Manuskripte

SWR3 Worte

Hassmails und Drohungen haben Hochkonjunktur und können ganz schön Angst machen. Der Schriftsteller Haruki Murakami stellt klar, dass Hass auch das eigene Herz schädigt. Er lässt eine seiner Romanfiguren sagen:

„Hass gleicht einem langen dunklen Schatten. Wo er eigentlich herkommt, weiß in den meisten Fällen nicht einmal der Mensch, auf der er fällt. Hass ist wie ein zweischneidiges Schwert.

Wenn man den anderen schneidet, schneidet man sich selbst. Und je brutaler man auf den anderen einhaut, desto brutaler haut man auf sich selbst ein. Hass kann oft tödlich sein, aber es ist nicht so leicht, sich davon zu befreien. Seien Sie (…) vorsichtig. Hass ist sehr gefährlich. Nichts auf der Welt ist so schwer auszumerzen, wenn er erst einmal im Herzen Wurzel gefasst hat.“

Haruki Murakami, Mister Aufziehvogel

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Glauben braucht Veränderung. Die Sozialarbeiterin Madeleine Delbrel hat das so ausgedrückt:

„Der Glaube ist wie eine ‚Arme Frau‘. Jedes Volk, jede Kultur und jedes Zeitalter schenken ihr ein Kleidungsstück.
Wenn die Zeiten sich wandeln, ist ihr Gewand abgetragen. Sie muss neue Kleider bekommen, wenn sie sich nicht verstecken will. Aber ein Kleid ist ein Kleid (…); wenn das Kleid gewechselt wird, bleibt sie selbst unverändert.

So ist es auch mit dem Glauben. (…). Es liegt in unserer Verantwortung, einen neuen Einklang zwischen den Menschen und dem Glauben zu suchen und zu finden und dabei auch zu riskieren, vor den anderen wie vor uns selbst wie ein Sonderling dazustehen.

Die Christen und Christinnen brauchen nicht nur einen neuen und verjüngten Glauben: Sie müssen diesen neuen und verjüngten Glauben auch leben (…).“

Ulrike Voigt (Hg.), Du rührst die Saiten meiner Seele

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Der März hat angefangen! Lange kann es nicht mehr bis zum Frühjahrsbeginn dauern. Gerhard Heilmann wünscht uns die richtige Portion Durchhaltevermögen. Er sagt:

„Ich wünsche dir den Optimismus des Löwenzahns,
der auch dort noch Landeplätze findet,
wo andere sich kopfschüttelnd abwenden.

Mit sanftem Draufgängermut nutzt er jede Gelegenheit neues Land zu erobern,
wo er sein Leben entfalten kann.
Lass dich nicht begrenzen
von deinen kleinmütigen Gedanken und der Angst vor dem Ungewissen.
Hab Mut und sei voller Zuversicht!“

Gerhard Heilmann, „Wenn ich euch nicht hätte“

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Die Bloggerin Susanne Niemeyer stellt uns eine einfache Frage:

Was willst du hinterlassen auf dieser Welt (…)?
Ein gut gefülltes Bankkonto oder eine aufgeräumte Küchenschublade?
Willst du eine Handvoll Kinder dein eigen nennen oder ein Herz voll Glück, das aufhört zu schlagen, aber Wärme hinterlässt für zehn Winter (…)?
Willst du ein Haus bauen, eine Decke häkeln oder einfach Erde werden, auf der das Gras wächst?
Was tust du, damit du bist, wer du gewesen sein willst, wenn du nicht mehr da bist?

Susanne Niemeyer, Damit wir klug werden. 100 Experimente mit Gott.

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Ich kann mich für Freude entscheiden.  Der Priester Henri Nouwen hat erzählt, was das für ihn bedeutet:

„Heute Morgen habe ich mich beim Aufwachen bedrückt gefühlt, ohne einen Grund dafür finden zu können. Das Leben kam mir einfach leer, vergeblich, mühsam vor. Ich spürte, wie düstere Geister über mich kamen.

Aber ich habe erkannt, dass diese Laune mich täuschen wollte. Das Leben ist nicht sinnlos. Gott hat das Leben als einen Ausdruck der Liebe erschaffen. Das zu wissen, war mir schon eine Hilfe, selbst wenn ich es nicht nachvollziehen konnte.

Auf dem Boden dieser Erkenntnis konnte ich wieder die Freude wählen. Diese Entscheidung bedeutet einfach, dass man wahrhaftig handelt. Die bedrückte Stimmung ist noch da.

Ich kann sie nicht einfach mit Gewalt aus dem Herzen verbannen. Aber ich kann sie wenigstens als Täuschung entlarven und so daran hindern, Grundlage meines Handelns zu werden. Ich bin zur Freude berufen. Es ist für mich sehr tröstlich zu wissen, dass ich die Freude wählen kann.“

Henri J.M. Nouwen, Nachts bricht der Tag an. Tagebuch eines geistlichen Lebens

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Gerechtigkeit hat viel mit Freiheit zu tun. Die Theologin Dorothee Sölle erzählt, was es für sie bedeutet, sich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen:

„Ich möchte anders leben, als ich jetzt lebe. Ich möchte, wenn ich Bananen kaufe, nicht irgendwelche Menschen in anderen Ländern betrügen. Ich möchte sie nicht um ihren Arbeitslohn betrügen. Ich möchte, wenn ich Kaffee trinke, nicht stehlen. (…) Ich will nicht, dass der Hunger immer weiter geht.

Ich will nicht in einem System leben, das sich in den letzten 30 Jahren als unfähig erwiesen hat, den Hunger zu bekämpfen und sich stattdessen bewaffnet, bewaffnet, bewaffnet hat. Ich bin nicht frei, solange ich in diesen Verhältnissen lebe.

Man versteht die sozialen Bewegungen in unserer Welt, die Bewegung für mehr Gerechtigkeit, für mehr Frieden und für die Erhaltung der Schöpfung, nur, wenn man sie als eine Sehnsucht nach mehr Freiheit versteht.“

Han Jacquemar (Hg), Lernen am Mantel Gottes mitzustricken. Vaduzer Predigten. Edition

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Die Welt scheint aus den Fugen. Zum Verzweifeln besteht trotzdem kein Anlass. Das hat schon der Maler Vincent van Gogh gewusst. Er hat gesagt:

„Manchmal, wenn es im Winter so bitterkalt ist, denkt man: Es ist einfach zu kalt, es wird sowieso nicht wieder Sommer. Das Böse geht bei weitem über das Gute hinaus. Aber mit oder ohne unsere Erlaubnis hat der bittere Frost irgendwann ein Ende, und eines Morgens hat der Wind sich gedreht und es taut.

Wenn man den Zustand des Wetters, das Veränderungen und Vielfalt unterliegt, vergleicht mit dem Zustand unseres Denkens und unserer Lebensumstände, habe ich immer noch eine Hoffnung auf eine Wendung zum Gutem.“

Basisgemeinschaft Brot und Rosen (Hg.), Friedenstiften – jeden Tag. 365 Gedanken und Anstöße

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