Manuskripte

SWR3 Worte

Die Journalistin Valerie Schönian glaubt nicht an Gott. Trotzdem spielt sie mit dem Gedanken, was wäre, wenn es ihn doch gibt. Sie schreibt: 

„Wenn es Gott gibt - dann ist er auch auf dem Mittelmeer, bei den Geflüchteten, die ertrinken. Doch dann sterben sie nicht einfach nur, dann werden sie Frieden finden können. Dann gibt es Hoffnung, auch für sie.

Wenn es Gott gibt - dann war er auch in Auschwitz. Dann war er der letzte Halt und die einzige Hoffnung.“

 

Aus: Schönian, Valerie: Halleluja - Wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen, Piper Verlag, München 2018, S. 285.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28225

Laurie Penny ist britische Bloggerin und Feministin. Sie beobachtet dauernd, wie schwierig es ist, als Frauen und Männer gleichberechtigt zu leben. Gleichzeitig glaubt sie daran, dass es möglich ist. Sie sagt:

„Ich glaube, die Idee einer Zukunft, in der Geschlechterrollen ganz aufgegeben werden, ist ganz erschreckend für Männer, denn ihr Selbstwertgefühl stammt aus einer Welt, die es nie wirklich gab, in der sie die Mächtigen waren, das Geld verdienten und die Abenteuer bestanden.

Ob Männer dann an der Gleichberechtigung nur verlieren können? Ich glaube fest an die Möglichkeit aufrichtig gleichberechtigter Liebe.“

 

Aus: https://www.zeit.de/2015/09/feminismus-laurie-penny/seite-3.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28224

Doris Wagner hat lange in einem Orden gelebt. Die Zeit war schrecklich für sie. Sie ist unterdrückt, manipuliert und missbraucht worden. Jetzt ermutigt sie alle, die in irgendeiner Weise unterdrückt werden. Sie sagt: 

„Was auch immer der erste Schritt zu deiner Befreiung war, geh von dort aus weiter. Wenn du verbotenerweise angefangen hast zu lesen, dann lies weiter! Wenn du angefangen hast zu reden, rede weiter! Fange an, dir selbst zu glauben, deinem Verstand, deinem Gefühl, auch wenn du von Skrupeln geplagt wirst. Und wenn dir etwas unsinnig vorkommt, dann erlaube dir, auch zu denken, dass es unsinnig ist.

Wenn es Gott gibt, sind dein Gefühl und dein Verstand Geschenke des Schöpfers. Sie sind dein direktester Weg zu ihm.”

 

Aus: Die Zeit, No.5, 24. Januar 2019, Glauben&Zweifeln, S. 48.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28223

Zum Aschermittwoch heute ein Text der Autorin Gisela Baltes:

 

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei:

Die Masken werden abgelegt,

die Kostüme eingemottet.

Aus Narren werden wieder Herr X und Frau Y.

 

Am Aschermittwoch beginnt eine andere Zeit:

die Zeit der ungeschminkten Gesichter,

die Zeit des Innehaltens,

die Zeit der Wahrheit.

 

Dann nehme ich mir Zeit,

Ordnung zu schaffen

mich frei zu machen

von dem, was nicht taugt.

 

Dann nehme ich mir Zeit,

mich auf mich selbst zu besinnen.

Wo will ich hin?

Führt mein Weg noch zum Ziel?

 

Am Aschermittwoch ist alles vorbei?

Weit gefehlt!

Jetzt fängt es erst richtig an!“

 

Aus: http://impulstexte.de/glaubwuerdig/fastenzeit/am-aschermittwoch.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28222

Michael Patrick Kelly hat vor seiner Solokarriere sechs Jahre in einem Kloster verbracht. Er erzählt: 

„Die Zeit hat mich von vielen Dingen frei gemacht. Vor allem aber von mir selbst. Da, wo ich mir selbst im Weg stand oder wo Ängste einen davon abgehalten haben, das Richtige zu tun.

Wen man den Mut hat, sich wirklich selber in Frage zu stellen, alle Karten auf den Tisch zu legen, dann ist das erst einmal ein schmerzhafter Prozess, weil man seine Schwächen und Fehler eingestehen muss. Aber es tut dann auch gut, davon frei zu werden.“

 

 

Aus: KNA-Newsletter, Nachricht vom 21.12.2018.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28221

Ein Zitat zum Rosenmontag: 

„Freude und Fröhlichkeit verlängern das Leben des Menschen und machen es lebenswert. Überrede dich selbst zur Freude, sprich dir Mut zu und vertreibe den Trübsinn! Der hat noch nie jemand geholfen, aber viele hat er umgebracht. Eifersucht und Ärger verkürzen das Leben und Sorgen machen vorzeitig alt. Ein fröhliches Herz sorgt für guten Appetit und auch für gute Verdauung.“

 

Aus dem Buch Jesus Sirach in der Bibel.

 

Aus: https://www.bibleserver.com/text/GNB/Jesus%20Sirach30.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28220

Der Anfang der Bibel mal ganz anders erzählt:

 

„Ganz am Anfang, bevor es die Welt gab, gab es nichts:

Keine Bäume, keine Kirschen,

keine Rehe, keine Hirschen,

keine Bäche, keine Felder,

keine Berge, keine Wälder,

auch kein Licht und keinen Schatten,

keine Mäuse, keine Ratten,

keine Menschen weit und breit,

keine Spiele, keine Zeit,

Wasser nicht und Zahnpasta:

nur das Nichts – sonst nichts – war da.

 

Alles war mucksmäuschenstill. Man hätte eine Stecknadel fallen hören, wenn es eine Stecknadel gegeben hätte. Alles war so dunkel wie in einem Kuhmagen. Es gab ja kein Licht. Selbst wenn es Licht gegeben hätte, hätte man nichts gesehen. Gar nichts. Weil es nichts gab. In diesem trostlosen, traurigen, unbeschreiblichen Nichts war Gott.“

 

Aus: Laubi, Werner, Waldmann-Brun, Sabine: Eine Geschichte von der Schöpfung, Butzon&Bercker, Lahr 2010.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28219