten, (…) man muss nur sein Portemonnaie zücken. 

Vor ein paar Tagen saß ich mit einer Freundin in einer Bar. Ein Mann trat an unseren Tisch, mit aufgehaltener Hand. Wir unterbrachen das Gespräch, kramten Kleingeld raus, schauten ihn an, er lächelte zurück. Als er weg war, sprachen wir nicht weiter darüber. Es war wunderbar selbstverständlich.

 

Quelle: https://www.zeit.de/2019/03/obdachlosigkeit-bettler-spende-hilfe/ (letzter Zugriff: 02.05.2019)

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25JUN2019
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Kushi ist 19 Jahre alt und studiert Jura. In einem Interview erzählt sie, weshalb sie Anwältin werden möchte: 

„Ich bin in einem Flüchtlingslager in Bangladesch auf die Welt gekommen. Meine Familie und ich sind Rohingyas. In unserer Heimat, in Myanmar, werden wir verfolgt. Damit ich zur Schule gehen konnte, half mir mein Onkel, ein Bangladescher, eine gefälschte Geburtsurkunde zu kaufen, und nahm mich auf. Vor meinen Kommilitonen halte ich meine Herkunft geheim. Ich lebe mit der Angst, zurückgeschickt zu werden. Um Rohingyas zu helfen, will ich Anwältin werden. (…)“

 

Quelle: Warum eine Rohingya Kushi Anwältin werden will, in: Zeit Campus, gefunden auf Instagram zeit_campus, veröffentlicht am 17.03.2019. #zeit_camus #campusundduso #bangladesch #geflüchtete #rohingya #menschenrechte #jura #friedensforschung

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28810
24JUN2019
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Der Kommunikationswissenschaftler Jens Albers erzählt (auf seiner Facebook-Seite), wie es ihm bei einer Beerdigung ergangen ist:  

„Nun ist der Moment da: Ich stehe auf der ersten Beerdigung nach dem Tod meiner Mutter vor gut sechs Monaten. Der Himmel ist grau, es regnet und es dauert nicht lange, bis das Kopfkino anspringt. Die Momente von damals knallen in den Kopf und verpassen meiner Magengrube auch direkt noch einen Schlag. Der Schmerz von damals ist wieder da und es tut einfach nur weh. Ich stehe da und weiß nicht weiter. Plötzlich merke ich, wie sich die Sonne durch die Wolken kämpft und ein warmer Strahl erwischt mich voll. Ich bin mir sicher, sie ist da und wir stehen das jetzt zusammen durch. Und ein Blick nach links und rechts zeigt mir, ich stehe da nicht allein, sondern meine engsten Freunde sind da - wir gehen den Weg zum Grab gemeinsam. Dieser Moment ist einfach unbezahlbar!“

 

Quelle: Jens Albers, auf Facebook, veröffentlicht am 17.01.2019. #dnkgtt

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28809
23JUN2019
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Erwachsene entscheiden manches für ihre Kinder. Die Journalistin Ursula Ott findet das gut. Sie sagt: 

Ein Vater sagte mir neulich auf die Frage, ob seine Kinder getauft sind, das müssten die später selber entscheiden. Er meinte also: Nein. Aber das „Nein“ sagte er nicht, er druckste mehr so rum. (…) 

Ich habe mal überlegt, was wir Eltern für unsere Kinder schon alles entschieden haben – aus dem schlichten Grund, dass wir schon ein bisschen länger auf diesem Planeten sind. (…) Wir haben ihnen mäßig originelle Vornamen gegeben und sie gegen Tetanus und Polio impfen lassen (…). Alles Entscheidungen, wo sie wenig bis gar nicht mitreden konnten, wie bei der Taufe. (…)

Deshalb bin ich relativ sicher, dass sie mir später mal die langweiligen Vornahmen vorwerfen werden oder die peinliche Frisur auf den Kinderfotos. Über die Taufe werden sie sich nicht beschweren, und aus der Kirche können sie austreten. Aber sie wissen dann, woraus.

 

Quelle: Ursula Ott, Kinder entscheiden lassen (Kolumne: chrismon.de/erledigt), in: chrismon. Das evangelische Magazin (Ausgabe 10.2015), Seite 8

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