Manuskripte

SWR3 Worte

Samuel Koch ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt. Aber er weiß um seinen Wert unabhängig von Leistung und Schönheit:

„In unserer Gesellschaft wird oft nach dem Prinzip gelebt, dass man was tut und was leistet und was arbeitet und dadurch hat man was: Geld, einen Abschluss, ein gefaceliftetes Gesicht, größere Brüste, ein Haus, wohlgeratene Kinder und so weiter. Und darüber definiert man seinen Wert… Ich glaube, es ist sinnvoller - und war so wohl ursprünglich mal gemeint – es umzudrehen: wir sind schon wer, wir sind schon geliebt mit all unseren Fehlbarkeiten.“

Samuel Koch in der ZDF-Sendung „37° Vorwärts ins Leben“, 24. Juli 2018

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Wenn Die Adventszeit zu stressig wird, dann bekommt die Autorin Maria Sassin manchmal außergewöhnlichen Besuch:

„Manchmal in den übervollen Tagen des Advent, wenn so viel zu tun ist zu Hause und in der Welt, damit Weihnachten werden kann, besucht mich der Bremse-Engel. Manchmal möchte ich ihn gern loswerden, denn er hält mich von der Arbeit ab. Er stellt sich einfach zwischen mich und die Berge des zu Tuenden, setzt sich mit mir auf meine Couch und beginnt leise zu singen. Dann werde ich ganz adventsfroh und genieße seinen stillen Besuch. Alles andere kann ein wenig warten.“

Maria Sassin, Der Bremse-Engel (7. Dezember), in: Von Engeln berührt, Eschbacher Adventskalender

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Den Himmel auf Erden? Menschen sehnen sich danach. Aber: Die Erde ist nicht wie das Himmelreich. Das erlebt man jeden Tag. Der Pfarrer Stephan Krebs hat dennoch Hoffnung:

„Einstweilen ist es nur eine Hoffnung, dass die Erde einmal wie das Himmelreich sein könnte. Dann können Menschen einander lieben wie Jesus Christus sie geliebt hat. Bis sich diese Hoffnung erfüllt, wird die Erde immer etwas dunkler sein als der Traum von Himmel. Aber manchmal, in besonderen Momenten, kann sie doch ein Spiegel davon sein.“

Stephan Krebs, 2010 auf Postkarte: edition M – See als Himmelsspiegel – Motiv-Nr. 256: www.neuesbuch.de

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Humor hilft das Leben zu meistern. Er ist eine Lebenskunst. So sagt es die Theologin Gisela Matthiae. Was man dafür tun muss? Ganz einfach:

„Einfach da sein. Schauen, wenn möglich auch um die Ecke. Mit Kindern spielen. Lachen und weinen. Zetern, singen, trällern. Sich wundern, staunen, verblüfft sein. Fantasieren. Auf der Bordsteinkante balancieren. Komische Gänge erfinden und gehen. Anderen tief in die Augen sehen. Keine gute Figur abgeben. Der eigenen Intuition vertrauen. Lernen, grimmig zu gucken und schelmisch. Das strahlendste Lächeln einüben, das überhaupt geht. Sich manchmal eine Perücke aufsetzen. Drei Witze einstudieren. Menschen heftig umarmen. Jeden Tag eine sinnlose Tat. Jeden Tag ein paar verplemperte Minuten. Mitten am Tag träumen, ausprobieren. Viele von diesen Dingen tun, die man nicht kann. Gnädig mit sich selbst sein, wenn es wieder schiefgeht.“

Gisela Matthiae, Übermütig. 52 Unterbrechungen, Umwege und Überraschungen

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Warum sie stolz darauf ist Christin zu sein, das begründet die Autorin Susanne Niemeyer mit folgenden Worten:

„Ich bin stolz darauf, einer Religion anzugehören, die keine Religion der Gewinner ist. Das Leben Jesu beginnt mit einem Desaster (unehelich, obdachlos, verfolgt) und endet in einem Desaster. Gott scheint keine Religion der Helden zu brauchen. Ich bin stolz, einer Religion anzuhängen, die das Leid nicht beschönigt und gar nicht erst verspricht, sie könne es verhindern. Die stattdessen sagt: Das stehen wir durch. Zusammen. Ich bin stolz, einer Religion anzugehören, die sich auf das Wort „Freiheit“ gründet, keinen Grund kennt, Menschen auszuschließen und in jedem Unsympath wie auch in jedem Flüchtling Gott sieht.

Über das Bekenntnis zum Christentum und den Mut, Tweedhosen zu tragen: Susanne Niemeyer, erschienen in „Welt der Frau“ Ausgabe 04/15

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Um mit Gott zu sprechen braucht es keine perfekten Gebete. Das erzählt folgende kleine Geschichte:

„Rabbi Isaac Luria traf einen Menschen, dessen Gebet eine besondere Kraft zu eigen war. „Wie betest Du?“, fragte der Rabbi den Menschen. Der Mensch entgegnete: „Ich kann weder lesen noch schreiben. Aber ich kann das Alphabet aufsagen. Ich bitte Gott, aus meinen Buchstaben Gebete zu formen.“

Gedenktafel in Grafeneck (aus einer Erzählung mittelalterlicher jüdischer Mystik)

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Eine Mauer an der Grenze zu Mexiko, strengere Kontrollen an den Grenzen in Europa. In einer Zeit in der sich viele um Abgrenzung bemühen finde ich die Botschaft eines bekannten Adventsliedes wunderbar anders. Da heißt es:

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.“

Georg Weissel, Macht hoch die Tür

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