Manuskripte

SWR3 Worte

Im Radio, auf Konzerten und auch in der Kirche – Musik zieht viele in ihren Bann. Warum das so ist, beschreibt die Religionspädagogin Heike Lindner so:

„Musik fördert die Persönlichkeit, sie ruft schon längst Vergessen-Geglaubtes ins Bewusstsein und ermöglicht ästhetisch-emotionale Ausdrucksformen sich auf ganz andere Art und Weise mitzuteilen als durch Worte. Die Musiksprache lässt Menschen miteinander über etwas kommunizieren, was mit Worten allein nicht zu sagen ist.“

Heike Lindner, Musik als Ausdrucksform individueller Religiosität. Phänomenologische, psychologische und pädagogische Entfaltungen

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Ich musste dieses Jahr schon einige Menschen beerdigen. Immer wieder wünschen sich die Angehörigen den 23. Psalm als Gebet. Die alten, schon so oft gebeteten Worte trösten sie:

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Psalm 23

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In seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“ beschreibt der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick auf satirische Weise wie man möglichst unglücklich wird im Leben. So deckt er auf, wie Menschen ihrem Glück oft selbst im Wege stehen. Zum Beispiel, indem sie zu sehr an der Vergangenheit kleben. Er schreibt:

„Ein weiterer Vorteil des Festhaltens an der Vergangenheit besteht darin, dass es einem keine Zeit lässt, sich mit der Gegenwart abzugeben. Täte man das, so könnte es einem jederzeit passieren, die Blickrichtung rein zufällig um 90 oder gar 180 Grad zu schwenken und feststellen zu müssen, dass die Gegenwart nicht nur zusätzliche Unglücklichkeit, sondern gelegentlich auch Un-Unglückliches zu bieten hat; von allerlei Neuem ganz zu schweigen, das unseren ein für allemal gefaßten Pessimismus erschüttern könnte.“

Paul Watzlawick, Vier Spiele mit der Vergangenheit, In: Anleitung zum Unglücklichsein

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Glauben ist etwas sehr Persönliches. Es muss zu einem passen, davon ist Fulbert Steffensky überzeugt:

„Man kann viele Glaubensentwürfe schätzen, aber man kann nicht in jedem zuhause sein. […] Man kann in einer globalen Welt, in der alles Mögliche an Versatzstücken und Glaubensfragmenten aus anderen Religionen auf uns zukommt, schon fragen, wo wir eigentlich zuhause sind; was unsere vorrangigen Lieder und Texte sind. Glauben kann man auf Dauer nur, wenn man ein kenntlicher Mensch ist; wenn wir selber wissen und wenn wir es andere wissen lassen, wozu wir gehören, was wir schön finden und was wir lieben. Wir müssen etwas über uns selber sagen können. Wir können zu unserer eigenen Wahrheit stehen, und wir brauchen anderen die Schönheit und die Wahrheit nicht absprechen.“

Fulbert Steffensky, Text: Das erste Gebot: Du sollst neben mir keine anderen Götter haben! In: Die Zehn Gebote. Anweisungen für das Land der Freiheit

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Es ist schwer zuzugeben, dass man etwas falsch gemacht hat. Aber wenn man sich dann doch traut, kann man auch heilsame Erfahrungen machen. So hat es Mahatma Gandhi erlebt:

„Ich war 15 Jahre, als ich einen Diebstahl beging. Weil ich Schulden hatte, stahl ich meinem Vater ein goldenes Armband, um die Schulden zu bezahlen. Aber ich konnte die Last meiner Schuld nicht ertragen. Als ich vor ihm stand, brachte ich vor Scham den Mund nicht auf. Ich schrieb also mein Bekenntnis nieder. Als ich ihm den Zettel überreichte, zitterte ich am ganzen Körper. Mein Vater las den Zettel, schloss die Augen und dann – zerriss er ihn. ‚Es ist gut‘, sagte er noch. Und dann nahm er mich in die Arme. Von da an hatte ich meinen Vater noch viel lieber.“

Mahatma Gandhi, Zitiert nach: Hartmut Rupp, Maria-Luise Lauer, Karl-Otto Rentmeister (Hg.), Schenk dir Zeit 2. Texte – Bilder – Lieder

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Ín 9 Monaten ist schon wieder Weihnachten. Warum eigentlich im Winter, wo doch das genaue Geburtsdatum von Jesus gar nicht bekannt ist? Das hat sich auch der Autor Ulrich Knellwolf gefragt. In seinem Buch „Der liebe Gott geht auf Reisen“ finden die Protagonisten eine Erklärung. Die hatten sich verirrt und waren ganz durchgefroren. Ein Hirte nimmt sie auf und versorgt sie mit Essen. Da kommen sie darauf:

„Als sie allmählich warm wurden und dann die warme Suppe löffelten, da schauten sie einander an. Und dann sagten sie wie aus einem Mund zueinander: ‚Jetzt wissen wir’s. Im Winter ist Christus geboren. Im tiefsten Winter, wenn es dunkel ist und unfreundlich und kalt. Dann nämlich brauchen wir sein Licht am meisten.“

Ulrich Knellwolf, Das Geburtsdatum Jesu, In: Der liebe Gott geht auf Reisen

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Bei jedem Gottesdienst segnen Pfarrerinnen und Pfarrer ganz am Ende die Gemeinde. Aber was heißt das eigentlich: Gottes Segen? Helmut Herberg war Krankenhauspfarrer und erklärt Gottes Segen so:

„Gottes Segen ist recht verstanden immer ein Reisesegen, ein Segen auf der Reise durchs Leben. An allen Übergängen (Geburt, Erwachsenwerden, Abschiednehmen und Loslassen), auf den Wegen durch die Wüsten und Täler des Lebens, durch Krankheit, Schmerzen und zuletzt durch das Tal des Todes, steht der Segen Gottes: die Vergewisserung seiner bleibenden Gegenwart und der Ermutigung nicht wegzulaufen, sondern standzuhalten.“

Helmut Herberg, Segen erfahren. Ein praktisches Begleitbuch für die Seelsorge im Krankenhaus

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