Manuskripte

SWR3 Worte

Er liebte die Sprache und vor allem die Musik. Martin Luther, entlaufener Mönch, Reformator, streitbarer Protestant und leidenschaftlicher Musiker. Er sang gut, spielte Flöte und Laute, schrieb Texte und Melodien. Er coverte ungeniert Volkslieder und Schlager seiner Zeit für seine reformatorischen Ideen. Mit Erfolg. „Wittenbergische Nachtigall“ wurde er genannt – sozusagen sein Künstlername.

„Die Musik, die Musica ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich.“

Sagt Luther, Martin, der Singer-Songwriter. Heute vor 535 Jahren wurde er geboren. Happy Birthday.

Martin Luther
Zitat aus Luthers Tischreden, divers zitiert und publiziert. https://www.luther2017.de/de/reformation/und-kultur/musik/

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Hetze. Gegen Juden. So fing es an. Heute, am 9. November vor genau 80 Jahren brennen tausende Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen. Mit der Reichspogromnacht begann ein millionenfacher Völkermord. Auch das Mädchen Anne Frank wird Opfer. Sie schreibt in ihrem weltberühmten Tagebuch:

„Ich sehe, wie die Welt allmählich in eine Wildnis verwandelt wird. Ich höre den nahenden Donner, der auch uns vernichten wird, ich kann das Leiden von Millionen spüren... Das ist das Schwierige in dieser Zeit: Ideale, Träume, kommen nicht auf, oder sie werden von der grauenhaftesten Wirklichkeit zerstört. Trotzdem halte ich an ihnen fest, trotz allem, weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube. Wie schön ist es, dass niemand einen Moment warten muss, um die Welt zu verbessern.“

Anne Frank
https://1000-zitate.de/autor/Anne+Frank/

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Vor 110 Jahren wurde sie geboren: Simone des Beauvoir, Autorin, Philosophin und Frauenrechtlerin. Manche Themen, die sie in ihrem Buch "Das andere Geschlecht" behandelte, sind auch nach einem Jahrhundert noch bedenkenswert anstößig:

"Eine Frau, die den Verlust eines Kindes durchgemacht hat, erschrickt vor nichts mehr... Viele Männer verbieten die Abtreibung im Allgemeinen, akzeptieren sie aber im Einzelnen als eine bequeme Lösung... Es muss übrigens darauf hingewiesen werden, dass die Gesellschaft, die so heftig bestrebt ist, die Rechte des Embryos zu verteidigen, sich um die Kinder wenig kümmert, sowie sie auf der Welt sind."

Simone de Beauvoir
https://www.gutzitiert.de/zitat_autor_simone_de_beauvoir_thema_abtreibung_zitat_27945.html

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Vor Gott und dem Gesetz sind alle gleich, auch Mann und Frau. Doch was Politik und Arbeit  angeht, da sieht die ehemalige Bundesfrauenministerin Renate Schmidt so einige Ungleichheiten:

„Vor mehr als 100 Jahren meinten die meisten Männer, dass Frauen ein zu kleines Hirn hätten, dass sie ihren Haushalt vernachlässigen und verrohen, wenn sie sich in die Politik einmischen. Das Frauenwahlrecht kam dennoch und heute – oh süßer Fortschritt – mischen Frauen höchst erfolgreich in allen Bereichen der Politik mit, zum Wohl des Gemeinwesens.

Dennoch glauben bis heute nicht wenige Männer, dass Frauen für Führungspositionen nicht geeignet sind - trotz der am besten ausgebildeten Frauengeneration, die es je gab. Dennoch werden Frauen für gleiche Tätigkeiten schlechter bezahlt als Männer... Es bleibt für uns im Jahr 100 nach Einführung des Frauenwahlrechts noch eine Menge zu tun."

Renate Schmidt, Zitat auf Frauen Macht Politik
https://www.100-jahre-frauenwahlrecht.de/100-jahre-frauenwahlrecht-mitstreiterinnen/renate-schmidt.html

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Für sie als Kind der 90er Jahre sind Schreibmaschinen Nostalgie, meint Bloggerin Hanna Buiting und kauft sich dennoch eine, namens Erika.

„Manche mögen mich für verrückt halten. In einer Zeit, in der ich mit meinem Smartphone ganze Artikel schreiben kann ... Aber "Erika" reizt mich. Denn sie lehrt mich vieles. Vor allem Geduld. Meine Finger wissen nicht, wie fest sie eine Taste anschlagen müssen, damit Tinte aufs Papier gedruckt wird. Und so dauert es eine ganze Weile, bis eine Zeile geschrieben ist. Und dann hakt Erika plötzlich. Irgendwas klemmt. Die Buchstaben verharren auf dem Papier. Und mein erster Impuls ist: Ausschalten und wieder einschalten. Denke ich. Und muss über mich selbst schmunzeln, als mir klar wird, wie absurd dieser Gedanke ist. Denn "Erika", diese feine, kleine Schreibmaschine ist nie „an“ oder „aus“. Sie „ist“ einfach.“ Hanna Buiting am 1.10.2018

Blogbeitrag unter https://www.evangelisch.de/blogs/vom-sehnen-und-suchen/152582/01-10-2018

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Das „Pubertier“ gehört inzwischen zum Wortschatz. Wobei Halbwüchsigen und Erwachsenen die Worte (gar wertschätzende) oft fehlen in dieser heißen Phase. Der verstorbene Kabarettist und Wortpoet Hanns Dieter Hüsch rät:

„Wer einen Dialog herbeiführen will… darf nur wenig Vorschriften machen, besser keine. Gelegentlich vorsichtig Empfehlungen anbieten, sich nicht als Erwachsener aufspielen.

Fehler nicht gleich als Schande empfinden, Irrtümer gestatten. Dennoch das Recht haben, sich Sorgen machen zu dürfen. Sich wechselseitig erziehen, sich gegenseitig ernst nehmen, zusammen essen und trinken. Nicht immer alles besser wissen, am besten nichts besser wissen, sondern trösten, Ratlosigkeit teilen, Wärme herstellen, Bindung spüren lassen… Liebe.“

Hanns Dieter Hüsch, Das Schwere leicht gesagt

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Ein Wald. Hunderte Demonstranten, Polizisten und sogar Soldaten. Ein Kampf um Bäume, ums Holz, um Grün für alle. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine Waldbesetzung. Hohe Herren wollten damals den Forst allein besitzen, das Volk besetzte ihn und setzte sich durch: 1904 wird der Berliner Grunewald Volkspark. Der Theologe und Volkskundler Wilhelm Heinrich Riehl schrieb in jener Zeit:

"Der Wald allein läßt uns Culturmenschen noch den Traum von der Polizeiaufsicht unberührten persönlichen Freiheit genießen... Den Wald ausrotten könnte man vielleicht noch in Deutschland, aber ihn sperren, das würde eine Revolution hervorrufen."

Wilhelm Heinrich Riehl: Land und Leute.

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