Manuskripte

SWR3 Worte

Die Schriftstellerin Anne Steinwart nimmt sich für heute etwas Besonderes vor:

(…) So vieles ist zu tun. Aber heute will ich einen Platz für mich. Will die Sonne, den Himmel. So selten hat er dieses Blau. Will spüren, dass meine Füße leicht sein können. Heute will ich mich freuen, dass es mich gibt.

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Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Davon erzählt diese Geschichte: 

In der Fabrik war Mittagspause, und ein Arbeiter öffnete trübselig sein Lunchpaket. „Ach nein“, sagte er laut, „schon wieder Käsebrote.“ So ging es zwei-, drei-, viermal hintereinander.

Dann sagte ein Kollege, der das Gebrumme des Mannes gehört hatte: „Wenn du Käsebrote so sehr hasst, warum sagst du dann nicht deiner Frau, sie solle dir andere Schnitten machen?“

„Weil ich nicht verheiratet bin. Ich mache mir diese Brote selbst.“

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Die deutsche Schauspielerin Veronika Ferres wird in einem Interview gefragt, welche Liebe sie glücklich macht:

Ich habe die Erfahrung gemacht: Liebe zu sich selbst ist die Voraussetzung, um Liebe geben zu können – auch in der Partnerschaft. Und natürlich erfüllt mich die vorbehaltlose Liebe zu und von meinem Kind. Wie viele Menschen lieben sich nicht!? Tun aber auch nichts dafür, um etwas zu ändern, sie jammern nur.

Mein Vater hat früher gesagt: „Wenn du abnehmen willst, dann fang jetzt an, ich will das Gejammer nicht mehr hören, das ist verlorene Lebenszeit.“ Die Selbstliebe musste auch ich ernst nehmen.

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Auf einer Insel lebten drei fromme Frauen. Von nah und fern kamen die Menschen, um mit ihnen zusammen zu sein und zu beten. Eines Tages besuchte sie auch der Bischof. (…) „Man sagt“, begann der Bischof, „dass ihr Gott schaut. Wie betet ihr zu ihm?“ Die drei sahen sich ratlos an. „Wir beten einfach: Wir sind drei, (…) – steh uns bei!“ Der Bischof war bestürzt. „Nichts sonst? Kein Vaterunser? Kein Rosenkranz? Keine Psalmen?“ So viel Unwissenheit konnte er nicht zulassen, und er fing an, ihnen das Vaterunser Wort für Wort vorzusagen.

Als die drei es nachsprechen konnten, verabschiedete sich der Bischof zufrieden. Aber kaum befand sich sein Schiff wieder auf See, (…) eilten die drei über das Wasser auf ihn zu. Atemlos riefen sie: „(…) wir haben es vergessen! Wie geht es noch weiter (…)?“

Ergriffen warf sich der Bischof auf dem Schiff nieder und berührte mit der Stirn die Planken. „Betet so weiter, wie ihr es immer getan habt! Gott hört euch!“ (…).

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Der Schriftsteller Max Feigenwinter darüber, was er braucht, um glücklich und zufrieden zu sein: 

Manchmal brauche ich Ruhe und Stille, damit ich mich wieder finden kann; Menschen, die sagen, was sie fühlen und denken und wohlwollend zuhören können; zweifelnde und kritische Stimmen, die meine Selbstsicherheit in Frage stellen; verrückte Ideen und Impulse, die an Selbstverständlichem rütteln; Dank und Anerkennung, die mich bestätigen und ermutigen; Liebesworte und Zärtlichkeiten, die meine Seele berühren; und manchmal brauche ich es, das man mich braucht.

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Der Autor Heribert Haberhausen erzählt eine Geschichte über das Leben:

Ein Maler, der den Auftrag erhielt, das Leben dazustellen, malte eine Schaukel. Der Auftraggeber war verwundert: „Das soll das Leben symbolisieren?“

Der Künstler nickte: „Ja, eine Schaukel! Sie versinnbildlicht für mich am besten das Leben.“ Und er zeigte auf die Schaukel, die nicht starr und nach unten hing, sondern Anlauf nahm zum Aufschwung.

„Sie ist ständig in Bewegung wie alles Leben. Ihr Prinzip ist das Auf und Ab, gleich den Höhen und Tiefen, die in jedem Dasein vorkommen.“

Nach einer Pause setze er hinzu: „Wenn man es sehen will, hat das Leben mehr Höhen als Tiefen. Aber auch wenn ich ein Tief durchmache, habe ich die Gewissheit, dass ich gehalten werde.“

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Die Theologin Dorothee Sölle über den Sonntag: 

Du

sollst dich selbst unterbrechen

zwischen

Arbeiten und Konsumieren

soll Stille sein und Freude

Zwischen

Aufräumen und Vorbereiten

sollst du es in dir singen hören

Gottes altes Lied

von den sechs Tagen

und dem einen, der anders ist

Zwischen

Wegschaffen und Vorplanen

sollst du dich erinnern

an diesen ersten Morgen

deinen und aller Anfang

als die Sonne aufging

ohne Zweck

und du

nicht berechnet wurdest

in der Zeit

die niemandem gehört

außer dem Ewigen.

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