Manuskripte

SWR3 Worte

Sexualisierte Gewalt ist ein riesiges Problem. Aber es gibt auch Lichtblicke, meint jedenfalls Ursula Enders von der Initiative zartbitter, die sich um Menschen kümmert, die Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind.

Seit zehn Jahren sind die Jugendverbände in diesen Punkten sehr viel aufmerksamer. Dieses Drama von wegen ‚wir haben heute so viel mehr Fälle sexualisierter Gewalt!‘ kann ich also überhaupt nicht teilen. Ich sehe im Gegenteil viele Bereiche, die besser geworden sind. Dazu gehört übrigens eindeutig auch die #Metoo-Bewegung, denn über sie ist ein breites Bewusstsein für Übergriffe geschaffen worden. […] Aber durch die Öffentlichkeit sind zunehmend auch junge Männer auf uns zugekommen, die gesagt haben: ‚Mir passiert das und das – ist das jetzt auch ein Übergiff?‘ und das finde ich einfach super.

Galore Interviews, Ausgabe 31

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Wann ist die beste Zeit jemandem zu sagen, dass man ihn lieb hat? Katrin Bauernfeind ist da ganz klar, wenn sie sagt:

Man weiß nie, wie lange das Leben geht und wie viele Gelegenheiten man haben wird, das zu besprechen und zu verhandeln, worum es wirklich geht. Oft sagt man einem Menschen nicht wie wichtig er einem ist, weil man denkt: Das weiß der ja eh, ist doch albern, wenn ich das jetzt sage. Aber ich bin dafür, dass man es eben raushauen sollte. Los, ruf deine Mutter an und sage ihr, dass du sie lieb hast! Schiebe es nicht auf! Tue es jetzt, auch wenn du über deinen Schatten springen musst. Entscheide dich für Liebe. Was nicht bedeutet, dass es keinen Streit geben darf. Aber wir scheitern ja oft an unserer eigenen Kleinlichkeit. Und vielleicht schafft man es, sie beim nächsten Mal zu überwinden.

Galore Interviews, Ausgabe 31

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Der Kabarettist Dr. Eckard von Hirschhausen findet, dass wir uns nicht vor dem Alter fürchten sollten. Die angstvolle Beschäftigung damit hält uns nur davon ab, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen. Er sagt:

Im Durchschnitt werden wir zehn bis 20 Jahre älter als die Generation vor uns. Das ist doch erst einmal ein wahnsinniges Geschenk! Wir sterben nicht mehr an Polio, Masern oder Keuchhusten, weil wir uns dagegen impfen. Wir sollten uns nun dringend damit beschäftigen, was wir mit der Zeit anstellen. Wie wir sie ohne Panik verbringen, ohne alle diese Produkte, die unsere Angst vor dem Alter ausdrücken – und nicht unsere Freude daran, älter werden zu dürfen. Überall, wo Anti-Aging draufsteht, steckt keine Lebensfreude drin! Im Gegenteil, das sind alles eher traurige Versuche, sich jünger zu geben, als man ist, das ist zum Scheitern verurteilt. Wenn man das erkennt, kann man drüber lachen.

Galore Interviews, Ausgabe 31

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Heute ist der evangelische Buß- und Bettag. Früher ein Feiertag, mit viel Zeit für das Gebet. Der Theologe Fulbert Steffensky erzählt, warum er das Beten so wichtig findet:

Ich bin ein viel zu zweifelnder Christ, als dass ich auf das Gebet verzichten könnte. Das Gebet ist eigentlich die einzige Stelle, wo man Dinge zusammenkriegt, die sonst nicht zusammenpassen. Die Güte Gottes und was in der Welt passiert, was nicht alles die Schuld der Menschen ist. Im Gebet finden die Schönheit und die Tragik des Lebens zueinander. Meine Überzeugung ist: Je größer die Zweifel, desto wichtiger ist das Gebet. Und wenn ich es nicht kann, dann bete ich halt ungekonnt. Wenn ich eins gelernt habe von diesem Christentum, dann das: Es muss nichts ganz sein, ich als Mensch kann Fragment sein. Gnade erlaubt es mir, ein nicht vollkommener Mensch zu sein. Gnade ist, dass ich nicht unter Ganzheitszwängen lebe, auch nicht unter religiösen.

3E – echt. Evangelisch.engagiert. Das Ideenmagazin für die Kirche.

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Der Schriftsteller Hakan Nesser findet es immer wieder erstaunlich, dass er existiert. Für ihn ist das eins der großen Rätsel des Lebens. Er erzählt:

Da ist ein Spermium, das ein Ei trifft. Ein Spermium von meinem Vater und ein Ei meiner Mutter. Das ausgerechnet diese beiden sich getroffen haben, also sowohl Spermium und Ei, als auch mein Vater und meine Mutter, ist schon eine irre Sache. Statistische gesehen strebt die Wahrscheinlichkeit gegen Null, dass ich als Konsequenz dieses Zufalls existiere. Der Umstand, dass ich als dieses Individuum hier sitze ist willkürlich und erstaunlich. Das hat mich schon immer etwas stutzig gemacht, aber gleichzeitig auch ziemlich dankbar

Galore Interviews, Ausgabe 31

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Die Schauspielerin Anke Engelke wundert sie sich darüber, dass für viele eine verspätete Bahn  so ein Problem sein kann. Sie sagt:

[Ich habe in Malawi] Menschen kennengelernt, die dort geboren sind dort leben und dort sterben werden. Die können nicht einfach sagen: Eigentlich habe ich mir mein Leben anders vorgestellt, ich mache jetzt mal was ganz verrücktes und wechsle den Kontinent. Das ist nicht möglich. Und unser Hauptproblem im Sommer war, dass die Bahn Verspätung hatte? Bei mir dreht sich dann kurz alles im Kopf, ich komme nicht klar mit diesem ungerechten Ungleichgewicht. Wir können wählen, die meisten Menschen in Malawi nicht.

Galore Interviews, Ausgabe 29

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Es ist nicht immer leicht das Gute im Leben auch zu sehen. Der Autor Hakan Nesser meint dazu:

Das Problem des Guten ist, dass es so winzig ist. Es ist das unaufgeregt Gute, das sich im Alltäglichen versteckt: Wir treffen uns, wir sehen Freunde, wir lernen Fremde kennen. Über so was redet oder schreibt man gewöhnlich nicht. Aber das ist doch das, was unser Leben ausmacht! Es ist unspektakulär, aber das macht einen im Zweifelsfall doch glücklich. Das zu sehen und zu leben ist nicht immer einfach, deshalb wird man schneller von den dunklen, pessimistischen Gedanken eingenommen. Um schlecht gelaunt durchs Leben zu gehen, muss man nicht viel tun, das passiert mit einem. Das Gute zu sehen und zu erleben ist hingegen unbestritten ein anstrengender Akt.

Galore Interviews, Ausgabe 31

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