Manuskripte

SWR3 Worte

Haben Sie ein deutsches Lieblingswort? Der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer antwortet auf diese Frage:

„Mein liebstes Wort ist Freimut. Eindeutig. Der Mut zur Freiheit.
Die unbefangene Offenheit. Die überwundene Angst. […]
Freimut, flankiert von Demut und Sanftmut.
Jedenfalls der Mut, man selbst zu sein, unermüdlich zu trotzen ohne Trotz.
Frei-Mut, das ist befreiender Mut und befreiter Mut zugleich.
Ein Wort, das ich brauche – täglich wieder –
Frei-Mut, ein Wort, das sich nicht abnutzt, an dem ich mich aufrichte, jetzt, da ich es ausspreche.“

Friedrich Schorlemmer, Mein schönstes deutsches Wort

In: Ders.: Lass es gut sein

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Wie an jedem ersten Freitagabend im März wird er auch heute gefeiert: der Weltgebetstag der Frauen. In über 120 Ländern der Welt kommen Frauen zusammen, um über die Grenzen hinweg solidarisch zusammenzustehen. Die Schauspielerin Marianne Sägebrecht sagt dazu:

„Frauensolidarität ist mir wichtig. […] Und Ökumene ist mir ein großes Anliegen. Wenn Menschen, egal welcher Konfession, Schulter an Schulter in der Kirche sind und gemeinsam beten, gibt das eine tolle Energie. […] Jeder Mensch ist in seiner Einzigartigkeit von Gott bestellt, aber wir müssen das annehmen und damit umgehen.“

Marianne Sägebrecht, Interview mit Marianne Sägebrecht, 16. Januar 2018
In: https://weltgebetstag.de/aktuelles/einzelansicht/news/interview-mit-marianne-saegebrecht

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Heute vor 86 Jahren flüchtete Bertold Brecht aus Deutschland, einen Tag nach dem Reichstagsbrand. Noch in der Nacht hatten die Nationalsozialisten willkürlich tausende von Gewerkschaftern, Sozialdemokraten und Kommunisten verhaftet. Brecht gehörte im Februar 1933 mit zu den ersten, die aus Deutschland flüchteten. Auf die Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausging, hat er unverkennbar hingewiesen:

„Sie kamen in ihren Hemden von braunem Stoff daher. […] Brot und Brotaufstrich war rar. Und sie fraßen mit unverschämten Reden die Töpfe leer, in denen schon fast nichts mehr war.
[…]
Ihr Anstreicher strich die Sprünge im Haus mit brauner Tünche zu und sie schalteten alles gleich.
[…] Sie kommen mindestens zu zweit […] und schießen ihre Pistolen in jeden besseren Kopf.“

Bertold Brecht, Die Ballade vom Baum und den Ästen
In:
http://www.erinnerungsort.de/ballade-vom-baum-und-den--c4sten-2c-die-_141.html

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Umeswaran Arunagirinathan floh als unbegleiteter Kriegsflüchtling aus Sri Lanka und hat in Hamburg Medizin studiert. Als angehender Herzchirurg stößt er im Krankenhaus aufgrund seiner Hautfarbe und seines Namens auf Vorurteile. Er erzählt:

„Einmal fragte mich eine Patientin: ‚Wer sind Sie denn? Sind Sie für das Essen oder für die Reinigung zuständig?‘ Ich antwortete: ‚Ich kann beides. Ich kann Ihnen das Essen bringen oder auch das Zimmer reinigen. Ich habe während des Studiums als Tellerwäscher gearbeitet, Essen ausgeliefert und geputzt. Aber ich kann Sie auch gern untersuchen."

Ich denke, man kann eingeschränkte Sichtweisen nur öffnen, indem man freundlich bleibt. […] Ich möchte nicht vor jemandem wegrennen, der mir gegenüber Vorurteile hat. Im Gegenteil: Ich möchte dieser Person mehr Zeit widmen. [Denn ich bin überzeugt:] In jedem Menschen steckt Menschlichkeit.“

Umeswaran Arunagirinahtan,  Ich möchte nicht vor jemandem wegrennen, der mir gegenüber Vorurteile hat.
In: ZEITMAGAZIN No 29, vom 12.7.2018, S. 37.

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Wie stellen Sie sich den Himmel vor? Der Jesuit Medard Kehl antwortet auf diese Frage:

„Sicher keinen überirdischen Raum oder jenseitigen Glückszustand, in dem unsere Träume und Sehnsüchte wie im Schlaraffenland erfüllt werden. Inhaltlich ist es für mich das Fest der Versöhnung.

Auch ein Fest der Befreiung vom Zwang des Nutzens. […]. Im Himmel tritt Freude am nutzlosen Dasein an die Stelle des Gebrauchens. Der Himmel ist ein Ort der Freiheit.“

Medard Kehl im Gespräch mit Ilka Piepgras, Letzte Dinge
In: Ilka Piepgras: Wie ich auszog, den Tod kennenzulernen, und dabei eine Menge über das Leben erfuhr

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Die ersten Frühjahrsblumen stecken die Köpfe aus der Erde. Für Hans Leifheim, der im ersten Weltkrieg als Soldat gekämpft hat und sich später gegen die Nationalsozialisten stellte, ist das keimende Grün immer ein Fingerzeit gewesen. Er schreibt:

„Bei den lauen Lüften des Februars wollen wir wieder vertrauen auf das grünende Jahr.
Sieh, den Amseln, den kleinen, schwillt das singende Herz. […]
Nichts ist auf Erden verloren, was wir für das Leben getan.
Darum sind wir geboren, dass wir auf unserer Bahn dienen dem hoffenden Leben.“

Hans Leifhelm, Vom hoffenden Leben
In: Gudrun Bull (Hrsg.): Gedichte für einen Wintertag

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Wie den Sonntag gestalten: Dem Lustprinzip gehorchen oder pflichtbewusst die liegengebliebenen Dinge der Woche erledigen? Die Journalistin Sabine Henning hat einen neuen Weg ausprobiert: unbedingt Notwendiges erledigte sie am Samstag und für den Sonntag verpflichtete sie sich selbst, pflichtlos zu sein. Sie erzählt:

„Der Morgen begann mit Ausschlafen und Kaffee im Bett. Ungeduscht schlendert[e ich …] zur Kirche genussvoll durch den stillen Großstadtmorgen. Wieder zuhause ging ich am Wäschekorb vorbei und sagte mir im Stillen: […] Es ist mein Pflichtlos-Sonntag!‘ […]

Ich klönte ausgiebig mit den Kindern und telefonierte mit meiner Schwester, bis uns der Gesprächsstoff ausging. Ein Tag im Bewusstsein, dass alles sein durfte: lachen, weinen, quatschen und ausgelassen sein. Heiter in der Zeit zu sein – welch ein Glück!“

Sabine Henning, Mein Sonntag
In: https://www.anderezeiten.de/erleben/sonntagsblog/archiv/archive-detail/2408bb46ef0c598b8e95e578979b94a0/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=378&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail

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