Manuskripte

SWR3 Worte

Der Sportjournalist Marcel Reif auf die Frage was er empfinde wenn für Fußballer 250 Millionen Euro gezahlt werden:

Meine Frau ist Krebsärztin, sie rettet Leben, Aber für das Geld, das sie als bayerische Beamtin und Direktorin einer riesigen Frauenklinik verdient, kriegst Du, na ja, in der 3. Liga vielleicht einen defensiven Mittelfeldspieler. Es ist obszön, aber der Markt gibt es im Fußball einfach her.

 

 

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Der Journalist Ullrich Fichtner hat 3 Altenpflegerinnen in ihrem Alltag begleitet. Über sie sagt er:

 

Unser Land kann sich … nur glücklich schätzen, dass es Menschen… hat wie Janine Krauss, Ingrid Strunz und Sandra Hartmann …  Sie verrichten ihren Dienst am Gemeinwohl auf der Kolpinghöhe in Hof oder im Pflegeheim der Caritas …                                                                                                    Sie gehen morgens über die Flure, abends, nachts. 
Sie messen Blutdruck, säubern Ohren, sie helfen beim Waschen, beim Anziehen, sie kämmen Haare, schneiden Fingernägel, sie stellen Fernsehgeräte leiser, bringen Wasser, messen Fieber. Sie heben und drehen schwache, gebrechliche Menschen, sie füttern, schenken Saft nach, hören zu, stellen Fragen, sie machen was sich Pflege nennt: unbezahlbare Arbeit.

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Der Journalist Ullrich Fichtner über den Stellenwert alter Menschen in unserem Land:

Dass in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, selbst dann der Geldbeutel zugehalten wird, wenn es darum geht, den eigenen Vätern und Müttern, den Groß- und Urgroßeltern einen guten, friedlichen und angenehmen Lebensabend zu ermöglichen, ist ein peinlicher, unwürdiger Zustand. Ihn abzuschaffen gehört zum historischen Auftrag dieser Bundesregierung. Ein überaltertes Land, das seine Alten geringschätzt, hat keine Zukunft.  

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Der Journalist Ullrich Fichtner über das System der Altenpflege in Deutschland:

Vorrangig am Geld und an Kostenkontrolle orientiert, verfehlt es die Menschen, für die es gedacht ist, die pflegebedürftigen Alten zuerst, die sich unwürdigen Begutachtungen zur Bestimmung ihres Pflegegrads unterziehen müssen …     
Danach die Familien und vor allem die Frauen, die aufgrund eines überkommenen Familien- und Rollenbilds in Deutschland als Angehörige in die Lücken springen müssen.
Dann die eine Million Beschäftigten, die als stationäre und ambulante Pflegerinnen und Pfleger unter den gegebenen Umständen kaum anders als Ausgebeutete zu bezeichnen sind. Dann die Gesellschaft, die eine Pflichtversicherung mit Beiträgen speisen muss, deren Leistungen insgesamt völlig inakzeptabel sind. Es braucht keine Reform, sondern einen Neuanfang.

 

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Der Autor Reiner Kunze über die Arbeit seines Großvaters: 

Mein Großvater war ein Steinkohlenbergmann, der tausend Meter tief unter der Erde arbeitete. Morgens, wenn die Sonne aufging, fuhr er ins Bergwerk ein, und abends, wenn sie unterging, fuhr er aus, sechs Tage in der Woche – vierzig Jahre lang. Einer der schönsten Augenblicke seines Lebens sei gewesen, als er nicht mehr habe einfahren müssen und an einem Wochentag plötzlich Sonne auf dem Brot gehabt habe.

 

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Der Journalist Ullrich Fichtner über das System der Altenpflege in Deutschland:

Egal mit wem an spricht, ob mit Altenpflegerinnen in München oder Hof, ob mit Berliner Forschern der Bundesagentur für Arbeit, mit Experten der Gewerkschaft Ver.di oder mit Heimaufsichtsleuten in Bayern und in Niedersachsen, das Gefühl danach ist immer das gleiche. Es spricht aus Anfragen im Bundestag, es spricht aus den Positionen so unterschiedlicher Organisationen wie der Arbeiterwohlfahrt, der Hospiz-Stiftung oder der Verbraucherzentrale Bundesverband. Dieses Gefühl wird zu einer Gewissheit, die lautet: Das bestehende System der deutschen Altenpflege ist eine monströse Fehlkonstruktion und gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.

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Der Autor Anton Honer über die Kirche Notre Dame in Paris als Touristenattraktion:

Nur am Eiffelturm war der Rummel vergleichbar   
Das Gemurmel von Tausenden brodelte dumpf und einschläfernd 
Die zauberhafte Ruhe, die Leichtigkeit der Rosetten 
wurde vom unaufhörlichen Blitzgelichter zerrissen 
Zaghafte Erleuchtungsversuche des heiligen Geistes kamen dagegen nicht an  
und mussten dem Wissen der Massen weichen, dass das Sammeln von Bildern einfacher ist
als geduldiges Sich-Einlassen auf unsichtbare Zeichen

 

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