Manuskripte

SWR3 Worte

Genuss ist vielen Menschen heute wichtig. Die Fähigkeit, genießen zu können habe aber nichts mit dem Geldbeutel zu tun, meint der Kulturwissenschaftler Gunter Hirschfelder:

Sie können für wenig Geld einen Kuchen nach einem Familienrezept backen, den Tisch schön decken und Menschen dazu einladen, die Sie lieben. In dem Fall entsteht Genuss nicht durch exklusive Zutaten, sondern durch ein Gefühl von Verbundenheit. Wenn Sie hingegen in Eile ein Luxusprodukt in sich hineinstopfen, werden sie kaum genießen.

Der Kulturwissenschaftler Gunter Hirschfelder in einem Interview, in: Publik-Forum Heft 7 (2018)

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Die Schriftstellerin Lucy Fricke erinnert sich an ihre Mutter und entdeckt viel von ihr in sich selbst:

Sie hat nie gesagt: Mach was Ordentliches! Sondern immer: Mach dein Ding! …

Ich hatte oft das Gefühl, dass da mitschwingt: Wehe, du nutzt deine Chancen nicht! Da folgt der nächste Stress, glücklich soll man auch noch sein. Aber das ist man selten. Ich beobachte im Freundeskreis, dass manche nach Jahren der Selbstverwirklichung und Freiheit ihren eigentlichen Wunsch nach Sicherheit und Stabilität entdecken. Dass das Leben gar nicht so aufregend sein muss, wie sie immer dachten. Manchmal erkennt man das zu spät.

Die Schriftstellerin Lucy Fricke im Gespräch, in: Süddeutsche Zeitung vom 2.6.2018

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Franz Segbers hat Sozialethik unterrichtet. Über die Gemeinsamkeiten der christlichen Soziallehre mit Karl Marx sagt er:

Wir stehen heute wieder vor einer Finanzkrise, die jederzeit ausbrechen kann. Dazu stellt sich die Frage, wie wir mit der Katastrophe des Klimawandels und der unglaublichen Zusammenballung des Kapitals umgehen. Wir leben auf einem Vulkan und zerstören dabei die Zukunft unserer Kinder. … Marx sagt: Das tote Kapital darf nicht über die lebendige Arbeit des Menschen herrschen. Das könnte ein Christ genauso unterschreiben. Das Leben, die Arbeit des Menschen, die Schöpfung müssen Vorrang haben.

Franz Segbers in einem Streitgespräch über Jesus und Karl Marx, in: Publik-Forum Heft 9 (2018)

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Der Schauspieler Ulrich Matthes, der selber nicht glaubt, über die Möglichkeit, dass es dennoch einen Gott gibt:

Gläubig bin ich … nicht, bin es nie gewesen. Ich komme aus einer … religiös unmusikalischen Familie. Aber natürlich ist es möglich, dass es Gott gibt, was denn sonst?! Als meine Mutter mit mir im fünften Monat schwanger war, wurde sie von einem Auto angefahren. Sie ist 13 Meter durch die Luft geflogen, hatte einen Beinbruch, eine schwere Gehirnerschütterung. Und ich kam später auf den Tag genau gesund zur Welt. Seitdem sagt meine Mutter: „Schutzengel gibt es.“ Sie sagt immer wieder: „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es nichts gibt.“ Wenn jemand vehement die Existenz Gottes abstreitet, finde ich das vollkommen absurd.

Schauspieler Ulrich Matthes in: Chrismon. Das evangelische Magazin Nr. 05/2018

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Der Schauspieler Ulrich Matthes sagt über seine Erfahrungen mit der Liebe:

Geliebt werden, aber selbst nicht lieben und umgekehrt – ich kenne das eine wie das andere. Es ist eine Zeit lang intensiv, leidenschaftlich, aber eben auch schmerzhaft. Insofern kann ich sagen: Glücklich machen einen nur die Phasen von gegenseitiger Liebe. Ich meine nicht, sich mal eben zu verknallen, sondern dieses einatmende Staunen, das etwas ganz Besonderes ist. Das habe ich, offen gesagt, noch nicht so oft erlebt.

Ulrich Matthes in: Chrismon. Das evangelische Magazin Nr. 05/2018

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Der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm erinnert sich an ein heftiges Streitgespräch mit einem Diktator:

Ich hatte einmal eine sehr heftige Diskussion über politische Gefangene mit dem chilenischen Diktator General Pinochet. Plötzlich zeigte er auf ein Kreuz in seinem Zimmer uns sagte: „Hier bete ich jeden Tag.“ Und ich sagte: „Herr Präsident, das wird ihnen nicht helfen, denn der, vor dem Sie beten kennt jeden, den Sie umbringen ließen, mit Namen. Und er wird sie fragen: Was hast du mit dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern gemacht?“ Der Glaube, dass wir Kinder Gottes sind und über unser Leben Rechenschaft ablegen müssen vor einer Instanz, die keine Rücksicht nimmt auf Reichtum oder Macht, ist vielleicht eine der größten Stützen für die Idee von der Würde des Menschen.

Norbert Blüm in einem Streitgespräch über Jesus und Karl Marx, in: Publik-Forum Heft 9 (2018)

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Was es heißen kann, Jesus nachzufolgen, dazu erzählt der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm folgende Geschichte:

Ich hatte einen kommunistischen Onkel, der während des Krieges seine spärliche Brotzeit mit einem Russenmädchen geteilt hat, obwohl das verboten war. Eines Tages wurde er vom Abteilungsleiter verraten und noch in derselben Nacht ins KZ verbracht. Nach dem Krieg nahm er seine Arbeit bei Opel wieder auf. Der Abteilungsleiter jedoch, der ihn verraten hatte, wurde nach einer kurzen Entnazifizierung Produktionsleiter bei VW. Er war Mitglied im Kirchenvorstand der katholischen Kirche von Rüsselsheim, in der ich Messdiener war. Wer stand mehr in der Nachfolge Jesu?

Norbert Blüm in einem Streitgespräch über Jesus und Karl Marx, in: Publik-Forum Heft 9 (2018)

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