Manuskripte

SWR3 Worte

06APR2019
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Einen Menschen zu lieben, heißt, ihn bedingungslos anzunehmen. Oder wie Irmgard Erath es formuliert: 

Das JA, das die Liebe sagt, ist ein JA zum Licht auf dem gemeinsamen Weg, aber auch zu den Schatten, die darauf fallen werden. 

JA zum Leuchten der Sterne am Himmel, aber auch zu tiefster Dunkelheit, wenn sie erloschen sind. 

Ja zum andern, zu seinen Stärken und Fähigkeiten, aber auch zu seiner Verletzbarkeit, zu seinen Fehlern und Schwächen. 

Das Ja, das die Liebe sagt, ist ein klares und bedingungsloses JA. 

Es ist ein Ja von ganzem Herzen. 

 

Quelle: Hartl, Gabriele (Hrsg.): Glück-Wunsch zur Hochzeit. Neue Stadt Verlag, München, 2009, S. 6.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28408
04APR2019
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Der Mönch und Psychotherapeut Anselm Grün über Befreiung von innerem Druck:

Ich kenne viele Menschen, die nicht entspannt und froh in ein Gespräch gehen können. Immer setzen sie sich unter Druck. Sie meinen, sie müssten im Gespräch gut abschneiden. Sie müssten dem anderen beweisen, dass sie gebildet sind und über wichtige Themen etwas Entscheidendes zu sagen haben. Sie fühlen sich gleichsam bei jedem Gespräch vor einem inneren Richter, der sie beurteilt, ob sie auch alles gut machen. Es ist eine solche Situation, in die hinein Jesus sagt: „Macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen oder war ihr sagen sollt.“ (Lk 12,11)

Sageinfach, was du denkst, was aus deinem Innern kommt. Du musst dich nicht verteidigen und rechtfertigen. Du darfst so sein, wie du bist.

 

Quelle: Grün, Anselm: Das große Buch der Lebenskunst. Herder 2012, S.241.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28407
03APR2019
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Der Mönch und Psychotherapeut Anselm Grün über den Wert des Sorgens:  

Unserem normalen Sprachverständnis nach weist „Sorge“ auf Kummer und Gram hin. Doch hat Sorge, wenn wir genauer hinhören, auch eine positive Bedeutung: Wir „sorgen“ für einen Menschen und zeigen ihm dadurch unsere Zuneigung. Oder wir werden „umsorgt“. Wir gehen „sorgsam“ mit den Dingen unseres Alltags um. Je mehr wir eine Sache schätzen oder lieben, desto mehr Sorgfalt lassen wir ihr angedeihen. […] Hier geht es nicht um eine Sorge aus Angst, sondern um eine Sorge aus Liebe. Weil ich jemanden liebe, sorge ich für ihn. [...] Ich versorge ihn mit dem Notwendigen und bin gleichzeitig selber erfüllt von dem, was ich tue. [...]Und ist es nicht wunderbar, ja ein Glück, zu wissen, dass wir in Beziehungen zu anderen stehen, zu Menschen, die uns tragen und denen wir eine Hilfe sein dürfen?

 

Quelle: Grün, Anselm: Das große Buch der Lebenskunst. Herder 2012, S.229.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28406
02APR2019
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Außerhalb des Wassers kann ein Seestern nicht überleben. Das weiß auch der kleine Junge aus der folgenden Geschichte von Patrick Porter: 

 

Nach einem Unwetter waren unzählige Seesterne aus dem Meer an den Strand geworfen worden. Ein kleiner Junge sah sie, nahm behutsam Seestern für Seestern in die Hand und warf einen nach dem anderen zurück ins Meer.

Da kam ein Mann vorbei. Er ging zu dem Jungen und sagte: “Du dummer Junge! Was du da machst ist vollkommen sinnlos. Siehst du nicht, dass der ganze Strand voll von Seesternen ist? Die kannst du nie alle zurück ins Meer werfen! Was du da tust, ändert nicht das Geringste!”

Der Junge schaute den Mann einen Moment lang an. Dann ging er zum nächsten Seestern, hob ihn behutsam vom Boden auf und warf ihn ins Meer. Und sagte dabei: “Für ihn wird es etwas ändern!”

Quelle: Porter, Patrick: Entdecke dein Gehirn, Junfermann (hrsg.), 1997; Geschichte gekürzt und überarbeitet., gefunden auf: https://www.zeitzuleben.de/seesterne-retten/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28405
01APR2019
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Zum ersten April kein Scherz aber eine Geschichte mit Augenzwinkern von Gisela Rieger:

„Herr Doktor, Sie müssen mir helfen“, klagte ein Mann(...). „Meine Kopfschmerzen werden täglich schlimmer!“

Der Arzt stellte die üblichen Fragen nach Alkoholgenuss, Zigarettenkonsum und einem unsteten Lebenswandel. Beinahe empört erklärte der Patient, dass er jeden Abend um 21 Uhr zu Bett gehe, sowie niemals Alkohol und Tabakprodukte anrühre.Außerdem würde er sich äußerst gesund ernähren, regelmäßig Sport treiben, die Sonne meiden, jeden Tag zur Kirche gehen …

Alle bisherigen Untersuchungen bestätigten also einen kerngesunden Menschen. [...]

Daher erkundigte sich der Arzt bei dem Patienten nach den genauen Symptomen des Schmerzes.

„Herr Doktor, es handelt sich um einen gewaltigen, pochenden, drückenden, [...] Schmerz, der sich rund um meinen Kopf zieht.“

„Warum haben Sie das nicht gleich erwähnt“, fragte der Arzt. „(...) Ihr Heiligenschein scheint zu stramm zu sitzen. Sie müssen ihn nur ein wenig lockern.“

 

Quelle:Gisela Rieger; aus dem Buch: „111 Herzensweisheiten“ Gefunden auf: https://www.zeitzuleben.de/heiligenschein/.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28404

Eine Geschichte über Wahrnehmung und Meditation von Anthony de Mello: 

Die Schüler hatten den Meister bereits eine Weile beobachtet und wollten nun von ihm wissen, welche Art der Meditationer denn jeden Morgen im Garten praktiziere.

Der Meister antwortete ihnen: “Wenn ich aufmerksam schaue, sehe ich den Rosenstrauch in voller Blüte.”

Darauf fragte einer seiner Schüler:” Aber warum muss man denn aufmerksam schauen, um den Rosenstrauch zu sehen? Die Blüten sind doch wirklich auffällig.”

Der Meister lächelte und sagte dann: “Damit man wirklich den Rosenstrauch sieht, und nicht die eigene Vorstellung davon.”

 

Aus:  Mello, Anthony de:  Gib deiner Seele Zeit, Herder, 1999.Gefunden auf: https://www.zeitzuleben.de/uber-das-sehen/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28403