Manuskripte

SWR3 Worte

Es war einmal ein Großvater, der schon sehr, sehr alt war. (...)

Wenn er aß, floss dem alten Mann die Suppe aus dem Mund. Der Sohn und die Schwiegertochter ließen ihn deshalb nicht mehr am Tisch mitessen, sondern brachten ihm sein Essen hinter den Ofen, (...)

Eines Tages,( ...), ließ er auf dem Weg zu seinem Platz hinter dem Ofen die Suppenschale fallen und sie zerbrach. Die Schwiegertochter machte dem Greis Vorwürfe, (...) und sagte, dass sie ihm von jetzt an das Essen in einem Holzschüsselchen geben werde. Der Greis seufzte nur und sagte nichts.

Als der Mann und die Frau einige Tage später zu Hause beisammen saßen, sahen sie, dass ihr Söhnchen auf dem Fußboden (...) etwas zimmerte.

Der Vater fragte ihn: "Was soll das denn werden, Mischa?"

(...) Mischa antwortete: "Das soll ein Holzschüsselchen werden, Väterchen. Daraus werde ich dir und der Mutter zu essen geben, wenn Ihr alt geworden seid." 

Das Holzschüsselchen nach Lew Tolstoj.

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Der Komiker Charly Chaplin über Selbstliebe:


 „[...] Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das "Gesunden Egoismus", aber heute weiß ich, das ist "Selbstliebe".? Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: das nennt man "Demut".?? [...] ??Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich: "Das ist das Leben"!“

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Der Pfarrer und Journalist Werner Tiki Küstenmacher über Gottesliebe: 

„Gottesliebe, die lernt man nicht im Konfirmandenunterricht und nicht im Theologiestudium. [...] Gottesliebe lernt man vielleicht, wenn man ein Musikstück hört. Wenn es Resonanz hervorruft in einem selbst und man fasziniert ist von den vielschichtigen Klängen und den anrührenden Melodien. Und wenn man dann die Verbindung ahnt zwischen den Schallwellen, dem Ohr, dem Gehirn und dem, der alles aufeinander hin konstruiert hat. Wie herrlich das ist, wie liebenswert, wie wunderschön und wie nah. Und wie stolz ich darauf sein kann, den Schöpfer von alledem zu kennen.

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Wie wertvoll ein kleines Dankeschön sein kann, zeigt folgende Geschichte von Axel Kühner:

Ein Arzt, der in seinem Beruf über Jahrzehnte Erfolg hatte, setzte sich eines Tages hin und schrieb einen Dankesbrief an seine ehemalige Lehrerin, die ihn damals so sehr ermutigt hatte, als er in ihrer Klasse war. Eine Woche darauf erhielt er eine mit zittriger Hand geschriebenen Antwort. Der Brief lautete: „Mein lieber Willi, ich möchte dass du weißt, was mir Dein Brief bedeutet hat. Ich bin eine alte Frau in den Achtzigern, lebe allein in einem kleinen Zimmer, koche mir meine Mahlzeiten selbst, bin einsam und komme mir vor wie das letzte Blatt an einem Baum. Vielleicht interessiert es Dich, Willi, dass ich 50 Jahre lang Lehrerin war, und in der ganzen Zeit ist Dein Brief der erste Dank, den ich je erhalten habe. Er kam an einem kalten, blauen Morgen und hat mein einsames, altes Herz erfreut, wie mich in vielen Jahren nichts erfreut hat!“
 

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Der Autor Tiki Küstenmacher über das Trösten: 

„Wer Trost braucht, ist allein gelassen mit seinem Schmerz und seiner Not. Ein kräftiger Klaps auf die Schulter hilft ihm  nicht. Sogenannte aufmunternde Worte sind hier meist schrecklich fehl am Platze: So, Ende der Einsamkeit, jetzt bin ich da! Nein. Wer allein ist mit seinem Schmerz, der braucht jemanden, der mit ihm zusammen einsam ist, der die Trauer und das Elend mit aushält. Jemand, der leise eintritt in das Haus der Trauer, ohne dort sofort aufzuräumen und zu lüften.

Das kann man gut sehen, wenn man ein Kind tröstet. Man braucht es nur in den Arm nehmen und sagen: „Ich bin da.“ (...)Man sollte sich aber auch nicht zu sehr einlassen auf die Tränen. Wer mit in den Untiefen des Trostsuchenden untergeht, kann nicht mehr helfen. Helfen kann nur, wer selbst noch festen Boden hat.“

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Eine Frau träumte des Nachts, einen Markt zu besuchen. Dort inmitten all der Stände traf sie an einem von ihnen erstaunlicherweise Gott. Scheu näherte sie sich dem Stand.

"Was verkaufst du hier?" wollte sie von ihm wissen.

Gott antwortete ihr: "Alles, was das Herz begehrt."

Die Frau war zunächst völlig verblüfft. Als sie sich wieder gefasst hatte, beschloss sie, diese Gelegenheit zu nutzen und das Beste zu verlangen, was sich ein Mensch nur wünschen kann.

"Ich möchte Frieden für meine Seele und Liebe und Glück. Und weise möchte ich sein und nie mehr Angst haben." sagte die Frau zu Gott. "Und das nicht nur für mich allein, sondern für alle Menschen."

Gott lächelte. "Ich glaube, du hast mich missverstanden. Ich verkaufe hier keine Früchte, sondern die Samen." 

Auf dem Markt von Sigrid Engelbrecht

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Der Autor Werner Tiki Küstenmacher über sein Gottesbild:

"Ich weiß nicht, wie Gott ist, aber wie er nicht ist, weiß ich immer besser. Ich kann mir keinen Gott mehr vorstellen, der sich bei einem Streit auf eine Seite schlägt und gegen die andere kämpft. Vor allem dann nicht, wenn eine Seite sagt: Gott ist auf unserer Seite!

Gott ist immer Größer. Größer als all unsere Gegensätze."

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