Manuskripte

SWR3 Worte

Der Regisseur Sebastian Schipper findet nicht, dass Männer durch die #metoo-Debatte etwas verlieren könnten. Er meint:

„Was soll da bitte verloren gehen? Das Flirten? Was für eine Art von schützenswertem Flirt soll es sein, bei dem sich die andere Person mies fühlt? Oder der Humor? Dass man keinen anzüglichen Witz mehr machen darf? Dass Zoten über Assistentinnen oder Praktikantinnen nun als unangemessen gelten, kann man doch nicht als Verlust beklagen. Witze auf Kosten von Schwächeren sind eh keine Witze. Humor ist, wenn du erkennst, was für eine absurde Erscheinung du selbst bist. Jeder große Komödiant in Deutschland, von Karl Valentin über Loriot bis Anke Engelke, zieht seinen Humor daraus, dass er überfordert mit der Welt ist.“ 

Autor: Sebastian Schipper im Interview mit Hannah Pilarczyk Text: „Wie kann Tukur sagen, dass er nichts bemerkt hat?“ – Regisseur Sebastian Schipper zum Fall Wedel

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Der Schauspieler Wil Wheaton geht offen mit seinen Depressionen um. Und er will anderen Mut machen, das auch zu tun. Er schreibt:

„Menschen sagen mir, ich sei tapfer, weil ich so offen darüber spreche. Und während ich mich darüber freue, stimme ich doch nicht richtig zu. Feuerwehrmänner sind tapfer. Alleinerziehende, die mehrere Jobs haben, um mit ihren Kindern über die Runden zu kommen, sind tapfer. […] Ich bin nicht tapfer. Ich bin nur ein Schriftsteller und Gelegenheitsschauspieler, der sein Privileg und sein Glück mit der Welt teilen möchte, der so oft über psychische Gesundheit sprechen will, bis es eines Tages vollkommen normal ist, hinzustehen und diese 15 Worte zu sagen: ‚Mein Name ist Wil Wheaton, ich lebe mit chronischen Depressionen und ich schäme mich nicht.‘“ 

Autor: Wil Wheaton Text: My name is Wil Wheaton. I live with chronic Depression, and I am not ashamed

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Jakob Leube ist Satiriker. In einem Interview hat er darüber gesprochen, warum die Kirche und gläubige Menschen über sich und ihren Glauben lachen können sollten:

„Lachen zu können macht Gläubige oder die Kirche für mich sympathisch, nahbar, menschlich. Aber dazu braucht es Selbstironie. Und es hat eben auch mit der eigenen Prägung zu tun. Als schwäbischer Protestant habe ich dazu einen anderen Zugang, als ihn vermutlich ein italienischer Katholik aus einer ländlichen Gegend hat. Der wächst zum Beispiel mit einem anderen Zugang zur heiligen Schrift auf. Aber ich meine, man kann durch Humor eher gewinnen.“

 

Autor: Jakob Leube im Interview mit Tobias Weimer Text: „Satire ist ein Vehikel für Kritik“ – Jakob Leube im Gespräch

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Der Schriftsteller Heinrich Böll hat sich gegen jede Form von Gewalt engagiert. Was das bedeutet, hat er einmal so beschrieben:

„Man redet bei uns immer von Gewalt und meint nur die Gewalt von Bomben, Pistolen, Granaten. Es gibt aber auch die Gewalt der Schlagzeile und es gibt wahrscheinlich hunderte Sorten von Gewalt, die man noch definieren muss, die wieder Gewalt hervorrufen.“

 

Autor: Heinrich Böll

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Smudo von den Fantastischen Vier beschreibt, wie wichtig es ist, sich von den Erwartungen anderer zu lösen. Das spürt er besonders, wenn die Fantas an einer neuen Platte arbeiten. Er erzählt:

„Ganz am Anfang, wenn wir uns dazu entschließen, eine neue Platte zu machen, ist natürlich die Angst da: ‚Ah, wird das geil, können wir das machen? Finden das denn auch unsere Fans gut?‘ Und ganz wichtig: ‚Finden wir das eigentlich noch gut?‘ […] Deswegen ist die Aufgabe eher, sich von Erwartungshaltungen zu lösen und zu versuchen, nicht etwas machen zu wollen, von dem man denkt, dass es andere von einem wollen, sondern das zu finden, das wir senden wollen.“

 

Autor: Smudo

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Die Publizistin Liane Bednarz will keinen Menschen verloren geben. Auch, wenn sie nicht einverstanden ist, mit dem was er oder sie denkt. Sie sagt:

„Man muss mit Rechten reden, gerade als Christ soll man Menschen zeigen, dass man um sie kämpft und dass es einen Weg zurück gibt. Ängste und Sorgen kann ich ernst nehmen, aber ich muss es auch beim Namen nennen, wenn es fremdenfeindlich oder verschwörungstheoretisch wird.“

 

Autor: Liane Bednarz im Interview mit Nils Husmann Text: Wo die Rechten predigen

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Jakob Friedrichs hat vor Jahren ein Kind durch plötzlichen Kindstod verloren. Das hat seinen Glauben damals tief erschüttert. Warum er dennoch nicht von Gott gelassen hat, erklärt er folgendermaßen:

„In so einer Situation ist der Glaube durchaus ambivalent. Auf der einen Seite reckt man die Faust zum Himmel und ruft: ‚Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Wo warst du, verdammt noch mal?’ Und auf der anderen Seite findet man dann trotzdem im Glauben an Gott auch eine Zuwendung, einen Halt.“

 

Autor: Jakob Friedrichs

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