Manuskripte

SWR3 Worte

Morgen ist Ostern. Überall auf der Welt feiern Christinnen und Christen, dass Jesus den Tod überwunden hat. Da wird sicher viel gelacht in den Kirchen. Und das ist ganz in Jesus Sinne, davon ist die evangelische Theologin und Clownin Gisela Matthiae überzeugt:

Ach so, es heißt ja, Jesus habe nicht gelacht, zumindest steht davon nichts im Neuen Testament. Aber das hat er schon: gefeiert, geweint, getröstet, geschimpft, gefragt, geredet, geliebt. Also wenn es da kein herzhaftes, freundliches, zartes, erfrischendes Lachen gegeben haben soll, dann zweifle ich an meiner Menschlichkeit.

Gisela Matthiae, Übermütig, 52 Unterbrechungen, Umwege und Überraschungen

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Heute an Karfreitag erinnern Christinnen und Christen weltweit daran, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. Für den evangelischen Theologen Jürgen Moltmann liegt im Karfreitag ein großer Trost. Er sagte einmal:

Meine erste Antwort auf die Frage: Wo ist Gott? War die Antwort: Er ist in Christus. Und er leidet in Christus am Kreuz und stirbt selber in tiefer Gottverlassenheit. Sodass in der tiefsten Gottverlassenheit Christus da ist und mit ihm Gott da ist.
Diese Antwort hat mich eigentlich weiter durchgetragen. Dass Gott der mitleidende Gott ist, der leidensfähig ist, weil er liebesfähig ist.

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Am Gründonnerstag, einen Tag vor seiner Kreuzigung, hat Jesus mit seinen Freunden gemeinsam gegessen und getrunken. Die Dichterin Carola Moosbach fragt sich wie es wohl war damals – und was wir heute davon lernen können:

Wer hat das Brot gebacken wo waren die Jüngerinnen und wer hat den Tisch gedeckt an diesem letzten und ersten Abendmahl.
Wer hat da wem die Füße gewaschen
haben die Männer auch Frauen bedient und warum und wann haben sie damit aufgehört
wieso ist das Blut eines Mannes kostbar das einer Frau aber unrein
wodurch ist das Abendmahl knöchern und schal geworden und wie können wir neu Gottes Liebe schmecken und satt werden durch Teilen.

Carola Moosbach, Himmelsspuren, Gebete durch Jahr und Tag

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Der singer und songwriter Gisbert zu Knyphausen kennt sich aus mit den Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens. Doch auch bei dem größten Kummer hält er daran fest, dass es Hoffnung gibt. In einem seiner Lieder heißt es:

Tief in dir Brennt ein Licht
Das du nicht Das du nicht zu fassen bekommst
Doch es ist da und scheint
Wohin auch immer du gehst, es scheint
Solange du lebst, es scheint
Und in allem, was du tust, es scheint Für dich

Gisbert zu Knyphausen, Das Licht dieser Welt

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Viele sehen für die Kirche keine rosige Zukunft. Wie eine liebevolle Prognose aussieht, zeigt der Theologie Fulbert Steffensky. Er sagt:

Wen man liebt, dem sagt man eine bessere Zukunft voraus, als er vielleicht haben wird. Und weil ich die Kirche liebe – nicht nur das Christentum, darum sage ich: Die Kirche wird nicht sterben, sie wird sich verwandeln. Was wir erleben, sind die Geburtsschmerzen einer gereinigten Kirche. Aber auch Geburtsschmerz ist ein Schmerz.

Fulbert Steffensky, wo der Glaube wohnen kann

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Für die moderne Mystikerin Madeleine Delbrel war eines klar: Nur ein Herz das mitleidet versteht die Botschaft Jesu richtig. Sie schreibt: 

„Kann man (denn) allen Ernstes und mit wirklicher Hoffnung auf Erlösung der Welt hoffen, ohne leidenschaftlichen Herzens das Unrecht in der Welt und seine Folgen enden sehen zu wollen? (…) Wenn wir weinen mit denen, die um ein Kind weinen, das gestorben ist und nicht hätte zu sterben brauchen; um einen verkrüppelten Menschen, der es nicht hätte sein müssen; um einen Gefangenen, der zwanzig Jahre im Gefängnis saß, obwohl es nicht nötig gewesen wäre: Dann werden wir vielleicht die Hoffnung erlernen, in einem Herzen, das in dieser Hoffnung dem Herzen Jesu Christi gleicht.“

Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte – Gedichte – Gebete

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Wer gegen einen übermächtigen Gegner Widerstand leistet, muss mit seiner Angst „fertig“ werden. Eine der ersten ordinierten Pfarrerinnen in Hessen war Katharina Staritz.Sie hat ihren Mut zum Widerstand gegen die Nazis aus dem Glauben geschöpft:

Wer den Dingen auf den Grund zu blicken sucht und sich nicht begnügt mit einem leichtfertigen „Es wird schon alles gut werden“ (…), der sieht die Not der Welt, sieht wie sie ihn selbst und die anderen bedroht. Er leidet unter der Ungewissheit der Zukunft, der Unsicherheit des menschlichen Lebens. (…) Nur einen Weg gibt es, diese Weltangst tapfer und ehrlich zu überwinden (…). Er heißt (…) Gottesfurcht. Vor dieser Furcht (…) zerrinnt alle Angst ins Wesenlose.“

Katharina Staritz, Furcht, Kirchliches Wochenblatt, 120. Jg. Nr. 34, 1934

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