Manuskripte

SWR3 Worte

25MAI2019
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Was bringt Europa? Der Autor Axel Hacke antwortet darauf mit einer Geschichte:

Ich erinnere mich an einen Abend mit Freunden […] in Oberbayern. Irgendwann sagte jemand: Europa, mal ehrlich, was bringt uns das schon? Ich hob zu einer sehr emotionalen Rede an: wie viel Elend dieser Kontinent erlebt habe, wie er so oft jahrzehntelang in Krieg und Seuchen versunken sei, wie er die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte erlebt hat, wie seine Staaten einander spinnefeind waren – und dies alles sei heute vorbei, wir lebten in Frieden, Freiheit und zum großen Teil auch im Wohlstand. Das bringe Europa!, rief ich.
Da hätte ich eigentlich recht, sagten die anderen.
Aber warum haben sie das vergessen?

Axel Hacke: Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

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24MAI2019
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Gewalt wird nicht selten vererbt. Von den Großeltern auf die Eltern, auf die Kinder. Es geht aber auch anders, wie diese Geschichte zeigt:

Meine Großmutter und mein Großvater waren zwei Menschen, die in verrohten Zeiten groß wurden. Keine eigene Kindheit. Und die erfahrene Gewalt vererbten. Durchreichen an die nächste Generation.

Aber in unserer Familie gab es keine Gewalt. Weder ich oder meine Geschwister wurden jemals geschlagen. Keiner von uns hat eine Erinnerung an Gewalt.

„Dein Vater und ich haben schon gestritten. [erzählt meine Mutter] Er war ein schwieriger Mensch. Aber wir haben uns geschworen: Mit uns endet das Erbe. Unsere Kinder sollen ohne Gewalt aufwachsen.

[…] Jedes Mal, wenn wir von Deinen Großeltern zurückkamen, dann haben wir uns geschworen: Hier hört das auf! Mit uns hört das auf!“

Ellen Anders und Oliver Wunderlich: Halt’s Maul Edeka!

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23MAI2019
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Khalat ist aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet. Und das, obwohl er im Rollstuhl sitzt. Er erzählt:

„Ich war so isoliert gewesen im Irak! Die Schulen meiner Heimatstadt wollten mich nicht aufnehmen, weil ich behindert bin Ich konnte auch keine Berufsausbildung machen, nichts. Meine Mutter und mein Vater haben viel für mich gebetet, aber Lesen und Schreiben und Rechnen hat mir niemand in meiner Familie beigebracht.[...] Ich schaute meiner Mutter beim Kochen zu, spielte Computer, guckte […]Fernsehn. Ich war depressiv. Lebensmüde.

Neulich war ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Club, auf einer Inklusionsparty von der Lebenshilfe Berlin. Es war dunkel, die Musik laut, und ich drehte mich auf der Tanzfläche im Rollstuhl um die eigene Achse, wie ein Artist. Ich warf die Hände in die Luft und fühlte mich frei. So viele Menschen! Und ich mittendrin!

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22MAI2019
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Der Dirigent Kent Nagano über nötige Stille und guten Lärm:

Wenn ich eine Partitur studieren und üben will, mache ich alles aus: Computer, Telefone, Handy. Die Partitur, das Piano und ich. Das reicht. Ich bin überzeugt, wenn wir immer wieder abgelenkt werden, geht die Fähigkeit, tiefer zu gehen verloren. Es gibt heute schlicht zu viele Optionen: Was man in der Freizeit alles tun kann, was man im Leben angeblich alles werden kann, so viele Informationen 24 Stunden am Tag, wer soll das alles verarbeiten. [aber es gibt auch guten Lärm] Wenn Sie zu einem Fußballmatch ins Stadion gehen: Dieser Lärm ist wunderbar. Oder […] wenn ich Unrecht sehe und erlebe, dann muss ich aufstehen und mich laut dagegen aussprechen. So laut es geht.

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21MAI2019
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Warum ist politische Korrektheit so ein Reizwort. Der Autor Heribert Prantl versucht eine Erklärung. Er schreibt: 

Als sich die Meinung durchsetzte, dass auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften dazugehören, waren viele entrüstet. Sie fühlten ihr eigenes Leben mit ihrer „normalen“ Familie abgewertet. [...] Sie haben wohl das Gefühl: Wenn der, dem ich bisher überlegen war, etwas gilt, dann gelte ich nicht mehr. Menschen, die sich nie irgendwie für die Art, wie sie sind oder leben, erklären mussten, fühlen sich gekränkt, wenn die, die bisher vermeintlich unter ihnen standen, das bekommen, was sie bisher als ihr natürliches Recht empfunden haben: jetzt kriegen es auch die Frauen [oder] die Schwulen

Dieser Ärger ist es, der oft dahintersteckt, wenn man sich über die angeblich überzogene politische Korrektheit beschwert.

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20MAI2019
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Der Arzt und Theologe Manfred Lütz über das Problem mit dem Glauben:

Das Problem ist, dass der Ausdruck Glaube im Deutschen zwei unterschiedliche Bedeutungen hat. Wenn ich Fallschirmspringer wäre und mir jemand einen Fallschirm mit der Bemerkung reicht, er glaube, dass der sicher gepackt sei, würde ich sagen: Das reicht mir nicht. Das möchte ich jetzt bitte wissen!

Aber wenn ein guter Freund sagt: Ich habe den Rucksack gepackt, du kannst mir vertrauen, dann würde ich zu dem sagen: Das glaube ich dir. Und dieser Glaube ist mehr als Wissen. Das ist eine innere Gewissheit.

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19MAI2019
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Ein Gebet für Männer, die gerne eine Plan haben.  Vom Theologen Peter Modler:

Du kennst mich, Herr,
und du weißt,
wie gerne ich alles
im Griff habe.
Überraschungen sind mir nicht so recht;
Wenn möglich, mache ich mir meine Pläne
Und arbeite sie dann ab.
Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.

Aber jeden Tag bricht wieder das Chaos
In meine geregelte Welt ein.
Die Menschen um mich herum
Sind zu lebendig für mein Kontrollbedürfnis.
Lass mich verstehen, dass meine Planerei
Nur ein Geländer ist,
eine kleine Stütze,
die ich nicht zu ernst nehmen darf.

Gib mir den Mut,
zum richtigen Zeitpunkt
alle Kontrolle zu verlieren!

Peter Modler: Für Wanderer und Krieger, Männergebete

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