Manuskripte

SWR3 Worte

22JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Dirk Roßmann führt ein Unternehmen mit tausenden Filialen. Dennoch glaubt er, dass Erwachsene etwas von Kindern lernen können:

„[Erwachsene] sind gut beraten, wenn sie Kindern genau zuhören – denn die sagen geradeaus, was sie denken und fühlen. Zumindest jene, die Liebe erfahren haben, die ihre Gefühle entwickeln dürfen, ohne ständig reglementiert oder gar geschlagen zu werden. Erwachsene sollten sich auch etwas Kindliches bewahren. Ich bin kein strenger, disziplinierter Unternehmer. Ich bin gern albern.“

Autor: Dirk Roßmann im Interview mit Dirk von Nayhauß, Text: „Ich bin gern albern“
In: chrismon. Das evangelische Magazin, 04.2019

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28861
21JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Wann fühlen Sie sich lebendig? Der Schriftsteller Wolf Haas beantwortet diese Frage so:

„Wenn eine leichte Gefahr im Raum ist. Ich stehe zum Beispiel vor der Tür und glaube, ich habe meine Schlüssel verloren. Dann gibt es diese zehn Sekunden, in denen man hysterisch Notfallpläne schmiedet, was man alles machen könnte, um sich zu retten. Oder beim Schreiben: Ich habe ja einen leichten Fetisch mit Regelverstößen, bereits der erste Brenner-Roman ist in einer Umgangssprache mit Auslassungen entstanden. Das war und ist ein Spiel damit, mich bis auf die Knochen zu blamieren. Diese Gratwanderung, mich so weit aus dem Fenster zu lehnen, dass ich gerade nicht rausfalle, aber vielleicht doch, die beflügelt mich.“

Autor: Wolf Haas im Interview mit Dirk von Nayhauß, Text: „Ich fürchte den Tod, denn ich lebe gern“ In: chrismon. Das evangelische Magazin, 05.2019

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28860
20JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Manchmal sind es kleine Schritte, die Großes bewirken. Die Theologin Kirstin Faupel-Drevs erzählt, wie eine Künstlerin so aus einer Schaffenskrise entkommen ist:

„Eine Künstlerin hält dem Konkurrenzdruck auf dem Kunstmarkt nicht mehr stand und zieht sich aus allem zurück. Lange Zeit ist sie völlig außerstande zu malen. Sie verzweifelt. Eines Morgens wacht sie auf. Ein Traum, eine ‚Eingebung‘ hat sie geweckt: Jeden Tag ein kleines Bild malen, zehn mal zehn Zentimeter im Quadrat, auf das immer gleiche Papier. Vielleicht nur eine verrückte Idee, egal, sie steht auf und fängt an. Nach einem Jahr schließlich legt sie die 365 Teile zusammen. Sie sieht nicht nur das Puzzle ihres Lebens, sondern zugleich ein neues Bild. Die Krise ist überwunden, sie kann weiterleben und -arbeiten.“

Autor: Kirstin Faupel-Drevs Text: „Schaffensraum“ In: Maria Jepsen u.a. (Hg.), Mit der Bibel durch das Jahr 2014.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28859
19JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Der Pfarrer Simon de Vries hat einer geflüchteten Frau beigestanden, als sie zu einer Anhörung beim BAMF musste. Danach schreibt er:

„Was ich an diesem Abend neben der Erschöpfung empfinde? Am ehesten vielleicht so etwas wie Demut. Auch Scham. Darüber, in Deutschland geboren zu sein. Ganz zufällig. Ohne für irgendetwas verfolgt zu werden. In meiner Familie groß geworden zu sein. Dass mich niemand je geschlagen hat. Oder gedemütigt. Dass mir niemand je den Mut zum Leben geraubt hat. Dass ich meine Religion wählen und leben darf. In aller Freiheit. Mit einem Grundvertrauen in Politik, Verwaltung und Polizei. […] Dass ich nie ganz alleine irgendwo, wo ich niemanden kenne, ganz neu anfangen musste. All das habe ich mir nicht verdient, sondern das ist einfach zufällig so, weil ich in Deutschland geboren bin.“

Autor: Simon de Vries Text: „Ein Tag im BAMF“
In: http://simondevries.de/ein-tag-im-bamf/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28858
18JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Beatrice von Weizsäcker ist Autorin und Juristin. Und sie singt im Chor einer Kirchengemeinde. Was daran besonders ist, beschreibt sie so:

„Ein Chor ist ein Chor, gewiss. Wir musizieren wie andere Chöre auch. Wir proben Mittwoch für Mittwoch, wir freuen uns, ärgern uns, fluchen, wir benehmen uns im Wechsel wie kleine Schulkinder und große Solisten, letzteres zum größten Missfallen unseres ebenso wunderbaren wie gestrengen Chorleiters […]!

Und doch ist da mehr als bloßer Gesang. Ist da Geborgenheit und Glück, ist da Gewissheit und Glauben. Da kommt es nicht darauf an, was jemand kann oder beruflich macht. […] Da spielt es keine Rolle, wie jemand lebt oder wen sie liebt.

Da hört man einander zu, ist füreinander da. Ist beieinander, ja mehr noch: miteinander verbunden. Da ist niemand allein.“

Beatrice von Weizsäcker, Text: „Vom Geheimnis des Alltags“ I
n: https://www.evangelisch.de/blogs/spiritus/156031/28-04-2019

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28857
17JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Der Theologe Thomas Hirsch-Hüffell findet: Wer über den Tod nachdenkt, der lebt intensiver. Er schreibt:

„Ich lebe gern. Der Tod ist noch nicht im Raum, aber im Auge. Er stand schon ein paarmal in der Tür. Früher wild und rüttelnd, seit ein paar Jahren eher wie einer, der nur mal kurz Maß nehmen will für den anderen Anzug.

Seitdem entwerfe ich eine Art inneres letztes Hemd für meinen Abgang. Das übt Leben und Sterben zugleich. […] Ich ärgere mich nicht mehr über Verspätungen. Alles ist Lebenszeit, und wenn nicht geschieht, was ich will, geschieht vielleicht Besseres.“

Autor: Thomas Hirsch-Hüffell, Text: „Spirituelles Testament“
In: https://www.evangelisch.de/blogs/spiritus/156150/13-05-2019

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28856
16JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Simon de Vries ist Pfarrer und er findet immer neue Wege, seinen Glauben im Alltag zu verankern. Zum Beispiel beim Wässern des Gartens:

„Während ich mit meinem Schlauch durch den Garten mäandere, kann ich Gott für die einzelnen Pflanzen danken. ‚Gott, ich danke Dir für den Frauenmantel. Ich danke Dir für die Stockrosen. Ich bringe es nicht übers Herz, Dir für den Giersch zu danken – der muss gleich noch raus. Ich danke Dir für diese Pflanze, deren Namen ich gerade nicht weiß. Ich danke Dir für die Himbeeren.‘ Damit hab‘ ich mit diesem Gebet gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Denn ich möchte gerne viele der Pflanzen in meinem Garten mit Namen kennen. Was ich mit Namen kenne, kann ich noch mehr wertschätzen.“

Autor: Simon de Vries, Text: „Eine alltagstaugliche, spielerische Spiritualität“
In: http://simondevries.de/eine-alltagstaugliche-spielerische-spiritualitaet/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28855