Manuskripte

SWR3 Worte

Der Theologe Fulbert Steffensky darüber, wie man hoffen lernt:

Wie lernt man hoffen? … Hoffen lernt man dadurch, dass man handelt, als sei Rettung möglich. Hoffnung garantiert keinen guten Ausgang der Dinge. Hoffen heißt darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist, was wir tun. Hoffnung ist der Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit und Zynismus.

 

Fulbert Steffensky in einem unveröffentlichten Vortragsmanuskript, zit. aus: Der andere Advent 2018/19

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27839

Die Journalistin Valerie Schönian ist selber Atheistin. Für ein Projekt hat sie ein Jahr lang einen katholischen Priester in seinem Alltag begleitet. Sie schreibt:

Steht das Christentum vor dem Aus? Viele Atheisten, das kann ich sagen, denken: Ja. Aber auch viele Gläubige fragen sich das … immer häufiger. ... Die Gesellschaft hat ja Kant, Netflix und den ganztägigen Sonntagsbrunch. Wozu braucht es da noch Religion?

Vielleicht braucht die Gesellschaft sie gerade jetzt mehr als seit Langem. Als so etwas wie ein Heilmittel für den zunehmenden Hass, als letzten Halt in einer Zeit, in der alles auseinanderzudriften scheint. Vorausgesetzt, die Kirchen erkennen das und gehen richtig damit um.

 

Valerie Schönian, Es könnte so einfach sein …, in: Christ und Welt Nr. 42 vom 11.10.18

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27838

Die Journalistin Valerie Schönian ist selber Atheistin. Für ein Projekt hat sie ein Jahr lang einen katholischen Priester in seinem Alltag begleitet. Sie schreibt:

Die Kirche bietet … die Gewissheit: Alles wird gut. Das klingt nach wenig, ist aber sehr viel. Denn genau das wollen viele Menschen hören in diesen Tagen. Aus diesem Grund wälzt man ja drei Rotwein lang mit der Freundin die immer gleichen Probleme. Man will, dass die Freundin genau das sagt – das hilft. Nun gehen doch Christen tatsächlich davon aus, dass alles gut wird, weil Jesus uns schließlich gerettet hat. Wenn Christen also sagen: Es wird alles gut, strahlen sie dieses Nicht-tiefer-als-in-Gottes-Hände-fallen-Ding aus, sodass es selbst Atheisten glauben könnten.

 

Valerie Schönian, Es könnte so einfach sein …, in: Christ und Welt Nr. 42 vom 11.10.18

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27837

Die Journalistin Valerie Schönian ist selber Atheistin. Für ein Projekt hat sie ein Jahr lang einen katholischen Priester in seinem Alltag begleitet. Sie schreibt:

Man muss nicht an die Auferstehung glauben, um zu erkennen, wie wichtig der Sinn heutzutage ist. Jedoch ist der Sinn durch Fernsehschnulzen ins Kitsch-Abseits geraten. Sein Kern allerdings bleibt: die Liebe. Liebe zu Gott, zu sich selbst, der Natur, dem Hund, dem Nächsten. Deswegen ist Kirche für die Gesellschaft so wichtig: Sie erinnert daran, dass die Liebe zählt, nicht der Hass. Das ist ihre Aufgabe. Das muss sie schaffen.

Valerie Schönian, Es könnte so einfach sein …, in: Christ und Welt Nr. 42 vom 11.10.18

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Der Schauspieler Sebastian Koch über eine wichtige Erfahrung in seinem Leben:

Nach der Geburt meiner Tochter Mitte der 90er habe ich schnell gemerkt, dass man einem Baby nicht sagen kann: „Warte mal“. Das Kind muss jetzt gewickelt, muss jetzt gefüttert werden. Plötzlich konnte ich all das verschieben, von dem ich dachte: Geht gar nicht! In diesen Anfangstagen … rückten die vielen Aufgaben, die ich eigentlich hätte erledigen müssen, immer weiter nach hinten: Nächster Tag, nächster Tag. Bis ich mich fragte: Was ist wirklich wichtig? Da blieben nur ganz wenige Punkte übrig.

Sebastian Koch im Gespräch mit Dirk von Nayhauß, in: Chrismon 10 (2018)

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In der Bibel singt die heilige Maria, die Mutter Jesu, das sogenannte Magnificat. Einen großen Lobpreis auf Gott. Der Journalist Heribert Prantl findet das geradezu umwerfend:

Nur ein Dutzend Mal wird sie beim Namen genannt, ihre Herkunft bleibt im Dunklen, in den Evangelien kommt sie wenig zu Wort. Aber das, was sie sagt, ist umwerfend. Ihr Magnificat … ist das Lied vom heiligen Umsturz. Man muss sich das vorstellen: Die Frau, die schwanger mit dem Heiland geht, kann nicht lesen und schreiben, darf nicht sprechen in der Synagoge. Aber diese Frau erhebt die Stimme und singt das Lied von der göttlichen Revolution: "Gott zerstreut die Hochmütigen. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Erniedrigten. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen."

 

Heribert Prantl, Der heilige Umsturz, in: Süddeutsche Zeitung vom 23.12.2017

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Der im August verstorbene frühere Uno-Generalsekretär Kofi Annan meint, dass es keine schlechte Religion gibt, sehr wohl aber problematische Gläubige.

Werte wie Mitgefühl, Solidarität, gegenseitigen Respekt gibt es in all unseren großartigen Religionen. Wir können damit anfangen zu bekräftigen, dass das Problem nicht der Koran ist, nicht die Thora und nicht die Bibel. Ich habe das schon oft gesagt: Das Problem ist niemals der Glaube. Es sind die Gläubigen und wie wir miteinander umgehen.

 

Kofi Annan in seiner Rede „Die Spaltungen der Welt überwinden“; gehalten im Februar 2010 in London,

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