Manuskripte

SWR3 Worte

Ist die Arbeit für den Menschen da oder der Mensch für die Arbeit? Der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer sieht das so:

„Arbeit muss so beschaffen sein, dass der Mensch mitten in seinem Mühen fröhlich wird. Fröhlich zu sein bei seiner Arbeit – und nicht erst nach seiner Arbeit oder […] durch den Gewinn seiner Arbeit – , das ist der eigentliche Sinn menschlichen Tätigseins. […]

Es gehört zur Arbeit an uns selbst, auch die Vergänglichkeit all unserer Arbeit zu akzeptieren. Glücklich, wer seine gezählten Tage genießen kann.“

Friedrich Schorlemmer Text: Auf der Suche nach Sinn
in: http://www.friedrich-schorlemmer.de/texte.html. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26743

Egal, ob zu Hause oder im Urlaub. Eine Weile in einer Kirche zu sein, lohnt sich immer. Die Bloggerin und freie Autorin Susanne Niemeyer erzählt, warum sie das so empfindet:

„Geh‘ in eine Kirche. Dein Zuhause überall auf der Welt. Hier hast Du ein Heimatrecht. Ein unsichtbares Schild hängt an der Tür: Offen für jeden. Eintritt frei. Keine Gegenleistung erforderlich.

Stille umfängt dich. […] Setz dich auf eine der Bänke. Du bist nicht allein, andere sind längst da gewesen, gestern und heute. […] Gott ist da, der in ihren Geschichten wohnt, in ihren Träumen und ihrer Sehnsucht. […]

Hier sind die Gedanken frei. […] Eine Verzweiflung braucht sich nicht zu schämen. Die Sprachlosigkeit kann sich ausruhen. Kein Wunsch ist hier vermessen.“

Susanne Niemeyer, Geh in eine Kirche in: Lass Dein Leben blühen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26742

Mouhanad Khorchide ist Soziologe und muslimischer Religionspädagoge an der Uni Münster. Ihm ist es wichtig, dass seine Religion, der Islam, nicht instrumentalisiert wird. Er sagt:

„Es gibt den Islam ohne politischen Machtanspruch. Das ist der Islam, den ich anstrebe, den übrigens sehr viele Muslime anstreben, die es ablehnen, aus dem Islam eine politische Ideologie zu machen. Das wollen die Islamisten.

Es gibt zum Glück viele islamische Länder […], die dem politischen Islam den Kampf erklärt haben. Das finde ich auch wichtig, damit der Islam nicht instrumentalisiert wird, sondern die Spiritualität und die Ethik dieses Glaubens im Vordergrund stehen. Zwar verlangt der Islam, sich politisch zu engagieren, zum Beispiel für Gerechtigkeit, Umweltschutz oder Bildung, aber nicht um Macht anzustreben.“

Mouhanad Khorchide, Moslem oder Muslim? Einführung in: Willi Weitzel, Mouhanad Khorchide, Der Islam. Fragen und Antworten für alle, die’s wissen wollen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26741

Brauchen wir Religion? Der Schauspieler Edgar Selge antwortet auf diese Frage:

„Das kann nur jeder für sich selbst beantworten. Was mich betrifft: Ja, ich brauche Religion. Die christliche Religion bedeutet vor allem, das Leid der Mitmenschen wahrzunehmen und zu lindern. Denn das Christentum hat letztendlich den Humanismus hervorgebracht und damit auch die Menschenrechte.“

Edgar Selge im Interview mit Antje Berg, Uns fehlt eine Form des Geerdetseins
https://www.swp.de/vermissen-sie-die-provokation_-herr-selge_-26868276.html

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Morgens aufwachen und schon sind sie da, die Grübeleien über den bevorstehenden Tag. Der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer kennt das und erzählt, wie es ihm dann geht:

„Was erwartet mich heute? Was erwarte ich von mir heute? Was erwarten an diesem Tag andere von mir?
Ich hätte so viel zu tun, dass ich doch lieber gleich im Bett bliebe.

[…]  Deshalb gehe ich auch heute an mein kleines Tagwerk mit einer alten Liedzeile von Paul Gerhardt: ‚Tritt Du zu mir, Gott, und mache leicht, was mir sonst fast unmöglich scheint und bring’s zum guten Stande.‘“

Friedrich Schorlemmer, Geier und Taube in: Zorn und Zuwendung

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Die Natur mit all ihren Farben und Geräuschen in vollen Zügen genießen,  für die französische Philosophin Simone Weil ist das geradezu ein Menschenrecht. Sie sagt:

„Man hat recht, die Schönheit der Welt zu lieben, denn sie ist das Zeichen eines Liebesaustausches zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung.
Die Schönheit ist für die Dinge, was die Heiligkeit für die Seele ist.“

Simone Weil (1909-1943) in: Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Württemberg.

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Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Dieses wichtige christliche Gebot heißt auch, sich lieben zu lassen. Der Schriftsteller Paulo Coelho weiß, dass das nicht immer leicht ist und erzählt:

„Häufig ist es einfacher zu lieben als geliebt zu werden. Wir haben Mühe von anderen Hilfe und Unterstützung anzunehmen. Aber, wenn wir unsere Unabhängigkeit immer so herausstellen, hält das die anderen davon ab, uns ihre Liebe zu zeigen.

Viele Eltern wollen im Alter die Unterstützung und liebevolle Fürsorge von ihren Kindern nicht annehmen.
[…] Viele Ehemänner oder auch Ehefrauen schämen sich, wenn ein Schicksalsschlag sie trifft und vom anderen abhängig macht. […]

Wir müssen zulassen, dass uns jemand unterstützt und uns Kraft zum Weitermachen gibt. Wenn wir diese Liebe reinen Herzens und demütig annehmen, werden wir begreifen, dass Lieben nicht geben oder nehmen, sondern Teilnahme bedeutet.“

Paulo Coelho, Lieben und geliebt werden in: Unterwegs. Der Wanderer.

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